Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Ruhrgebiet

Lokalpatriotismus - "Wir leben gern im Ruhrgebiet"

18.12.2012 | 18:26 Uhr
Lokalpatriotismus - "Wir leben gern im Ruhrgebiet"
Vier Studenten aus Ungarn, Afrika und Deutschland berichten warum sie gerne in der Dortmunder Nordstadt arbeiten und leben. Foto v.l.: Alioune Ould Youssouf, Melinda Dosa, Isabell Schmidt, Amira Jakobi.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Vier Studenten, die es an den Dortmunder Borsigplatz zog, erzählen, warum sie sich dort so wohl fühlen. Ihr Wohnprojekt soll junge, gut ausgebildete Leute in die Nordstadt locken. Und trotz des schlechten Images dieses Viertels funktioniert das auch.

Was hat dieser Platz nicht schon alles erlebt: den Auf- und Abstieg der Stahlindustrie, legendäre Bergarbeiterstreiks, den Widerstand gegen die französische Ruhrbesetzung und nicht zuletzt die Gründung eines nicht unbedeutenden Ballsportvereins. Was man über all dem häufig vergisst, ist, wie schön der von Gründerzeithäusern gesäumte Borsigplatz ist. Neuerdings leben hier -- inmitten all des Multikulti – auch viele Studenten. Und die leben hier verdammt gern.

Dortmund ist ihre Stadt

Amira Jacobi etwa. Die 20-Jährige stammt aus dem Sauerland und studiert in Bochum Jura. Sie sagt: „Ich bin eine überzeugte Ruhrgebietlerin - definitiv!“. Nach dem Abitur kam die Tochter einer Deutschen und eines Sudanesen nach Dortmund. „Ich hätte auch mit meiner Mutter nach Hamburg gehen können, die ist nämlich vor kurzem umgezogen. Aber ich bin in Dortmund geblieben. Das ist meine Stadt“, sagt Amira.

Was ihr am Ruhrgebiet so gut gefällt, sind die vielen Möglichkeiten, die sich ihr bieten. „Ich habe Freunde in vielen Nachbarstädten, fahre abends auch mal eben nach Düsseldorf. Wo hat man das sonst?“, sagt sie. Amira gehört zum Wohnprojekt Borsig 11, einer Initiative, die sich in Folge der Kulturhauptstadt 2010 entwickelt hat. Da wohnten hier, rund um den Borsigplatz, in vielen Wohnungen Menschen, die sich an dem Kunstwerk „2 - 3 Straßen“ beteiligten und dabei zu Autoren eines Mammutbuches wurden.

Manche von ihnen blieben, und der Vermieter, die Wohnungsgesellschaft Vivawest, entwickelte daraus ein Wohnprojekt für Studenten. Nicht uneigennützig freilich, da ihm an einer stärkeren sozialen Mischung der Bewohner in der Nordstadt gelegen sein muss. Denn rund um den Borsigplatz leben 12.000 Menschen aus über neunzig Nationen. Ein Nebeneinander, das zumeist funktioniert, aber wegen der starken Zuzüge von Roma auch schon mal für negative Schlagzeilen sorgte. „An den Borsigplatz? Um Gottes Willen!“ reagierte denn auch mancher von Amiras Mitstudenten. „Ja! Warum nicht?“, sagt die Jura-Studentin.

Im Ruhrgebiet sei es für Migranten leichter

Auch er kam, weil er gehört hatte, dass es im Ruhrgebiet für Migranten leichter sei als anderswo: Alioune Ould Youssouf. 29 Jahre ist er und hat gerade seinen Master in Elektro- und Informationstechnik geschafft. Ein sympathischer Typ, der sich im Verein „Afrika positiv“ engagiert, dort Sprachunterricht gibt und Kinder betreut.

„Ich liebe Dortmund und das Ruhrgebiet über alles“, sagt Youssouf, der demnächst in einer Essener IT-Firma arbeitet. Viele seiner Kommilitonen müssten nun für ihren ersten Job wegziehen, „nach Stuttgart oder so. Ich hab Glück gehabt, ich kann bleiben!“, sagt er. Mit seinem NRW-Ticket reist er gerne in der Region umher, nach Köln, wie er erzählt, oder nach Hagen, ins Freilichtmuseum.

