Streik der Lokführer sorgt für Frust bei Pendlern
10.03.2011 | 11:06 Uhr 2011-03-10T11:06:00+0100Essen.In NRW hat der Lokführestreik für Behinderungen im Berufsverkehr gesorgt. Besonders betroffen waren Köln und Düsseldorf. Die Lokführer schließen schon jetzt weitere Streiks nicht aus. Die Pendler sind genervt.
Die in der Nacht zum Donnerstag angelaufenen Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben auch in Nordrhein-Westfalen zu Behinderungen geführt. Ein Sprecher der Deutschen Bahn AG sagt in Düsseldorf, am Morgen sei vor allem der Zugverkehr im Bereich Köln betroffen gewesen. Hier sei es zu Verspätungen und Zugausfällen insbesondere im Nahverkehr gekommen, wo auf einigen Linien fast jede zweite Verbindung ausfiel. Auch auf dem Hauptbahnhof in Düsseldorf mussten sich die Reisenden in Geduld üben, dort wurde ebenfalls etwa jede zweite Verbindung gestrichen.
Die Chronik des Lokführerstreiks
Laut einem Bahnsprecher war der Zugverkehr im Ruhrgebiet von den Streikmaßnahmen zunächst nicht so stark betroffen wie das Rheinland. Auch aus dem Münsterland seien der Deutschen Bahn kaum Probleme gemeldet worden, heißt es.
Im Fernverkehr kam es zu vereinzelten Ausfällen und Verspätungen. Zudem gab es Streiks im Güterverkehr. So wurde im Bereich des Güterbahnhofs Gremberg in Köln die Arbeit niedergelegt. Nach Angaben der Deutschen Bahn waren bundesweit zunächst 240 Güterzüge betroffen. Die Versorgung von Kraftwerken, Hochöfen und weiteren Industriebetrieben sei „dennoch gewährleistet“.
Fahrgäste sind oft genervt
Viele Fahrgäste sind genervt. „Ich finde das auf gut Deutsch gesagt beschissen“, sagt Thomas Langstien, der wegen eines Trauerfalls nach Bielefeld unterwegs war. „Falls die Züge wie angekündigt ab 10 Uhr wieder fahren, schaffe ich es noch bis 13 zur Beerdigung“, hofft er. Erfahrungsgemäß führe ein Ausstand bei der Bahn am Morgen aber zu Verspätungen und Ausfällen über den ganzen Tag.
Katrin Rudolph will am Morgen von Duisburg nach Berlin. Die 46-Jährige hatte ihren Sohn im niederrheinischen Emmerich besucht. Am Morgen hat sie ihr Junior vorsichtshalber mit dem Auto nach Duisburg gefahren. Eine gute Stunde lang. „Das war mir zu riskant, da in Emmerich auf den Regionalexpress hierhin zu warten“, erklärt Katrin Rudolph. „Zumal man ja von der Bahn unzureichend informiert wird. Und wenn überhaupt, dann viel zu spät.“ Es ärgert sie, dass die GDL den Arbeitskampf „nun doch auf dem Rücken der Fahrgäste austrägt. Ihr Eindruck: Die kleine Gewerkschaft wolle sich öffentlich profilieren. Ob sie am Vormittag in den ICE Richtung Hauptstadt einsteigen kann, hat sie auch eine knappe Stunde vor der planmäßigen Abfahrt noch nicht in Erfahrung bringen können.
200 Lokführer streikten am Morgen
Nach Angaben des GDL-Bezirksvorsitzenden in NRW, Frank Schmidt, streikten am Morgen in NRW rund 120 Lokführer im Personen- und rund 80 im Güterverkehr. Betroffen seien vor allem die Bahnhöfe in Köln, Düsseldorf, Essen und Dortmund, weil dort viele Tarifkräfte arbeiteten. Etliche Züge seien gar nicht erst aus ihren Depots gefahren, sagte Schmidt. Er bewertete die Resonanz auf den Streikaufruf als gut. Im laufenden Tarifkonflikt ist es bereits die vierte Streikaktion der GDL.
Hintergrund der Streiks ist die Forderung der GDL, für alle 26.000 Lokführer in Deutschland ein einheitliches Lohnniveau und Beschäftigungsbedingungen zu erreichen, die dem Standard der Deutschen Bahn entsprechen. Das Ergebnis will sie in einem sogenannten Bundesrahmen-Lokomotivführertarifvertrag festschreiben. Mit Material aus den Redaktionen und dapd.
18:28
Die Lokführer streiken zum Beispiel auch dafür, dass alle Lokführer eine anständige Ausbildung bekommen... und nicht nur am Fahrsimulator
Ich möchte als Fahrgast nicht das Versuchskaninchen eines Lokführers sein, der noch grün hinter den Ohren ist.
16:10
Bevor sich die Bahn und ihre Angestellten zu einem modernen, serviceorientierten Dienstleister entwickelt hat, wird das Beamen erfunden sein....
