Teure Hilfe
14.08.2007 | 10:19 Uhr 2007-08-14T10:19:08+0200Über den Verein "Die Helfenden" bot Friedhelm K. behinderten Migranten praktische Dienste an.Doch nun ermittelt die Polizei wegen Betruges - und das nicht zum ersten Mal
Duisburg. Der Name klingt viel versprechend und engagiert: "Die Helfenden". Einmal im Monat bot der Verein lange Zeit eine Sprechstunde im Duisburger Stadtteil Untermeiderich in den Räumen der Evangelischen Kirchengemeinde an. Vor allem Migranten-Familien, in denen Behinderte leben, konnten sich dort an Friedhelm K. wenden. Er versprach ihnen etwa, beim Umgang mit Behörden zu helfen. Dass er selbst im Rollstuhl saß, schuf schnell Vertrauen. Seit einigen Wochen gibt es keine Sprechstunden mehr, denn die Polizei ermittelt gegen Friedhelm K. aus Rees.
Der Vorwurf: Grundstücks- und Baubetrug. Er soll mehrere tausend Euro von Sunay Kayan, Vater eines behinderten Jungen, erhalten haben, um bei einem Hauskauf zu helfen, aus dem am Ende aber nichts wurde. Der Vater zeigte ihn an und löste die Ermittlungen aus.
Friedhelm K. ist bei der Justiz kein Unbekannter: Vor einem Jahr verurteilte das Landgericht Kleve den damals 52-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Der Richter fand in seiner Urteilsbegründung harte Worte für den Angeklagten. Er sei kein "Retter der Menschheit", vielmehr müsse die Gesellschaft vor ihm gewarnt werden, war in der dortigen Zeitung zu lesen. Das Gericht war überzeugt, dass der Rollstuhlfahrer in fünf Fällen Untreue und in einem Fall Betrug begangen hatte. Unter dem Deckmantel des Vereins "Die Helfenden" habe er sich seine Opfer gesucht.
Dass Friedhelm K. bis vor kurzer Zeit auch in Duisburg agierte, liegt vermutlich daran, dass er von dort stammt. Warum er seine Haftstrafe nie angetreten hat, erklärt der Sprecher des Landgerichts Kleve, Jürgen Ruby: "Ein Teil des Urteils ist vom Oberlandesgericht aufgehoben worden. Die Strafe wurde daraufhin reduziert auf zwei Jahre und zur Bewährung ausgesetzt."
Dr. Ruth Koßmann, Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde in Untermeiderich, ist immer noch schockiert: "Nachdem die Vorwürfe laut wurden, haben wir die Sprechstunden eingestellt." Die Gemeinde habe dem Verein die Räume "im Vertrauen auf eine soziale Einrichtung" kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie habe den im Rollstuhl sitzenden Mann mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er auch derjenige sein soll, gegen den das Landgericht in Kleve vor einem Jahr geurteilt hatte. "Mir gegenüber hat er behauptet, das sei jemand anderes gewesen." Außerdem habe er gesagt, dass das Urteil in der nächsten Instanz aufgehoben worden sei.
Auch Sunay Kayan aus Meiderich hatte anfangs großes Vertrauen in den Verein. Doch nach den Erfahrungen, die der Familienvater mit Friedhelm K. gemacht hat, möchte er mit den "Helfenden" nichts mehr zu tun haben, sein Geld wiederbekommen und andere warnen. Geködert habe er ihn mit der Aussicht auf ein zu 80% zinsloses Baudarlehen. Wer von Friedhelm K. Hilfe haben wollte, musste nach seinen Angaben erst einmal Vereinsmitglied werden: "30 Euro kostete das. Und wer zur Beratung kam, musste jeweils noch einmal drei Euro zahlen." Ihm gegenüber habe Friedhelm K. sich als Jurist ausgegeben, der wisse, wie man an die notwendigen Informationen herankomme, die man für den Hauserwerb benötige. In den Akten des Landgerichts Kleve ist Friedhelm K. allerdings als "gelernter Maschinenbautechniker" geführt. Im Vereinsregister des Emmericher Amtsgerichts taucht Friedhelm K. als Kassenwart des Vereins "Die Helfenden" auf. Der in dem Register genannte Schriftführer Ilker K. hat nach eigenen Angaben bereits vor zwei Jahren die Mitgliedschaft gekündigt, "weil ich gemerkt habe, dass da wohl krumme Sachen laufen". Er selbst sei auf Friedhelm K. gestoßen, weil er sich Hilfe bei der Gründung eines Vereins versprach. "Er hat dafür 3000 Euro bekommen." Das Geld sahen die Vereinsgründer in spe nie wieder. In seiner Zeit als Schriftführer habe es immer wieder Beschwerden über Friedhelm K. gegeben. Immer sei es um Geld und nicht erbrachte Leistungen gegangen.
Auch Ali G. fühlt sich von den "Helfenden" betrogen: Friedhelm K. habe ihn überredet, ein Auto zu kaufen und es behindertengerecht umbauen zu lassen, damit die schwerbehinderte Tochter mit dem Rollstuhl besser transportiert werden könne. Er würde dafür Zuschüsse vom Staat bekommen. Er kaufte ein Auto für 25 000 Mark und nahm weitere 25 000 Mark als Kredit auf, um das Fahrzeug umbauen zu lassen. "Das Geld wurde direkt auf das Konto des Vereins überwiesen", sagt er. Nach sechs Wochen bekam er den umgebauten Wagen, doch mit vielen technischen Mängeln. Bis heute habe er keinerlei Unterlagen über den Umbau. "Wenn ich dabei war, telefonierte Herr K. immer mit der Firma und beschwerte sich." Heute glaubt er, dass die Gespräche alle fingiert waren.
Friedhelm K. erklärt zu den Vorwürfen lediglich: "Wir warten ab, was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben und werden uns dann dazu äußern." Der ausgeschiedene ehemalige Schriftführer des Vereins sprach gegenüber der WAZ von rund 300 Familien, die Mitglieder des Vereins sind, zumeist Migranten. Friedhelm K. habe jeden Blick in die Bücher verweigert.
Beim Landgericht Kleve sind weitere Verfahren gegen Friedhelm K. anhängig. Darunter auch eines, so war zu erfahren, in dem geklärt werden soll, ob er überhaupt querschnittsgelähmt ist oder nicht."Er hat behauptet, das sei jemand anderes gewesen""Das Geld wurde auf das Konto des Vereins überwiesen"
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