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Wintereinbruch

Schneegestöber hat Autofahrer und Winterdienst kalt erwischt

14.01.2013 | 18:14 Uhr
Lange Staus im Ruhrgebiet, wie hier auf der A 3 vor dem Kreuz Oberhausen.Foto: Ulla Emig

Ruhrgebiet.   400 Kilometer Stau in den Morgenstunden und etliche Blechschäden: Der Schnee fiel am Montag weit heftiger, als vorhergesagt. Die Autofahrer reagierten nach sechs schneefreien Wochen, als sei es der erste. Landesleitstelle der Polizei: „keine besondere Lage“.

Was ein wenig Schnee doch anrichten kann! „Stockender Verkehr von Bochum bis Mülheim“ oder „von Kerken bis Essen“ sind absolut rekordverdächtige Verkehrsnachrichten, Kerken ist schließlich fast schon Holland; und auch zwei Stunden Fahrzeit von Dortmund nach Gelsenkirchen oder reichlich drei für die Strecke Dinslaken-Essen sorgen am Montagmorgen für schlechte Laune.

Kein Wunder, bei Durchschnittstempo 18. Und so, oder ganz ähnlich, geht es Zehntausenden: Denn bis zu zehn Zentimeter Schnee fallen pünktlich in den Berufsverkehr und bremsen ihn aus. Kalt erwischt!

Schnee überrascht NRW

50 Staus mit insgesamt 400 Kilometern Länge meldet das WDR-Verkehrsstudio. Dreimal so lang wie sonst an einem Montagmorgen, und es geschehen auch dreimal so viele Unfälle. Blechern vor allem. Erst am späten Vormittag sollten sich die Schlangen auf 130 Kilometer reduziert haben. Besonders schlimm ist es zuvor auf der A  45 zwischen Lüdenscheid und Westhofener Kreuz, auf der A 44 zwischen Soest und Dortmund und, nicht zuletzt, auf der A 40... Aber die hatten wir ja schon.

Zwei Stunden nach dem Räumen ist die Schneedecke wieder da

„Da hat es offenbar so geschneit, dass zwei Stunden nach dem ersten Räumen wieder eine dichte Schneedecke lag“, sagt Bernd Löchter von „Straßen NRW“. Deren Autobahnmeistereien hatten schon am Vorabend ihre Streufahrzeuge auf die Straßen geschickt. Vorsorglich. Dass dann statt der angekündigten zwei bis drei Zentimeter im Ruhrgebiet an vielen Orten gleich zehn fallen, überrascht alle.

Winter

Das ist ein Grund für den Stillstand. Der andere: Der erste Schnee ist zu lange her. „Anfang Dezember waren die Autofahrer an Schnee gewöhnt , aber jetzt waren sie wieder entwöhnt“, sagt Oliver Struckmeier, Leiter vom Dienst der Landesleitstelle der Polizei. Sie stuft die Lage schon am Montagmorgen ein als „keine besondere Lage“ und zählt daher auch keine Staus und Unfälle: Es sei „nicht wirklich ein Wintereinbruch“.

Und doch. Viele Blechschäden in Duisburg, Laster fallen negativ auf, die mit Sommerreifen liegen bleiben. In Essen stehen Räumfahrzeuge selbst im Stau, Dortmund meldet „mehrere dutzend“ Unfälle, Witten vierzehn – davon einer mit einem Müllwagen.

In Düsseldorf fallen 17 Flüge aus

Auch Düsseldorfs Flughafen entkommt dem Schneegestöber nicht. Obwohl der Flugbetrieb am Morgen pünktlich aufgenommen wird, gibt es bald kaum eine Maschine, die nicht mit 30 bis 45 Minuten Verspätung startet oder landet. 17 Flüge fallen aus. „Auch andere europäische Flughäfen lagen morgens unter einer dichten Schneedecke“, sagt Flughafen-Sprecherin Verena Wefers.

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Glücklich also, wer mit der Bahn unterwegs ist. Stolz schwingt unüberhörbar mit, als Bahn-Sprecherin Andrea Brandt von einer „entspannten Lage auf den Schienen in NRW“ spricht. Es gebe keinerlei witterungsbedingte Störungen. So etwas können Bahn-Sprecher nicht täglich verkünden. Auch sei schon am Vorabend damit begonnen worden, so viele der 700 Bahnhöfe und Stationen wie möglich zu streuen. „Das ist vielleicht nicht bei allen gelungen. Zumal wir ja auch nicht von diesen Schneemengen ausgehen konnten“, erklärt ein Bahnsprecher.

Auch für Hausbesitzer und Mieter gilt natürlich die Streupflicht, morgens von 6 an sieht man sie schaufeln am Montag. Vorgeschrieben ist: werktags zwischen 7 Uhr und 20 Uhr. Granulat und Sand sind erlaubt, Salze dagegen nicht. Da Salz der Umwelt schadet, darf es nur bei außergewöhnlichen Wetterlagen wie Eisregen verwendet werden. Soweit soll es allerdings diese Woche nicht mehr kommen: Leichten Schneefall und Dauerfrost sagen die Meteorologen voraus für die nächsten sieben Tage. Der Verkehr dagegen dürfte besser laufen, schneegewöhnt, wie die Fahrer nun wieder sind.

Hayke Lanwert und Hubert Wolf

Kommentare
15.01.2013
06:24
Schneegestöber hat Autofahrer und Winterdienst kalt erwischt
von spindoctor | #15

Same shit - different year.

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Schneegestöber hat Autofahrer und Winterdienst kalt erwischt
Schneegestöber hat Autofahrer und Winterdienst kalt erwischt
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http://www.derwesten.de/region/rhein_ruhr/schneegestoeber-hat-das-revier-kalt-erwischt-id7482448.html
2013-01-14 18:14
Wetter,Winter,NRW,Verkehr,Stau,Schnee,Glatteis
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