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Überfall

Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester

11.11.2012 | 17:38 Uhr
Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester
Der Hindu-Tempel in Hamm-Uentrop.

Hamm.   In der Nacht zu Samstag ist der Hindu-Tempel in Hamm ausgeraubt worden. Maskierte und bewaffnete Täter hatten zuvor die Familie des Hindu-Priesters Arumugam Paskaran in ihrem Haus überfallen und die Familie bedroht. So zwangen sie den Priester, ihnen den Tempel aufzuschließen.

Am Wochenende steht Arumugam Paskaran schon wieder im Tempel. Fünf Gottesdienste und ein Hochzeitsfall. Einen einzigen musste er ausfallen lassen am frühen Samstag, denn da war noch die Polizei im Tempel; und den nächsten hat er etwas umgestaltet, um Frevel und Entweihung durch die Räuber von dem Haus zu nehmen. Paskaran hat geschwollene Augen von Pfefferspray, aber der Priester muss tun, was ein Priester tun muss: wie vorgesehen, fünf Gottesdienste und ein Hochzeitsfall. Gerade hier, im Tempel der Göttin Sri Kamadchi Ampal.

Sie ist die Göttin der Tatkraft. Und er hat den Tempel gebaut.

„Es geht alles normal weiter“, sagt Paskaran. Obwohl der 49-Jährige und seine Familie in der Nacht auf Samstag Opfer eines unverstellt brutalen Überfalls wurden. Kurz nach 23 Uhr erwachen sie vom Lärm, da dringen schon Maskenmänner in ihr Haus ein , sie haben mit einer Axt die Glasfüllung der Haustür eingeschlagen. Sie sind bewaffnet mit Hämmern und Messern, schüchtern die Familie ein: den Priester und seine Frau, die vier Kinder, seinen Bruder und zwei Besucher. Die Täter, fünf Männer wohl, verwüsten die Wohnung auf der Suche nach Werten.

Überfall
Hindupriester und Familie von Einbrechern überfallen

In Hamm sind ein Hindupriester und seine Familie Opfer eines brutalen Überfalls geworden. Die Täter drangen mit einer Axt in das Haus des Priesters ein, verwüsteten es auf der Suche nach Wertgegenständen und bedrohten die neunköpfige Familie. Dann zwangen sie den Priester, den Tempel zu öffnen.

„Das sah aus wie zerstörte Welt“, sagt am Sonntag Ulrich Kroker aus dem Tempelbeirat: „Was nicht niet- und nagelfest war, war angeschlagen, zerschlagen, rausgezogen, hingeworfen.“ Drei Menschen sind leicht verletzt: Paskaran durch den Pfefferspray, ein Sohn wird gegen eine Wand gestoßen, und ein Bruder schneidet sich an Scherben, als einer der Täter mit der Axt wütet.

Größter Tempel in Festland-Europa

Dann zwingen sie den Priester, den Tempel auf der anderen Straßenseite aufzuschließen. Der Tempel der Sri Kamadchi Ampal hier in Hamm-Uentrop, nahe der Auffahrt zur Autobahn 2, ist nicht irgendeiner: Er ist der größte hinduistische Tempel in Festlandeuropa und der zweitgrößte, bezieht man England mit ein. Nach der großen tamilischen Hochzeit von Freitag sind die Opferstöcke prall gefüllt, die Täter plündern sie, rauben Ritualgegenstände von unbekanntem Wert und die goldene Kette der Göttin. Dann lassen sie die Familie gefesselt zurück. Nach etwa 20 Minuten kann die Frau des Priesters sich befreien und ruft die Polizei.

Meldung vom 8.6.2009
15000 Pilger kamen zum Hindufest in Hamm

Hamm. Ein Baustoffhandel und eine Wurstfabrik in direkter Nachbarschaft bilden die wenig exotische Kulisse für eines der wohl ungewöhnlichsten Feste, das Jahr für Jahr Tausende Tamilen aus ganz Deutschland zum Hindu-Tempel nach Hamm-Uentrop zieht.

Die geht von einem Raubüberfall aus: „Hinweise auf einen politischen, religiösen oder rassistischen Hintergrund der Tat“ gebe es nicht. Die Höhe des Schadens schätzt sie auf „hoch fünf- bis sechsstellig“, wobei die Zerstörung wohl weit mehr ausmacht als die Beute. „Die Diebe werden sehen, es ist nicht alles Gold, was glänzt“, sagt Kroker, der Mann vom Beirat. Gleichwohl werde man sich nun Gedanken machen, wie Wohnhaus und Tempel besser zu schützen seien.

Fest und Prozession im Mai nicht gefährdet

Der Tamile Arumugam Paskaran, ein kleiner Mann mit leiser Stimme und großer Überzeugungskraft, war 1985 als Bürgerkriegsflüchtling von Sri Lanka nach Europa gekommen. Er wollte eigentlich nach Paris, stieg aber in Hamm aus dem Zug: Manche sagen, es war der Hunger, andere sagen, es war die Berufung. Jedenfalls war Paskarans erster Tempel in der eigenen Wohnung. Und der zweite in einer früheren Wäscherei, eine typische Neunutzung: Fast alle 45 tamilisch-hinduistischen Tempel in Deutschland sind Provisorien.

