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Drogenkriminalität

Polizei will mehr Freiheiten bei Drogenfahndung

24.02.2011 | 21:54 Uhr
Polizei will mehr Freiheiten bei Drogenfahndung
Ein Zollbeamter untersucht mit seinem Spürhund ein Auto nach Drogen. Foto: Ralf Rottmann

An Rhein und Ruhr.   Für Schlagzeilen sorgen die großen Drogenfunde. Die Masse der Delikte aber betreffen Konsumenten kleiner Mengen weicher Drogen. „Wir arbeiten oft für den Papierkorb“, beklagt die Polizeigewerkschaft. Die Polizei würde deshalb so manchen Ertappten lieber laufen lassen.

Es sind die großen Funde, die für Schlagzeilen sorgen: Die Cannabisplantage mit Tausenden Pflanzen, Hunderte Kilogramm Kokain in Bananenkisten geschmuggelt, aufgeflogene Dealerringe. Der Polizeialltag in Sa­chen Drogenkriminalität allerdings ist oft weit we­niger spektakulär. 53 000 Rauschgiftdelikte wurden landesweit in der Kriminalstatistik fürs Jahr 2009 verzeichnet. 34 000 davon, also fast zwei Drittel, betrafen allein den Besitz oder Kauf von Drogen – und dabei zumeist: Cannabis.

„Ins Netz ge­hen vor allem die Kleinkonsumenten weicher Drogen“, kritisiert die Ge­werkschaft der Polizei (GdP) in NRW, „nicht die Dealer und Hintermänner des milliardenschweren Drogenkartells.“ Die Beamten vor Ort müssten selbst geringste Mengen von Cannabis zur Anzeige bringen – während die Staatsanwälte diese Verfahren an­schließend „reihenweise“ einstellten, moniert Landeschef Frank Richter. „Wir arbeiten für den Papierkorb. Das ist frustrierend.“ Seine Gewerkschaft fordert deshalb auch für Polizeibeamte die Möglichkeit, Verfahren bei kleinen Ei­genbedarfsmengen einzustellen. „Es geht nicht darum, Drogen freizugeben“, betont er. „Aber wir arbeiten aktuell oft nur für die Statistik. Und die löst das Problem nicht.“

Experte fordert Legalisierung von Cannabis

Bosse bestrafen
Drogenbosse schärfer verfolgen

Die Ressourcen der Polizei seien im Kampf gegen Drogen zu sehr an Bagatelldelikte gebunden, kritisierte die GdP gestern auf ihrem Kriminalforum in Düsseldorf. Statt Kleinkonsumenten sollten die Hintermänner des milliardenschweren Drogengeschäfts verfolgt werden, forderte Landeschef Frank Richter. Er schlug vor, die Beweislast für „Drogenbosse“ umzukehren: Nicht die Polizei solle nachweisen müssen, dass das Vermögen eines Beschuldigten aus illegalen Geschäften stammt. „Die Verdächtigen sollen selbst den Beweis er­bringen, dass sie die Gelder le­gal erworben haben.“ Im Steuerrecht sei ein solches Vorgehen „ganz normal“, be­tonte Richter. „Nur wenn wir die Gewinne ab­schöpfen, haben wir eine Chance, die Drogenkartelle zu besiegen.“

Auch Prof. Heino Stöver, Suchtforscher von der Fachhochschule Frankfurt, sieht in der auf Verbote ausgerichteten Drogenpolitik keine Erfolge: „Wir schaffen Opfer, statt Opfer zu schützen“, sagt er. Der Wissenschaftler unterstützt die Forderung der Ge­werkschaft – und geht noch weiter: „Die Drogen selbst ma­chen mir weniger Angst als die Folgen der Kriminalisierung.“ Ein Verbot bedeute immer auch Unwissen, Heimlichkeit führe zu riskanten Konsumformen. „Es muss doch intelligentere Lösungen für den Umgang mit Drogen geben.“ Sein Vorschlag für einen ersten Schritt: Cannabis solle – womöglich zunächst in einem Modellprojekt – legalisiert werden, Süchtigen der kontrollierte Zugang zu Heroin erleichtert werden.

Ganz so weit will Wulf Klinge nicht gehen, das kann der Polizeihauptkommissar aus Bonn auch gar nicht, schließlich „arbeiten wir im Korsett der gesetzlichen Regeln und Erwartungen an die Polizei“. Der Leiter der „Gemeinsamen Anlaufstelle Bonner Innenstadt“, kurz „Gabi“, kann aber aus seiner alltäglichen Arbeit recht eindrucksvoll berichten, wie ein ganzheitlicher Ansatz im Umgang mit Drogensüchtigen aussehen kann: In der Wa­che am Hauptbahnhof arbeiten Beamte von Polizei und Ordnungsamt zusammen, laufen gemeinsam Streife, kümmern sich um rund 1100 Angehörige der offenen Drogenszene. 10 000 Einsätze zählt Klinge pro Jahr. Ein wichtiges Ziel für ihn: „Die Drogensüchtigen als Kranke zu begreifen, ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen.“ Dazu gehöre auch ein gewisser Druck.

