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Loveparade

Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach

08.02.2012 | 07:46 Uhr
Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
Der Ort der Katastrophe am 24. Juli 2010 vor der Massenpanik: die Rampe, die von der Karl-Lehr-Straße hinauf zum Loveparade-Gelände führt. Foto: APN

Duisburg.  Carsten W., der Mann, der dafür sorgen sollte, dass die Menschenmassen gefahrlos das Gelände zur Loveparade betreten konnten, erzählte den Ermittlern, wie es vor seinen Augen zur Katastrophe in Duisburg kommen konnte. Die Protokolle der Zeugenaussagen, Akten und Einsatzberichte zeigen: Wohl keiner der Beteiligten ist ohne Schuld.

Die Nacht lag schon tief über dem Gelände der Loveparade, an jenem 24. Juli 2010 um 23:30 Uhr. Unter dem Licht der Scheinwerfer sicherten Ermittlungsbeamte die Spuren der Opfer, der 21 Toten. Weiße Kreidestriche auf Beton, Plastikmüll und leere Wasserflaschen. Ein paar hundert Meter weiter betrat Carsten W. das Hoist Haus gegenüber des Duisburger Bahnhofs. Carsten W. war Crowd-Manager der Loveparade. Er sollte dafür sorgen, dass die Menschenmassen gefahrlos das Gelände der Loveparade betreten konnten. Im Hoist Haus wurde Carsten W. in einen Raum geführt. Hier saßen Rainer Schaller, der Chef der Loveparade, sein Pressesprecher, sein Marketing-Chef und zwei Frauen. Die Anwesenden waren deprimiert, geschockt, niedergeschlagen, berichtet Carsten W. später. Er sollte erzählen, was er erlebt hatte. Eine der Frauen protokollierte alles.

Carsten W. stand direkt an der Rampe, als die Katastrophe passierte. Nur wenige Meter von ihm entfernt starben Menschen. Er selbst war gesichert durch einen Zaun. An dem Mädchen bewusstlos zu Boden sanken. Nur Schritte entfernt. Nach seinem Bericht konnte Carsten W. erst einmal gehen.

Gut einen Tag später hatten Schaller und Freunde dann eine Idee, zu der sie Carsten W. brauchten. Sie riefen ihn an. Der Crowd-Manager sollte bei einer Pressekampagne helfen, um die Schuld an der Katastrophe der Polizei in NRW in die Schuhe schieben. Das sagte Carsten W. später vor Ermittlern aus.

Die Schlammschlacht um die Loveparade hatte begonnen.

Keiner der Beteiligten will Verantwortung übernehmen

Das Folgende ist schnell erzählt: Die Loveparade-Macher warfen der Polizei gemeinsam mit der Stadt Duisburg vor, durch Fehlentscheidungen und mangelhaften Einsatz die Katastrophe verursacht zu haben. Auf der anderen Seite griff Innenminister Ralf Jäger, Duisburgs SPD-Chef, die lokale Stadtspitze und die Loveparade-Macher an: Falsche Genehmigungen, fehlerhafte Pläne und zu wenig Personal hätten die Katastrophe unausweichlich gemacht. Keiner der Beteiligten übernimmt bisher Verantwortung.

Video
Duisburg. Eine Augenzeugin filmte bei der Loveparade die Situation in der Nähe des Unglücksortes. DerWesten zeigt ihren Film, der einen Eindruck von der Lage vor Ort vermittelt.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt seit anderthalb Jahren. Aktuell gegen 17 Personen, elf Personen aus der Stadtverwaltung, fünf vom Veranstalter der Loveparade sowie gegen den Einsatzleiter der Polizei, Kuno S.. Ob und wann Anklage erhoben wird, ist noch offen.

Heute erlauben zum ersten Mal Unterlagen, die der WAZ vorliegen, einen annähernd klaren Blick auf die Katastrophe. Die protokollierten Zeugenaussagen, Einsatzberichte, städtischen E-Mails und Vermerke zeigen, dass niemand, der an der Loveparade beteiligt war, ganz ohne Schuld ist.

Da ist die Stadt: An ihrer Spitze Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Seine Behörde wollte unbedingt das Mega-Event haben. Mitarbeiter seines Amtes sorgten für die Finanzierung des Spektakels.