Irgendwann will er in seine Heimat, nach Mauretanien, zurückgehen. Doch bis dahin hat er hier noch eine Menge zu tun. Etwa den arabischen Jungs, die gerade im Büro des Wohnprojekts Borsig 11 vorbeischauen, Nachhilfe in Französisch zu geben. Eine spontane Idee, entstanden aus einem Geplänkel, daraus, dass die Jungs mit ihren ersten französischen Vokabeln zu imponieren versuchen.

Melinda Dosa, die junge Ungarin, lebt erst seit drei Monaten in der Stadt. Sie, die Deutsch studiert hat, landete hier im Rahmen des Europäischen Freiwilligen Dienstes bei der Auslandsgesellschaft. Was sie erstaunt, als jemand, der wegen der Sprache kam, ist die Tatsache, „dass hier so wenig Deutsch gesprochen wird. Zumindest rund um den Borsigplatz. Hier hört man nur Türkisch oder anderes . . .“.

Eine Ungarin im Revier

Und trotzdem fühlt sie sich schon sehr wohl in Dortmund. Vor allem wegen der „vielen netten Leute, die keine Probleme mit Ausländern haben“, sagt Melinda Dosa. Bei Borsig 11, dem so genannten Machbarschafts-Projekt, scheint sie eine neue Heimat gefunden zu haben. Als sie Hilfe brauchte, wegen ihres Internet-Anschlusses, kümmerte man sich. Melinda Dosa wird sich revanchieren. Vielleicht wird sie mal kochen, vielleicht am Stand des Weihnachtsmarktes aushelfen. Wie echte Nachbarn eben.

Hayke Lanwert


Kommentare
01.01.2013
23:41
Lokalpatriotismus -
von feierabend | #24

Bin dafür die Arbeiterklasse abzuschaffen - wozu gibt es Berufe und Berufsbezeichnungen? Akademiker sind schließlich auch nicht das wofür sie sich ausgeben - bessere Menschen, intelligentere - so ein Schwachsinn. Hauptsache sie glauben daran - das Dumme ist nur, das es immer die Schwächeren sind, die daran zu glauben haben. Es scheint, als lebte der Rest der Welt nur für die Dummheit der sich selbst ernannten Gebildeten. Als die Menschen sich für eine Demokratie entschieden - und das ist noch gar nicht solange her glaubten sie auch an eine bessere Welt - nicht an bessere Menschen. Vom Regen in die Traufe - und damit es nicht so auffällt müssen unsere armen ausgebluteten Städte mit noch mehr arbeitswilligen Menschen aufgefüllt werden - schließlich wollen die vielen Akademis und doctoris von irgendetwas leben. Überbevölkerung und schlechte Luft sind die Folgen nach der Revolution.

01.01.2013
23:35
Lokalpatriotismus -
von feierabend | #23

B wie Bier E wie Elektrisch T wie Tonnenschwer O wie Osteuropäer und N wie Normal - hier ist nichts so sensationell wie die Betonwüsten der Innenstädte und die hochgeklappten Bürgersteige der Wohnviertel. Internationale Küche und erotische Vergnügungsviertel versus Universitäten und zusammengewürfelte Klamottenketten und Supermärkten. Wir sollten unsere Universitäten schließen, die Elite findet uns nur toll um preiswert auf Kosten unserer Knochen zu studieren - sie fährt dann ins Ausland oder in den Süden um uns dort weiter auszubeuten. Ruhrgebiet - das Dienstpersonal für arbeitsunwillige sich selbst ernannte Intellektuelle und Akademiker, die außer ihrem portomonaie nichts gefüllt zu haben mit der Kunst, die sie einst lernten. Sollten sie die Welt beherrschen, die Menschen oder ihr Handwerk?

31.12.2012
08:00
Junge Leute finden das Ruhrgebiet sicher ok.
von melr | #22

Wer mit wenig Geld studiert und feierlaunig ist, ist hier sicher besser aufgehoben als irgendwo, wo man ein Auto braucht, oder wo die Wohnungen so teuer sind, dass man mehr arbeitet als studiert.

Ansonsten finde ich das Ruhrgebiet asig, prollig und nervig. Und Multikulti gibt es hier ja eigentlich auch nicht. In London - da ist echtes, interessantes Multikulti zu erleben. Hier ist das ja eher ein Matsch auch 2-3 Kulturen, die sich gegenseitig misstrauisch beäugen und sich separieren.

