SPD strebt gemeinsamen Kandidaten für Sauerland-Nachfolge an
13.02.2012 | 17:58 Uhr 2012-02-13T17:58:30+0100
Duisburg. Nach der Abwahl von Duisburgs OB Adolf Sauerland sind die Diskussionen über einen möglichen Nachfolger entbrannt. Die SPD setzt sich für einen gemeinsamen Kandidaten ein, den möglichst viele Parteien mittragen und will noch in dieser Woche die Stimmung dazu ausloten. Das Parteibuch habe "keine Priorität".
Einen Tag nach der Abwahl von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland zeigt sich unter den Parteien in der Stadt ein Bedürfnis der Harmonie. Binnen sechs Monaten muss ein neuer OB in der Stadt zur Wahl stehen . Doch die Parteien, allen voran die SPD, hoffen, dass man auf einen erneute Wahlkampf verzichten kann, in dem sich die Parteien auf einen einzigen Kandidaten einigen.
"Wir wollen einen gemeinsamen Kandidaten finden", so hatte es Duisburgs SPD-Chef und NRW-Innenminister Ralf Jäger bereits vor dem Bürgerentscheid am Sonntag angekündigt. An diesem Montagabend werden der Unterbezirksvorstand und die Vertreter der 33 SPD-Ortsvereine darüber abstimmen. Kommt es dazu, was man bei der SPD nicht bezweifelt, seien die ersten Gespräche mit den Linken und den Grünen für Mittwoch geplant, sagt Unterbezirks-Geschäftsführer Jörg Lorenz. Auch mit der FDP wolle man sprechen und mit dem Abwahlbündnis "Neuanfang für Duisburg". Um konkrete Köpfe solle es dabei noch nicht gehen, sagt Lorenz: "Wir wollen erst das Anforderungsprofil erörtern".
Idealbild eines Sauerland-Nachfolgers - Josef Krings
Die SPD hat mit der Abwahl Sauerlands spürbar an Selbstbewusstsein gewonnen. "Wir sind die stärkste Kraft im Rat", verweist Lorenz auf das Bündnis der SPD-Fraktion mit Linken und Grünen im Stadtrat. Obwohl man "selbstverständlich einige geeignete Köpfe" in den eigenen Reihen sehe, die den Chefsitz im Duisburger Rathaus einnehmen könnten, sei es laut Lorenz längst nicht gesetzt, dass ein gemeinsamer Kandidat der Parteien tatsächlich ein SPD- oder überhaupt ein Parteibuch haben müsse. Lorenz: "Das wird für die SPD nicht oberste Priorität haben".
"So einen wie Josef Krings bräuchten wir", beschreibt unterdessen SPD-Landtagsmitglied Rainer Bischoff, Chef des DGB am Niederrhein, das Profil eines möglichen Sauerland-Nachfolgers: Der 85-jährige Alt-OB "Jupp" Krings war nach der Loveparade-Katastrophe vom Juli 2010 zur Stimme des Gewissens der Stadt geworden. Er sei nur "leider 30 Jahre zu alt", meint Bischoff nicht ohne zu lachen, sonst hätten sich "wohl alle auf ihn verständigt". Bischoff hat jedenfalls angeregt, "das Spektrum möglicher OB-Kandidaten weit zu öffnen", auch über die Grenzen der Stadt hinaus. Um eine Perspönlichkeit zu finden, die - getreu dem einstigen Wahlkampfmotto von Johannes Rau, "versöhnen statt spalten" kann.
