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Lehrer sucht ruhiges Arbeitszimmer

20.06.2007 | 09:01 Uhr

Neuenrade. Das häusliche Arbeitszimmer ist für Lehrer unbehaglich geworden, seit auf der Steuererklärung dafür kein Feld mehr vorgesehen ist. Weil er auf den Kosten künftig sitzen bleibt, hat Pädagoge Werner Jentges bei der Stadt Neuenrade beantragt, ihm

Nicht wenige halten sie für eine privilegierte Gruppe mit unendlich viel Freizeit, sie selbst sehen sich eher als Idealisten, die einen der schwierigsten Berufe ausüben - und nun auch noch steuerrechtlich benachteiligt werden.

Denn die Kosten für das beruflich genutzte Zimmer müssen Lehrer in Zukunft komplett selber zahlen. "Ich arbeite sehr häufig an den Abenden oder am Wochenende zuhause", sagt Werner Jentges und spricht von durchschnittlich mindestens 20 Stunden wöchentlich, die er mit schulischen Aufgaben dort verbringt. Das sind rund 50 Prozent seiner wöchentlichen Arbeitszeit.

"Man muss in Ruhe arbeiten können", betont Jentges. In der Schule derzeit schwerlich möglich: Es gibt ein Lehrerzimmer für 21 Kollegen, mit einem Telefon und einem PC. Gewerkschaften und Verbände protestierten bereits; der Personalrat der Grund- und Hauptschullehrer beim Schulamt im Märkischen Kreis wies die Schulträger auf die Raumproblematik hin. Jentges ging einen Schritt weiter. Er beantragte beim Bürgermeister, ihm "einen angemessenen und ungestörten Arbeitsplatz im Gebäude der Hauptschule Neuenrade zu stellen". Die nötige Ausstattung könne sich die Stadtverwaltung bei ihren vergleichbar besoldeten Mitarbeitern abschauen. Natürlich könnten sich zwei Kollegen auch einen Computer teilen.

Die Sache ist verzwickt: Die Stadt als Schulträger ist für die räumliche Ausstattung zuständig, das Gehalt der Lehrer zahlt das Land und der Bund kürzte das Steuerprivileg. "Der Schwarze Peter landet bei der Stadt", räumt Werner Jentges ein. Umso überraschter war er, dass die Stadt den Antrag positiv aufnahm: Aus bisherigen Klassenzimmern könnten "Lehrerzimmer" werden, schlug Bürgermeister Klaus Peter Sasse vor. Allerdings müssten sich die "investiven Maßnahmen" auch lohnen. "Anwesenheitspflicht!", lautete prompt die Forderung des CDU-Fraktionschefs.

Das wiederum kann Jentges nicht nachvollziehen. "Man braucht Zeit zur freien Disposition", verdeutlicht der Englischlehrer, der viele Aktivitäten für die Schüler am Nachmittag organisiert. Wenn er etwa Praktikumplätze einwerbe, seien persönliche Gespräche jenseits der Unterrichtszeit unverzichtbar.

Solche Flexibilität sollten nicht mit Privilegien verwechselt werden, wie ein Einwurf aus dem Stadtrat lautete. "Die Frage ist doch: Was kürzt man wo und bei wem?" Firmenfahrzeuge oder Flugbenzin für Privatflieger - hier versteckten sich die wahren Steuer-Privilegien und zwar ungekürzt. Gegen seinen Steuerbescheid will Werner Jentges im nächsten Jahr Widerspruch erheben.

Dann könnte sein Arbeitszimmer in der Schule Wirklichkeit sein - wenn die Politik grünes Licht gibt. Und der Arbeitszimmer-Antrag? Wie auch immer entschieden wird - Werner Jentges bleibt Idealist: "Schule lebt davon, dass sich Lehrer engagieren und immer neu motivieren - und trotz aller Nackenschläge klappt das immer noch."

Von Marcus Land

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