Musiker und die panische Angst vor dem Auftritt
03.01.2011 | 08:21 Uhr 2011-01-03T08:21:00+0100
Bonn. Panik vor dem eigenen Auftritt: Viele Musiker leiden unter Lampenfieber. Sie leiden unter Herzrasen, Atemnot, Magenschmerz oder Durchfall. Die Bonner Uniklinik bietet Hilfe. Dort gibt es eine Lampenfieber-Ambulanz für Musiker. Ein Besuch.
30 Jahre Rampensau mit abgekauten Fingernägeln, das muss gar kein Widerspruch sein. Denn Lampenfieber kommt in den selbstsichersten Kreisen vor, dieser enge Verwandte der Prüfungsangst, dieses Kribbeln, das manche Menschen fühlen müssen, damit ihre Leistung kommt. Es kann aber auch umschlagen in sein fatales Gegenteil: Panik! Weg hier! „Manche Musiker schätzen, dass die Hälfte ihrer Kollegen dermaßen betroffen ist. Sie haben regelrecht Angst vor einem Auftritt“, sagt Deirdre Mahkorn, Psychiaterin und Neurologin in Bonn.
In der dortigen Uniklinik unter der überaus gut passenden Adresse Sigmund-Freud-Straße hat die Psychiatrie eine Lampenfieber-Ambulanz für Musiker eingerichtet: für all die Bläser mit trockenem Mund, die Kontrabassisten mit den Nerven zu Fuß, die Sänger mit versagender Stimme und die Geiger von der zitternden Hand.
Rock-Musiker waren noch nie da
Komisch ist das leider gar nicht: ist Herzrasen, Atemnot, Magenschmerz, Durchfall. „Musiker dürfen aber keine Angst haben, denn wer Angst hat, ist auch gut für Absagen“, sagt die 39-jährige Oberärztin. Die Folge: Wer erst mal als unzuverlässig gilt, bekommt weniger Aufträge, und im Handumdrehen wird die Nervenschwäche zur Existenzfrage. Mahkorns bisher rund 40 Patienten kommen alle aus der E-Musik, „Jazzer sind da entspannter“, sagt sie. Und Rock-Musiker haben sich noch überhaupt keine sehen lassen (wahrscheinlich alle bedröhnt, denkt man als Laie sofort, aber das ist jetzt wirklich kein sehr zielführender Einwurf).
Dabei seien alle ihre Patienten „leistungsorientiert bis perfektionistisch. Disziplin, Pflicht, Leistung, Arbeit, darauf sind sie gedrillt“ und zugleich sehr selbstkritisch bei kleinsten eigenen Fehlern: Was denkt jetzt bloß der Dirigent (der Pult-Nachbar, der Mit-Flötist)? „Patzer bleiben Jahre haften, sie denken, oh Gott, da ist wieder diese schwere Stelle drin“, sagt Mahkorn; wobei es sich in aller Regel um Patzer handelte, die das Publikum oft nicht mal bemerkte. Aber Musiker können sich da richtig reinsteigern, und im schlimmsten Fall macht dann schon die Angst vor der Angst Angst.
Gespräche, Entspannungstechniken und Yoga
Schnelle Hilfe kann die Ambulanz freilich nicht leisten, möglichst aber dauerhafte. Da führen sie biographische Gespräche, suchen nach negativen Erlebnissen und Beurteilungen, sprechen über Süchte und Drogen, vermitteln aber auch beruhigtes Atmen, Entspannungstechniken und Yoga; und am Ende steht die Konfrontation mit dem Problem: mehrere Runden Vorspiel in der Uniklinik. „Je mehr sie sich dem aussetzen, desto cooler werden sie“, sagt Mahkorn. Doch leider gibt es auch die gegenteilige Erfahrung: Manche Musiker berichten auch, im Alter werde es immer schlimmer mit dem dröhnenden Herzgeklopfe.
Ein Tabu in Musikerkreisen bleibt das Thema jedenfalls: Und bei allen Behandlungsterminen hat Deirdre Mahkorn tunlichst darauf zu achten, dass die Lampenfiebrigen – einander bloß nicht begegnen.
12:08
W.W.
Mit welchem Recht maßen Sie sich an zu entscheiden, was wichtig und unwichtig ist? Niemand zwingt Sie, diesen Artikel zu lesen. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, andere Zeitungsartikel im Internet zu lesen, die unbequeme aber wichtige Informationen liefern.
Achten Sie bitte in Zukunft auf Ihre Rechtschreibung. Oder ist der Unterschied zwischen das und dass unwichtig? Ist Ihnen das Komma ein Begriff? Sie haben nämlich drei vergessen. Vier Fehler in drei Sätzen, das ist schon eine tolle Leistung. Und dazu noch motzen!
Immer schön lächeln :-))
09:47
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