Staatsanwalt ermittelt gegen Bonner Ex-OB Dieckmann
06.12.2009 | 08:39 Uhr 2009-12-06T08:39:00+0100
Bonn. In der Affäre um die ausufernden Kosten beim Bau des neuen Kongresszentrums in Bonn ist nun auch die frühere Oberbürgermeisterin ins Visier der Ermittler geraten. Der Vorwurf: Dieckmann habe bewusst Verträge mit einem koreanischen Investor abgeschlossen, die zu Lasten der Stadt gingen.
Im Zusammenhang mit dem Bau des Kongresszentrums World Conference Center Bonn (WCCB) ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt auch gegen die frühere Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD). Dies bestätigte Dieckmanns Anwalt. Dazu wird auch gegen zwei ehemalige städtische WCCB-Projektleiter ermittelt, wie ein Behördensprecher am Samstag mitteilte. Es bestehe der Anfangsverdacht der Untreue in einem besonders schweren Fall.
Planungs-Fehler in Millionenhöhe?
Nach Informationen des WDR werden Dieckmann und den beiden städtischen Beamten vorgeworfen, sie hätten im Zusammenhang mit dem Bauprojekt Verträge im Millionenumfang zulasten der Stadt abgeschlossen, obwohl sie von den finanziellen Schräglage des koreanischen Investors gewusst hätten. Die bereits seit längerem laufenden Ermittlungen gegen leitende Mitarbeiter des Investors dauerten an. Dieckmann war bei der Kommunalwahl in diesem Jahr nicht wieder angetreten.
Zum World Conference Center Bonn gehören bislang der ehemalige Plenarsaal des Deutschen Bundestages sowie das historische Wasserwerk, in dem ebenfalls der Bundestag getagt hat. Im Mittelpunkt der Affäre stehen die Kosten für ein Konferenz-Gebäude, der vor allem den in Bonn angesiedelten UN-Organisationen dienen sollte. Bei der Vertragsunterzeichnung für das Bauvorhaben hatte Dieckmann im März 2006 vom «wichtigsten Zukunftsprojekt Bonns in den nächsten Jahren» gesprochen.
Das amerikanische Unternehmen SMI Hyundai hatte im Jahr 2005 den Zuschlag für den Bau erhalten. Im November 2006 begannen die Bauarbeiten, die ursprünglich Ende 2009 fertiggestellt werden sollten. Im Februar 2009 wurde bekannt, dass die Kosten des Projekts von ursprünglich 140 Millionen Euro auf 200 Millionen Euro gestiegen waren. Die zusätzlich erforderlichen 60 Millionen Euro konnten vom Investor nicht aufgebracht werden. (ddp)
0mitdiskutieren