Soziales
Polizei geht Streife im Angst-Raum
03.09.2008 | 15:19 Uhr 2008-09-03T15:19:00+0200Duisburg. Im Duisburger Norden fallen aggressive libanesische Jugendliche unangenehm auf. Die Polizei hat sich entschlossen, energisch gegen die Randalierer vorzugehen. Ihre Taktik zeigt erste Erfolge.
Meist beginnt es am frühen Nachmittag, sobald die Schule aus ist. Libanesische Jugendliche rotten sich im Umkreis der Pollmann-Kreuzung im Duisburger Stadtteil Marxloh zusammen. Schießen Fußbälle gegen Hausfassaden oder sogar gegen Schaufenster ansässiger Geschäfte. Raufen untereinander, beschimpfen Passanten, laufen bei Rot über Ampeln. "Monster-Kinder", so nennt sie die Inhaberin eines Geschäftes in der Nähe, "die haben gar kein Unrechtsbewusstsein."
Wie die anderen Kaufleute, die sich äußern, möchte sie ihren Namen nicht nennen. Aus Angst vor Repressalien. Sowohl deutsche als auch Geschäftsinhaber anderer Nationalität berichten von angesengten Markisen und zerdepperten Leuchtreklamen. Erst vergangene Woche, erzählt ein türkischer Kioskbetreiber, hätten Jugendliche seinen Keller aufgebrochen und mehrere Getränkekisten gestohlen. "Ich kann mir nicht mehr helfen", bekennt ein anderer Ladenbesitzer. "Die älteren stiften die jüngeren an", fährt er fort, "und gegen Minderjährige haben wir keine Handhabe." Der materielle Schaden, klagt eine ebenfalls betroffene Anwohnerin im höheren Alter, sei gar nicht das Schlimmste: "Ich fühle mich einfach unwohl."
Es sind vor allem solche Erfahrungen und Schilderungen, die Duisburgs obersten Polizisten dazu bewogen haben, Marxloh als "Angst-Raum" zu bezeichnen. "Wir haben es da mit gefühlten Bedrohungen zu tun", erklärt Rolf Cebin, seit 21 Jahren Polizeipräsident in Duisburg. Er weiß um den Wirbel, den seine Begriffswahl verursacht hat. "Aber Probleme lassen sich nur lösen, indem man sie offen anspricht."
Nicht alle Händler glücklich
Nicht alle Marxloher Händler sind glücklich darüber. Sie wollen nicht, dass ihr Stadtteil schlecht geredet wird. Immerhin gibt es hier die Weseler Straße, eine weit über Duisburg hinaus bekannte Einkaufsmeile für Brautmoden. Der Bau der Moschee verlief weitgehend konfliktfrei. Stadtteilbüro und Bürgerinitiativen engagieren sich.
Und doch konstatiert ein Ladenbesitzer stellvertretend: "Es gibt dort junge Menschen ausländischer Herkunft, die sich den Regeln des gepflegten Miteinanders entziehen." Was bleibt, ist der Ruf nach dem Arm des Gesetzes.
Dieser setzt den Hebel an am August-Bebel-Platz, in der Polizeiwache Marxloh, Sollstärke 18 Mann. Die Beamten hier haben schon etliche Dienstjahre hinter sich, kennen den Stadtteil wie ihre Westentasche. "Wir versuchen, so präsent wie möglich zu sein", sagt Wachdienstführer Uwe Gatzen, "aber wir können nicht jedem Anruf sofort nachgehen."
Zu zweit auf Streife
Zumal Gatzen und seine Kollegen immer öfter zu zweit auf Streife gehen. Zwar würden die meisten Jugendlichen nach einem strengen Blick oder einem lauten Appell rasch die Flucht ergreifen, schildert Polizeihauptkommissar Norbert Heidisch. Doch es gibt auch weitaus kompliziertere Situationen. Die Beamten berichten von türkischen und libanesischen Gruppen, die sich gegenseitig provozieren und anfeinden. Taucht ein Polizist auf, hat es bereits spontane Verbrüderungen beider Lager gegen den Beamten gegeben. "Es kommt immer wieder vor, dass eine polizeifeindliche Stimmung entsteht" so Cebin.
Mit einem verschärften Sicherheitskonzept versuchen die Gesetzeshüter, die Lage wieder stärker in den Griff zu bekommen. Dazu zählen neben einer größeren Präsenz auf den Straßen und Plätzen eine Reihe präventiver Maßnahmen. So sind die Beamten angehalten, konsequent Platzverweise zu erteilen und auch Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige zu bringen. Null Toleranz lautet Cebins Maxime.
