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Toter Fünfjähriger

Schlaftabletten im Auto von Alexanders Mutter

08.09.2010 | 19:00 Uhr
Schlaftabletten im Auto von Alexanders Mutter
Der fünfjährige Alexander und seine Mutter Tanja K.. (Foto: rtr)

Essen.Die Staatsanwaltschaft Hagen ermittelt jetzt gegen die Mutter des Ende Juli in Spanien tot aufgefundenen Alexanders wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt.

Er starb in der sengenden Hitze Andalusiens, verdurstet in bergiger Einöde. Alexander, der blonde Junge aus Herdecke, wurde gerade einmal fünf Jahre alt. Nun ermittelt die Hagener Staatsanwaltschaft gegen Alexanders Mutter, die 40-jährige Tanja K., wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt. Da in ihrem Auto mehrere leere Verpackungen von Schlaftabletten gefunden wurden, erwartet sich Staatsanwalt Bernd Haldorn Aufschluss von der toxikologischen Untersuchung, die von den spanischen Behörden veranlasst wurde.

Was treibt eine Mutter mit ihrem kleinen Kind mitten im spanischen Hochsommer zu einer Wanderung durch das andalusische Landesinnere? Diese Frage keimte bald auf, als Tanja K. Ende Juli verwirrt und mit Schürfwunden übersät aufgegriffen wurde. Einem Spanier war die orientierungslos wirkende Frau aufgefallen, die der Polizei bald darauf berichtete, sie habe sich verirrt und ihren Sohn verloren.

Ein paar Tage später wurde Alexander tot in bergigem, schwer zugänglichem Gelände entdeckt. Neben ihm lagen zwei Rucksäcke und mehrere leere Wasserflaschen. Der Junge war laut Obduktion verdurstet, hatte einen Hitzschlag erlitten und war gestorben, weil seine Organe versagten. Laut Angaben der Polizei soll er sich unter ein Gebüsch gekauert haben, um sich vor der Gluthitze zu schützen.

Die Hintergründe sind dubios

Die Hintergründe der tragischen Geschichte sind in der Tat dubios. Zumal Tanja K., die sich derzeit in einer spanischen Klinik befindet, bislang keinerlei Aussage bei der spanischen Polizei gemacht hat. Sicher ist, dass Alexander vor der Spanienreise bei seiner Mutter gelebt hat, die seit längerer Zeit bereits von ihrem in Dortmund lebenden Ex-Mann geschieden ist.

„Wegen Alexander war ein Sorgerechtsverfahren anhängig, über das meines Wissens noch nicht entschieden worden war“, sagt Staatsanwalt Haldorn. Angeblich hatte Alexanders Vater bereits seit Monaten nichts von beiden gehört. Gleich nachdem der Tod des Jungen bekannt geworden war, hatte der Vater gegen seine Ex-Frau Strafanzeige gestellt. Die Staatsanwaltschaft Hagen hatte vor diesem Hintergrund auch zunächst die Einäscherung des toten Kindes verhindert. Sie wollte sichergehen, dass der Junge obduziert wurde und eine toxikologische Untersuchung vorgenommen worden war.

„Wir haben einen Anfangsverdacht auf ein Tötungsdelikt, aber die Ermittlungen werden wohl noch Wochen in Anspruch nehmen“, sagt Staatsanwalt Haldorn. Bislang sei auch lediglich ein Teil der spanischen Akten in Hagen angekommen, weitere würden erwartet, müssten zudem übersetzt werden.

Hilfreich könnten jedoch auch Zeugen sein, die Mutter und Sohn noch kurz vor ihrem Verschwinden in Andalusien, eben dort, wo später der Junge gefunden wurde, gesehen haben. So ließe sich mit ihrer Hilfe womöglich der Weg rekonstruieren, den Mutter und Sohn genommen haben. Möglicherweise bieten ihre Informationen auch Hinweise darauf, wie Tanja K. von dort wieder wegkam und warum sie ihr Kind zurückließ.

Hayke Lanwert

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