Sonntagabend könnte nächste Gewitter bringen
05.07.2009 | 14:02 Uhr 2009-07-05T14:02:00+0200
Essen. Nach den heftigen Unwettern von Freitagabend hat sich die Wetterlage in NRW in der Nacht am Samstag beruhigt. Die Beseitigung der Unwetterschäden kann nach Angaben der Feuerwehr aber unter Umständen noch Tage andauern. Unterdessen könnte es Sonntagabend erneut Gewitter geben.
Heftige Regenfälle hatten am Freitagabend und in der Nacht weit über tausend Einsätze von Polizei und Feuerwehr verursacht. In einigen Regionen gingen binnen kurzer Zeit 50 bis 100 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Besonders betroffen waren der Großraum Düsseldorf und Teile des Ruhrgebiets. Die Feuerwehr in Essen berichtete von Hagelkörnern «so dick wie Taubeneier». Teilweise seien durch überflutete Keller ganze Straßenzüge ohne Strom gewesen. In Essen-Katernberg lief eine Tiefgarage voll, in der 20 Fahrzeuge abgestellt waren.
Bis Sonntag ruhiges Hochsommerwetter erwartet
Für das Wochenende erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Essen ruhiges Hochsommerwetter, ehe es am Sonntagabend erneut zu starken Regenfällen und Gewittern kommen kann. Allerdings sollen diese Unwetter nicht so heftig wie am Freitag sein. Damit sei der Sommer für NRW vorerst vorbei, erklärte ein DWD-Sprecher. Ab Dienstag werde das Wetter dann unbeständiger und die Temperaturen könnten unter die 20-Grad-Marke rutschen.
Der Betrieb bei der Bahn soll inzwischen wieder weitgehend nach Fahrplan laufen, sagte ein Sprecher am Samstag. Zuletzt sie nur noch ein Oberleitungsschaden auf der Strecke zwischen Gelsenkirchen und Wanne-Eickel zu beheben gewesen. Der Bahnverkehr wurde durch Unterspülungen, Blitzschlag und Äste auf Oberleitungen stark beeinträchtigt. Betroffen waren einem Bahnsprecher zufolge vor allem das Rheinland, Düsseldorf, Duisburg und Essen sowie Gelsenkirchen. Im Raum Krefeld setzten Blitzeinschläge drei Bahnübergänge außer Betrieb.
Die schweren Unwetter hatten vor allem im Westen und Süden Deutschlands mehrere Hundert Einsätze von Polizei und Feuerwehr ausgelöst. In Baden-Württemberg kamen zwei Menschen ums Leben. Der Schwerpunkt der Niederschläge lag im Nordwesten NRWs, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Acht Menschen wurden in NRW verletzt, einer von ihnen durch einen Blitzeinschlag in Düsseldorf. In der Südwestpfalz wurden auf einem Campingplatz bei Hauenstein fünf Jugendliche vom Blitz getroffen und leicht verletzt.
Feuerwehrmann erlitt tödlichen Stromschlag
Im baden-württembergischen Affalterbach starb eine Frau vor ihrem Haus durch Blitzeinschlag in einem Baum, wie die Polizei mitteilte. Unweit entfernt in Korntal-Münchingen erlitt ein Feuerwehrmann einen tödlichen Stromschlag, als er in einem vollgelaufenen Keller eines Wohnhauses eine Wasserpumpe einschaltete. In Ludwigsburg wurde ein unter einem Baukran stehender Arbeiter durch Blitzschlag am Arm verletzt.
Peitschender Regen, schwarzer Himmel, Alarmstufe Rot bei der Unwetterzentrale: Akutwarnung vor Gewittern bedeutet das. Vollgelaufene Keller, umgekippte Bäume, hochgedrückte Kanaldeckel, blockierte Straßen: NRW-weit rückten Polizei und Feuerwehr am Freitagabend über 1000 mal aus. Stark betroffen waren auch die Städte Viersen, Recklinghausen, Krefeld, Gelsenkirchen, Essen, Duisburg und Mülheim. Zwölf Autobahnabschnitte wurden vorübergehend gesperrt, ebenso ganze innerörtliche Straßenabschnitte, die überflutet worden waren.