Das Kleinklein der Parteien geht weiter
Bei der CDU ist man "gespannt auf die Vorschläge der SPD", sagt Peter Ibe, Ratsherr und stellvertretender Vorsitzender im Duisburger Kreisvorstand. Er findet, "dass wir jetzt keinen Pastror an der Stadtspitze brauchen" und ist noch immer erzürnt über wüste Beschimpfungen, die er und seine Mitarbeiter in den vergangenen Wochen im Abwahlkampf hatten hinnehmen müssen, was er den Sauerland-Gegnern übel nimmt: Sauerlands Erscheinen im Rathaus am Sonntag sei zu einem Spießrutenlauf ausgeartet, den Ibe als "unterste Schublade" in unguter Erinnerung behalten werde. Angesprochen auf einen Sauerland-Nachfolger sieht aber auch Ibe die Notwendigkeit, "Gräben zuzuschütten" und nicht wieder einen Lager-Kampf zu führen: "Diese Stadt kann in den nächsten sechs Monaten keinen Wahlkampf mehr gebrauchen".
Artikel, Fotos, Videos und ausgewählte Beiträge zur Loveparade in Duisburg und den Folgen – etwa zur Abwahl von Adolf Sauerland als OB und dem politischen Neuanfang in Duisburg – finden Sie auf unseren fünf Spezialseiten.
Bei die SPD sieht man vorerst allerdings "keinen Grund, auch mit der CDU das Gespräch zu suchen", erklärt Unterbezirks-Geschäftsführer Jörg Lorenz. Weil es Ibe gewesen sei, der in Anspielung auf das Bündnis mit Linken und Grünen, erklärt hätte, "mit den Kommunisten dürfe man nicht reden". Dass die CDU einen SPD-OB-Kandidaten unterstützen würde, scheint für Ibe wiederum derzeit in weiter Ferne zu liegen: "Wir brauchen jetzt keinen linken und keine rechten Kandidaten, der die Stadt weiter spaltet".
Gesucht: Eine "moralisch integre Persönlichkeit, die eine Verwaltung führen kann"
Einigkeit herrscht über die Parteigrenzen bei den Anforderungen des idealen OB-Nachfolgers: Der oder die Nachfolgerin müsste "eine moralisch integre Persönlichkeit" sein, "eine Verwaltung mit 6000 Mitarbeitern führen können" und "wissen, wie Kommunalpolitik funktioniert" - und: das Parteibuch dürfe nicht entscheidend sein. Ob sich eine solche Person leicht findet, glaubt man unterdessen sogar bei der SPD nicht: Die Stadt steckt in einem Nothaushalt, die Gestaltungsmöglichkeiten des OB seien deshalb eher gering, zudem sei die Verwaltung "nicht in allen Führungsebenen mit 1-A-Leuten besetzt".
Würden sich die großen Parteien tatsächlich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen, wäre das für den Verein "Mehr Demokratie" unterdessen "kein Problem", sagt Sprecher Thorsten Sterk: "Auch bei einem Kandidaten könnten die Wähler ja 'nein' sagen". Und würde das Quorum von 25 Prozent der Wahlberechtigten, mangels Kandidaten-Auswahl, bei der OB-Wahl unterschritten, "muss eben nochmal abgestimmt werden", sagt Sterk.
23:40
#33
demokratischer Akt??
1. Akt : ein Bürgerentscheid wurde erst möglich nachdem die SPD/Grüne Minderheitsregierung mit den Stimmen der SED Nachfolgepartei "Die Linken" die Gemeindeordnung geändert hat, damit Sauerland überhaupt abgewählt werden konnte
2. Akt : das kommunale Wahlrecht wurde so geändert, daß schon 16 jährige wahlberechtigt sind
3. Akt : die Medien in NRW wurden zur stimmungmache gegen Sauerland erfolgreich mit einbezogen wurden
so kann man die Demokratie auch steuern, wie man sie gerne hätte
ich möchte nicht wissen, wie viele Jugendliche gegen Sauerland gestimmt haben, mit dem Gedanken, daß es wegen ihm nie wieder eine LoPa geben wird und sind anschließend nach McFit gegangen um sich für das nächste WDR/Eunslive Evant in Form zu bringen
Ein demokratischer Akt wird nicht deshalb undemokratisch, weil es bei Ihnen Informationsdefizite gibt. Der rot/grüne Koalitionsvertrag im Land wurde lange vor der Loveparade abgeschlossen und beinhaltete die Änderung des Kommunalwahlgesetzes zu Ihren Punkten 1 und 2. Obwohl von der CDU gern missbraucht, aber es handelt sich nicht um eine lex sauerland.
