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Drogen-Prozess

Rösner - der gealterte Geiselgangster

11.08.2009 | 20:15 Uhr
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Rösner - der gealterte Geiselgangster

Bochum. Dicht flankiert von vier maskierten und bewaffneten SEK-Polizisten wird der prominente Schwerverbrecher in den Gerichtssaal geführt. Es ist Hans-Jürgen Rösner (52). Zahlreiche Medienkameras blitzen. Fast wie damals, 1988, als er das Ding seines Lebens durchzog, das Gladbecker Geiseldrama.

Nun geht es vor Gericht um sieben Gramm Heroin, die Rösner am 25. März 2009 in seiner Bochumer Zelle portioniert hatte. Peanuts – im Vergleich zu damals. Doch Rösners Verbrechen, bei dem zwei Geiseln (15, 18) erschossen wurden, hat sich so in die Erinnerung eingebrannt, dass auch dies jetzt interessiert. Zumal die sechs Monate Haft, zu denen das Gericht Rösner nach sechsstündiger Verhandlung verurteilen wird, auch dazu führen könnten, dass er seine lebenslängliche Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung bis zum letzten Atemzug absitzen muss. Quasi wegen schlechter Führung.

Bewacht wie ein Mafia-Killer

Rösner trägt auf der Anklagebank einen Blaumann, Häftlingskleidung. Sein dicker grauer Oberlippenbart, der beidseits weit herabhängt, verleiht ihm etwas Grobes, Verwegenes. Ja, er ist deutlich gealtert. Und da sind ja auch wieder die Tätowierungen am Arm bis auf den Handrücken. Wir kennen sie von damals, als er im T-Shirt kaltblütig mit der Pistole herumgefuchtelt hatte.

Rösner heute: Rösner heute: Der Schnurbart ist grau geworden, das Tattoo geblieben. Foto: Matthias Graben

Alle SEK-Kräfte tragen Schusswesten. Zwei setzen sich direkt hinter Rösner. Ihre Augen blitzen aufmerksam durch die Sehschlitze. So bewacht man sonst Mafia-Killer. Doch was sie dann von Rösner hören, sind nur Banalitäten über den öden Knastalltag. Um eine mildere Strafe zu bekommen, beklagt sich der Gladbecker in klassischem Ruhrpott-Slang darüber, dass JVA-Leiter Henning Köster (61) ihn schon „von Anfang an gefressen” habe. Dieser verhänge ständig überzogene Disziplinarsanktionen: Trennscheibe bei Besuch, Reduzierung der persönlichen Habe, vier Wochen Arbeitsverbot. Gäbe es nicht das Strafvollzugsgesetz, so Rösner, „würde der mich in den tiefsten Keller sperren”. Köster bestreitet: „Das ist Quatsch, dass ich was gegen ihn habe. Dann hätte ich viel tun: Wir haben fast 800 Gefangene.”

Im Gegenzug teilte er einige Gründe der Sanktionen mit, etwa eine in einer Matratze gefundene Messerklinge. Oder den – später entkräfteten – Verdacht, dass Rösner mal geplant haben soll, ihn, Köster, als Geisel zu nehmen, um auszubrechen. Als sich Rösner und sein Verteidiger August Vordemberge aber trotzdem weiter über eine angebliche Ungleichbehandlung beklagen, meldet sich Oberstaatsanwalt Wolfgang Dörsch: „Haben wir jetzt der Larmoyanz von Herrn Rösner genug geopfert?!”

Die Anklage räumt Rösner ein. Ein Gefangener habe ihm das Heroin in einer Freistunde übergeben, damit er es für ihn portioniere. Er habe auch etwas davon geraucht. Plötzlich sei die Tür aufgeflogen: Kontrolle! Zur Sofortbuße musste er damals zwei Wochen in einer Arrestzelle schmoren.

Den Namen jenes Mithäftlings verrät Rösner nicht. Sein Anwalt: „Er ist nicht lebensmüde. Er möchte das Ende seiner Haftzeit noch erleben.” Sein Mandant sagt, dass er damals bereits mehrfach Heroin geraucht habe, weil er psychische Probleme gehabt habe. Grund: „Keine Perspektive, Hoffnungslosigkeit.” Außerdem habe er Hepatitis C – und keiner kümmere sich. „Ich bin zum Verrecken verurteilt.” Sein einziger Besuch ist seine Schwester, sagt er.

Nach 2016 entscheiden die Gutachter

In der Tat muss Rösner bis mindestens 2016 in Haft bleiben. Danach wird geprüft, ob er freikommen kann. Allein diese Prüfung dauert ein Jahr. Deshalb wollte Vordemberge das Verfahren eingestellt haben. Das lehnte der Ankläger ab. „Es gibt in der JVA keinen rechtsfreien Raum.” Vor allem Langzeithäftlinge sollen nicht meinen, „dass sie im Knast machen können, was sie wollen”.

Dörsch beantragt zehn Monate Haft. Rösner zuckt nur die Achseln: „Glauben Sie, dass mich zehn Monate beeindrucken, dass ich dann keine Drogen mehr nehme? Das geht mir, auf Deutsch gesagt, am Arsch vorbei. Das ist nicht rotzfrech gemeint, sondern eine Tatsache.”

Bernd Kiesewetter

Kommentare
15.12.2009
19:37
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von Al | #34

Auge um Auge, Zahn um Zahn.

So steht es geschrieben. Nicht im Strafgesetzbuch, aber im Alten Testament.

Im Kommentar zum Strafgesetzbuch steht dazu sinngemäß: ein(e) zu lebenslanger Haft(in) verurteilte(r) Straftäter(in) kann erst nach 15 Jahren/Innen ein(e) Gnadengesuch(in) stellen.