Damit nicht genug: So erklärte die zuständige Mitarbeiterin Anja G. in einer E-Mail am 11. Mai 2010, Stadtbaurat Jürgen Dressler und Duisburgs Rechtsdezernent Wolfgang Rabe hätten sich darauf verständigt, alles vom Betreiber der Loveparade einzufordern, was dieser gesetzlich bringen muss, um die Party durchzuführen. So sollten die Akten sauber bleiben. Und weiter schreibt Frau G. „Dafür wären wir dann aber am Tag nicht da, um das zu kontrollieren.“

Spezialseiten
Loveparade und OB-Abwahl

Artikel, Fotos, Videos und ausgewählte Beiträge zur Loveparade in Duisburg und den Folgen – etwa zur Abwahl von Adolf Sauerland als OB und dem politischen Neuanfang in Duisburg – finden Sie auf unseren fünf Spezialseiten.

Sprich: Die Spitze der Stadt hat sich darauf geeinigt, am Tag der Loveparade wegzuschauen, um das Event nicht abblasen zu müssen. Ihr Ziel war es nur, die Papiere im Amt sauber zu halten.

Keine Lautsprecher, mieses Material und zu wenig Leute

Hätten die Beamten kontrolliert, hätten sie genug gefunden, um einen Abbruch der Party zu rechtfertigen.

In seiner fast 200 Seiten starken Aussage vor den Duisburger Ermittlern, eine Art Geständnis, berichtet Crowd-Manager Carsten W. unter anderem von den mangelhaften Vorbereitungen der Loveparade-Veranstalter unter ihrem Chef Rainer Schaller. Versprochene Überwachungskameras im Eingangsbereich waren nicht montiert, die Zäune Billigware, zudem wären die versprochenen sicheren Zugangswege für Hilfskräfte quer durch die Tunnel nicht aufgebaut worden. Warum? Carsten W. sagt, weil das zu teuer gewesen wären. Die Loveparade hätten wohl an den Zäunen gespart.

Die zentralen Akteure der Loveparade

Noch nicht einmal ein Lautsprechersystem hätten die Veranstalter installiert, berichtet Carsten W. den Ermittlern. Stattdessen hätte er privat ein Megafon mitgebracht, um die Massen im Panikfall zu lenken. Ein zweites Megafon sei ihm von der Loveparade-Spitze verweigert worden. Im Brandschutzkonzept hatte die Loveparade-Führung ein Lautsprechersystem zur Paniksteuerung zugesagt.

Vier Ordner werden für Oliver Pocher abgezogen

Auch beim Personal berichtet der Crowd-Manager von Problemen. So habe es nicht genug Ordner gegeben, um die Einlass-Schleusen zur Loveparade ernsthaft zu sperren. Er selbst habe gesagt, es gebe nicht genügend Männer um die geplanten Schleusen zu besetzen, doch anstatt mehr Leute zu schicken, habe die Loveparade-Führung die Zahl der Einlass-Stellen kurzfristig reduziert. Carsten W. sagt, ihm sei klar gewesen, dass er nur mit Hilfe der Polizei Sperren durchsetzen konnte.

Die Grafik zeigt die kritischen Punkte und Zeiträume am Tag der Loveparade-Katastrophe in Duisburg.

Auch auf der Rampe war das Bild nicht besser. Crowd-Manager Carsten W. berichtet, nur acht Ordner seien als so genannte Pusher eingeteilt gewesen, um Tausende Menschen von der Rampe auf den Platz zu schieben. Dann hätten vier der Pusher zum Personenschutz von Oliver Pocher abgestellt werden müssen. Diese seien dann zwar von anderen Ordnern ersetzt worden. Doch wo genau sich diese Pusher am Ende aufhielten, konnte Carsten W. den Ermittlern kaum schlüssig erklären. Die Polizei spricht zwischenzeitlich von nur zwei Pushern, die auf der Rampe waren.

In ihrem Bemühen, die Polizei für die Katastrophe verantwortlich zu machen, hatten die Loveparade-Macher um Schaller eine Internetseite geschaltet, in der sie Filme und Dokumente zur Parade veröffentlicht haben. Die Unterlagen sollten beweisen, dass die Macher der Loveparade alles richtig gemacht haben. Und dass nur die Polizei schuld sei. Die Seite ist wieder aus dem Netz verschwunden.