Ein "normales Sommer-Gewitter"
Was da am Freitag zwischen 18 Uhr und voraussichtlich 21 Uhr über den Niederrhein und das Ruhrgebiet hinwegstürmte, war dennoch ein „normales Gewitter, das haben wir jeden Sommer”, betonte Meteomedia-Wettermann Jürgen Weiß. An seinem Standort in Bochum sah es zum Zeitpunkt dieser Wasserstandsmeldung noch vergleichsweise licht aus. Das Musikfest Bochum Total musste erst nach 19.15 Uhr unterbrochen werden.
Da hatte die Unwetterfront schon rund 350 Feuerwehr- und Polizeieinsätze allein in Recklinghausen verursacht. Auch in Essen und anderen westlichen Städten waren die Einsatzkräfte im Dauereinsatz. „Im Moment ist alles überschwemmt, überall liegen Bäume auf den Straßen, und die Feuerwehr kommt nicht mehr nach”, sagte ein Polizeisprecher in Duisburg kurz nach 19 Uhr. Die Flughäfen Düsseldorf und Weeze machten zeitweise dicht - Start- und Landebahnen waren überflutet. Bahnstrecken waren gestört, Hagelschauer verwüsteten Felder. Zahlreiche Ampeln fielen aus.
Das Festival Bochum Total musste unterbrochen werden. Die Veranstalter riefen die Besucher auf, sich in Parkhäuser zu begeben. Die Leute flüchteten vor den Fluten. Nach einer knappen Stunde konnte das Programm fortgesetzt werden.
Häuser vom Blitz getroffen
In Wesel schlug der Blitz in ein Wohnhaus ein, wobei das Dach und der Kamin beschädigt wurden. Auch wurden die komplette Hauselektrik sowie die Telefonanlage zerstört. Die Höhe des Sachschadens wird auf etwa 20 000 Euro geschätzt. Auch in Xanten schlug der Blitz in ein Wohnhaus ein.
„Autofahren in Duisburg war wie Wasserskifahren”, meldete Leser „Blackfigo” auf DerWesten.de. „Dicker Hagel in Herne”, so „hirst schibukski”: „Dunkel wie die Nacht. Sowas habe ich lange nicht erlebt.” Und „tobi” erschrak: „Weltuntergang in Rüttenscheid”
Auf den Autobahnen 40 und 52 stand der Verkehr, viele Fahrer parkten auf den Standspuren, um abzuwarten. Im Stadtverkehr fielen zahllose Ampeln aus, die Feuerwehren wurden von Notrufen bestürmt; wo die Menschen nicht durchkamen, riefen sie die Polizei um Hilfe.
Im Großraum Düsseldorf habe es zeitweilig «flächendeckend Land unter» gegeben, hieß es am Abend bei der Landesleitstelle der Polizei. Die Autobahn 44 musste gesperrt werden, darunter die Zufahrt zum Flughafen Düsseldorf. Der Tunnel war auch am späten Abend noch wegen Überflutung gesperrt, das Abpumpen des Wasser dauerte in der Nacht an.
In Düsseldorf selbst standen Tiefgaragen bis zu 1,50 Meter unter Wasser. Im Dominikus Krankenhaus wurde der Kellerbereich überflutet, wie die Stadt mitteilte. Die Feuerwehr wurde zu rund 350 Einsätzen gerufen. Beim Blitzeinschlag in ein Haus wurde ein Mann verletzt.
Teilweise fielen die Mobilfunk-Netze aus. Windböen jagten mit Tempo 100 übers Ruhrgebiet, bis zu 70 Liter Wasser gingen in einer Stunde nieder, soviel wie sonst in einem Monat.
Die Front kommt voll rein
„Es ist die abschließende Unwetterzelle der Front, die jetzt voll reinkommt”, erklärte Meteorologe Weiß. Die kalte Luft schiebt sich von hinten unter die schwülwarme Luft und katapultiert sie nach oben. Durch den Aufstieg kondensiert das Wasser und regnet sich ab. Die Front bewegte sich vom Niederrhein (ca. 18 Uhr) Richtung Osten, erstreckte sich von der Eifel bis ins Münsterland und sollte gegen 22 Uhr über das Sauerland kommen, so die Vorhersage.