Der Ex-OB hat aus eigener Entscheidung von sich Reden gemacht. Es ist nur konsequent, wenn die Presse dieses aufnimmt, weil das ihre ureigenste Aufgabe ist.
Und last but not least - es ist völlig gleichgültig, aus welchem Grunde wer wen oder was wählt. Sie müssen auch nicht erklären, warum Sie die CDU oder FDP gewählt haben.
16:33
Ich schliesse mich meinem Vorredner an. Sollte es zu diesem Ernstfall kommen dann kommt mir das Grauen. Es wird einen Stillstand geben. Somit steuern wir alten Kringszeiten entgegen.
Bleibt noch zu erwähnen das es ja ein Unding wäre uns eifach einen neuen OB zu präsentieren ohne das die Bürger eine Wahl haben.
Und Herrn Steegeman.....ein OB der seinen Vorgänger durch eine wahre Hetzkampagne hat abwählen lassen.... na das ist mal erst Recht ein Armutszeugniss. Ich sehe die Zukunft für Duisburg nicht rosig.
11:28
zu # 34
Lieber Kommentator, Sie sehen die Bedrohung tatsächlich aufziehen,deshalb vielen Dank für die öffendliche Warnung.
Ich denke und hoffe doch,dass noch viele Duisburger sich an die "Jupp-Zeiten" erinnern,die als die "bleiernen Zeiten " in die Geschichte Duisburgs eingegangen sind.
11:17
Das kann ich nicht nachvollziehen. Sicherlich ist Sauerland in einem demokratischen Prozess abgewählt worden, doch darf man schon der Meinung sein, dass es einige in Duisburg, vorneweg die WAZ Mediengruppe, gegeben hat, die eine Sau nach der anderen durch das Dorf getrieben hat. Wie hasserfüllt die Menschen agiert haben konnte man am Sonntag sehen als Sauerland nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses in das Rathaus kam und er dies nur unter Polizeischutz tun konnte. Der Mob war anscheinend mit der Abwahl nicht zufrieden. Ich empfand dies als unterste Schublade. Wenn es einen Moment in dem ganzen Prozess gegeben hat, an dem ich mich für die Duisburger geschämt habe, dann war es dieser. Es gibt wohl wenig ekelerregenderes als auf jemanden, der schon auf dem Boden liegt, einzutreten.
Ich wundere mich auch, wo denn die Kommentare der Moralapostel bleiben, die so vehement gegen Sauerland waren, wenn jetzt Jäger sein Gesicht vor jede Kamera hält. Der selbe Jäger, der am Tage der LP, so derWesten vor einigen Tagen, durch seinen Besuch im Krisencenter zur kritischen Zeit den Einsatzleiter und dessen Vertreter von der Arbeit abgehalten hat und damit unmittelbare Mitschuld trägt. Der selbe Jäger, der schon zwei Tage nach der LP verkündete, die Polizei habe alles richtig gemacht. Der selbe Jäger, der sich durch ein Gefälligkeitsgutachten bestätigen ließ, dass die Polizei einwandfrei gearbeitet hat und nur zur Verhinderung von Taschendiebstählen und zur Verkehrsregelung anwesend gewesen sei und ansonsten mit der LP ja eigentlich gar nichts zu tun gehabt habe. Wo bleiben hier die vehementen Abwahlrufe? Aber ich vergesse immer wieder, dass Jäger ja das "richtige" Parteibuch hat und damit in Duisburg sakrosankt.
Sie wissen ebenso wie alle Anderen, dass Jäger nicht abgewählt werden kann, weil er nicht demokratisch gewählt, sondern ernannt wurde. Da Sie immer so viel Wert auf Korrektheit legen, sollten Sie selbst korrekt bleiben. Ansonsten wird das Handeln der Polizei von der Justiz wahrscheinlich sehr akribisch geprüft und danach bewertet. Das bleibt abzuwarten. An ihn als OB-Kandidaten nur zu denken, halte ich allerdings für sehr verwegen, aus verschiedenen Gründen.
