Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Salafismus

Salafisten-Gefahr bleibt - trotz Vereinsauflösung

27.06.2011 | 17:03 Uhr
Salafisten-Gefahr bleibt - trotz Vereinsauflösung

Mönchengladbach.   Der Salafisten-Verein „Einladung zum Paradies“ in Mönchengladbach will sich auflösen. Doch beruhigend findet das niemand. Bald könnte sich die alte Gefahr im neuen Gewand präsentieren.

Am Ende wurde die Luft offenbar dann doch zu dünn: Der Salafisten-Verein „Einladung zum Paradies“ (EZ P) in Mönchengladbach will sich auflösen. Sicher haben die Verbots-Diskussion und der öffentliche Proteststurm von Bürgern zu diesem Entschluss beigetragen. Doch NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) stellt klar: „Die Sicherheitsbehörden in NRW werden die Salafisten weiter im Visier behalten.“ Das geschehe unabhängig von ihrer Organisationsstruktur. „Wir nehmen die von den Salafisten ausgehende Gefahr sehr ernst“, bekräftigt Jäger.

Auch in Mönchengladbach wird die Ankündigung nur verhalten aufgenommen. „Für uns ändert sich dadurch gar nichts“, sagt Polizei-Sprecher Willy Theveßen. Die Gruppierung stehe in Mönchengladbach schon länger im Fokus der Ermittler – und das werde so bleiben.

„So schnell werden wir die nicht los“

Von Genugtuung ist auch bei der Initiative „Bürger für Mönchengladbach“ nichts zu spüren. Monatelang hatte sie gegen die Salafisten und die Ansiedlung einer Islamschule in der Stadt protestiert. Jeden Freitag versammelten sich bis zu 40 Demonstranten zur Mahnwache vor dem Gebetsraum der radikalen Muslime im Stadtteil Eicken. „Unsere Stadt ist gewappnet, aber so schnell werden wir die nicht los“, sagt Wilfried Schultz, Sprecher der Bürgerinitiative gegenüber DerWesten.

Er vermutet, dass die Salafisten einem möglichen Verbot zuvorkommen wollen. In einem solchen Fall würden sie ihr gesamtes Vereins-Vermögen verlieren. „Zudem unterhalten sie Kontakte zu anderen radikalen Gruppen in Mönchengladbach. Die können munter woanders weiterarbeiten“, befürchtet Schultz.

Vereinsgründung unter neuem Namen möglich

EZP-Vorsitzender Sven Lau bestätigt diesen Verdacht: Seine „Brüder und Schwestern“ würden sich nun auf andere Vereine und Moscheen verteilen, prophezeit er in einer Videobotschaft. Auch eine Vereinsgründung unter neuem Namen hält er demnach für möglich. Alte Gefahr in neuem Gewand also.

Islamismus
Das Weltbild der Salafisten

Der Salafismus (auch: Salafiyya) war Ende des 19. Jahrhunderts eine islamische Reformbewegung. Seine Anhänger wollten sich auf den Kern der Religion zurück besinnen. Heute gilt die Strömung wegen ihrer strikten Auslegung des Koran als besonders fundamentalistisch. Prominente Vertreter fordern die Einführung des islamischen Rechtssystems Scharia. Strenge Salafisten lehnen die westliche Lebensweise ab, propagieren die schlichte Geschlechtertrennung und betrachten Homosexualität als schwere Sünde.

Viele setzen bei der Durchsetzung ihrer Ziele auf eine offensive, aber friedliche Missionierung. Die sogenannten dschihadistischen Salafisten befürworten dagegen auch Gewalt, zum Beispiel zur Verteidigung islamischer Länder wie Afghanistan. Dem Salafismus zuzurechnende Terrororganisationen wie Al-Kaida propagieren und verüben auch Anschläge in westlichen Ländern. (dapd)

Schultz treibt zudem eine weitere Sorge um: Die Gruppe in Mönchengladbach werde zunehmend aggressiver. Erst am Freitag hatte die aufgeheizte Stimmung zwischen Salafisten und Gegnern eine neue Eskalations-Stufe erreicht. Nach dem Freitagsgebet kam es zum offenen Kampf zwischen EZP-Mitgliedern und Demonstranten. Schultz wurde dabei verletzt. „Die sind zu mehreren Mann mit erhobenen Fäusten auf mich losgegangen“, berichtet er. „Mein Gesicht ist immer noch geschwollen.“ Die Polizei Mönchengladbach ermittelt gegen die Angreifer wegen Körperverletzung.

