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Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day

06.07.2009 | 12:02 Uhr

Köln. Harte Beats und Kuschelalarm: Unter dem Motto «Unsere Freiheit hat Geschichte - 40 Jahre CSD» erinnerte die Christopher-Street-Day-Parade in diesem Jahr an die Geburtsstunde der homosexuellen Emanzipations- und Bürgerrechtsbewegung. Bei allen Show-Effekten war der CSD politischer als zuvor.

Teilnehmer der Christopher-Street-Day-Parade. Foto: ddp

Laute Trillerpfeifen, bunte Plastikblumen-Girlanden und große Regenbogenfahnen bestimmten am Sonntagnachmittag das Kölner Stadtbild. Unter dem Motto «Unsere Freiheit hat Geschichte - 40 Jahre CSD» erinnerte die Christopher-Street-Day-Parade in diesem Jahr an die Geburtsstunde der homosexuellen Emanzipations- und Bürgerrechtsbewegung.

Nach Angaben des Veranstalters, des Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST), nahmen etwa 90 Gruppen, 200 Motorräder und rund 20 000 Teilnehmern an dem Umzug teil. Bei schwülheißen Temperaturen verfolgten rund 500 000 Zuschauer das schillernde und farbenprächtige Spektakel, das im Vergleich zu den Vorjahren über weite Strecke geradezu bieder ablief.

Nachdem es in den Vorjahren Beschwerden über angebliche obszöne Auftritte einzelner Gruppen gegeben hatte, verpflichtete der KLuST die Teilnehmer in einer »freiwilligen Selbstverpflichtung«, auf allzu offensichtliche Provokationen zu verzichten. Das bot viel Freiraum zur Interpretation, vor allem die einschlägige Fetischfraktion wollte auf keckes Busenblitzen und unanständiges Hüftwackeln nicht ganz verzichten.

Flyer und Kondome wurden verteilt

Die Mehrheit der Szeneclubs, Freizeitgruppen und Freunde mitunter sehr spezieller Veranlagungen beschränkten sich darauf, fröhlich und ausgelassen zu harten Discobeats zu feiern, Flyer und Kondome zu verteilen, sowie mit rosa Puscheln zu winken. Wasserpistolen sorgten für Abkühlung, während prächtig aufgebrezelte Dragqueens würdevoll die Paradestrecke entlang flanierten.

Auch das Publikum nutzte die Gelegenheit zur Selbstdarstellung. »Anna liebt Natalie - immer noch« bekannte ein händchenhaltendes Pärchen. Bei Temperaturen um die 30 Grad war im Publikum die gesamte Bandbreite der aktuellen Herrenunterwäsche zu entdecken, auch wurden Infusionsbestecke oder Stacheldraht hier zum selbstverständlichen modischen Accessoire. Manch wohlerzogener »Haussklave« erhielt an Kölns größten schwullesbischen Feiertag Ausgang und wurde latexgewandet von seinem stolzen »Besitzer« durch die Menge geführt. Die japanischen Touristen entlang der Strecke wussten jedenfalls kaum, wohin sie ihre Handykameras zuerst richten sollten.

Der CSD zeigte sich in diesem Jahr sehr politisch.

Der heterosexuelle Teil des Publikums nahm es überwiegend gelassen. Mit dem urkölschen »Jeder Jeck es anders« kommentierte ein Feinripp- und Sandalenträger das weibliche Teenager-Pärchen, das sich zum spontanen Kuscheln in eine Ladenpassage zurückgezogen hat. Und ein älterer Herr erwog zum Erstaunen seiner Gattin, im nächsten Leben als Homosexueller wiedergeboren zu werden: »Du siehst doch, was die für einen Spaß haben« meinte er angesichts der Umzugsteilnehmer.

Politischer als in den Vorjahren

Bei allen Schau-Effekten war der diesjährige CSD in Köln politischer als zuvor. Die in NRW anstehenden drei Wahlen in den kommenden Monaten warfen ihre Schatten voraus. Mit Ralph Sterck (FDP) und Peter Kurth (CDU) sind zwei der drei Kölner Oberbürgermeisterkandidaten bekennend schwul, der gemeinsame Bewerber von SPD und Grüne, Jürgen Roters, ist zwar verheirateter Familienvater, wird aber in der Szene als engagierter Förderer von schwullesbischen Projekten geschätzt. Die »Community" ist wichtiges Klientel für die Kölner Parteien, fühlt sich einer Statistik zufolge jeder zehnte Bewohner der Millionenstadt zum eigenen Geschlecht hingezogen. So wurde auf dem begleitenden CSD-Straßenfest schon kräftig Wahlkampf gemacht. (ddp)

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Kommentare
07.07.2009
10:45
Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day
von rotwang | #52

Für viele Pädophile ist ihr Sexualverhalten nicht normal. Es gibt genügend Beispiele, bei denen sich Pädophile rechtzeitig und von sich aus in Therapie begeben haben, weil sie sich bewusst sind, dass ihre Sexualität eben nicht mit der von Homo- oder Heterosexuellen vergleichbar ist. Insofern denke ich, dass ihre Verallgemeinerung unangebracht ist. Und noch einmal: Auch vielen Schwulen ist durchaus bewusst, dass wir nicht der Norm entsprechen. Unsere Sexualtität ist natürlich, aber nicht normal. Aus dieser Abnormalität allerdings lässt sich kein Argument gegen uns konstruieren, denn wie ich ja bereits sagte: Unsere Gesellschaft ist voll von abnormen Menschen, seien es Behinderte, besonders Kluge oder Arbeitslose. All diese Menschen entsprechen nicht dem aktuellen Normalzustand. Was aber macht das für einen Unterschied?