Das Ruhrgebiet ist laut, es ist eng, und jeder macht was er will.

Wäre ich nicht beruflich gebunden, wäre ich schon lange weg. Die Verschnupftheit und Traditionsbewusstheit anderer Bundesländer sind zwar auch nicht immer toll, aber passt man sich an, dann hat man seine Ruhe.

Im Ruhrgebiet wohnen in einem Haus der muffige Deutsche, die integrationsunwillige Migrantenfamilie, der feierwütige Student, und die Putzteufelin. Egal, an wen man sich anpasst - mit irgendwem bekommt man immer Ärger ...

29.12.2012
02:56
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #21

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.12.2012
06:40
Im Ruhrgebiet lebet man nur wenn man muss!
von cui.bono | #20

er etwas anderes kennt und es sich erlauben kann zieht weg. Wer hier versucht das Ruhrgebiet zu verklären, der kann auch versuchen einen faulen Apfel toll zu finden.

Was gibt es denn im Ruhrgebiet? Schlaglöcher auf den Straßen, Kommunen kurz vor der Pleite, unattraktive Innenstädte. die täglichen Staus und immer gleichen Baustellen die manchmal seit Jahrzehnten nicht zu Ende gebaut werden. Museen und Theater die geschlossen werden oder deren Aufführungen reduziert werden. Die Volkshochschulen schränken ihr Angebot ein. Die Firmen wandern in attraktivere Gegenden ab. Neue Industrie siedelt sich nicht mehr an. Die Arbeitslosigkeit liegt wit über dem Durchschnitt, das Bildungsniveau leider unter dem Durchschnitt.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann sich kaum noch bewegen, zu groß ist die Gefahr
hier zusammengetreten, angepöbelt oder beklaut zu werden. Einige Stadtteile entwickeln sich zu Ghettos oder No-Go-A

Und das versuchen dann einige Menschen noch zu romantisieren!

28.12.2012
06:40
Lokalpatriotismus -
von IhrRichter | #19

Der Pott ist klasse. Allerdings wird es mir hier zu "bunt". Dadurch verliert der Pott seine Menatlität.

http://***********************/

27.12.2012
23:17
Lokalpatriotismus -
von footballfactory | #18

Klar, der Ruhrpott ist tatsächlich ´ne geile Gegend in Deutschland. Aber für die meisten Menschen die hier studiert haben oder AL sind geht der Weg irgendwann Richtung Süden...da hat der Pott leider nix mehr zu bieten. Das sagt selbst das Vorzeigebeispiel Youssouf Viele seiner Kommilitonen müssten nun für ihren ersten Job wegziehen, „nach Stuttgart oder so. Ich hab Glück gehabt, ich kann bleiben. Seine Kollegen gehen nach BaWü...wie so ziemlich alle mit Potential. Youssouf wird auch eines Tages Richtung BaWü/Bay etc. abwandern, weil einfach mehr Geld gezahlt wird und eine höhere Lebensqualität herrscht in anderen Teilen D´lands ...;/ Klar, wer nur den Pott kennt, findet es hier super. Wer was anderes kennen lernt möchte vielleicht auch gerne zurück ins Ruhrgebiet. Hab aber noch keinen Bericht in einer Bayrischen Zeitung gelesen "Junge Bayern streben Leben im Ruhrpott an"...

27.12.2012
21:43
Lokalpatriotismus -
von DaDU | #17

Ich liebe das Ruhrgebiet, die offnene, direkte und ehrliche Art, die Aussprache, die Menschen, den Fussball, die Vielfalt, das Leben, die Vitalität.

Und Idioten gibt es woanders auch! Vor allem diese, welche über alles meckern und selbst den ***** nicht hochkriegen!

27.12.2012
21:36
Lokalpatriotismus -
von StylusColor | #16

Ich hasse den Pott...die Leute sind (fast alle)prollig, die Wohungen lassen zu wünschen übrig...na und über die Aussprache (sofern das überhaupt eine ist) lasse ich mich nicht näher aus.
Und wie alles() im Leben: Es fehtl die Kohle um abzuhauen (Pottig ausgedrückt)

1 Antwort
Lokalpatriotismus -
von Hufschmied | #16-1

Wenn Ihnen Geld fehlt, um endlich abzuhauen, fragen Sie mich, dafür gebe ich es Ihnene gern! - Im Ernst: Ihnen fehlt nicht nur Geld...

