Online-Bücherbörse für klamme Studis
23.05.2009 | 23:59 Uhr 2009-05-23T23:59:00+0200
Witten. Bücher sind teuer. Vor allem Studierende machen diese leidvolle Erfahrung jedes Semester. Geht das nicht billiger? Als Antwort auf diese Frage entwickelten zwei Studenten der Universität Witten/Herdecke einen Flohmarkt im Internet. Auf „Unifloh” kann man gebrauchte Lehrbücher finden.
Als Jonas Piela im Sommersemester 2008 in den ersten Vorlesungen die Lektüreempfehlungen seiner Professoren erhielt, hatte er plötzlich eine Einkaufsliste von mehreren hundert Euro in der Hand. „Das war ein echtes Problem”, sagt Piela. Weil Probleme nach einer Lösung schreien und der 23-Jährige Betriebswirtschaft studiert - „ein Markt funktioniert nur, wenn Anbieter und Abnehmer zusammenkommen” - brachte er und sein Studienfreund Fionn Kientzler die marktwirtschaftlichen Akteure auf der Internetplattform Unifloh.de zusammen.
Die Buchbörse im Internet funktioniert ganz einfach. Unifloh ist an eine ISBN-Datenbank angeschlossen. Der Verkäufer gibt die internationale Kennnummer für Bücher, die ISBN, ein und beschreibt die Qualität seines Buches. „Sind Gebrauchsspuren daran, Eselsohren oder Knicke im Einband, und er nennt seinen Preis”, sagt Piela. Top 5 der 22 Kategorien: Medizinbücher, Sonstiges, BWL, Philosophie und Germanistik.
Lehrbücher sind wertbeständig
Wer auf Unifloh stöbert, der lernt: Studentische Lehrbücher sind recht wertbeständig. Kinder- und Hausmärchen III mit Originalanmerkungen der Gebrüder Grimm wechselt für 8 Euro den Besitzer (neu: 11 Euro), Griechische Grammatik sinkt sogar nur um 95 Cent auf 19 Euro. Hier darf man vermuten: Ein kaum gebrauchtes Buch - die Studienwahl war wohl nicht richtig und Griechisch doch nicht der Knaller.
Der Bücherwechsel selbst geht dann ganz antik über die Bühne: Marktplatz ist die jeweilige Universität, wo sich Anbieter und Käufer treffen. Damit umgehe das System die immer noch riskanten Geldgeschäfte im Internet. „Außerdem funktioniert der lokale Austausch viel schneller”, sagt Piela.
Werbung auf YouTube
Wie es sich für kreative Studis gehört, haben Kientzler und Piela ihren Unifloh mit einer Werbemaßnahme flankiert auf die Studierenden losgelassen. Für lau, versteht sich. Auf youtube gibt es ein Video zu sehen, in dem Fionn Kientzler einen Berg voll Bücher aus dem Fenster der Wittener Uni stemmt. Schlußabspann: „Sei nicht blöd! Verkaufe deine Bücher bei Unifloh”.
„Das hat Spaß gemacht, das Video zu drehen”, sagt Piela und schiebt hastig nach: „Das waren natürlich alte, ausgesonderte Kladden.” Derzeit überlegen die Beiden, ein paar weitere Leute ins Boot zu nehmen. „Wir wollen das Projekt solange vorantreiben, bis wir auf eine Betonwand stoßen”, sagt Jonas Piela. „Zurzeit rennen wir offene Türen ein - es gibt kein Aufhalten.”
Zusammen mit den Studentenausschüssen bieten Jonas Piela und Fionn Kientzler ihren Unifloh auch an den Universitäten Bochum, Düsseldorf, Erlangen/Nürnberg, Gießen, Greifswald, Köln, Passau, Regensburg und Würzburg an.
19:24
Wirklich eine tolle Sache :)
18:21
Tolle Sache, es gibt ja schon Bookya.de und Alternativen sind natürlich noch besser denn Konkurrenz bedeutet Fortschritt und Fortschritt bedeutet mehr Nutzen für die Benutzer in dem Fall Studenten.
23:34
Super Sache. Ich finde es immer schon interessant wenn clevere Studenten Geschäftsideen in die Praxis umsetzen. Im Web 2.0 geht das ja noch schneller und das ohne große finanzielle Mittel. Ich plane derzeit mit einem Kommilitonen ein Online Projektmanagement Tool. Einige Investoren haben bereits schon INteresse gezeigt. Mal sehen wie es ausgehen wird :)
16:01
Ich finde es gut, wenn Jugendliche in der heutigen Zeit wieder etwas unternehmen! Das hat viele Jahre einfach keiner mehr gemacht. Der Werteverfall ist dramatisch. Das sieht man dann auch an der gnadenlosen Überbürokratisierung der staatlichen Universitäten. Die Flexibilität geht quasi in den Aktenstapeln verloren.
Ich finde es wichtig, dass es Universtiäten gibt, die deartiges Engagement wieder zulassen und wenn dich das neidisch macht, Peer, dann kann ich daran auch nichts ändern. Vielleicht solltest du selbst mal etwas versuchen, anstatt nur über andere zu meckern. Für mich sieht das ganze Projekt jedenfalls nach einer guten Idee aus, die unterstützenswert ist und nicht durch präpubertäres Gerede von Rechthabern zunichte gemacht werden sollte.
Also: Mehr private Unis!
15:52
Wären alle Unis in Deutschland privatisiert, wäre Deutschland international viel besser aufgestellt!
Mit Soziologiestudenten im 30. Semester werden wir garantiert kein Exportweltmeister mehr...
13:06
Schmale Reclambändchen als Schnäppchen?
23:20
Tja, Studis an dieser UNI müssen sich wohl so langsam auch umschauen. Privatunis sind halt nicht mehr das, was sie mal waren.