WIM 2010
Spezialballon für Behinderte
03.09.2010 | 12:04 Uhr 2010-09-03T12:04:00+0200
Warstein. Die Warsteiner Montgolfiade ist Europas größtes Ballonfestival. Mit am Start ist auch ein behindertengerechter Ballon. Einmal im Ballon über den Wolken schweben. Das Gefühl der grenzlosen Freiheit sollten auch die durch gesundheitliche Schicksalsschläge benachteiligten Menschen erleben, hat sich Rainer Keitel einst geschworen.
Vor 15 Jahren realisierte der Berufspilot seine Idee, einen behindertengerechten Ballon an den Start zu bringen. „Ich erhielt immer mehr Anfragen von gehbehinderten Menschen, die auch einmal Ballonfahren wollten“, schildert Keitel, warum er damals auf die außergewöhnliche Idee kam. „Solche Menschen müssen auch eine Chance kriegen, in den Himmel aufzusteigen“, wurde ihm klar.
Konstruktion mit Bank und Tür
Nur leicht umzusetzen war der Plan zu jener Zeit in Deutschland nicht. Für Rollstühle im Ballonkorb gab es weder Platz noch eine Genehmigung. Die Alternative sei ein Modell mit fester Sitzbank und Türen gewesen. Das erste Fabrikat dieser Art erwarb der pfiffige Luftsportmanager aus Baden-Baden vom französischen Markt.
Viele behinderte Bürger machten Keitel und seine Crew in der Sonderform anschließend glücklich. „Die wollten alle unbedingt Ballon fahren, egal mit welchem Risiko. Für die meisten ist es das letzte Highlight in ihrem Leben. Keiner hat mehr etwas zu verlieren“, beschreibt Rainer Keitel seine unter die Haut gegangenen Erfahrungen. Das extremste Erlebnis: „Eine Frau im Ballon hatte die Glasknochen-Krankheit.“ Auch sie brachte der routinierte Pilot wieder sicher auf festen Boden.
Behindertengerechte Ausstattung
Heutzutage kein Problem, denn die Sitze sind durch ein Drehventil so konstruiert, dass die gehandicapten Passagiere immer mit dem Rücken zur Landeseite beim Aufsetzen des Korbs lanciert werden. Mittlerweile besitzt Keitel auch ein deutsches Produkt mit besonderer Ausstattung und TÜV-Zulassung in seiner behindergerechten Flotte. Die neue Hülle für den Ballon hat die Warsteiner Brauerei ihm gesponsort. In einer Woche, am Samstag, 11. September, wird das edle Stück Stoff im Rahmen der 20. Montgolfiade auf dem Gelände am Hillenberg getauft.
Am zweiten Wochenende des Ballon-Events bietet Rainer Keitel wieder limitierte Fahrten für behinderte Personen in Warstein an. Drei seiner besten Piloten übernehmen die Regie, weil er selbst für zehn Ballon-Tourtage nach Australien gereist ist. Die Kollegen werden bei der Internationale Montgolfiade (WIM) gebrieft. Enormer Aufwand steckt hinter dem Projekt mit sozialem Aspekt.
Der Spezialkorb ist doppelt so teuer wie ein normaler (8000 statt 4000 Euro.). „Außerdem“, sagt Unternehmenschef Keitel, „brauchen wir mehr Crew-Mitglieder als sonst und doppelt so viele Verfolger am Boden. Das ist eben für uns eine ganz besondere Geschichte. Sie wissen ja nie, was für Menschen an Bord auf sie zukommen.“
Sicherheit steht an erster Stelle
Sicherheit steht dabei immer an erster Stelle. Das Exemplar von Rainer Keitel hat eine Tür zum Aufklappen. Auf diesem Weg können körperlich beeinträchtigte Menschen vor dem Start ebenerdig in den Korb gehoben werden. Zwei Spezialsitze mit Anschnallgurten ermöglichen zwei gehandicapten sowie zwei Begleitpassagieren eine sorglose Fahrt. Wer nicht über den Korb blicken kann, schaut sich durch eingearbeitete Fenster die Welt von oben an.
Der kostspielige Service lohnt sich. „Die glänzenden Augen, die die Menschen beim Aufstieg in den Himmel haben, entschädigen jeden Aufwand“, versichert Keitel. So wird sich bei der am Freitag beginnenden 20. Montgolfiade wieder manch großer Traum eines behinderten Passagiers erfüllen.
DerWesten verlost Freifahrt
Rainer Keitels Piloten starten vom 10. bis 12. September morgens ab 6 Uhr und abends ab 17 Uhr vom Gelände der 20. WIM mit dem behindertengerechten Ballonkorb. Eine Fahrt kostet 189 Euro pro Person. Infos über eventuell noch freie Plätze gibt es unter der Telefonnummer 02902/ 881400.
01:05
Mehr-Drama-Baby - oder unter welchem Vorzeichen werden Artikel über sogenannte Behinderte geschrieben?
Allein im ersten Absatz - Schicksal, auch noch dessen Schläge, dadurch benachteiligt - sagen Sie, werter Autor, geht es in Ihrer Beschreibung eigentlich noch um Menschen oder um arme Wauzileins, die man bedauernd-mitleidigt mal ein wenig mitspielen lässt in unserer Gesellschaft, bevor man sie -huschhusch- wieder dahin abSCHIEBT, wohin sie gehören, in die Behindi-Kindi-Parallelwelt nämlich, wo sie ihrem Schicksal entsprechend gepampert und bepflegt werden?
Ich empfehle Ihnen eine Schnellbesohlung in nichtdiskriminierender Sprache. Auch sogenannte Behinderte sind Individuen. Als Menschen wohnt ihnen WÜRDE inne, diese ist unvereinbar mit billigem MITLEID.