15:35
Hier geht es nur um Machtpoker einer Gewerkschaft gegen die andere. Warum wird denn sonst eine Schlichtung seitens der GDL schlichweg verweigert? Warum wird der Güterverkehr der DB bestreikt wenn die privaten Anbieter des Nahverkehrs nachgeben sollen? Immerhin ist die GDL so ehrlich und versucht gar nicht erst zu erklären was gar nicht zu erklären ist
Es lebe das Ego von Weselsky.
14:52
Dieser Streik ist wegen der Rücksichtslosigkeiten (von beiden Seiten) nicht mehr zu vertreten.
Auch wieder ein gutes Beispiel wie toll die Privatisierung der Bahn funktioniert.
14:29
Auch ich habe mir heute trotz vorherigem Anruf bei der Bahn satte 40 Minuten den lausigen Wind auf dem Bahnsteig um die Ohren pfeifen lassen...und in dieser Zeit fuhren 2 ICE´s bzw IC´s Richtung Dortmund, ohne die Pendler mal ausnahmsweise mitzunehmen...toller Service !!!
14:26
@volantis
Haben Sie schon mal etwas von einem Flächentarifvertrag gehört?
Warscheinlich nicht, denn sonst wüssten Sie worum es geht.
13:59
nr7 ja völlig wir leben in einer freien Marktwirtschaft. Deshalb können die Lokführer ja auch für mehr Gehalt streiken. Alles andere wäre doch Kommunismus pur.
Ihrer sehr treffende Analyse des unternehmerischen Wettbewerbs ist doch auch ein Grund mit für den Streik. Die Lokführer wissen, das die Dumpinglöhne von heute bei den Privaten morgen die Regellöhne von Ihnen selbst sind.
Aber wer eine Partei wählt, die keine flächendeckenden Mindestlöhne will, obwohl in Osteuropa alle schon auf gepackten Koffern sitzen, sind wohl sehr leidensfähig.
13:14
Alle Lokführer sollen den gleichen Lohn bekommen. Das wäre ungefähr so, als wenn alle Brummifahrer den gleichen Lohn fordern würden oder alle Busfahrer oder alle Piloten usw.
Mit anderen Worten, die Forderungen der GDL sind in meinen Augen unrealistisch. Auch und gerade vor dem Hintergrund, dass der Konkurrenzkampf auf den Schienen über den Preis stattfindet . Der billigste Anbieter einer Transportleistung bekommt den Zuschlag, freie Marktwirtschaft eben.
Ein Eisenbahnunternehmen kann also nur mitmischen, wenn es seine Leistungen möglichst kostengünstig anbietet, was wiederum bedeutet, dass die Mitarbeiter dieses Unternehmens unter Umständen weniger verdienen als bei der Konkurrenz. Wie überall sonst in der freien Wirtschaft auch(siehe oben). Niemand wird dazu gezwungen seine Arbeitskraft für, seiner Meinung nach, einen zu geringen Lohn anzubieten. Jeder muss sich z.Zt. darüber im Klaren sein, dass es im Sinne der freien Markwirtschaft , ein Überangebot an Arbeitskräften gibt, mit all seinen nachteiligen Folgen für den Betroffenen, aber letztendlich auch für die Gesellschaft.
Aber zurück zum Streik. Ob nun die „Gleichschaltung“ aller Eisenbahntransportunternehmen in unserer Republik, zumindest die Löhne deren Lokführer, nicht ein Schuss ist, der nach hinten losgeht, diese Frage stellt sich?!
13:07
Ich bin inzwischen auch etwas entspannter.
Nach meinem Umzug habe ich eine Bus-Alternative.
So strande ich nicht, sondern fahre 40Min. Bus, statt 4-5 Minuten Bahn.
Das ärgerliche ist doch diese Arroganz.
Die GDL bemüht sich ja nicht mal um Erklärungen oder irgendeine Art von Öffentlichkeitsarbeit.
Das einzige, was ich mitbekommen habe, von der DB werden 5% mehr Gehalt gefordert, die DB bietet 2,5%
2007 forderte die GDL 31%(!!) mehr Lohn.
Das Angebot der DB 13% mehr Lohn.
Für mich klingt das Verhandlungsbereit.
Außerdem:
Berufsanfänger im Führerstand einer Lok bekamen 2007 schon 18,01€/Stunde.
Ein Facharbeiter im produzierenden Gewerbe 17,07€/Stunde.
Also nach Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich, in den letzten drei Jahren, sind jetzt strittige 2,5% Auslöser für Streiks?
Was die Löhne der privaten Konkurrenz betrifft.
So kann man dafür ja nun nicht die DB in die Pflicht nehmen.
Für mich ist das eine Frage der Verhältnismäßigkeit.
Oder habe ich falsche Fakten?
12:32
#4
Oh doch, sie haben eine andere Wahl. Die GDL soll den güterverkehr bestreiken, das tut der Bahn richtig weh. Die Berufspendler haben ihr Ticket bereits bezahlt und haben keine Chance ihr Geld zurück zu bekommen, wegen höherer Gewalt.
Die sollen die Pendler da raus halten .