27.12.2012
20:25
Lokalpatriotismus -
von skywalker76 | #15

Ruhrgebiet ist das Elend Europas!
Also ich weiss nicht was im Ruhrgebiet schön ist ?!?!
Meiner Meinung nach,sollte man das Ruhrgebiet platt machen als die Schwerindustrie
abgebaut hat.
Was schön ist,ist z.B.Hessen,Schwarzwald,Oberbayern usw.aber niemals das Ruhrgebiet.
Es gibt kaum Perspektiven mehr im Ruhrgebiet,wer schlau ist,der packt die Koffer und verschwindet von dort.

3 Antworten
gääähn
von Catman55 | #15-1

versuchen sie es noch einmal mit Argumenten....

Lokalpatriotismus -
von DerMerkerNRW | #15-2

Das sieh hier so einen Sempf verzapfen dürfen haben sie dem Ruhrgebiet zu verdanken!
Ich weiss er wird nicht mehr gerne gehört oder gelesen, weil wir ja nur noch nach vorne Blicken sollen, aber leider ohne aus dem Alten zu lernen! Das Ruhrgebiet hat Deutschland nach dem Krieg (was gerade mal knapp 70 Jahre her ist) aufgebaut! Die Wirtschaftskraft deses kleinen Gebietes hat Deutschland über Jahrzehnte dazu gemacht was wir Heute sind! z.B. Bayer wurde Heute noch auf der Alm sitzen und Kühe melken (Länderfinanzausgleich)!

Also mal immer schön Piano und das Gehirn einschalten!

Lokalpatriotismus -
von Hufschmied | #15-3

Man merkt gleich, Sie kennen Europa und die Welt ... ;-(

Aus dem Ressort
So geht’s zum Finale in letzter Minute
WM-Finale
Möglich ist es, das Finale live mitzuerleben. Aber wer noch Karten für das WM-Endspiel der Deutschen gegen Argentinien haben möchte, muss schon ein paar Tausender bereit halten. Auch Flüge nach Rio sind rar und teuer.
Schausteller im Endspurt zur großen Rheinkirmes-Eröffnung
113. Rheinkirmes
Der aufgeweichte Boden auf den Rheinwiesen in Düsseldorf-Oberkassel stellt die Schausteller beim Aufbau der Fahrgeschäfte, Zelten und Buden vor einige Probleme. Aber bis zur Eröffnung am Freitag, 11. Juli, wird auf dem Rummelplatz der Landeshauptstadt alles rechtzeitig fertig.
Experten geben Betonwänden Schuld an nassen Autobahnen
Dauerregen
Auf den Autobahnen im Revier steht derzeit das Wasser. Es liegt an den Betonschutzwänden auf dem Mittelstreifen, behaupten Ferdinand Dudenhöfer und sein Professorenkollege Michael Schreckenberg. Doch die Experten irren, sagen Straßen.NRW und die „Bundesanstalt für Straßenwesen“.
Galileo steckt in Essen Reporter in Glas-Wohncontainer
Fernsehen
Das Wissenschaftsformat Galileo von ProSieben steckt einen Mitarbeiter in einen gläsernen Wohncontainer, der auf dem Burgplatz in Essen steht. Eine Woche lang dauert das Experiment, bei dem die Essener den Galileo-Reporter Tag und Nacht beobachten können. Sogar Telefonate können mitgehört werden.
Ein Gratis-Brötchen pro Tor - Bäcker Büsch in der Bredouille
Werbe-Aktion
Sieben Tore für Deutschland: Für die Bäckerei Büsch aus dem Rheinland wird das wohl teuer. Filialen der Kette erleben einen großen Andrang auf ihre Werbeaktion. "Mit einem 7:1 ist nicht zu kalkulieren", wirbt der Geschäftsführer um Verständnis. Wenn die Vorräte aus sind, soll es Gutscheine geben.
Umfrage
Türkische Bürger, die zu ihrem Ehepartner nach Deutschland ziehen wollen, müssen nach einem EuGH-Urteil keine Sprachtests absolvieren. Eine richtige Entscheidung?

Türkische Bürger, die zu ihrem Ehepartner nach Deutschland ziehen wollen, müssen nach einem EuGH-Urteil keine Sprachtests absolvieren. Eine richtige Entscheidung?

 
Fotos und Videos