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Polizei ermittelt nach Explosion wegen Mord-Verdachts gegen 52-Jähringen

28.08.2012 | 19:21 Uhr
Polizei ermittelt nach Explosion wegen Mord-Verdachts gegen 52-Jähringen
Die Rettung kam zu spät: Ein 17-Jähriger starb bei der Explosion in seiner Kölner Wohnung.Foto: dapd

Köln.   Offenbar aus Eifersucht hat ein 52-Jähriger den Freund seiner Tochter getötet. 17-Jähriger fühlte sich bedroht. Kurz vor dem Unglück rief er noch die 110 an. Seit Monaten war Semmy mit der 14-jährigen Tochter seines mutmaßlichen Mörders zusammen. Eine Beziehung, die der Vater mit allen Mitteln unterbinden wollte.

Anfangs sieht es aus wie ein tragisches Unglück. Doch es war wohl ein Verbrechen. Offenbar aus Eifersucht hat ein 52-Jähriger in Köln die Wohnung des Freundes seiner Tochter in die Luft gejagt und den 17-jährigen dabei getötet.

Kurz nach 21 Uhr ist es am Montagabend, da hört Nachbar Marius Krumme „einen lauten Knall“ und „Hilferufe“. Dann sieht er eine schwarze Rauchwolke. Sekunden später steht das Mehrfamilienhaus am Gottesweg 54 im Kölner Stadtteil Zollstock in Flammen.

Als die Feuerwehr am Ort des Geschehens eintrifft, da brennt es lichterloh im vierten Stock. Einen Mann müssen die Feuerwehrleute mit der Drehleiter retten, ein anderer springt aus dem Fenster im ersten Stock. Beide kommen leicht verletzt in ein Krankenhaus.

Mutmaßlicher Täter mischt sich unter die Schaulustigen

Für den jungen Mann aber, den sie unter den Trümmern eines Fensters im Hinterhof des Gebäudes entdecken, kommt jede Hilfe spät. Gut eine Stunde versuchen Notärzte ihn zu reanimieren, doch der 17-jährige Semmy stirbt noch am Unglücksort.

Der Mann, der angeblich für seinen Tod verantwortlich ist, hat sich derweil unter die Schaulustigen gemischt, die sich vor dem brennenden Haus versammelt haben. Aber er fällt Anwohnern auf, weil er selbst schwer verletzt ist, Brandwunden am ganzen Körper hat. Als die Polizei ihn deshalb befragt, gibt er zu, in der Unglückswohnung gewesen zu sein und dort „mit Benzin hantiert“ zu haben. „Mehr oder weniger geständig“ nennt die Staatsanwaltschaft das später.

Mädchen war kurz vor der Tragödie gegangen

Der Tod des jungen Mannes ist der traurige Höhepunkt eines offenbar schon lange schwelenden Eifersuchtsdramas. Seit Monaten schon, heißt es, war Semmy mit der 14-jährigen Tochter seines mutmaßlichen Mörders zusammen. Eine Beziehung, die der Vater mit allen Mitteln unterbinden wollte. Mehrfach, bestätigt die Polizei inzwischen, sei der Verdächtige wegen „häuslicher Gewalt“ dem Mädchen gegenüber auffällig geworden. Auch das spätere Opfer soll er vor einigen Wochen mehrfach bedroht haben.

Die jungen Leute wollen sich trotzdem nicht trennen und treffen sich weiter. Am Montagabend, erzählen Nachbarn, sei das Mädchen wieder in der Wohnung gewesen und erst kurz vor der Tragödie gegangen.

Vater randaliert vor der Tür

Als ihr Vater davon erfährt, rast er zum Gottesweg, randaliert vor der Tür seines späteren Opfers. Völlig verängstigt greift der junge Mann zum Telefon. „Er hat die 110 gewählt und gesagt, er fühle sich bedroht, da wolle jemand in seine Wohnung rein“, sagt Alf Willwacher, Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft.

Doch der Hilferuf kommt zu spät. Minuten später nur gelingt es dem tobenden Vater die Tür einzutreten. Drinnen verschüttet er mehrere Liter Benzin, entzündet alles mit einem Feuerzeug. „Dadurch ist es zu der Explosion – genauer gesagt zu einer Verpuffung – gekommen“, bestätigt Willwacher. Der 17-Jährige hat keine Chance. Voller Panik ist er auf den Fenstersims seiner Wohnung geflüchtet und ruft um Hilfe. Dort packt ihn die Druckwelle der Detonation und reißt ihn aus dem vierten Stock in die Tiefe. Dabei erleidet er die tödlichen Verletzungen.

Künstliches Koma

Am Tag danach klafft ein großes Loch, wo bis Montag noch das Fenster der Wohnung des 17-Jährigen war. Das Dachgeschoss sei nicht mehr bewohnbar, die Wohnung des Toten völlig ausgebrannt, sagt ein Feuerwehrsprecher. In den darunter liegenden Etagen könnten die Wohn- und Geschäftsräume aber weiter genutzt werden. Das Haus sei nicht so schwer beschädigt, dass es abgestützt werden müsse.

Der mutmaßliche Täter ist noch in der Nacht unter Polizeibewachung in eine Klinik eingeliefert worden. Dort haben ihn die Ärzte in ein künstliches Koma versetzt. Sein Zustand, sagt die Staatsanwaltschaft, sei aber nicht lebensbedrohlich. Wenn der 52-Jährige wieder aufwacht, wird man ihm einen Haftbefehl vorlegen. Die Polizei ermittelt wegen Mordes.

Andreas Böhme



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