Nordrhein-Westfalen wird weiter zubetoniert
06.12.2011 | 12:18 Uhr 2011-12-06T12:18:00+0100
Essen. Stellen Sie sich die Fläche von 15 Sportplätzen vor. So groß ist das Areal, das jeden Tag in Nordrhein-Westfalen bebaut wird. Auf diese Weise gehen täglich etwa 11,5 Hektar Boden verloren. Jedes Jahr kommt so eine Fläche in der Größe der Stadt Schwerte zusammen. Bundesweit sind in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 110 Hektar oder 147 Sportplätze täglich zugebaut worden. Bislang ist es nicht gelungen, den Flächenverbrauch effektiv einzudämmen.
Stellen Sie sich die Fläche von 15 Sportplätzen vor. So groß ist das Areal, das jeden Tag in Nordrhein-Westfalen bebaut wird. Auf diese Weise gehen täglich etwa 11,5 Hektar Boden verloren. Jedes Jahr kommt so eine Fläche in der Größe der Stadt Schwerte zusammen. Bundesweit sind in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 110 Hektar oder 147 Sportplätze täglich zugebaut worden. Bislang ist es nicht gelungen, den Flächenverbrauch effektiv einzudämmen.
Dabei gilt Boden wie Wasser und Luft als wertvolle Ressource. „Wir brauchen Boden nicht nur zum Anbau von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen“, erklärt Prof. Harald Zepp, Geograph an der Bochumer Ruhr-Uni. „Der Boden ist auch Heimat von seltenen Pflanzen- und Tierarten.“ Wälder und Parks dienen zudem vielen Menschen als Naherholungsgebiete. Heute gibt es in NRW nur noch im Rothaargebirge und in Ostwestfalen drei unzerschnittene Landschaftsräume, die größer als 100 Quadratkilometer sind.
Experte rechnet mit stärkeren Überschwemmungen
„Der Boden hat aber auch eine ganz praktische Aufgabe als Wasserspeicher“, ergänzt Zepp. „Je mehr Fläche wir zubetonieren, sprich versiegeln, desto häufiger müssen wir mit Überschwemmungen und Hochwasser rechnen.“ Das bedeutet: „Mit dem hohen Flächenverbrauch verbauen wir uns wortwörtlich unsere Zukunft“, warnt der Wissenschaftler.
Äcker und Weiden, also landwirtschaftliche Fläche, sind besonders bedroht. Jede Sekunde verschwinden an Rhein und Ruhr zwei Quadratmeter. Das hat der Westfälisch-Lippische Bauernverband ausgerechnet. „Die Landwirte sind doppelte Verlierer“, sagt Wilhelm Deitermann vom Umweltministerium. Ihre Fläche verschwindet nicht nur durch Bebauung. Für jede bebaute Fläche muss Ersatz geschaffen werden. Wird irgendwo ein Stück Wald abgeholzt, müssen an anderer Stelle neue Bäume gepflanzt werden. Das geschieht meist auf landwirtschaftlicher Fläche.
Ohne Eingreifen gibt es in 264 Jahren keine Felder mehr
Zwar hat der Flächenverbauch in den vergangenen Jahren tendenziell leicht abgenommen. Geht die Entwicklung allerdings so weiter wie bisher, gäbe es bei zwei verlorenen Quadratmetern pro Sekunde in 264 Jahren keine Felder und Koppeln mehr.
Die Gründe für den hohen Flächenverbrauch sind vielfältig. „Viele Kommunen weisen immer neue Gewerbegebiete aus“, sagt Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Ein Beispiel ist der geplante NewPark im Kreis Recklinghausen . Auf der grünen Wiese zwischen Datteln und Waltrop sollen sich flächenintensive Industrieunternehmen auf 140 Hektar ansiedeln.
Aber auch der Traum vom eigenen Häuschen im Grünen trägt dazu bei, dass an Ortsrändern Neubausiedlungen entstehen. Neue Straßen und Einkaufszentren wiederum verbinden und versorgen die Menschen. Die Folge: Innenstädte veröden, weil Flächen brach liegen. Abnehmende Bevölkerungszahlen aufgrund des demographischen Wandels beschleunigen diesen Prozess.