Dass die Abwähler über das auch von ihnen nicht erwartete deutlich Ergebnis glücklich waren, liegt auf der Hand, und sie dürfen stolz sein und sich freuen. Über den Stil der Freude mag man streiten, meiner wäre es ebenfalls nicht gewesen. Ich gebe jedoch zu bedenken, wie die CDU reagiert hätte, wäre das Ergebnis positiv für sie ausgefallen. Der Ex-OB hat, sekundiert vom Nomadenführer Mahlberg dieses Verhalten provoziert, indem er die BI mit Häme überzogen und mit Schmutz beworfen hat und das - auch für ihn in der Konsequenz - Schlimmste tat, was man jemandem zufügen kann, nämlich ihn nicht ernstzunehmen. Deshalb hält sich mein Mitgefühl in überschaubaren Grenzen.
09:16
Es gibt einen in Duisburg der sich das Vertrauen der Duisburger in den letzten Monaten erkämpft hat und mit seiner Bügerinitiative die Abwahl ermöglichte. Er will zwar nicht den OB Posten, aber alle Parteien sollten versuchen ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Theo Steegmann könnte in Duisburg ein neuer Jupp Krings werden. Viele Duisburger trauen es ihm zu.
05:41
Die Duisburger Bürger haben in einem demokratischen Akt ihren Oberbürgermeister des Amtes enthoben. Jeder Duisburger konnte an dieser Wahl teilnehmen. Das Ergebnis ist eindeutig: Nur ein verschwindend geringer Anteil der Duisburger Bürger hat ihn behalten wollen.
Was nun einige Kommentatoren hier antreibt, von Medien- und sonstiger Hetze, von "Sau durchs Dorf treiben" und mengenweise weiterer polemischer Äußerungen zu schwadronieren, ist nicht nachvollziehbar. Nur eins wird dadurch klar: Diese Leute sind keine Demokraten.
00:52
Peter Ibe, ich finde auch, dass wir "jetzt keinen Pastoor [CDU- Fraktionsgeschäftsführer] an der Stadtspitze brauchen". Haha. Was für ein alberner Kommentar von Ihnen!
23:09
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
22:27
Gehen Sie ins ZEIT-Forum zum Thema Abwahl OB Sauerland.
Da sind Sie mit Ihrer Meinung unter Ihresgleichen.
Sie werden viele Zustimmungsempfehlungen bekommen.
22:22
vor der Katastrophe: alle bejubeln und beweihräuchern sich gegenseitig, jeder will das beste Stück vom großen Kuchen Loveparade für sich beanspruchen. Innenminister Jäger ist vor Ort im VIP Zelt, auch der Sohn von Ministerpräsidentin Karft ist zur Loveparade gekommen
nach der Katastrophe: 21 Tote, mehrere hundert verletzte und ein Schuldiger ist sofort gefunden, A. Sauerland wird sofort für alles verantwortlich gemacht. Innenminister Jäger weist sofort jegliche Verantwortung von sich und seiner Polizei zurück und Ministerpräsidentin Kraft drückt auf die Tränendrüse anderer Mütter, deren Kinder auch auf der Loveparade waren (mehrere 100 000) . Seit dem hat immer noch niemand wirklich die Verantwortung übernommen. Sauerland wird von nun an durchs Dorf getrieben und egal was er gemacht hätte, es wäre in den Augen anderer immer falsch gewesen. Er wurde zur Sau gemacht und von anderen Säuen zum Schlachter geführt und geschlachtet und die anderen Säue sitzen jetzt am Trog und lassen es sich schmecken.
ich bin kein Duisburger und muss sagen, das was jetzt mit Sauerland gemacht wurde wird immer einen bitteren Nachgeschmack haben, wenn ich nur etwas von Duisburg höre