Polizei sucht nach Lkw-Unfall auf der A42 nach Zeugen
06.08.2012 | 18:58 Uhr 2012-08-06T18:58:00+0200
Essen. Ein Lastwagenfahrer ist am Montag mit seinem Fahrzeug auf der Autobahn 42 in Essen in den Tod gestürzt. Der mit Keksen beladene Transporter durchbrach auf einer Brücke über dem Rhein-Herne-Kanal die Schutzplanke. Der Fahrer konnte nur noch tot geborgen werden. Die Unfallursache ist unklar.
Was genau Montagmorgen um 3.06 Uhr auf der A 42 im Essener Norden geschah, weiß bislang niemand. Nur so viel: Aus ungeklärten Gründen verliert ein 62-jähriger Lastwagenfahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug, durchbricht die Leitplanken und stürzt 20 Meter von der Autobahnbrücke in die Tiefe. Erst eineinhalb Stunden später fällt einem vorbeifahrenden Autofahrer auf, dass dort etwas passiert sein muss. Desaströs das Bild, das sich den Rettern schließlich bietet: Ein zerschellter 38-Tonner, der das Führerhaus unter sich zerquetscht hat.
Das Bild am Unfallort ist tatsächlich verheerend. Die Zugmaschine bis zur Unkenntlichkeit zerstört, der Sattelauflieger nur noch mit Mühe als solcher zu erkennen. Und über all dem stählernen Unglück verteilt liegen Kekse. Plätzchen in Tüten der Marke Bahlsen. Schoko-Kokos und Grand Prix-Gebäckmischungen türmen sich unter der Brücke über den nahen Rhein-Herne-Kanal, quellen zerquetscht aus den Überresten des Führerhauses. Noch am Nachmittag sind die Retter mit dem Aufräumen und Abschleppen beschäftigt.
Hoffnung erfüllte sich nicht
Ihn, den 62-jährigen Fahrer aus Beckum, hat die Polizei anfangs sogar per Hubschrauber und mit Wärmebildkamera gesucht. Die Einsatzkräfte hatten vermutet, vielleicht sogar gehofft, er sei bei dem Unfall aus dem Führerhaus geschleudert worden. Am Ende jedoch blieb den Essener Feuerwehrleuten nichts anderes, als ein Loch in die Kabine schneiden, um an seinen toten Körper zu gelangen.
„So einen heftigen Unfallort habe ich lange nicht mehr gesehen. Ein derart zerfetztes Fahrzeug, ein unzugänglicher Ort, der im Dunkeln unter der Autobahnbrücke liegt und schließlich der tödliche Ausgang“, sagt Mike Filzen, der Sprecher der Essener Feuerwehr.
Um 3.06 ein letztes Signal
Um zwei Uhr morgens, das steht fest, hatte der Lastwagen die Spedition T. in Wickede an der Ruhr Richtung Niederrhein verlassen. Die Ware hatte der Lkw-Fahrer bereits am Freitag in einem Bahlsen-Werk nahe Hannover geladen. Um sechs Uhr hätte er in Weeze am Niederrhein sein sollen, um 10 Uhr einen Edeka-Markt in Moers beliefern sollen, um 13 Uhr Netto in Krefeld. Doch er sollte dort nie ankommen. Um 3.06 gibt sein GPS-System ein letztes Signal...
„... um drei Uhr sieben lag der Lastwagen wohl schon hier unten“, sagt Michael T., der 32-jährige Chef der Wickeder Spedition. Fassungslos steht er mittags am Unfallort zwischen Trümmern und Kekspackungen. 17 Lastwagen gehören seinem Familienunternehmen, vier Kühlwagen wie dieser. Den Sachschaden mag er noch gar nicht ermessen. „Den Fahrer habe ich gestern Abend gegen zweiundzwanzig Uhr noch gesehen. Ich habe ihm den Schlüssel gegeben, noch fünf Minuten mit ihm gequatscht und eine schöne Fahrt gewünscht“, sagt der Spediteur.
Herzinfarkt oder Schlaganfall?