Nun, wir spielen auch nicht gerne mit Fäkalien. Jedenfalls die meisten von uns nicht. Das ist ein Vorurteil, das auf einem deutlichen Unwissen über die Hygiene von Schwulen basiert. Und was die Zurschaustellung von sexuellen Vorlieben anbelangt: Argumentieren sie in der gleichen Heftigkeit eigentlich auch gegen sich in der Öffentlichkeit küssende Ehepaare? Oder händchenhaltende Eltern mit ihren Kindern? Auch das sind Zurschaustellungen von sexuellen Vorlieben. Wenn Sie also - wie Sie ja behaupten - nichts gegen Schwule haben, dann müssen sie ja orientierungsübergreifend gegen jede Form der Zärtlichkeit argumentieren. Wenn dem so wäre, fände ich das doch sehr traurig..

..ach und: Waren Sie schon einmal bei der Loveparade? Ich schon. Ich kann Ihnen sagen, dass gegen diese heterosexuelle Veranstaltung jeder CSD nahezu keusch daherkommt. Und wenn ich daran denke, wieviele Frauen mir jedes Jahr beim Kölner Karneval ein Bützchen aufzwingen..

Die Aversion gegen Homosexuelle - und das ist ein Fakt - resultiert fast immer aus Unwissen. Alleine ihre Erwähnung des mit Fäkalien spielens ist ein deutliches Zeichen dafür, dass auch ihre Homophobie (und nichts anderes legen sie an den Tag) ihre Ursachen in mangelndem Wissen über uns hat. Sie können das von mir aus gerne bestreiten, aber der Beweis liegt mit ihrem Beitrag ziemlich offen auf dem Tisch. Klar: Vermutlich sind sie nicht dumm und ich will sie auch nicht in diese Ecke stellen, aber sie sollten für sich selbst zugeben, dass sie über uns kaum etwas wissen. Das ist solange nicht schlimm, wie man dieses Unwissen nicht als argumentative Grundlage nutzt. Wer das dann aber dennoch macht - so wie sie - der muss sich durchaus derlei Vorwürfe anhören, denn die sind nicht gerade unberechtigt. Und Nein, mir persönlich geht es dabei nicht darum, dass sie sich vom Saulus zum Paulus wandeln, sondern dass ihre Aversion eine substantielle Grundlage bekommt. Solange wie ihre Abneigung auf Vorurteilen und Unwissen basiert, solange stelle ich ihnen jede ernstzunehmende Basis für eine Ablehnung in Abrede.

Und noch zu einem kleinen Logikfehler in ihrer Denke: Sie können nicht etwas allgemein tolerieren, um es dann im speziellen abzulehnen. Das funktioniert logisch einfach nicht. Wenn Sie nicht Manns genug fühlen Homosexuelle in ihrem Umfeld zu tolieren, so ist das natürlich ihre Sache. Diese Einstellung aber negiert jede Möglichkeit zu einer allgemeinen Toleranz gegenüber Schwulen.

Etymologisch ist schwul - genauso wie das englische gay und queer - nicht von uns erdacht worden, sondern es hat sich als von den Heterosexuellen ausgehendes Pejorativ entwickelt. Wie dies häufig bei Pejorativen der Fall ist, haben sich die Geschmähten dieses Wortes bemächtigt und seine Konnotation von einer beleidigenden hin zu einer zu einer stolzen und selbstbewussten Aussage gewandelt. Das wir uns heute als schwul bezeichnen ist also eigentlich nur dem Umstand geschuldet, dass wir Ihnen die Schimpfwörter wegnehmen wollten.

07.07.2009
10:00
Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day
von TheFan | #51

Nunja, ich habe bereits bei meinem, mittlerweile derwesten-typisch entfernten, Vergleich erwähnt, dass bei Pädophilen die Einvernehmlichkeit fehlt und ich lediglich auf die normalitäts sichtweise hinaus wollte, die sie selbst ja auch vertreten. Für einen pädophilen ist es nunmal normal von Kindern erregt zu werden. So ein Mensch hat nunmal verschobene Wertvorstellungen.

Normal bezieht sich, entweder subjektiv auf einen selber (klar ist für einen Schwulen schwulsein normal), oder eben auf die Mehrheit, das Groß.