Handel unterbinden, Hilfe vermitteln

Die Polizisten unterbinden den offenen Handel und Konsum am Bahnhof – vermitteln den Junkies aber eben auch Hilfe: Schlafmöglichkeiten und Mahlzeiten, medizinische Versorgung (bei Bedarf auch für den Hund), Therapieplätze. Und: Am 180 Meter von der „Gabi“-Wache entfernten Drogenkonsumraum wird nicht durchsucht.

Dies aber ist lange nicht in allen Städten im Land so: Es gebe durchaus noch Polizeidienststellen, die Junkies gezielt in der Nähe jener Räume hochnehmen, die in NRW für den kontrollierten Konsum von Drogen eingerichtet wurden. Auch dieses „Dilemma“ bestärkt die Gewerkschaftsspitze in ihrer Forderung nach ei­ner Änderung des Betäubungsmittelgesetzes: Ei­gentlich müsste die Polizei zurzeit auch im Umfeld der „vernünftigen“ Drogenkonsumräume ihrer „Strafverfolgungspflicht nachkommen“, sagt GdP-Landesvorstandsmitglied Wolfgang Spies. Das jedoch führe die Fixerstuben „ad absurdum“.

Sarah Hubrich

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Kommentare
25.02.2011
15:26
Viel Rauch um wenig
von Jarok | #5

Solange chemisch hergestellte Pharmaka, Alkohol und Tabak eine größere Gewinnspanne versprechen als Cannabis (nicht zu vergessen das deutlich höhere Suchtpotential der ersten drei genannten), solange es genug Konservative gibt die sich vehement vernünftigen Argumenten gegenüber taub und blind stellen, solange lieber verteufelt als aufgeklärt wird - solange wird Cannabis nicht legalisiert.

25.02.2011
11:30
Viel Rauch um wenig
von Wupperwurst | #4

Ein Verbot von Cannabis ist einer Demokratie unwürdig, und zieht viele Probleme nach sich - zusätzlich zu den im Artikel genannten, kommen noch immer häufiger auftretende Vergiftungen (z.B. durch Bleizusatz), mangelnder Jugendschutz, Kontakt der User zu härteren Drogen aufgrund des Kaufs bei mafiösen Gemischtwarenhändlern, drohender Jobverlust im pädagogischen/medizinischen Bereich, hohe Hemmschwellen der Landwirtschaft bei der Nutzung von wirkstofffreiem (!) Faserhanf, usw., usf., hinzu.

Leider ist unsere derzeitige Drogenbeauftragte eine, mit Verlaub, etwas betagtere Dame offenbar ohne tiefere Kenntnis von der Materie (wie ihre Antworten auf abgeordnetenwatch.de nahelegen), und nicht gewillt, etwas zu verändern.

Und was könnte die Wirtschaft Arbeitsplätze schaffen, was könnte der Staat an Steuern einnehmen, was könnten die Länder an Kosten sparen, wenn man einfach nur den Hanf freigeben würde!

Alles weitere hat ja schon #2 zwergschatten geschrieben; meine volle Zustimmung zu seinem Kommentar!
Und ausnahmsweise auch mal ein vorsichtiges Daumen hoch! in Richtung GdP!

25.02.2011
10:04
Viel Rauch um wenig
von wohlzufrieden | #3

Die kleinen werden gehängt, und für die großen Drogenbarone in Afghanistan schießt die Bundeswehr den Weg frei...

25.02.2011
08:54
Viel Rauch um wenig
von zwergschatten | #2

als erstes sollte man mal endlich in der drogenpolitik zwischen junkies und kiffer unterscheiden und trennen ! cannabis gehört legalisiert, alles andere ist augenwischerei und funktioniert nicht; wie 50 jahre prohibition (vorher hat cannabis keinen interessiert) bewiesen haben. und anstatt millionen für die verfolgung der kiffer auszugeben sollte man lieber millionen an steuern aus dem verkauf dafür einnehmen und mit diesen einnahmen die folgen des konsums von harten drogen bekämpfen. wobei auch hier illegalität nicht weiterhilft sondern nur die preise treibt. und je härter die verfolgung desto höher die preise für die substanzen und desto härter die leute, die damit geschäfte machen.

den einwurf in holland hat das auch nicht geklappt lass ich nicht gelten denn wen man als einzigstes land in europa eine relativ entspannte drogenpolotik betreibt dann bekommt man logischerweise arge probleme mit drogentouristik. und das unsere nachbarn da langsam keine lust mehr darauf haben das unsere probleme in ihrem land abgeladen werden kann ich gut nachvollziehen.

25.02.2011
06:49
Viel Rauch um wenig
von Weihnachten2 | #1

Einfach nur lächerlich. Wird sich trotzdem niemals was dran ändern.

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