Der Fahrer gehöre nicht zu seiner Stammbelegung, sei ein Ersatzfahrer der Ahlener Leihfirma DFL, arbeite aber schon seit zwei Jahren für ihn. Er halte es noch am ehesten für möglich, dass dieser einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten habe. Auch bei DLF lobt man den Fahrer. „Einer unser routiniertesten Leute. Ein verheirateter Mann. Sehr zuverlässig, korrekt. Er kannte die Strecke, ist sie schon oft gefahren“, sagt Michaela Mense von DLF.
Von fünf Uhr in der Früh bis mittags blieb eine Fahrspur der A 42 Richtung Kamp-Lintfort gesperrt. Allein die Essener Feuerwehr war mit 45 Kräften vor Ort, setzte gar ihre Höhenretter ein, um die von der Brücke herunterhängende Leitplanke abzuschneiden. Die Aufräumarbeiten liefen noch weit bis in den Nachmittag.
Der tote Lastwagen-Fahrer soll nun zur Klärung der Unfall-Ursache obduziert werden. Gleichzeitig bittet die Polizei um Mithilfe: Wer hat Montagfrüh, kurz nach drei Uhr auf der A 42, im Bereich der Brücke über den Rhein-Herne-Kanal Beobachtungen gemacht, die Aufschluss über den Unfall geben können (Telefon 0208/645696)?
10:20
Mein aufrichtiges Beileid allen Angehörigen.
22:24
von gardeducorps | #1
Von 15 Stunden Arbeitszeit kann man nicht ausgehen.
Reine Fahrtzeit sind knapp 6 Stunden, von zu Hause bis nach Hause, für das Verladen pro Kunde berechnet man 30 Minuten. Ergibt bei 3 Kunden 1,5 Stunden.
Reine Arbeitszeit ist also 7,5 Stunden.
Habe selbst schon für eine Spedition gearbeitet und weiß wovon ich spreche.
Trotz alledem ein Knochenjob.
Mein Beileid gilt den Angehörigen
#von halberLiter
Ich muss gardeducorps recht geben. Wenn der Speditionschef mit den verunglückten Fahrer um 22 Uhr gesprochen hat und er um 13 Uhr bei Netto abladen sollte, so sind das 15 Stunden Arbeitszeit. Und dann kommt noch die Heimfahrt dazu. Wie kommen sie nach diesem Bericht auf 7,5 Stunden.
Selbst wenn der Fahrer erst um 02 Uhr die Spedition verlassen hat sind es immer noch 11 Stunden bis um 13 Uhr. Wenn er bei Netto abgeladen hat muss er ja wieder zurück fahren also nochmals 1-2 Stunden. Hier wurde auf den Rücken des Fahrers profit gemacht. Eine Übermüdung des Fahrers sollte geprüft werden.
21:20
Um 22 Uhr hat der Fahrer also angefangen zu arbeiten. Und um 13 Uhr sollte er bei Netto ankommen? Wie lange sollte der Fahrer denn Arbeiten? 15 Stunden und dann noch nach Hause zurück? Hoffentlich wird die Spedition für diese "Ausbeutung" und für den Gesetzesverstoß belangt. Vielleicht war der arme Fahrer übermüdet. Bei diesen Arbeitszeiten wäre dies kein Wunder. Hier zeigt sich wieder einmal wie Arbeitnehmer ausgebeutet werden, eine Mitverantwortung der Spedition, bei diesen gesetzeswidrigen Arbeitszeiten, ist zwingend.
Wie belangen? Wen denn? Die arme Sau war doch nur eine Leiharbeitskraft. Eventuell hatte er vor der 15 Stundenschicht für die Spedition bereits 15 Stunden für eine andere Spedition gearbeitet. Wir leben im Zeitalter der Globalisierung und Chinesen fahren bestimmt 72 Stunden am Tag für ein viertel des Gehaltes. Wenn der Leiharbeitnehmer nicht mitspielt, da stehen hunderte auf der Strasse ....
Ein hoch auf den globalisierten Kapitalismus!