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Prozess um Siegburger Foltermord neu aufgerollt

24.04.2009 | 13:16 Uhr
Prozess um Siegburger Foltermord neu aufgerollt

Bonn. Rund zweieinhalb Jahre nach dem brutalen Foltermord in der Justizvollzugsanstalt Siegburg beschäftigt sich das Landgericht Bonn seit Freitag erneut mit der Tat. Dem Haupttäter Pascal I. droht eine härtere Strafe.

Zweieinhalb Jahre nach dem Foltermord an einem Häftling im Siegburger Jugendgefängnis hat am Freitag der neu aufgerollte Prozess über eine mögliche härtere Strafe für den Haupttäter begonnen. Das Landgericht Bonn prüft, ob gegen Pascal I. eine lebenslange Haftstrafe verhängt werden muss und ob es sich die Anordnung von Sicherungsverwahrung vorbehält. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte die 15-jährige Haftstrafe auf Antrag der Staatsanwaltschaft aufgehoben.

Der Angeklagte erklärte zum Prozessauftakt sein Bedauern über die Tat. Er finde keine Antwort auf die Frage nach den Gründen, sagte Pascal I. Er könne nicht essen und nur schlecht schlafen. Über das Opfer, den 20-jährigen Hermann H., sagte er: «Er hat mir gar nichts getan.»

Fast zwölf Stunden misshandelt

Die Haftstrafen von 14 und 10 Jahren für seine beiden Mittäter sind bereits rechtskräftig. Die drei Männer hatten ihr Opfer im November 2006 fast zwölf Stunden lang misshandelt. Sie schlugen ihn mit Handtüchern, vergewaltigten und quälten ihn. Hermann H. musste unter anderem Urin trinken und Erbrochenes und Kot essen. Aus Angst wagte der Mithäftling nicht, das Wachpersonal zu rufen. Fünf Mal versuchten die Täter, den Misshandelten zu erhängen. Schließlich zwangen sie ihn, sich mit Bettlakenstreifen selbst umzubringen.

Die Staatsanwaltschaft hatte damals eine lebenslange Freiheitsstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld für Pascal I. gefordert. Die Strafkammer stufte ihn jedoch als Heranwachsenden ein und sah deshalb von einer lebenslangen Freiheitsstrafe ab: Es gebe den «Hoffnungsschimmer», dass der Angeklagte resozialisierungsfähig sei. Der BGH beanstandete, diese Annahme stütze sich nicht auf Tatsachen, sondern auf Vermutungen. Auch sei die Sicherungsverwahrung nicht ausreichend geprüft worden.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt; das Urteil wird für den 8. Mai erwartet. (ap)

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Rhein und Ruhr