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Bürogolf-Open Münster

Schlagabtausch unter dem Schreibtisch

18.02.2009 | 10:14 Uhr

Münster. Ein Trendsport findet in NRW immer mehr Anhänger: das Bürogolfen. Der sportliche Ehrgeiz steht dabei im Hintergrund. Die Golfer entwickeln Teamgeist und knüpfen nebenbei berufliche Kontakte.

Den Papierkorb lässt er links liegen. Dann nimmt der Golfball eine leichte Kurve, rollt am Regal mit den Broschüren und an der Zimmerpalme vorbei und landet unter dem Schreibtisch. Sandra schimpft und geht auf Tauchstation, um den Ball von hier aus weiterzuspielen. Die junge Frau nimmt neben 44 weiteren Spielern an der «Zweiten Bürogolf Open zu Münster» teil. Gegolft wird dieses Mal in der Geschäftsstelle einer Ersatzkasse.

Bürogolfer Thorsten Dreps während eines Bürogolf-Turniers. Foto: ddp

«Der Ball darf nur den Schläger, den Boden und das Loch berühren. Stößt er gegen eine Wand, ein Tischbein oder eine Pflanze, gibt es einen Strafschlag», stellt Thorsten Dreps die Regeln klar. Er ist Präsident des ersten, im Juni 2007 gegründeten Bürogolf-Clubs Münster, der das Turnier ausrichtet. «Bürogolf ist eine Variante des Golfs und eignet sich für jede Belegschaft oder Gruppe, die sich näher kennenlernen und Teamgeist entwickeln möchte», erläutert Dreps.

Duzen ist Pflicht

Duzen ist dabei Pflicht. Und dass nebenbei auch berufliche Kontakte geknüpft werden, ist erwünschter Nebeneffekt. Unlängst rief Dreps mit seiner Agentur «Bürogolf-Team» auch die Bürogolf-Clubs Ruhr in Schwerte und Köln ins Leben. Düsseldorf soll bald folgen. «18 Golflöcher werden Ihnen über Ihre Mitspieler mehr sagen als 19 Jahre gemeinsame Arbeit am Schreibtisch», heißt es in einem Info-Heft über den aus den USA kommenden Trendsport.

«In Münster haben wir bislang 21 Turniere gespielt. Dabei haben wir schon so manches Büro saubergemacht. Wir rutschen ja fast nur auf dem Boden herum», schmunzelt der Club-Präsident. Auch in einem Autohaus, wo sie zwischen sündhaft teuren Flitzern herumgekrochen sind, einem Hotel, einer Bank, einer Zeitungsredaktion und vor allem in ihrem heimlichen «Clubhaus», einem Gartencenter, jagten die Bürosportler den Bällen schon hinterher.

Eine illustre Runde aus spielfreudigen Unternehmern, Freiberuflern und Sportlern wartet auch an diesem Abend darauf, zwischen Schreibtischen, Drehstühlen und Grünpflanzen von Loch zu Loch zu «putten». Wobei von einem Loch eigentlich nicht die Rede sein kann. Ziel des Balls ist eine kleine metallene Vorrichtung mit Fähnchen und leichter Einbuchtung. «Wir benutzen einen normalen Golfschläger, einen Putter und drei verschiedene Bälle - je nachdem, ob wir auf einem Stein- oder Teppichboden spielen», sagt Dreps.

Spielbahnen über vier Etagen

Der Ball darf nur den Schläger, den Boden und das Loch berühren. Stößt er gegen eine Wand, ein Tischbein oder eine Pflanze, gibt es einen Strafschlag. Foto: ddp

Der Wettkampf an diesem Abend bietet die letzte Möglichkeit, sich für das Finale, den Kampf um den Titel des Münsteraner Stadtmeisters, zu qualifizieren. Bürogolf werde mittlerweile in vielen, vor allem größeren deutschen Städten gespielt, sagt Dreps. München, Hamburg, Hannover, Wolfsburg, Paderborn, Dresden und Halle in Sachsen-Anhalt gehörten dazu.

«Wenn man golfen kann, heißt das nicht, dass man auch hier gewinnt», versuchen Gunter und Ingo Neuling Sandra zu necken. Mit ihr, Sammy und Ralph bilden sie einen «Flight», eine Gruppe. Neun Spielbahnen sind zu bewältigen, die über vier Etagen des Bürohauses führen und für die je ein «Par» definiert ist, also die Zahl von Schlägen, die ein guter Spieler braucht. Im Treppenhaus wird's schwierig. Ingo stößt den Ball nur leicht an. Der hoppelt sofort die Treppe hinunter, tippt gegen die offene Bürotür, dann gegen die Wand und bleibt unter dem Stuhl liegen. «Zwei Strafstöße!», mahnen seine Mitspieler. (ddp)

DerWesten

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Kommentare
18.02.2009
11:53
Schlagabtausch unter dem Schreibtisch
von LittleNemo | #1

Aha, Bürogolf, daß war es, was die sog. Elite der Führungskräfte in ihrem ach so schweren 16 Std. Arbeitstag getrieben hat, anstatt die herannahendeWirtschaftskrise zu erkennen (was problemlos möglich war) und gegenzusteuern.
Die Hobbysportler aus dem Artikel betreiben ihr Vergnügen ja wohl ausserhalb der Bürostunden und nicht als Full-Time-Tagesprogramm.

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