Diese Gnade ist durch den Fund von strafrechtlich relevantem Material in meinen Augen erstmal für die nächsten paar Jahre futsch.

Dann kommt noch die Sicherheitsverwahrung hintendran, weils besser ist, dass Menschen, die ihre Mitmenschen wie Untermenschen behandeln (die Videos gesehen? Youtube spuckt vieles aus!) nicht mehr der Gesellschaft angehören dürfen.

15.12.2009
15:37
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von kdi | #33

@ gerechtigkeit

Jeder hat eine 2. Chance verdient Richtig, der Täter muß sich diese Chance verdienen. Rösner ist ein notrischer und unverbesserlicher Krimineller, der durch sein Handel jede Chance verspielt hat. Möge er bis zu seinem Ableben im Knast verbleiben.

08.10.2009
03:12
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von KrugStillo | #32

Ich weiß als alter Gladbecker Bürger, dass Rösner und Degowski von Haus aus keine Mörder waren! Hätte die Politik und die Polizei nicht so Kläglich versagt, hätte niemand Sterben müssen. Und was die langen Haftstrafen angeht, wird hier eindeutig ein Exempel statuiert! Die Vergangenheit hat gezeigt das viel gefährlichere Täter nach ein paar Jahren die freiheit wieder hatten, z.b. Sexualverbrecher oder andere Mörder. ich bin mir übrigens nicht sicher ob Röser Silke B. überhaupt erschossen hat. Und die Heroingeschichte, ist ein witz das wegen son einer Kleinigkeit so ein Drama draus gemacht wird. Aber es ist halt der Hanusch! Wenn man Ihm was anhängen kann, macht man es!

12.08.2009
11:26
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von fatih | #31

Keine Einsicht in seine Tat

Der Vorfall mit den Drogen zeigt doch, dass er seine Taten nicht aufgearbeitet hat und für eine Entlassung nicht in Betracht kommen kann.

Wenn er jetzt auch noch Drogenabhängig ist, kann eine Entlassung unter keinen Umständen befürwortet werden. Denn durch die Abhängigkeit hat sich doch die Resozialisierung, soweit möglich, noch weiter verschlechtert.

Was mich an der Verhandlung gestört hat: Das Jammern wegen der Haftumstände. Zwei Wochen Arrest-Zelle usw. Einfach ekelhaft.

Aber auch die Verteidigung hat nicht geglänz. Also, wer soll das verstehen, wenn der Anwalt über schwierige Haftbedingungen lamentiert?

Eigentlich hätte nur ein Argument gezogen, dies hat aber weder Rösner noch sein Anwalt vorgetragen. Wenn er gesagt hätte: Ich brauche die Drogen, weil ich die Bilder von dem erschossenen Jungen und dem Mädchen nicht mehr aus dem Kopf kriege. Weil ich deswegen nicht mehr zur Ruhe komme. Weil ich deswegen keinen Schöaf mehr finde.

Dann hätte man Sympathien für den Drogenmißbrauch aufbringen können. So nicht.

12.08.2009
08:37
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von Therapeut | #30

@ gerechtigkeit

Sorry, aber die Hilfe, die ihr bräuchtet, ist in Deutschland schon vor langer Zeit abgeschafft worden!!!

12.08.2009
08:32
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von Gladbecker | #29

@ #26 dummheittutnichtweh

Da hast Du aber großes Glück, dass es nicht weh tut !!! :-)

12.08.2009
07:08
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von Schwertmeisterin | #28

Im Grunde bin ich auch für eine 2. Chance, allerdings sehe ich das weder für Rösner noch für Degowski. Ich habe heute noch die ängstlichen Augen von Silke Bischoff und ihrer Freundin Ines und den erschossenen Italiener vor Augen. Darüberhinaus die interviews die Rösner gegeben hat zeugen von eiskalter Entschlossenheit und einer scheissegal-Einstellung auch zum eigenen Leben. Diese Personen KÖNNEN sich einfach auch nicht mehr integrieren.
Rösner hat esim Vollzug geschafft, sich nen kleinen Drogenring heranzuzüchten und dass es ihm dort geht wie die Made im Speck.
Und das IM Vollzug. Was passiert wenn er frei ist? Ihm ist eh alles egal und die nächste Bank, Oma oder sonst ein Opfer kommt bestimmt.
Und dann möchte ich die die nach einer 2. Chance schreiein am Grab ihrer Lieben heulen sehen mit dem Spruch Naja, jeder hatne 2.Chance verdient
Bei aller Humanität und auch meinem Denken über die möglichkeiten der Resozialisierung sehe ich das bei Rösner und Degowski nicht.

12.08.2009
05:50
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von dummheittutnichtweh | #27

verzieht euch doch alle nach malaysia, wenn ihr es da so toll findet

12.08.2009
03:14
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von van Helsing | #26

Wer bezahlt eigendlich den Anwalt?

Warscheinlich wir!

Wer jetzt noch eine dicke Backe riskiert, gehört weiter eingeschlossen.

Der Kerl darf raus, aber nach seinen Lebenslänglich.

In den Arabischen oder Asiatischen Staaten wäre noch ein Todesurteil bei 10 Gramm Heroin dazu gekommen.


Knast, aber für immer.
Die Angehörigen der Opfer denken bestimmt genauso.
Wenn nicht noch schlimmer.

12.08.2009
03:03
Rösner - der gealterte Geiselgangster
von cockfosters | #25

Silke Bischof wäre heute so alt wie ich. Meine Trauer um diese Frau, gleichzeitig meine Verachtung für ihren Mörder H.J.Rösner.

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