Carsten W. schrieb in einer Email an einen Geschäftspartner wenige Tage nach der Katastrophe: „Wenn ich noch einmal größere Veranstaltungen als Sicherheitsverantwortlicher leite, mache ich das nur mit einem vernünftigen Konzept. Das heißt: vernünftiges Sperrmaterial und ausreichend guter Personal. Das wird Geld kosten.“

Die Loveparade-Katastrophe und das Jahr...

Der Chef der Loveparade, Rainer Schaller, nahm auf Anfrage keine Stellung zu den Vorwürfen.

Doch auch die Polizeiführung hat ihren Anteil an der Katastrophe.

Da ist die Sache mit der Ablösung der Einsatzkräfte im Eingangsbereich der Loveparade. Eigentlich wollten die Planer der Polizei die Mannschaften zum Schutz der Veranstaltung vom frühen Morgen bis tief in die Nacht durcharbeiten lassen. Doch das verhinderte das Innenministerium. Mit dem Erlass Nummer 41.2-60.11.01 ordnete die Behörde an, dass die Kräfte höchstens zwölf Stunden arbeiten dürfen, inklusive An- und Abreise. Angeb-lich geschah dies auf Wunsch des Personalrates der Polizei.

Protest der Einsatzleiter

Die Einsatzführer der Polizei begehrten gegen den Erlass auf, mehrere remonstrierten bei ihren Vorgesetzten mündlich. Eine Remonstration ist eines der schärfsten Mittel, die das Beamtenrecht kennt, um gegen Weisungen von oben zu protestieren. Allerdings machen Beamte nur selten von diesem Recht Gebrauch, da sie befürchten, als Querulanten abgestempelt zu werden.

Video
Mit diesem Video über das Loveparade-Drama übt Lopavent schwere Kritik an der Polizei.

Der wichtigste Abschnittsführer legte dennoch seinen Protest am 24. Juni 2010 schriftlich vor. Insbesondere im Karl-Lehr-Tunnel könne es zwischen 15 und 18 Uhr zu kritischen Situationen kommen, bei der die Polizei voll einsatzfähig sein müsse. „Bei einer Ablösung um 16 Uhr fällt in diesen Zeitraum die Wechselzeit und damit die Zeit, in der die Polizei nur eingeschränkt handlungsfähig wäre.“

Doch der Protest findet keinen Widerhall. Der Spitzenbeamte R. aus dem Innenministerium setzte den Wechselerlass gegen alle Widerstände durch. Den Polizisten blieb nur übrig, sich selbst zu helfen und den angeordneten Wechsel so früh wie möglich durchzuziehen, um zur kritischen Einsatzzeit hoffentlich voll einsatzfähig zu sein.

Doch das misslang offenbar. Als das Ordnerkonzept der Loveparade-Macher versagte, war die Polizei nicht in der Lage, die Sperrung der Eingänge durchzusetzen. Auch die Polizeiketten im Tunnel konnten den Druck der Massen nicht aufhalten. Sie wurden überrannt.

Wegen der laufenden Ermittlungen wollte sich das Ministerium nicht zu den Remonstrationen der Beamten äußern.

Doch nicht nur bei der Planung machte die Polizeiführung eine schlechte Figur. Zeugen vermitteln den Eindruck, am Tag des Unglücks sei es in der Einsatzzentrale der Polizei zugegangen wie in einem Taubenschlag. Von mindestens drei Besuchergruppen ist die Rede, die in der kritischen Zeit zwischen 14.30 Uhr und 16 Uhr in der Stabsstelle aufmarschierten.

Minister lässt sich im Krisenstab blicken

Hohe Mitarbeiter des Innenministeriums ließen sich von den Einsatzführern die Lage schildern. Dann kam ein Vertreter des Personalrates. Schließlich Innenminister Ralf Jäger (SPD) samt Begleitung. Er sprach mit dem Polizeiführer Kuno S. und dessen Stellvertreter Jörg S.. Der Minister hatte im Raum der Einsatzführung genügend Zeit für ein Erinnerungsfoto mit einem Beamten. Kurz vor 16 Uhr verließ er die Stabsstelle wieder.

Eine Zeugin berichtete später den Ermittlern, schon zur Zeit der Besuche sei klar gewesen, dass sich die Situation auf den Zuwegen der Loveparade zuspitzte. Doch Kuno S. und Jörg S. wären nicht auf ihren Plätzen geblieben, sondern hätten sich um die Besucher gekümmert. Ein Beamter habe immer neue Meldungen in den Raum gerufen, dass sich im Westen die Massen stauten. Doch der Beamte habe nicht ausreichend Gehör gefunden. Die Zeugin sagte, zeitweise seien weder Kuno S. noch Jörg S. ansprechbar gewesen.

