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Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet

20.07.2011 | 06:51 Uhr
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Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
Es wird eng in den Universitäten, wir hier in der Ruhr-Uni Bochum. Im Wintersemester 2011/12 sollen so viele Erstsemester-Studenten wie noch nie an die Universitäten strömen. Foto: dapd

Essen.   Es wird eng in den NRW-Hochschulen. Laut einer Studie gibt es im kommenden Wintersemester so viele Erstsemester wie nie zuvor. Verantwortlich dafür sind verschiedene Faktoren. Aber die Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut vorbereitet.

Ab Oktober wird es eng an den Hochschulen in NRW. Laut einer Studie der CHE Consulting gibt es dann so viele neue Studenten, wie nie zuvor. Denn zu Beginn des Wintersemesters 2011/2012 kommen einige Faktoren zusammen, die für diesen Ansturm auf die Universitäten verantwortlich sind. Aber die Unis im Ruhrgebiet fühlen sich gut vorbereitet.

In diesem Herbst kommt alles auf einmal. Mit der Abschaffung des Wehrdienstes und des Zivildienstes drängen Tausende junge Männer direkt nach der Schule an die Unis oder auf den Lehrstellenmarkt. In Bayern und Niedersachsen haben in diesem Jahr die ersten doppelten Abiturjahrgänge die Schulen verlassen und in NRW wurden die Studiengebühren abgeschafft. Laut der Rechnung der Hochschulexperten von CHE Consult aus Gütersloh könnte es in diesem Semester bundesweit 500.000 Erstsemester geben. Die NRW-Landesregierung erwartet bis Ende 2011 insgesamt 9.500 zusätzliche Erstsemester. Und richtig dicke kommt es dann, wenn 2013 der erste doppelte Abi-Jahrgang aus NRW versorgt werden will. Ein Szenario , auf das sich auch die Ruhrgebietsunis vorbereiten. „Wir sind gewappnet“, meint beispielsweise Petra Karst, Pressesprecherin des Studentenwerks der Uni Duisburg-Essen.

Studentenwerk Münster hat Hotelzimmer angemietet

Vorbereitungen für den „Worst Case“ hat das Studentenwerk Münster bereits getroffen. Denn guten und vor allem günstigen Wohnraum für die Studierenden zu schaffen, ist eine der größten Herausforderungen für die Unistädte. Dort wurden vorsichtshalber Zimmer in Hotels angemietet. Zurzeit würden nämlich zwei Studentenwohnheime saniert, erklärt Norbert Robers, Sprecher der Universität Münster. Das verschärft den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt in Münster noch mehr. Entspannter ist man da in Essen und Duisburg, wie Petra Karst erklärt: „Im Ruhrgebiet ist auch auf dem privaten Wohnungsmarkt viel möglich.“ Trotzdem habe man dort alte Wohnheime saniert und zwei neu hinzugekauft, um möglichst vielen Studenten einen Platz zum Wohnen zu bieten. Das Geld dafür, 15 Millionen Euro, stamme aus dem Konjunkturpaket II, so Karst. Insgesamt verfügt das Studentenwerk über 2.500 Zimmer in Wohnheimen. Wenn alle Stricke reißen kann das Essener Studentenwerk auf seine Kooperationen mit verschiedenen Wohnungsgesellschaften zurückgreifen. Karst: „Es muss niemand im Container oder in Zelten schlafen.“

Auf die angekündigte Studentenflut haben sich die Unis ihrer Aussage nach gut vorbereitete. Denn nicht nur Wohnraum wird knapp. Auch in den Hörsälen und den Mensen kann es eng werden. An der TU Dortmund wurden, so Pressesprecher Linnemann, einige Seminargebäude umgebaut. Besonders die Lehrräume für die Physik- und Chemiestudenten erstrahlen in neuem Glanz. Auch in Bochum sucht man nach neuen Räumen, am liebsten natürlich in der Nähe des Campus. „Das muss machbar sein“, sagt Peter Kardell, Leiter des Studierendensekretariats. Ein Gebäude für die Geisteswissenschaftler habe man schon gebaut, eines für die Ingenieure sei gerade in Planung.

Zulassungsbeschränkung für viele Fächer

Schwerwiegender als die Platzfrage ist aber die nach der Betreuung der Studierenden. An der Ruhr-Uni macht man sich Sorgen, dass die Medizinstudenten nicht mehr genug Praxis bekommen. Gegen dieses Problem, so Peter Kardell, sei darum eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen worden, die nach Räumlichkeiten und einer passenden Betreuung für die Praxisphasen der Studenten sucht. „Vielleicht gibt es dann bald ein Zwei-Schichten-Praktikum oder Ähnliches.“ Die TU Dortmund versuche dem Studenten-Professoren-Ungleichgewicht mit mehr Juniorprofessuren beizukommen, sagt Sprecher Ole Linnemann. Das Essener Studentenwerk stellt jetzt außerdem drei neue Sachbearbeiter im BAföG-Bereich ein.