„Ein Gewerbegebiet an sich bringt noch keine Arbeitsplätze“, mahnt Naturschützer Jansen. „Viele sind zudem nicht ausgelastet.“ Er plädiert deshalb dafür, Brachflächen zu recyclen. Wissenschaftler Zepp nennt das „intelligente Mehrfachnnutzung.“ Als gutes Beispiel gilt das Univiertel in der Essener Innenstadt . Es ist auf dem Gebiet eines ehemaligen Güterbahnhofs entstanden.
Naturschützer fordert Abschaffung der Pendlerpauschale
Seit 2006 gibt es die Initiative „Allianz für die Fläche“ . Mitglieder sind verschiedene Einrichtungen, wie das Umweltministerium, die Architektenkammer NRW und das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung. Bei Tagungen diskutieren die Fachleute, wie der Flächenverbauch reduziert werden kann. Das Ziel: 2020 sollen „nur“ noch fünf Hektar Boden pro Tag verloren gehen. „Es muss etwas passieren“, sagt Wilhelm Deitermann vom Umweltministerium. Das soll nach dem „Prinzip der Freiwilligkeit“ geschehen. Denn die Planungshoheit liegt bei den Kommunen. Sie sollen von sich aus auf die Entwicklung der Innenstädte setzen.
Ob freiwillige Maßnahmen ausreichen, ist allerdings fraglich. Dirk Jansen vom BUND glaubt nicht, dass der Flächenverbrauch so eingedämmt werden kann. „Am besten wären planungs- und genehmigungsrechtliche Vorgaben.“ Der Naturschützer fordert: „Die Pendlerpauschale ist eine Zersiedlungsprämie. Solche Anreize müssen gekappt werden.“ Er plädiert auch dafür, eine Abgabe für Bodenversiegelung einzuführen. Jeder, der eine Wiese zubetoniert, müsste dann dafür zahlen.
13:05
Wenn der demografische Wandel Wirkung zeigt, müssen auch Flächen rekultiviert werden. Alte Häuser und unnütze Hochhäuser müssen weg. Und diese Lücken müssen neu geschlossen werden. Das verhindert uferlose Ausweitungen. Im demografischen Wandel sollten auch Industriegebiete sehr kritisch hinterfragt werden. Weniger ist mehr, besonders wenn man Anlagen mehrgeschossig baut. Ebenso muss der Straßenbau voll eingeschränkt und dafür die Schienen gestärkt werden. Passieren diese Dinge nicht, wird der Flächenverbrauch unseres relativ kleinen Landes mehr als chaotisch. Eine strenge Überwachung ist vonnöten.
Rekultivierung ist aber nur in begrenztem Maße möglich. Worum es in dem Artikel insbesondere geht ist die Zerstörung von Boden. Und Böden können nicht mal eben von Menschenhand rekonstruiert werden, sondern bilden sich im Laufe von jahrhundertelangen Prozessen.
Einmal umgraben, und alles ist futsch ... das ist hierbei das Hauptproblem.
12:42
www.stork-retten.de
Wir kämpfen seit 2008 gegen ein Gewerbegebiet der Stadt Wetter.
Selbst interkommunale Gewerbegebiete sind noch in Planung!
Wir wehren uns!
11:49
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11:43
Solange Gewerbehütten und -gebiete auf der grünen Wiese "nur" Renditeobjekte bleiben, die auch noch steuerlich absetzbar sind, wird sich nichts ändern. Die Metalität der Leuchtturm-Politiker opfern ebenso allzugerne, um sich selbst zu profilieren, die grüne Wiese.
Wenn wir bis 2020 auf die Zahl 30 ha pro Tag kommen wollen (statt 110 ha heute), dann frag ich mich, wann wir die gesamte Bauwirtschaft und alle die damit dran hängen (Banken, Kommunen etc.) darauf vorbereiten wollen?
Am 31.12.2019?
Ich würde mal sagen, wenn wir nicht spätestens heute damit anfangen, dann bleiben die geplanten 30 ha pro Tag nur Schall- und Rauchversprechen der Politik. Die Alternative wäre nämlich, dass wir die Bauwirtschaft mit allen Beteiligten um über 70 % ausbremsen. Das käme einem "vor die Wand fahren" gleich.
Allein die Erhaltung des Mythos, dass Fortschritt immer mit Neubau assoziiert wird, belegt nur, das hinter allem ein korruptes System steckt, wo ganz viele die Hand aufhalten (auch Politiker), frei nach dem Motto "NACH MIR DIE SINTFLUT", die tatsächlich durch Massenversiegelung dieses mal aber von Menschenhand vorbereitet wird.