„Sie vergleichen sich mit den Juden zur NS-Zeit“

Auch an einer anderen Front droht den Salafisten in Mönchengladbach Ungemach: Ex-Feuerwehrmann Lau und zwei weitere EZP-Jünger sollen das eigene Vereinsheim in Brand gesteckt haben. Hinterher wollte Lau die Sache „Muslim-Feinden“ anlasten. Auch hier ermittelt die Polizei, diesmal wegen Brandstiftung. Sachbeschädigungen und Beleidigungen hätte es jedoch auch durch die Gegner gegeben, sagt Polizei-Sprecher Theveßen. „Beide Seiten haben immer wieder provoziert. Die haben sich gegenseitig hochgeschaukelt.“

Schultz hingegen spricht von einer perfiden Taktik der Salafisten: „Sie stellen sich gerne als Opfer dar“. Das gehe sogar soweit, dass sie sich mit den Juden zur NS-Zeit vergleichen würden.

„Offensive Missionierung“

Den Schafspelz kauft den Islamisten inzwischen jedoch niemand mehr ab. Dennoch ist der Einfluss der Salafisten auf junge Migranten und Konvertiten nicht zu unterschätzen. Laut NRW-Verfassungsschutz fallen sie „durch eine offensive Missionierung auf und nutzen das Internet, Seminare und Predigten, um ihre Botschaften zu verbreiten“. Einer ihrer bekanntesten Prediger ist Pierre Vogel , Ex-Boxer und Rheinländer. Der EZP ist Teil eines deutschlandweit agierenden Netzwerks. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es in Deutschland bis zu 2700 Aktive gibt – mit steigender Tendenz. In NRW zählt der Verfassungsschutz bis zu 500 Salafisten. Schwerpunkte sind Großstädte und das gesamte Ruhrgebiet. Innenminister Jäger warnt: „Die Salafisten sind mit ihrer frühzeitlichen Version des Islam inzwischen die am stärksten wachsende islamistische Gruppierung in NRW.“

Melanie Bergs

Facebook
 
Kommentare
27.06.2011
18:08
Blockierter Kommentar.
von PhineasSchwarzGelb | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.06.2011
17:54
Salafisten-Gefahr bleibt - trotz Vereinsauflösung
von Glueck.Auf | #3

Jede Art von Extremismus, egal ob von Links,Rechts oder auch aus religiösen Kreisen, ist strikt abzulehnen.
Unsere Demokratie ist nicht verhandelbar........

27.06.2011
17:51
Salafisten-Gefahr bleibt - trotz Vereinsauflösung
von InFlames | #2

wie jetzt ? Kommi Funktion noch nicht abgeschaltet ?
Von mir aus sollen die doch rumlaufen wie se wollen aber dann darf sich auch keiner aufregen wenn er komisch angeschaut wird. Leider ist auch meine Erfahrungen (habe beruflich viel mit unterschiedlichen Coleur an Leuten zu tun) die das diese Leute in den seltesten Fällen ehrlich sind, auch wenn es nur um Kleinigkeiten geht die ein , Achtung überspitzte Darstellung, ordentlicher Deutscher mit seiner Ordnungsfanatischen Einstellung einfach nicht so gehandhabt hätte

Traurigerweise wird man dann immer von denen die lauter schreien können direkt in die braune Ecke gedrängt und darf ja seinen Mund nicht mehr aufmachen

Es macht mich traurig das wir um soviel Kleinigkeiten drumherumstreiten anstatt mal wirklich etwas anzupacken und damit mein ich jetzt nicht das die Türkische Gemeinde vor Ort nen Kaffekränzchen gibt und wir auf best Friends machen !!

Ich hoff ja auch die Jugend die sich doch immer mehr und mehr zu einander findet, wir hatten zwar früher auch türkische Kumpels in der Klasse, aber das die mal mit uns raus gefahren wären das war nie der Fall, heute fahren die jungen Leute ja schonmal weg ...also Integration gelingt aber in die Köppe der jetzt über 30 jährigen bekommste das eh nimmer wirklich rein !

27.06.2011
17:44
Salafisten-Gefahr bleibt - trotz Vereinsauflösung
von fun1sam | #1

Wo ist das Problem?

Wer kriminell und zugleich gegen die Verfassung ist, gehört weggesperrt.
Die Religion sollte dabei keine Rolle spielen. Ich fühle mich auch verfolgt, weil ich der neu-marsianischen-techno-kirche angehöre.
SCHROTT BLEIBT SCHROTT.
.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4812517/create

Aktuelle Fotos und Videos
Abriss des RWE-Stadions
Bildgalerie
RWE
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Aus dem Ressort
Suspendierter islamistischer Polizist kennt geheime Akten
Salafismus
Ein salafistischer Polizist soll auch Glaubensbrüder observiert haben. So konnte er wohl auch streng vertrauliche Dokumente durchforsten. Der Beamte aus Duisburg wurde inzwischen vom Dienst suspendiert. Innenminister Ralf Jäger prüft nun Konsequenzen.
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte im Eichmann-Prozess
Eichmann-Übersetzerin
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte den Prozess gegen NS-Verbrecher Eichmann. Im Bonner Haus der Geschichte erzählt sie, was damals in ihr vorging. „Ich lebte, aß, trank Eichmann“, sagt sie. Trotzdem bekam sie von dem Grauen im Prozess längst nicht alles mit.