Massenpanik an der Rampe zur Loveparade

Jörg S. bestreitet in seiner Aussage den Eindruck der Zeugin. Sowohl er selbst als auch Kuno S. seien immer ansprechbar gewesen. Auch hätten die Besucher nicht über Gebühr gestört. Das Innenministerium verwies nach Anfrage auf eine Aussage des Ministeriums vor dem Landtag NRW aus dem August 2010. Demnach seien an den Minister bei seinem Besuch des Stabes keine Informationen oder „sonstige Hinweise“ herangetragen worden, „dass sich ein problematischer Einsatzverlauf abzeichnet.“

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hätte Kuno S. das drohende Unglück erkennen müssen. Spätestens gegen 15.40 Uhr hätte er deswegen Verstärkungen zu den Einsatzbeamten in das T-Stück an der Rampe und in die Eingangsbereiche der Loveparade schicken müssen, damit diesen Kräften das Unheil vielleicht noch abwenden zu können. Er tat es nicht.

David Schraven

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Kommentare
10.02.2012
08:35
Eindimensionales Denken
von kikimurks | #42

Wenn ich die Kommentare unten so lese, dann bleibt mir nichts anderes übrig als das eindimensionale Denken mancher Kommentare zu bewundern. Sie lesen den Artikel und kommen zu dem Schluss "Die Stadt ist Schuld! Sauerland muss weg!". Wie schlicht und einfach die Welt doch sein kann.

Ich lesen von Dezernenten, die sich absprachen die Einhaltung der Auflagen nicht zu überwachen; von einem Veranstalter, der sich die Erfüllung der Auflagen lieber gespart hat und auch sonst bei Sicherheitsmaßnahmen nicht gerade großzügig war; von einer Polizei, die von vorne bis hinten überfordert war und falsch gemacht hat, was falsch zu machen war; von einem Innenminister, der in der heißen Phase nichts besseres zu tun hatte als seine Spitzenbeamte von der Arbeit abzuhalten.

Wie schrecklich komplex doch so eine Weltsicht ist! Wie schön ist hingegen doch die eindimensionale Weltsicht:

Die Stadt hat Schuld! Sauerland muss weg!

"Selig sind die geistig Armen, denn ihnen ist das Himmelreich" (Matt 5,3)

2 Antworten
Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
von woelly | #42-1

Amen!

Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
von Sentinel | #42-2

Selig sind die geistig Armen?? Okay aber bevor man soetwas schreibt sollte man das Hintergrundwissen besitzen, dass die Polizei ihren Verantwortungsbereich im Umfeld und bis zum Einlass des Veranstaltungsgeländes hat. Ab da sind Veranstalter, Ordnungsamt und Privater Sicherheitsdienst verantwortlich. Die Polizei greift erst dann ein wenn Gefahr für Leib und Leben besteht, dafür müssen aber auch wie im Fall LoPa, Zugangsschleusen für Polizei und Rettungsdiens vorgehalten werden. Die fehlten, waren im Sicherheitskonzept der Stadt gefordert aber auf Vorhandensein nicht überpüft worden. Verschulden ORDNUNGSAMT!!! Somit war kein schnelles Eingreifen möglich. Ein Einblick in die Sicherheitskonzepte zur LoPa 2010 und ein Abgleich zu dem was wirklich umgesetzt wurde hilft ihre Sichtweise zu korrigieren. Leider hat die Stadtspitze mit ihren hochbezahlten Dezernenten, Amtsleitern und den kleinen Sachbearbeitern so sehr versagt, das 21 junge Menschen tod auf Duisburgs Straßen liegen geblieben sind. Justuzia wird es klären und die Versager bestrafen... Wenn Sie ihr Hintergrundwissen erweitern wollen, im Internet finden Sie jede Menge Material zur LoPa und den Vollversagern!!!!! Sonntag ist er weg der gute Sauerland!!!!!!!!!!!!!!!!

09.02.2012
11:48
Polizei löst Loveparade-Soko auf
von wattearvolt | #41

http://www.radiokoeln.de/koeln/rk/704818/news/koeln

Danke an Lothar Evers, der diesen Link in einem Blog veröffentlicht hat.