Übrigens, die gleiche Diskussion gab es schon vor 20 Jahren, da wurde ein Flächenverlust in der BRD mit 3.000 qm pro Minute (432 Hektar pro Tag) beziffert.
Und, hat die Bauwirtschaft seitdem gelitten?
Wir sollten heute aber schnellstens damit anfangen die Flächenverbräuche zu reduzieren (vor allem frisst der Straßenbau Flächen), denn wenn wir am 01.01.2020 damit anfangen geht das ganze schief.
10:42
Sicher. Man kann leicht die Augen vor dem Problem verschließen, wenn man glaubt, es kommt erst irgendwann in der Zukunft. Aber die Zukunft ist schon heute. Und die Konsequenzen betreffen uns alle. Und zwar da, wo es den meisten wehtut, im Portmonnaie.
Jedes neue Baugebiet erfordert eine Erweiterung der Infrastruktur (Straßen, Leitungen, Kanalbauten), die a) bei der Erstellung und b) im Betrieb Geld kosten. Das Geld holen sich die Betreiber (Kommunen, Energie- u. Wasserversorger, Telekommunikationsunternehmen, ...) wieder rein, indem sie es auf ihre Einwohner bzw. Kunden umlegen und Gebühren, Entgelte, Beiträge und Steuern kassieren. Und das von jedem und nicht erst in 200 Jahren.
Das, was ein effizientes Flächenrecycling bisher verhindert, sind hohe Kosten (Abriss und Sanierung sind teurer als ne zu bauen), die Konkurrenz zwischen Regionen und Städten und fehlende bzw. butterweiche Rechtsvorschriften.
10:26
Man sollte vielleicht auch mal darüber nachdenken, alle noch in der Landschaft verrottenden Bauruinen, die hingestellt aber nie zu Ende geführt wurden, wieder abzureissen und neu zu begrünen! Würde eine irrsinnige Fläche zusammen kommen.Bei den Kosten kämen dann einige Politiker und Planer vielleicht auch auf die Idee, so etwas in zukunft zu vermeiden.
Glück auf
09:46
264 Jahre? Ich schätze einmal das spätestens in 50 Jahren der größte Teil der Weltbevölkerung sich selbst dezimiert hat . Die immer knapperen Resorcen werden schon dafür sorgen das in dem Verteilungskampf nur noch die Cleveren und Stärkeren überleben werden.
Mir persönlich ist es eh wurscht was in 246 Jahren ist. Finde ich übrigens voll Spacko ,wenn irgendwelche Schlaumeier sich da hinstellen und über etwas sinnieren was eh nicht eintritt.
Ausserdem hat doch die Geschichte im allgemeinen gezeigt,das jede Generation ihren eigenen Weg gehen wird. Denen ist die Meinung ihrer Erzeuger oder Vorerzeuger sowas von egeal. Was in der Vergangenheit vieleicht gut gemeint war muss in der Zukunft noch lange nicht zutreffen.
08:53
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08:40
Irgendwie ist der Hinweis mit den 246 Jahren, die wir noch haben, bis alles zugebaut ist, ein wenig schräg, denn so lange hält kein Beton. Genau genommen recycelt er sich schon in ein paar Jahrzehnten selbst.
Vielleicht sollte man lieber fordern, dass dort, wo die Industrie (zum Beispiel nach Rumänien) auswandert, sie zum Abschied alles wieder aufräumen und begrünen muss, denn deren Abgang geschieht oft viel schneller. Zurück bleiben Industriebrachen, für die jahrelang erfolglos andere Nutzer gesucht werden, um sie dann am Ende doch vom Steuerzahler sanieren zu lassen.
07:53
Es ist doch in der Tat sinnvoller alte Stadtviertel in den Revierstädten zu revitalisieren, auszudünnen und zu sanieren als immer neue gleichförmige Reihenhaussiedlungen in den Städten des Niederrheins zu erschaffen. Das Pendlerdasein ist eine Mode des 20. Jahrhunderts. Der Trend geht eindeutig zurück in die Städte. Wenn hier noch einiges für die Attraktivität für Familien getan wird werden auch diese wieder lernen städtisches Wohnen zu schätzen. Mit der nach dem demographischen Wandel abnehmenden Bevölkerung sollte man den Sinn eines Neubaus hinterfragen.