Dass sie in großer Gesellschaft sind, merken die jetzigen Studienanfänger schon während der Immatrikulationsphase. Allein in Bochum rechnet man mit 40.000 Bewerbungen. Mehr al 2.000 Bewerbungen in einer Woche seien normal, sagt Peter Kardell. Um sich wenigstens ein bisschen gegen die Studentenflut zu wehren, belegt die Ruhr-Uni ab dem kommenden Semester noch mehr Fächer mit einem Numerus Clausus (NC). „So haben wir die Zahl der Einschreibungen gedeckelt“, sagt Kardell. Betroffen sind jetzt auch die MINT-Fächer , für die sich immer mehr Erstsemester interessieren: Mathe, Ingenieurswissenschaften, Natur- und Technikfächer. Bauingenieur und Informatiker wird man in Bochum nur noch mit einem besonders guten Zeugnis. Zulassungsfrei seien an der Ruhr-Uni mittlerweile nur noch einige Orchideenfächer, wie Peter Kardell erklärt. Auch im bundesweiten Vergleich zeigt sich, dass die Ingenieurswissenschaften auf dem Vormarsch sind. In NRW haben sie laut der CHE-Studie mittlerweile sogar die Sprach- und Kulturwissenschaften abgehängt. Beliebter sind nur noch die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Inwiefern sich die aktuelle Prognose bewahrheitet, können die Unis allerdings erst Anfang Oktober zu Semesterbeginn sagen. Denn, so Petra Karst von Studentenwerk Essen: „Das geht jetzt erst richtig los.“

Pia Mester

Kommentare
20.07.2011
12:09
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von cannae216 | #15

Bei den Ingenieuren gilt wohl weiterhin: Der Schweinezyklus lebt.

20.07.2011
11:57
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von Herold_Albert_Schincke | #14

Leider ist das Studium nicht mehr viel Wert.

Die Wirtschaft holt sich die Ingenieure aus dm Ausland.

Somit werden die Gehälter auch bei den Akademikern gedrückt.

Im unteren Lohnniveau müsse zusätzlich HARTZ IV Antrage gestellt werden. Hier drücken auch die Arbeiter aus dem Osten auf den Markt.
.

20.07.2011
11:09
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von chopin | #13

Ein Gebäude für die Geisteswissenschaftler habe man schon gebaut, eines für die Ingenieure sei gerade in Planung.

Das Gebäude ID der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik wurde letztes Jahr eröffnet. Damit steht das Gebäude IC leer und wird gerade kernsaniert. Eines für die Geisteswissenschaftler ist derzeit in Planung.

BTW: Es heißt heute StudentInnen oder Studierende und nicht Studenten :-)

20.07.2011
11:08
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von demokratischundsozial | #12

Die Qualität der Lehre kann durch Studiengebühren nicht wesentlich verbessert werden. Das ist höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Massenuniversität hat ein strukturelles Problem. Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter müssten zum Beispiel Willens und in der Lage sein, Hausarbeiten und Examensarbeiten sorgfältig zu lesen und zu kritisieren. Diese Arbeit kann man nicht den Tutoren überlassen. Für manchen Professor mag das bequemer sein, aber es ist nicht besser. Bisher lebte man in den Universitäten von der Ausbeutung des Mittelbaus. Viele mussten mit befristeten Verträgen und manchmal halben Stellen auskommen. Das führt zu hoher Fluktuation, worunter auch die Lehre leidet. In Zukunft kann sich die Situation ändern. Viele Mitarbeiter werden sich fragen: „Warum soll ich einen schlecht bezahlten befristeten Vertrag annehmen, wenn ich woanders mehr verdiene und einen unbefristeten Vertrag bekomme?“ Mit Studiengebühren kann man keine langfristigen Verträge finanzieren, da man nicht weiß, wie viele Studierende eine Uni in fünf Jahren haben wird. In jedem Fall wird dann die Situation anders sein als heute. Die Konkurrenz zwischen den Hochschulen wird stärker. Der Studienanfänger kann sich fragen: „Ist der Studienplatz an der Universität Göttingen wirklich 500 € pro Semester mehr wert als der an der Universität Bonn?“ Wenn man rechtzeitig plant, kann man auch öfters die Fernleihe benutzen.

20.07.2011
10:42
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von ichsachmaso | #11

Tja, wenn in diesem Land der ehemaligen Dichter und Denker jeder Dödel studieren kann, darf man sich nicht wundern, wenn das System wieder einmal untne durch ist. Aber Deutschland ist ja schon seit etlichen Jahren für Masse anstatt Klasse bekannt.

