Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Zentrum Limbecker Platz

Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen

22.10.2009 | 15:58 Uhr
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen

Essen. Im Einkaufszentrum am Limbecker Platz eröffnen heute weitere 100 Geschäfte. Der Oberbürgermeister von Essen ist zufrieden - zweitausend neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Kritiker sind derweil entsetzt. Von einem "überdimensionierten Riesenmonster" ist die Rede.

„Der Duisburger”, sagt Marcella Crespo, „der geht doch nicht in Essen einkaufen.” Wenn dem so wäre, würden sie das in Essen gar nicht gut finden. Denn nur vom Essener allein kann das Center am Limbecker Platz schlecht leben. Ab heute noch schlechter: 100 Geschäfte machen auf, der Koloss wächst mit nun 200 Läden auf 70 000 Quadratmeter. Da muss schon viel Ruhrgebiet zum Shoppen anreisen. „Wir saugen alles in die Stadt”, dröhnt Andreas Mattner, Geschäftsführer des Center-Bauers ECE. Bis auf Marcella Crespo vielleicht. Die arbeitet allerdings ohnehin als Sprecherin für die Konkurrenz - das Forum Duisburg.

Info
Forum

Diskutieren Sie mit anderen DerWesten-Lesern

Reinhard Pass, gerade elf Stunden als Essener Oberbürgermeister im Amt, darf sich sofort wieder freuen. „Der Ruf Essens als Einkaufsstadt wird neu belebt”, glaubt der SPD-Politiker. Das Ganze sei auch „stadtplanerisch ein Gewinn”, man müsse immer bedenken, „was die Alternative an der Stelle gewesen wäre”. Es klingt fast wie eine Entschuldigung.

Denn Kritiker, die gibt es. „Essen hat zwar in den letzten Jahren Kaufkraft an andere verloren”, räumt Peter Fuhrmann ein, der als Experte für Einzelhandelsentwicklung von Düsseldorf aus berät. „Aber dieses Riesenmonster ist völlig überdimensioniert, und es schert niemanden mehr, ob so etwas langfristig funktioniert.” Das gesamte Ruhrgebiet rüste auf. „Gucken Sie mal nach Bochum oder nach Mülheim.” Dabei gingen die Einzelhandelsumsätze zurück. „Wohin soll das führen?”, fragt Fuhrmann.

Genauso sieht es der Essener Geschäftsimmobilienmakler Eckhard Brockhoff. „Es gibt genug Leerstand in der Innenstadt, man sieht jetzt schon, was die Verdrängung mit sich bringt. Wer wegzieht, hinterlässt Spuren.” Zwar schwärmt Thomas Glindmeyer, bei ECE für Vermietung zuständig, wie viele neue Marken man nach Essen gelockt habe. Doch es gibt auch manche, die innerhalb der Stadt umziehen, weil sie die vermeintlich schlechtere Adresse gegen die bessere eintauschen wollen. So reißen C&A oder Saturn Löcher. Unbeirrt behauptet ECE-Geschäftsführer Mattner, am Limbecker Platz würden „zweitausend neue Arbeitsplätze” geschaffen.

Brockhoff prophezeit dem Center schwere Zeiten: „Da ist im Januar Totentanz. Wer von außen gekommen ist, um es einmal zu sehen, kommt nicht unbedingt ein zweites Mal.” Gerüchte, wonach die Umsätze schon jetzt hinter den Erwartungen herhinkten, weist ECE-Geschäftsführer Stephan Kugel zurück. „Hier war noch Baustelle, die volle Anziehungskraft bekommen wir ja erst in der Endstufe, wenn alles geöffnet hat.” Centermanager Ulrich Schmitz kalkuliert mit einem Jahresumsatz von 250 Millionen Euro.

Die muskelbepackten Mitbewerber im Kundenkampf stellen Gelassenheit zur Schau. „Das ist ein Wettbewerber wie jeder andere auch, das macht uns keine Sorgen”, behauptet Oliver Kraft, Chef des Rhein-Ruhr-Zentrums in Mülheim. Nach eigenen Angaben strömen an normalen Verkaufstagen immer noch 40 000 Menschen ins RRZ, der Leerstand sei marginal. Dass Kraft eine Spielhalle zulässt, zeigt allerdings, dass der Druck auch bei ihm wächst.