Erste Früchte
Was offenbar erste Früchte trägt. Beamte wie Ladenbesitzer sprechen davon, dass sich die Situation in letzter Zeit verbessert habe. "Wir nutzen da auch unsere guten Kontakte zu den islamischen Gemeinden", sagt Cebin. Die Geschäftsleute helfen sich untereinander: "Diejenigen, die arabischer Herkunft sind, reden mal beschwichtigend, mal ermahnend auf die Jugendlichen ein", so ein Ladenbesitzer.
Mehr Polizeipräsenz im Ruhrgebiet nötig?
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Ohnehin, so der Tenor, könne man der Polizei nicht die Bewältigung des Problems überlassen. Immer wieder kommt die Sprache auf die berufliche Perspektivlosigkeit, "wobei das ohne erkennbaren Willen zur Integration kein Wunder ist", wie ein Händler bemerkt.
Es geht aber auch um scheinbar banalere Dinge: "Wo sollen sie denn hin?", fragt eine Anwohnerin, "hier gibt's doch so gut wie keine Bolzplätze mehr." Andere verweisen auf die erzieherische Aufgabe der Schulen. Eines wollen sie alle aber klar gestellt haben: Es werde immer nur auf Marxloh geschaut, dabei sehe es in anderen Städten und Stadtteilen nicht besser aus.
> Kommentar: Null Toleranz wirkt
> Im Interview: Duisburgs oberster Polizist, Polizeipräsident Rolf Cebin
11:06
#79
Dann ziehen Sie nach Marxloh und sprechen mit den dort lebenden Migranten das Problem einmal direkt an.
Vergessen Sie nicht, eine Hundertschaft Polizei mitzubringen.
09:52
Wenn man das hier alles so liest, könnte man meinen:
Zehntausende sitzen zu Hause und haben Angst
Lächerlich.
Wenn mir was gegen den Strich geht,spreche ich das Problem direkt an, und heule mich nicht in Kommentarfunktionen aus.
Hängt nicht den ganzen Tag vor PC und TV.
Fangt endlich wieder an zu leben - oder jammert wenigstens nicht.
06:23
#9 von Aufschwung
Ist in Essen auch so! Man traut sich nicht mehr im dunkeln auf die Strasse!
Denkt bei der nächsten Wahl daran!!
23:11
Zitat: Es gibt dort junge Menschen ausländischer Herkunft, die sich den Regeln des gepflegten Miteinanders entziehen.
Der Arm des Gesetzes bleibt aber leider kurz, da lt. Wachdienstführer Uwe Gatzen nicht jedem Anruf sofort nachgegangen werden kann.
Diese Aussage bereitet mir erhebliche Magenschmerzen.
Will man die Jugendlichen dingfest machen, müssen diese ja wohl bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden.
Diese Jugendlichen werden sich aber mit aller Gewalt wehren - Körperverletzungen und Bedrohungen sind die zwangsläufige Folge.
Welcher Bürger nimmt diese Folgen auf sich?
Des Weiteren ist es so (selbst wenn man gegen diese Jugendlichen einen Anspruch auf Schadensersatz durchsetzen sollte), diese Jugendlichen mangels Einkommen nicht zahlen können oder wollen.
Auch ein gerichtlich bestätigter Anspruch bringt im Grunde für den Geschädigten überhaupt nichts, da
in unserem Rechtssystem leider die berechtigten Ansprüche mangels Vermögen der Beschuldigten nicht durchgesetzt werden können.
Der couragierte Bürger setzt sich nicht nur Anfeindungen aus, sondern muss auch damit rechnen, weiter im Fokus des Mobs zu verweilen.
Aus Dank hat er dann wahrscheinlich noch weitere Beschädigungen zu erwarten (abgetretene Autospiegel/eingeschlagene Scheiben etc.)
Wenn der festgehaltene Jugendliche vielleicht nicht zart genug angefasst wurde, folgt wahrscheinlich auch noch eine Anzeige wegen Körperverletzung.
Aussichtslose Situation - oder ??
Politiker - reagiert endlich - oder könnt ihr das auch nicht????
22:46
Das Problem ist kein Problem von DU-Marxloh, in jeder Stadt des Ruhrgebiets und vermutlich auch in jeder anderen Großstadt in Deutschland gibt es mindestens einen Stadtteil, der auf gleiche Weise den Bach runtergeht.
