Pflegemutter soll Neunjährige in Badewanne ertränkt haben
25.01.2011 | 09:40 Uhr 2011-01-25T09:40:00+0100
Bonn. Wieder stehen Pflegeeltern vor Gericht. Sie sollen ein neunjähriges Mädchen gequält und schließlich in einer Badewanne ertränkt haben. Die Pflegemutter schweigt zu den Vorwürfen, doch ihr Mann will aussagen.
Noch so ein Fall. Wieder ist ein kleines Kind gewaltsam gestorben, in einer Familie, in der es Schutz und Fürsorge erleben sollte, die es bei der alkoholkranken Mutter nicht bekam. Nach Talea (†5) aus Wuppertal, deren Pflegemutter vor zwei Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht stand, ist es nun Anna (9) aus Königswinter, deren Tod nun vor dem Landgericht Bonn aufgeklärt werden soll. Erneut ist die Pflegemutter angeklagt, Petra W. (52), die das Mädchen drangsaliert und gequält und schließlich im eigenen Badewasser ertränkt haben soll. Mitangeklagt ist Ehemann Ralf (51), er soll zugesehen, auch geholfen haben, Anna zu fesseln, den Mund zu verkleben, sie festzuhalten.
Eigentlich sind Jugendämter und deren Mitarbeiter dazu da, Familien in schwierigen Lagen zu helfen, vor allem aber die Jüngsten, Hilflosen vor Unheil zu bewahren. In manchen Fällen müssen Kinder dann für eine Weile aus der eigenen Familie herausgenommen werden. Und eigentlich sollten Pflegefamilien gut ausgewählt, in Augenschein genommen, geschult worden sein. Dafür gibt es Geld für so eine Pflegestelle, mehrere hundert Euro pro Kind, trotzdem gibt es eigentlich immer zu wenig Pflegefamilien für zu viele Kinder.
Ungeklärte Verhältnisse
Wie mag Petra W. aus Bad Honnef wohl Pflegemutter geworden sein? Sie selbst hatte einen behinderten Sohn, der starb, sie hat eigene, große Kinder, die örtliche Presse spricht mal von zwei, mal von vier, jedenfalls scheinen die Verhältnisse eher ungeklärt.
Mit Handschellen wird sie nun hereingeführt, eine stark übergewichtige Frau im hellblauen Kapuzenpulli, mit strähnigen Haaren, die aussieht, als sei sie gerade beim fernsehen gestört und von der Couch weggeholt worden. Mürrisch ist sie und genervt.
Daneben ihr Ehemann, mit dem sie sechs Jahre verheiratet ist - ein mittelalter Durchschnittstyp mit Bart, Glatze, Brille, in Sweatshirt, mit Schal und Parka. Sie nickt ihm zu. Er guckt sie an, dann auf seinen Tisch, dann wieder zu ihr. So geht das die ganze Zeit.
„Dumme Kinder werden so bestraft“
Ralf W. hat tatsächlich Angst vor dieser Frau. Das wird deutlich, als sein Rechtsanwalt einen Antrag - den wohl aufschlussreichsten von vielen Anträgen - stellt. Sein Mandant wolle aussagen, so Anwalt Sebastian Holbeck. Aber man möge bitte seine Ehefrau so lange des Saales verweisen. Begründung: Ralf W., der sich wie ein „Butler mit Ehering“ vorkomme und als Pantoffelheld verspottet werde, könnte angesichts seiner dominanten Frau nicht alles sagen, was er will...
Zwischen diesen beiden Menschen lebte Anna seit Sommer 2008. Nachdem, was Oberstaatsanwalt Robin Faßbender verliest, war sie seit April 2009 erheblichen Misshandlungen ausgesetzt. Sie wurde mit Nagelfeilen, Nadeln, Kulis gestochen, bekam tagelang nichts zu essen und zu trinken, wurde an Armen und Beinen mit Paketklebeband gefesselt. Gefesselt wurde sie zum Essen gezwungen oder gebadet und ein ums andere Mal mit dem Kopf unter Wasser gedrückt, bis sie blau anlief. Oft war Ralf W. dabei, manchmal legte er mit Hand an. Manchmal schrie Anna, auch rief eine Nachbarin bei den Behörden an, doch es passiert nichts.
Einem Nachbarskind, das erschrocken Zeugin einer solchen Prozedur wurde, soll Petra W. zugerufen haben: „Dumme Kinder werden so bestraft“. Schließlich, am Todestag, dem 22. Juli 2010, habe sie Anna unter Wasser gedrückt, bis diese sich erbrach und bewusstlos wurde. Ralf W. holt einen Notarzt. Anna stirbt.
Fünf weitere Anträge
Die einstige Pflegemutter wird sich „schweigend verteidigen“, sagt ihr Anwalt. Zuvor hatte er mit einem Befangenheitsantrag gegen die Besetzung der Kammer und fünf weiteren Anträgen den Beginn der Verhandlung bis zum Mittag herausgezögert. Ralf W. allerdings wird reden. Er hat sich entschlossen, auch im Beisein seiner Frau „die Hosen runterzulassen“. Richter Josef Janßen hat ihm gut zugeredet.
Petra W. nagelt ihren Mann mit den Augen regelrecht fest. Einen bösen Blick lang. Übermorgen will Ralf W. sich äußern. Wie Anna bei ihnen lebte. Und wie sie starb.
21:13
Ich möchte nicht den Bericht bewerten, wohl aber die Kommentare. Jeder der meint, das man mit Pflegekindern ein tolles Geschäft machen kann, darf sich gerne beim Pflegekinderdienst melden und das selber mal versuchen. Mit Kindern, die ein Trauma haben, die ständig zu irgendwelchen Therapien gebracht werden müssen oder einem das Haus oder die Wohnung zerstören. Sicher haben nicht alle Pflegekinder diese Probleme, aber die Chance ist doch recht hoch. Also Leute, verdient euer Geld so auf die leichte Weise. Das ganze dann noch bei einem Stundenlohn von 0,30Euro. Also ran, ist doch ein tolles Geschäft
14:12
Frage mich gerade, nach welchen Kriterien Pflegeeltern ausgesucht werden.
Anscheinend nicht nach dem Erscheinungsbild und dem Auftreten.
12:50
Wenn die Anschuldigungen stimmen dann bitte gleich 15 Jahre mit anschl. SV. Hinrichten ist ja leider nicht mehr drin für solche Leute...
12:38
Pflegekinder sind doch ein tolles Geschäft. Wer eh schon drei oder vier Kinder zuhause hat, kann ja noch ein 5. dazu nehmen, ein Kind mehr oder weniger fällt doch nicht auf und das Geld ist ein schöner Anreiz ... blöd nur, wenn man dann gar keine Kompetenzen in Sachen Kindererziehung hat, denn Blagen nur auf die Welt zu bringen, ist mit Sicherheit kein Gradmesser dafür, ob man als Mutter oder Vater auch taugt ...
10:24
Die Mitarbeiter des Jugendamtes gehören auch vor Gericht1
Wie kann man solchen Menschen, deren Familienverhältnisse Anlass zum Nachhaken geben, überhaupt Pflegekinder übergeben?
Allein die finanziellen Verhältnisse laasen vermuten, dass hier ein einfacher Couch-Job gesucht wurde!