Bis zu 70 Liter pro Stunde gingen nieder, kann Weiß bestätigen, etwa die Menge, die sonst in einem Monat fällt. Örtlich können es deutlich mehr gewesen sein. Gleiches gilt für die Windgeschwindigkeiten: 70 km/h melden die Messstationen, aber um Bäume auszureißen, wie es bei Wermelskirchen geschehen ist, bedarf es wohl eher Böen von 100 Stundenkilometern.
Am Samstag soll es in der Westhälfte des Landes meist trocken und klar bleiben. Bis zum frühen Morgen sinkt die Temperatur auf 20 bis 14 Grad. Allerdings soll es ab Sonntagmittag wieder gewittern
Unwetter im Süden
Auch im Süden und Süwesten Deutschlands gab es starke Gewitter, Hagelschauer und wolkenbruchartige Regengüsse. Dabei fielen verbreitet Regenmengen von 29 Liter pro Quadratmeter, vereinzelt sogar 46 Liter in Bergzabern (Südpfalz) und 66 Liter in Sigmaringen (Baden-Württemberg).
Straßen wurden überflutet, Keller liefen voll, Bäume stürzten um. In Bayern schlug ein Blitz in ein Stellwerk der Deutschen Bahn ein, so dass der Verkehr auf der Strecke München-Ingolstadt für eine halbe Stunde lahmgelegt war.
Ein Blitzeinschlag im westpfälzischen Hauenstein verletzte fünf Menschen, einen davon schwer. Sie zählten zu einer Gruppe von Erwachsenen und Kindern, die in der Nähe des Schützenhauses zeltete, wie die Polizei mitteilte. Durch das Gewitter sei es im Raum Kaiserslautern außerdem zeitweise zum Ausfall von Ampelanlagen und Telefonverbindungen gekommen. (mit ddp)
00:39
@ #76:
Wenden sie sich an die Polizei. Dort werden gefundene Kennzeichen aufbewahrt.
18:42
@73
Wie, vor 100 Jahren wurde normales Sommerwetter schon journalistisch-populistisch aufbereitet?
...Und sieh, in einem Gartenhause,
zagt bebend dort ein junges Paar,
Da spülts die Flut im Sturmgebrause
Hinweg, das einst so glücklich war...
Moritat von 1834 über ein großes Unwetter.
17:32
Hach, wie gemein. :))
Tante Trudi, heut wird´s nich so schlimm, ährlisch. Wir sind bei Ihnen : ))
17:12
Ach MCP Sie auch hier. Ärger mit der Feuerwehr? Ich dachte Sie seien so gut vorbereitet? :-) Hoffe wir sehen uns heute nicht dienstlich
16:30
Hilfääää!!!! Gleich ist Sonntagabend.....
16:26
mir käme eine abkühlung gerade recht ... ;-))
14:32
@ MCP
Die Feuerwehr dürfte in diesem Fall genug und wichtigere sachen zu tun haben als sich hier und da um vollgelaufene Keller zu kümmern.Die dürften dann erstmal zweitrangig sein,die öffentliche Ordnung geht nun mal vor.
13:43
Wenns wieder so kommt, verlasst euch ja nicht auf die Feuerwehr
13:29
Herne ging gar nichts mehr. Musste leider mit dem Auto unterwegs sein, mein Nummernschild ist dabei flöten, oder besser baden, gegangen.
Rund um den Herner Bahnhof war Chaos.
Wohne natürlich auch noch in Baukau, war sehr klasse hier. Aufn Balkon bekomm ich wieder Sonne, der Baum der im Weg war hat seine Krone verloren. ;)
09:52
Es ist doch immer wieder lustig wie die Leute auf diese Klimageschichten anspringen. Das ist wieder ein weiteres Mittel um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Glaubt ruhig alles was ihr seht und hört. Die Reichen unserer Welt wissen schon wie sie an unser Geld kommen, und wenn nichts mehr zieht dann steht die Welt am Abgrund.............
Ach so, am 6 Dezember kommt der Weihnachtsmann, stellt schon mal die Stiefel raus.