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Neue alte Weihnachtsmesse

23.12.2007 | 20:14 Uhr

Beide Kirchen suchen Wege zur Basis - doch ihr Ansatz ist unterschiedlich

Essen. Die Ankunft des Herrn wird erwartet für Heiligabend, Mitternacht, am Dortmunder Hauptbahnhof, Gleis 3. Dort feiert die katholische "Junge Kirche" einen Weihnachtsgottesdienst mit Abendmahl - dort, wo Menschen weilen, die keine Wahl haben. Der evangelische Pfarrer Steffen Hunder dagegen will in Essen junge Menschen in ihrer "vertrauten Umgebung" ansprechen - mit einem Gospelgottesdienst in der Disco Musikpalette. Beide Projekte suchen den Weg zur Basis, doch sie zeigen auch Unterschiede in der Kultur der beiden Kirchen.

Selbst auf dem Bahnhof wird der katholische Gottesdienst einem traditionellen Schema folgen. "Wir haben einen liturgischen Rahmen, der uns in gewisser Weise bindet", sagt Wilhelm Tolksdorf, Leiter des Seelsorgeamts im Bistum Essen. Positiv ausgedrückt: "Einen reichen Schatz an Traditionen" Dazu gehören der Weihrauch, die Lateinische Messe oder die (auswendig gelernten) Wortwechsel zwischen Pfarrer und Gemeinde.

Und so wie Brillen wieder etwas Horn bekommen, wie auch das Abendkleid wieder in Mode ist, so trifft auch das formalisiert feierliche Hochamt den neuen alten Zeitgeist, glaubt Tolksdorf. Menschen, die nur einmal im Jahr in die Kirche gehen, erwarten oft das Traditionelle, vielleicht die Erinnerung an ihre Kindheit. Und doch zweifelt Tolksdorf, dass Weihrauch oder Latein allein "geeignete Mittel sind, an den Kern der Botschaft zu gelangen." Eine Predigt, glaubt er, sollte festlich und doch offen sein, um über das Gefühl eine Botschaft zu vermitteln.

Dagegen ist die evangelische Kirche seit jeher eine des Wortes - und vor allem des gesungenen Wortes. Sakro-Pop und Gospel gibt es nicht erst seit gestern. Doch besonders der Gospel erstarkt im Ruhrgebiet, wo auch die Gospelkirchentage ihren Ursprung haben. 2002 fand der bundesweit erste in Essen statt, organisiert von der "Creativen Kirche" aus Hattingen und Witten.

Dort, in der Martin-Luther-Gemeinde wird dieses Jahr zu Weihnachten ein Musical aufgeführt zum Thema Alter und "Comeback". "Eine nüchterne Form der Andacht", wie Pfarrer Jürgen Kroll es nennt: "Todernste Inhalte in lockerer Verpackung."

Diese Verpackung kann in vielen ev. Gemeinden auch bedeuten: Kerzenschein in abgedunkelten Räumen, Salbungen bei einer Thomas-Messe oder die H-Moll-Messe von Bach in Latein, wie Andreas Duderstedt, Sprecher der westfälischen Kirche betont: "Wir haben gelernt von unseren katholischen Geschwistern, die es verstehen, ganz stimmungsvolle Gottesdienste zu feiern." Nur zu Weihnachten, da geht es meist doch nüchterner zu - weil auch die ev. Kirche traditionellen Erwartungen entsprechen muss.

Von Thomas Mader

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2007-12-23 20:14
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