Um die Jahrhundertwende dann entstand durch Einsatz, Schweiß und Spenden der heutige Tempel: ein Meisterwerk aus der Hand indischer Facharbeiter – allein auf dem 17 Meter hohen Turm tummeln sich 180 Gottheiten in Stuck. Tempelfest und Prozession ziehen jedes Jahr Zehntausende Tamilen aus ganz Mitteleuropa an, es gibt nichts Vergleichbares auf dem Festland. Der Termin der nächsten Prozession steht bereits fest: 26. Mai 2013. Er wird auch nicht in Frage gestellt durch den Überfall. Paskaran, längst deutscher Staatsbürger, sagt nochmal: „Es geht alles normal weiter.“ Sri Kamadchi Ampal wird das gerne sehen, sie, die „Göttin mit den liebevollen Augen“.

Hubert Wolf und Andreas Dunker



Kommentare
12.11.2012
13:38
Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester
von parwark | #3

Den Glauben anderer Menschen als "irgendeinen spinnerten Aberglauben" zu bezeichnen ist an Menschenverachtung nicht zu überbieten. Ich empfehle Dr.Seltsam (wie treffend) zur Vertiefung seines Glaubens die Fussballbundesliga und den regelmäßigen Besuch einer Shopping Mall. Hier wird er sicherlich für seine eigene Überhöhung eine ihm angemessene spirituelle Erfüllung finden.

1 Antwort
Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester
von JOJOJONNY | #3-1

Dem kann ich nur zustimmen und als Lektüre das Grundgesetz Artikel 4 Absatz 1 und 2 empfehlen.
"Art 4:
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet."

11.11.2012
22:43
Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester
von Dr.Seltsam | #2

Ein Überfall ist ein Überfall. Ob auf eine Bank, einen Kiosk oder einen Tempel macht dabei keinen Unterschied.
Natürlich gehören die Täter, sofern man sie ermitteln kann, dafür bestraft.
Aber das Überhöhen der Tat, weil der Beraubte irgendeinem spinnerten Aberglauben angehört, hat keinerlei Grundlage.
Wenn jemand unerlaubt in meinen Garten klettert, dann wird die Tat schlimmer, weil ich glaube, dass darunter Elfen und Einhörner leben..

6 Antworten
Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester
von xxyz | #2-1

Ein Überfall betrifft die Überfallenen, was schlimm genug ist.

Kirchen, Tempel, Friedhöfe betreffen die Empfindungen von vielen Menschen und sind Schutzräume.

In religiösen Bereichen gibt es Opfergaben und Gegenstände, die für viele Menschen einen hohen Wert haben und mit Erinnerungen verbunden sind.

Deshalb sind Raubzüge auf diese Einrichtungen für mich deutlich schwerer zu bewerten, weil sie die Empfindungen von vielen Menschen komplett ignorieren. Das haben sie in diesem Fall die Täter aber schon durch den Überfall gezeigt, der von einer Familie wahrscheinlich nur schwer zu verarbeiten ist.

Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester
von Dr.Seltsam | #2-2

Das ist doch aber rein subjektiv und nichts was man besonders bewerten muss..
Wenn es eine weniger "sympathische" Religion betreffen würde, Scientology zum Beispiel oder Vodoo, würde sich das Mitgefühl, auch und gerade bei religiösen Menschen, wohl in Grenzen halten.
Wenn einem Fußballfan die seltene Trikotsammlung gestohlen wird, wird das bei ihm ähnliche Gefühle auslösen, höher Bewerten muss man den Diebstahl aber auch nicht.

Bei Ihnen ist wohl der Name das Programm...
von creck | #2-3

Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich Opas Hirschgeweih von der Wand baller, oder ein "gesegnetes " Messgefäss kaputtstiefele.
Es würde mich nicht wundern, wenn die Polizei schon wieder gegen den Priester ermittelte, ob dieser nicht Mitglied der hinduistischen Wettmafia sei.

Sie sollten den Glauben der Menschen respektieren!
von cui.bono | #2-4

Und Ihre Aussage "Aber das Überhöhen der Tat, weil der Beraubte irgendeinem spinnerten Aberglauben angehört, hat keinerlei Grundlage." finde ich schon mehr als dreist.

Würden Sie eine derartig grenzwertige Aussage auch über das Christentum oder den Islam machen?

Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester
von Dr.Seltsam | #2-5

@cui.bono
Das würde ich in der Tat.
Ein Verbrechen wird nicht schlimmer, weil der Verbrecher den Glauben seines Opfers nicht respektiert.
Und grenzwertig finde ich das keineswegs.
Oder akzeptieren Christen und Muslime etwa den Hinduismus als gleichberechtigte, wahre Lehre?

Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester
von JOJOJONNY | #2-6

Nein, weder Islam noch Christentum tolerieren andere Religionen als "wahre Lehre".

Der Islam sieht sich selbst als "Haus des Friedens" und alle müssen sich zum Islam bekehren oder sterben.
Das Christentum lehnt auch alle anderen Religionen ab, aber respektiert die Andersgläubigen.

11.11.2012
21:18
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Name von Moderation entfernt | #1

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1 Antwort
Räuber überfallen Hindu-Tempel und bedrohen Priester
von IIDottore | #1-1

Ich hoffe , die Täter werden schnell gefaßt ! Ginge es nach mir, müssten sie den Schaden mit eigenen Händen wieder reparieren !

Herr Paskaran ist für seine Stärke zu bewundern ! Ich hoffe , er und seine Familie verkraften diese schändliche Tat gut !

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