Essen-Katernberg, E-Vogelheim, Teile der Essener Innenstadt, E-Karnap, DU-Neumühl, DU-Hochfeld, Oberhausen Osterfeld, Köln-Mülheim, usw, usw.
Man kann also denke ich behaupten, dass hier kein lokales Problem besteht, sondern ein generelles. Die Integrationspolitik der Bundesregierung lässt die Bildung von Parallelgesellschaften zu. In vielen Fällen ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, jetzt nach schnellen Lösungen zu rufen wirkt auf mich wie ein Witz. Nur die Polizeipräsenz zu erhöhen verdrängt auch nur das Problem anstatt es zu lösen (dafür kann die Polizei nichts, die tun nach meiner Erfahrung,was sie können).
22:32
So, Ich habe versucht, alle Kommentare zu lesen und zu verstehen.
Es ist eigentlich erschreckend, was man so liest – auch zwischen den Zeilen.
Hetze Diskriminierung bringt nichts – Lösungsansätze sind gefordert – der Kuschelkurs der Politiker und Behörden muss aufhören!
Also liebe Bürger: Schaut den Politikern genau auf die Finger, geht zu den Stadtteilkonferenzen und zu den Sitzungen des Ausländerbeirates.
Zeigt Präsenz - und teilt den blauäugigen Politikern mit - was in eurem Stadtteil wirklich los ist.
Was durchgängig anzumerken ist, ist die Tatsache, dass viele Bürger Angst haben.
Angst – den eigenen Stadtteil in mehreren Jahren nicht mehr wiederzuerkennen.
Angst – wie sich das Zusammenleben weiter entwickeln könnte?
Angst – ob der Stadtteil in Zukunft noch eine lebenswerte Heimat darstellt.
Angst – vor einer weiteren Ghettorisierung.
Angst – ob es sich noch lohnt, Geschäfte weiterzuführen.
Angst – weiter im Stadtteil zu investieren.
Angst – vor Übergriffen und körperlicher Gewalt.
Angst – Probleme anzusprechen, weil man weitere Aggressionen fürchtet.
Angst-Angst-Angst; was ist nur in Marxloh los??
Die Polizei ist nur letztes Glied in der Kette – haben alle Bezirksbeamten – und die Kommunalpolitiker komplett versagt??
Wird der Kuschelkurs weiter fortgesetzt und alte Positionen gebetsmühlenartig wiederholt??
Was ist mit dem Bezirksbürgermeister – warum wird hier keine Stellungnahme eingefordert.
Wieder mal kein Konzept der Ratsfraktionen??
22:26
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21:36
Sehr geehrter Herr Hendrik Baumann, zum Glück hat nicht Roland Koch diesen Artikel geschrieben. Die Nazikeule wäre ihm von Seiten Ihrer Zeitung gewiss gewesen! Aber so: linksgrüne Bestandsaufnahme - leider mindestens 10Jahre zu spät! Plagt das schlechte Gewissen, mit Schuld an diesen Zuständen zu sein?
20:19
Ich bin ja schon froh, dass so eine Geschichte in der WAZ überhaupt thematisiert wird. Dort hat man wohl trotz des intensiven Einsatzes gegen die allgegenwärtige Gewalt von rechts noch Zeit gefunden, sich um die wirklichen Probleme zu kümmern. Respekt!
Noch mehr Respekt zolle ich Herrm Klümper für den Kommentar auf der ersten Seite. Da gibt es aber der Betroffenheitsbeauftragten viel zu erklären!
19:45
Es kann nicht sein, das sich diese Jugendlichen benehmen wie die AXT IM WALDE
Ich bin der Meinung, wer meint, das er hier die Sau raushängen lassen kann, der kann das auch in seiner Heimat machen...
Aber das wollen die nicht??? Warum???
Is doch klar, in ihrer Heimat kämen sie sofort in den Knast, und in ihrer Heimat werden sie nicht vom Staat ÜNTERSTÜTZT...
Kann man mal nicht folgendes einführen:
Wer Randale gemacht hat sollte zu einer Jugendstrafe verurteil werden. Die Strafe sollten aber keine Sozialstunden sein, sondern den Schiet wegmachen, den sie angerichtet haben oder als Alternative die STRASSE fegen oder anderweitig saubermachen und aufräumen...
Und nach der Verbüssung der Strafe: AB IN DIE HEIMAT...