Ich persönlich finde es abstoßend und ekelig. Homosexuelle sind keine schlechten Menschen, sie sind nicht böse oder irgendwie schlecht und ich glaube auch nicht, dass schwul sein ansteckend wäre.

Ich finde nur jegliche zurschau stellung von Sexuellen vorlieben unnötig. Wir brauchen auch keine Parade für Leute die gerne mit Fäkalien spielen oder eine Auspeitschparade.
Und mal ganz ehrlich, wer sich derart zur Schau stellt und nach Anerkennung geifert, der sollte schon wissen das da nicht jeder sagt ach wie süss, der kleine.

Und dann kommen da die allerbesten, die auch noch der Meinung sind, wer schwulsein nicht gut findet, wäre dumm und ungebildet.
Man kann sich noch so lange bilden, man wird Männerliebe dadurch nicht irgendwann schön finden. Ebenso, wie ein Linkshänder zwar lernen kann mit rechts zu arbeiten, aber immer ein Linkshänder bleiben wird.

Ich toleriere schwule im allgemeinen, möchte das nur nicht in meinem privaten Umfeld haben. Das ist privatsache und persönliche Meinung.

Also nochmal: Wenn schwul normal sein soll, warum heisst es dann schwul und nicht normal?

06.07.2009
14:53
Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day
von rotwang | #50

Weil das Wort normal hier die ganze Zeit so schön gebraucht wird: Normal ist kein festes Konstrukt, sondern etwas wandelbares und wird immer von der Mehrheit der Gesellschaft definiert. Homosexualität ist - und das sage ich Homosexueller - in dieser heteronormativen Gesellschaft nicht normal. Aber Linkshänder, Hartz4-Empfänger, Behinderte und Hochbegabte sind es auch nicht. Und bedenkt man, wieviele Menschen in Deutschland Übergewicht haben, dann ist das Normalgewicht eigentlich auch nicht mehr das, was es mal war. Normalität ist lediglich nur ein Status quo der jeweiligen Gesellschaft. Das sollte man in den Litaneien gegen Homosexuelle immer bedenken.

Die sexuelle Wahrnehmung Homosexueller ist im Übrigen auch keineswegs verschoben, denn der sexuelle Akt dient zwar auch der Fortpflanzung, aber hat primär soziologische Gründe. Biologisch untermauern lässt sich dies an der Lust der Frau während nicht-empfängnisbereiter Tage und der sexuellen Interaktion nicht-fortpflanzungsfähiger Paare. Und die sexuellen Spielarten der Homosexuellen finden sich - alleine auf Grund der höheren Zahl Heterosexueller - viel häufiger bei nicht-gleichgeschlechtlichen Paaren.

Die subtile Gleichstellung Homosexueller und Pädophiler ist ebenfalls kein valides Argument, da hier der Umstand der Einvernehmlichkeit und geistigen Reife missachtet wird. Macht aber nix, denn offenbar - und ja, hier werde ich persönlich - ist es bei den vielen Agent provocateurs in diesem Kommentarbereich mit der Intelligenz eh so eine Sache. Auch das ist nicht normal, aber wir tolerieren das gerne. Weil sie ja schließlich uch nur Menschen sind..

06.07.2009
14:36
Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day
von Horsie49 | #49

The Fan: und ich bleibe dabei. Solche Meinungen entstehen halt aus Unbildung und Dummheit...

aber sowas kann behoben werden.... natürlich nicht mit der Bild Zeitung....
und dazu bedarf es schon den Willen sich weiterzubilden.
ansonsten bleibt Dumm Dumm... Pillen gibts nicht dagegen....
aber immerhin darfste weiterleben.. is doch auchwas ^^

06.07.2009
13:54
Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day
von Manfred W. | #48

igittigitt!!!!!

06.07.2009
13:51
Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day
von Konservativer1 | #47

Nachtrag: Das hat nichts mit Schwulenhassen zu tun - sondern einfach mit dem Recht der freien Meinungsäußerung, auch wenn sie nicht dem Zeitgeist entspricht.

06.07.2009
13:49
Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day
von Konservativer1 | #46

Es wäre schon toll, wenn die Homosexuellen die Toleranz gegenüber andersdenkende an den Tag legten wie sie es selber fordern.

06.07.2009
13:33
Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day
von willewallo | #45

Nun ja,
wenn man liest, was hier einige abgesondert haben wundert mich die Zensur nicht, immerhin gibt es eindeutige Richtlinien..... Ich wundere mich im Gegenteil darüber, warum die weiteren verbaldurchfallartigen Ausscheidungen vom Pizza-Fuzzie nicht entfernt wurden.

06.07.2009
12:22
Schwule und Lesben feierten den Christopher-Street-Day
von ory64 | #44

Mein lieber Scholli, so was nennt man Meinungsfreiheit imWesten: 24 von 42 Kommentaren gelöscht! Wer so was mitbekommt, wird im Leben nicht die Printausgabe abonnieren.

06.07.2009
11:07
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #43

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