Räuber sprengen Sparkassen-Filiale, um Geldautomaten zu knacken
24.09.2012 | 17:52 Uhr 2012-09-24T17:52:00+0200
Nottuln. Bankräuber haben im münsterländischen Darup bei Nottuln eine Sparkassen-Filiale gesprengt. Sie wollten offenbar „nur“ einen Bankautomaten knacken, doch ihr Gasgemisch hatte dafür viel zu viel Sprengkraft. Das komplette Haus ist einsturzgefährdet.
Pfarrkirche, Gasthaus, Sparkasse, Volksbank, Landmaschinenfirma: Wo die Institutionen eines münsterländischen Dorfes so Vertrauen einflößend beieinander stehen, da liegt jetzt die Straße voller Scherben, da weht Flatterband, und Spurensicherer wenden abgesprengte Steine von links nach rechts. Wenige Stunden ist es her, dass die Explosion der Sparkasse das Dorf Darup erschütterte, Darup bei Nottuln, wo eigentlich doch nie was passiert. „Ich hab den Rumms schon gehört“, sagt eine Nachbarin: „Ich dachte, da zieht wohl ein Gewitter auf.“
Nein, das war kein Gewitter. Sondern da haben Räuber im Vorraum der Sparkasse ein Gasgemisch gezündet, um an das Geld aus dem Automaten zu kommen. Sie haben auch welches, aber die Höhe der Beute muss die Innenrevision der Sparkasse selbst erst noch errechnen. Klar ist nur: Die Täter wählten eine viel zu hohe Sprengkraft, entweder, um ihr Ziel sicher zu erreichen, oder sie kannten sich eher schlecht aus mit ihren Gasen. Und deshalb sieht es nun so aus, als sei das Erdgeschoss von innen explodiert. Die abgehängte Decke ist zum Teil eingestürzt, und Reste von Fensterrahmen, so sie nicht weggeschleudert wurden, hängen mit letzter Kraft an den Mauern.
„Solche Taten hatten wir im Kreis Coesfeld noch nicht“, sagt Polizeisprecher Martin Pollmann. Nicht nur die Filiale ist völlig zerstört, sondern das Haus als Ganzes ist eventuell einsturzbedroht, ein Haus, in dem über der Sparkasse sieben Menschen wohnen.
Ein Schreck für die Anwohner
Am Flatterband steht Sarah Sudmann, sie schiebt den rosafarbenen Kinderwagen von Emily (acht Monate) beruhigend vor und zurück und schaut hinauf zum Dachgeschoss, aus dem sie floh vor wenigen Stunden. „Wir wurden von dem Knall wach, im Hausflur war Rauch, das war gegen zwei“, erinnert sich die junge Mutter: „Wir haben uns die Kleine geschnappt und sind runter.“
Im Flur mussten sie noch über die innere Tür der Sparkasse klettern, die auf der Treppe lag, dann waren sie in Sicherheit. Wie die anderen Bewohner auch; nur eine alte Dame im Haus hat alles verschlafen, bis Feuerwehrleute sie weckten. „Ich hoffe nur, ich kann nachher hinein und ein paar Sachen rausholen, vor allem für das Kind“, sagt Sarah Sudmann.
Die Decke hat einen Knacks
Ob sie das darf, wissen zu diesem Zeitpunkt die Männer noch nicht, die in der Sperrzone vor dem Haus stehen und diskutieren. Ordnungsamt, Feuerwehr, Statiker, die Sprengstoffgruppe des Landeskriminalamtes, der Löschzug Darup. „Wir waren gerade im Keller, die Decke hat wirklich einen Knacks“, sagt einer der Experten: „Wir brauchen jetzt einen Bauunternehmer, der Stützarbeiten durchführt.“
Beim Versuch, einen Geldautomaten zu knacken, haben Unbekannte in Nottuln (Kreis Coesfeld) eine ganze Bank gesprengt. Wie die Polizei mitteilte, sind bei der Explosion Trümmer bis zu 80 Meter weit geschleudert worden, niemand wurde verletzt. Der Geldautomat ist bislang nicht gefunden worden.
Auch die Häuser gegenüber sind von der Explosion gezeichnet, ihnen fehlen Scheiben. Zwei davon liegen, zersplittert ins Hunderste und Tausendste, im gerade chic durchdesignten Wohnzimmer von Herbert Cordes (42). „Ich kann ja froh sein, dass die Tür nicht hier drin ist, die vor dem Haus liegt“, sagt er: „Mein Gott, wer soll das jemals aufräumen?“ Auf dem Tisch liegt eine angebissene Schnitte, die war übrig geblieben von Sonntag abend. Und auf ihr: eine große Scherbe, die getötet hätte, hätte Cordes dort gesessen.
Fluchtauto wurde in Borken gestohlen
Zunächst sind die Täter verschwunden. Ihr Fluchtauto freilich hat die Polizei gefunden: An einer Kreuzung parkte es, wenige 100 Meter entfernt. Das Auto war vor einigen Tagen im Kreis Borken gestohlen worden. „Das sieht aus wie von langer Hand geplant“, sagt Pollmann, der Polizeisprecher.
Ein Container ist bestellt. Die Kehrmaschine unterwegs. Der Bagger auch. Nachmittags wird die Straße wieder frei sein. Plötzlich biegt ein Teil der Nachbarschaft um die Ecke, sie fahren einen Servierwagen auf mit Kaffee und Brötchen für die Helfer. „Das ist Darup“, sagt ein Mann vom Löschzug. Scherben liegen auf der Straße, doch die Institutionen funktionieren.
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