Der bisher ungezügelte Flächenappetit des Oberhausener Centro wird ebenfalls von Schluckauf begleitet: „Wir gucken auf die Finanzmärkte”, sagt Sprecher Jörg Knetsch auf die Frage, ob's mit der avisierten Erweiterung noch was wird. 23 Millionen Besuchern im Jahr langt es auch so. Leere Läden? Fehlanzeige. „Wir haben eine Liste von Nachrückern, falls mal einer zumacht.” Dass der Limbecker Platz im Centro spürbar wird, glaubt Knetsch nicht. Auch Lutz Müller, Geschäftsführer des Forum in Duisburg mit 80 Geschäften auf 57 000 Quadratmetern, bleibt mit Blick auf Essen entspannt: „Wir zielen mehr auf den Niederrhein, weniger auf das Ruhrgebiet.” Da werden sie am Limbecker Platz schon mal aufatmen.

Frank Preuß

Facebook
 
Kommentare
23.10.2009
08:19
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen
von Micheline | #47

******************************************
Das Monstrum am Limbäcker Platz war eine völlige Fehlplanung. Typisch für das graue geschmacklose Essen. Erst jahrzehntelange geschlafen ohne Ende, dann viel zu klobig und häßlich gebaut. Weniger wäre deutlich mehr gewesen. Essener City - nein danke !
******************************************

23.10.2009
00:23
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen
von 1980yann | #46

Niemand MUSS dort einkaufen ... aber dieses ewige Madig-Machen und Runter-Reden nervt wirklich. Noch schlimmer sind wirklich nur noch die, die den gesamten LP am liebsten verboten gesehen hätten ...

23.10.2009
00:09
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen
von Ork | #45

@neuer altbürger:

endlich mal ne vernünftige meinung

22.10.2009
22:54
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen
von aktivbiker | #44

wenn ich mir die Entwicklung der letzten Monate betrachte...da fahre ich lieber ins Forum nach Duisburg!

22.10.2009
19:16
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen
von sprichdichaus | #43

Wie sich der Limbecker Platz bzw. die Einkaufsstadt Essen entwickeln wird kann man erst in einigen Monaten beurteilen wenn der Ansturm der Neugierigen abflaut. Ob hier wirklich 2000 Arbeitsplätze geschaffen wurden mag dahingestellt sein, da ja viele Geschäfte zum neuen EKZ umgesiedelt sind. Man sollte die Entwicklungen kritisch beobachten und das neue nicht von vorn herein kritisieren .

22.10.2009
18:45
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen
von karlleokraus | #42

Endlich einmal eine kritische Berichterstattung in der WAZ zum Koloss am Limbecker Platz von Frank Preuß.
In den Beiträgen: Der kranke Kampf um den Kunden und Ruhrgebiet, bitte kommen wagt es der Autor bereits in der Eröffnungseuphorie, die damit verbundenen Probleme anzureißen.
Respekt H. Preuß.

22.10.2009
17:55
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen
von Tobiasss | #41

Eins vorweg, ich bin Schüler und 16 Jahre alt und lebte schon immer hier in Essen.

Ich finde es unglaublich wie unflexibel manche Leute sind. Es ist doch ein ganz natürlicher Prozess in der Wirtschaft, dass einige Unternehmen wegbrechen und neue dafür entstehen...

Und bitte: Vorhersagen wie das Center in einem Jahr da steht, kann nun wirklich keiner vorhersagen.

22.10.2009
16:56
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen
von fragezeichen | #40

Der Laden brummt.Heute alle 2500 Parkplätze besetzt. Und die Geschäfte, Gänge etc. voll von Menschen. An den vielen Kassen von Saturn z.B. Menschenschlangen. Überall wird gekauft- auch vor Monatsultimo. Guter Einstand würde ich meinen.

22.10.2009
16:28
Scharfe Kritik an Konzept für Einkaufsstadt Essen
von taxpit | #39

Dieses Einkaufszentrum ist so überflüssig wie ein Kropf.

22.10.2009
16:24
Blockierter Kommentar.
von taxpit | #38

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/29337/create

Aktuelle Fotos und Videos
Abriss des RWE-Stadions
Bildgalerie
RWE
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Aus dem Ressort
Suspendierter islamistischer Polizist kennt geheime Akten
Salafismus
Ein salafistischer Polizist soll auch Glaubensbrüder observiert haben. So konnte er wohl auch streng vertrauliche Dokumente durchforsten. Der Beamte aus Duisburg wurde inzwischen vom Dienst suspendiert. Innenminister Ralf Jäger prüft nun Konsequenzen.
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte im Eichmann-Prozess
Eichmann-Übersetzerin
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte den Prozess gegen NS-Verbrecher Eichmann. Im Bonner Haus der Geschichte erzählt sie, was damals in ihr vorging. „Ich lebte, aß, trank Eichmann“, sagt sie. Trotzdem bekam sie von dem Grauen im Prozess längst nicht alles mit.