Mit dieser Information möchte ich folgende Hoffnungen meinerseits ausdrücken:

Ich hoffe, dass auf dem Weg von Köln nach Duisburg keine wichtigen Informationen oder Beweismittel verschwinden, denn ich unterstelle der SOKO in Köln gute Arbeit.

Ich hoffe weiterhin, dass die 5 Staatsanwälte in Duisburg nicht durch außerplanmäßige "Fremdaufträge" (z.B. durch Ermittlungen gegen unbescholtene Demonstranten/innen) abgelenkt werden . Ich verweise hierbei auf folgenden Artikel vom Vorjahr:

http://www.tagesspiegel.de/politik/loveparade-zu-sauer-auf-sauerland/3892994.html

Ich denke, insbesondere die Leidtragenden der LoPa haben ein Recht auf eine juristisch saubere Arbeit. Duisburg sollte kein zweites Kaprun werden !

08.02.2012
22:35
Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
von wiebeler | #40

Und hat man gelernt aus dem Desaster?

Viele Veranstaltungen werden immer noch politisch gewollt. Nur keine Bürger verärgern.
Nur nicht zu viel fordern, es könnte ja das Ende so mancher Veranstaltung werden.

Viele Veranstaltungen wahren immer schon unwirtschaftlich und würden mit einem vernünftigen Sicherheitskonzept untragbar.

Auch wenn es keiner im Eindruck dieser Katastrophe hören möchte.
Gibt es nur das eine: entweder die vielen Veranstaltungen oder deutlich weniger mit einem echt runden Sicherheitskonzept.

Insbesondere sogenannte offene Veranstaltungen werden es echt schwer haben.
Denn dort wird weder der Zustrom als der Abstrom von Besuchern sinnvoll beschränkt.
Dazu gehören auch die vielen Stadtfeste, Schützenfeste und Co.

Die Bürger müssen sich hier entscheiden was sie wollen, alles wird es nicht geben.
Sicherheit hat seinen Preis. Wollen wir den bezahlen?

Diese Katastrophe kann auch eine Chance sein, es besser zu machen.
Den Druck auf die Beteiligten von Veranstaltungen zu erhöhen und somit Leben zu retten.

Egal wie der Werdegang der Beteiligten der Love-Parade sich nach der Katastrophe entwickeln wird, es wird den Schmerz der Opfer und derer Hinterbliebenen nicht wirklich lindern können.
Sollten Sauerland usw. nicht ohne Gewissen sein, wird es sie wohl bis zum Ende ihrer Tage quälen.

1 Antwort
Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
von Sentinel | #40-1

Hallo Wiebeler, ihren Kommentar kann ich nachvollziehen aber die Realität sieht etwas anders aus. Da ich Branchenkenner bin und viel mit Veranstaltungen in Berührung komme, kann ich ihnen versichern, dass die guten Veranstaltungen auch vor der LoPa strikt geplant und Sicherheitskonzepte eingehalten werden. Nicht immer scheitert die Sicherheit der Besucher an den Kosten.
Fakt ist, um gute Veranstaltungen vermarkten zu können, müssen diese medienwirksam sein, sind sie medienwirksam fließen Sponsorengelder. In Duisburg hat man sich an etwas versucht, wo der Schuh um mind. 5 Nummern zu groß war, die Verantwortlichen ihr übersteigertes EGO befriedigen wollten und das Licht der Medien zur Selbstdarstellung gebrauchen wollten.
Richtig ist, das auf Grund der Ereignisse in Duisburg viele Sicherheitsvorschriften verschärft wurden, Rosenmontagszüge, Schützenfeste, Outdoorevents etc. Ob diese Veränderungen Sinn machen bleibt erstmal dahin gestellt. Wo viele Menschen auf einander treffen, kann immer etwas passieren aber der Unterschied ist, handelt es sich um ein unvorhersehbares Unglück oder wie bei der LoPa 2010 um eine absehbare, ja geplante Katastrophe...

08.02.2012
21:26
Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
von b.scheuert | #39

Wir fassen zusammen: Weil IM Jäger für ein Foto posierte, war die Loveparade sehr gut geplant. Dann bin ich ja beruhigt!
Gewisse Leute sollten sich fragen, wie man ein sinkendes Schiff vor dem Untergang bewahren soll. Richtig, geht nicht. Aber es ist halt nicht jedem gegeben...