20.07.2011
10:41
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von Leuler | #10

Ich komme mal mit meinem Beitrag wieder direkt zum Artikel ;-)

-In dem Artikel steht, dass man im WS 11/12 ca 500.000 Erstsemester erwartet.
- In NRW rechnet man mit 9500 zusätzlichen Erstis.
- Zusätzlich muss man (so denke ich das) als zusätzlich zu dem, was in anderen Jahrgängen normal war verstehen.
- NRW macht ca 1/4 der Gesammtbevölkerung in Deutschland aus. Entsprechend müsste man im gesammten Bundesgebiet mit ca 4*9500 = 38.000 zusätzlichen Ersties rechen.
- Man kann also jetzt sagen:
Normale Ersties + 38.000 = 500.000

Oder anders ausgedrückt:
Es gibt einen zuwachs von 8,2% an Erstis.

Und nach dem ich jetzt ewig rumgerechnet habe, habe ich endlich eine Zahl, mit der man Arbeiten kann. Den Nirgendwo steht, wieviele Studenten den normal sind. Die 500.000 stehen in keinem Verhältniss, sodass ich keine Ahnung hatte, ob das nun eine hohe Zahl ist oder nicht.
Mein Kommentar zu derWesten.de: Schlecht gemacht. Musste ich doch jetzt selbst nachrechnen, ob das viel oder wenig ist.

Mein Kommentar zu den Zahlen selbst:
Es gibt also im nächsten WS gut 8% mehr Erstis. Ich würde sagen, das ist eine Zahl, die man vllt bemerkt, aber keine, wegen der man Panik schieben muss, oder?
Es werden etliche neue Gebäue gebaut und einige neue Bafög-Mitarbeiter eingestellt... wegen nichtmal 10%?
Würde man in Duisburg 3 neue Bafög-Mitarbeiter einstellen, so hätte man die Zahl fast verdoppelt...
Ich persönlich würde sagen, man baut die zusätzlichen Kapazitäten insbesondere für den Doppeljahrgang. Zudem macht es wenig Sinn jetzt noch ein Gebäude zu planen für einen Jahrgang, der in 3 Monaten längst an der Uni ist.

Aber das ist mal wieder Typisch derWesten.de:
Man wirfst irgendwelche Fakten und Zahlen in den Raum, erwähnt nicht genau was Ursache und Wirkung ist und auch nicht wie man was damit anfangen kann. Hauptsache der Text geht über mindestens ne halbe Seite... Schade eigentlich...

20.07.2011
10:14
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von sydneyiii | #9

@#6:

Der Teich war aber auch nicht mehr zu gebrauchen. Um den wieder in einen vernünftigen Zustand zu bringen und auch zu erhalten, wäre mehr Geld nötig gewesen.

Das mit den Seminarräumene ist aber auch ein zweischneidiges Schwert. Solange Seminarräume, die gerade fertig waren, nach einer Woche Benutzung durch die Studenten wieder so aussehen, als ob nichts gemacht wurde, muss man sich schon fragen, ob die Studenten nicht auch ein wenig selber Schuld an dem Erscheinnungsbild sind.
Vor ein paar Wochen wurde eine Toilettenanlage renoviert. Sah echt schick aus, als sie fertig war. Nach ca. zwei Wochen war ich dann mal wieder in dieser Anlage und musste mit erschrecken feststellen, das sie wieder genauso aussah wie vor der Renovierung. Wände und Türen waren mit Kunstwerken verziert und die restliche Einrichtung war schon wieder in ziemlicher Mitleidenschaft gezogen worden.

Normalerweise sollte man ja davon ausgehen, das Studenten zumindest den sachgerechten Gebrauch von Einrichtungen der Uni beherrschen.

Man muss sich also zwischendurch auch mal an die eigene Nase fassen.

20.07.2011
10:06
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von MalNachgedacht | #8

Fehler im Bericht: In Bochum wurde bereits das Gebäude für die Ingenieure fertiggestellt, das für die Geisteswissenschaften ist in Planung. Genau umgekehrt also.

20.07.2011
08:43
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von KerryGold | #7

@#1:
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Genau diese Erfahrung mache ich täglich an der Uni. Bestimmte Angebote können nicht aufrecht erhalten werden, da die Fakultäten und Institute kein Geld für unterstützendes Personal haben...
Geschweigedenn für moderne technische Ausstattung.

20.07.2011
08:39
Ruhrgebiets-Unis fühlen sich gut auf Studentenansturm vorbereitet
von Ma3a | #6

Und in Essen wird die Mensa renoviert, ein Biergarten wurde geschaffen, der Teich gegen einen großen Platz ausgetauscht und die Seminarräume? Abrissreif!

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