08.02.2012
20:24
Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
von Sentinel | #38

Es läuft am Ende alles auf die Hauptdarsteller dieser geplanten Katastrophe "LoPa 2010" hinaus. Ein Oberbürgermeister (A.Sauerland) der dieses Event unbedingt und unter allen Umständen in Duisburg durchführen wollte. Ein Dezernent für Sicherheit & Recht (W.Rabe) der Recht, Verordnungen solange verbogen hat bis alles paßte. Ein Baudezernent (Dressler) der in seinem Bereich bereit war, Bauvorschriften für Veranstaltungen so zu gestalten, dass es auf Kosten der Sicherheit ging.
Gut, wir wissen mitlerweile, das unser OB angeblich von nichts wußte, nichts unterschrieben hat & die Verantwortung für die 21 Toten weder politisch noch moralisch bereit ist zu übernehmen. Bei Herrn W.Rabe sieht es anders aus, er ist als Hauptdarsteller mitten drin. Seine Aufgabe war es, sein Amt (Ordnungsamt) zu überwachen. Er war hauptverantwortlich für die Umsetzung der Sicherheitskonzepte, die Überwachung und die Kontrolle durch sein Personal am Veranstaltungstag. Wenn nachgewiesen wird, dass es am Veranstaltungstag wissentlich keine Kontrollen vor Ort gegeben hat, dann ist er fällig. Seine Handlung wäre dann vorsätzlich, eine Unterlassung offensichtlich und damit die fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge in 21 Fällen wie auch die fahrlässige Körperverletzung / schwere Körperverletzung das, wofür er sich zu verantworten hat. Mit im Boot sitzen dann die Führungskräfte des Ordnungsamtes Bölling, Fohmann, v. Staa und die Sachbearbeiterinnen die für die Überprüfung Einsatz-/ Sicherheitspersonal verantwortlich sind. Weiter werden sie sich dafür erklären müssen, warum sie es zugelassen haben, das wissentlich gegen die Bewacherverordnung verstoßen wurde, warum zugelassen wurde, das nicht qualifiziertes Personal zum Einsatz kommen durfte. Interessant wird es, wenn die Luft für den ein oder anderen änger wird denn dann fängt erfahrungsgemäß die Phase an wo jeder seinen A... retten will. WETTEN DASS... dann auch noch der verantwortliche OB ein Paddel in dem Boot bekommt :-)
Mit der LoPa hat man ein ganz trauriges Lehrbeispiel wie Großveranstaltungen nicht geplant werden dürfen. Abgesehen davon war diese Art von Veranstaltung für die Herrn Sauerland, Rabe, Dressler mehr als eine Nummer zu groß. Die Planung eines Drachenbootrennens im Hafenbecken ist eben keine LoPa...

08.02.2012
19:57
...
von funkydellek | #37

Hier scheinen sich ja wieder einige Experten Fachwissen angetrunken zu haben....

08.02.2012
18:57
Ein bestimmter Personenkreis wollte die LP mit aller Gewalt durchziehen und leidet plötzlich unter Gedächtnisschwund...
von pressling | #36

Es gibt eine ganz einfache Erklärung für das Unglück:
Mangelnde Kommunikation und Fahrlässigkeit!

So ungefähr entwickelte sich die Katastrophe:

Die ersten Besucher wollten den Platz verlassen
Die neuen Besucher, die den engen Zugang passiert hatten, gingen mangels Lautsprecherdurchsagen und Ordnern nicht weiter auf den Platz.
Ein Rückstau entstand.
Von beiden Seiten des Tunnels drangen Besucher in den schmalen Durchgang, also wesentlich mehr als dieser fassen konnte.
Wegen des Gedränges im Tunnel hatte man den Zugang von der Düsseldorfer Straße vorübergehend gesperrt.
Ausgerechnet, als der Druck im schmalen Zugang sich drastisch erhöhte, weil eben schon die ersten Besucher den Platz verließen, wurde der Zugang von der Düsseldorfer Straße in den Tunnel wieder freigegeben.
Der Druck erhöhte sich weiter und Panik entstand mit den bekannten traurigen Folgen.
Die unmittelbare Verantwortung für diese Geschehen tragen die Beamten vor Ort könnte man leichtfertig folgern.
Wenn man aber das seltsame Planungs- und Genehmigungsverfahren etwas näher betrachtet ergibt sich ein anderes Bild.
Ein bestimmter Personenkreis wollte die LP mit aller Gewalt durchziehen.
Warnungen von beteiligten Fachleuten wurden ignoriert.
Damit liegt die Verantwortung bei eben diesem Personenkreis.
Köpfe müßten nicht nur in Duisburg und Düsseldorf sondern auch beim Veranstalter in Berlin rollen.
Aber die Staatsanwaltschaft kneift brutalstmöglich den Schwanz ein! Das ist der eigentliche Skandal!

08.02.2012
18:57
Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
von hansreiner | #35

Ich kann dem letzten Kommentar nur zustimmen. Ein sehr guter Artikel, der zeigt, dass die Schuldfrage hier eine äußerst komplexe Angelegenheit ist.
Allerdings hat der Westen.de mit seiner einseitigen Berichterstattung mit dazu beigetragen, dass sich der schlichte Mythos etablieren konnte, an allem sei nur eine Person Schuld, deren Abwahl auch alle Fragen beantworten und alle Probleme lösen würde.

1 Antwort
#35 hansreiner
von taosnm | #35-1

Es ist kaum zu glauben, dass Sie immer noch nicht verstanden haben, dass es nie um Schuld ging. Die finden wir hier im Kommentarbereich nicht heraus. Es ging und geht um die politische Verantwortung, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

08.02.2012
18:54
Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
von EikeM | #34

Der Artikel ist sehr gut.
Es zeigt, dass eine Unmenge von Fehlern und auch Fehlverhalten zu dieser Katastrophe führte.
Die Ursache ist und bleibt eine Genehmigung für diese Veranstaltung, die nie hätte erteilt werden dürfen.
Wer ist für diese Genehmigung verantworlich ?
Die Antwort ist: Die Stadtverwaltung der Stadt Duisburg.
Alles was danach kam konnte diese Katastrophe nicht mehr verhindern.
Sicherlich liegt ein Teil der Schuld auch bei der Polizei.
Ich werfe den Verantwortlichen ( OB, Ordnungamt, Bauverwaltung, Polizei und Veranstalter) vor, dass sie wußten wie riskant die Sache ist und keiner diese Veranstaltung ablehnte.
Der grausame Tod der Kinder wird diesen Leuten immer anhaften und das mindeste wäre gewesen die Verantwortung für dieses Handeln zu übernehmen, anstatt sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben.

1 Antwort
Neue Spuren zeichnen Weg zur Loveparade-Katastrophe nach
von rheinruhrlaender | #34-1

Ich stimme Ihrem Kommentar voll und ganz zu! Wer je bei irgend einer Loveparade war oder zumindest bei der organisatorischen Katastrophe von Dortmund anwesend war, weiss das diese Ultra-Party im "Käfig" niemals hätte genehmigt werden dürfen.
Ich für mich persönlich, sehe hier die Schuld auch bei vielen. Der Veranstalter wusste das es MEGAvoll wird, das interessiert aber meist keinen Veranstalter. Meist wird sowas durchs Amt dann geregelt, was hier versagt hat. Obwohl die schuld an mehreren Haftet, halte ich den Veranstalter für das grösste Übel in der Angelegenheit.
Er hätte als Profi wissen müssen, das man die grösste Party Europas nicht auf einem "Parkplatz" feiern kann.
Die Loveparade Dortmund hatte viel mehr Platz und war trotzdem brechend voll. So voll das man Stunden brauchte um aus diesem Hexenkessel raus zu kommen.
Das es damals nicht zu einem Unfall gekommen war, war nichts anderes als Glückssache. Das Ruhrgebiet ist auch ohne tausende Partyfans brechend voll. Das ist kein Ort für solche gigantische Verantstaltungen - besonders Duisburg.

08.02.2012
18:04
Alle Achtung
von kikimurks | #33

Endlich ein Artikel, der sich bemühte die Katastrophe in Ihrer Gesamtheit darzustellen ohne sich auf einen Aspekt zu stürzen, kein Hetzartikel der Sorte "Sauerlandwochen bei derWesten". Mehr journalistische Recherchearbeit wäre schön gewesen. Vielleicht würden wir dann inzwischen mehr wissen und ein besseres Bild haben. Dieser Artikel ist ein guter Anfang! Aber eben nur ein Anfang.

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