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Landmarke

Laufen auf der Achterbahn - „Tiger & Turtle“ in Duisburg

11.11.2011 | 19:23 Uhr
Laufen auf der Achterbahn - „Tiger & Turtle“ in Duisburg
Vor der offiziellen Eröffnung der neuen Landmarke - Tiger & Turtle , Magic Mountain - auf der Heinrich Hildebrand Höhe in Duisburg können im Rahmen einer Pressekonferenz die ersten Besucher und Journalisten zum ersten Mal die Großskulptur begehen. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Stahl in Schwung. „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ heißt Duisburgs neue Landmarke. Windig, aber wunderschön ist es auf der begehbaren Achterbahn. Von Sonntag an kann dort jeder die Aussicht genießen.

Eine Computergrafik von 2007 zeigt auf diesem Gipfel noch eine Art roten Plastikhocker, ins Riesige vergrößert. Gottlob ist es kein Hocker geworden, denkt man sich da; schließlich hat sich auch die große Grubenlampe auf der Halde in Moers materialisiert, und die ist, sagen wir, gewöhnungsbedürftig.

Tatsächlich war der grafische Hocker aber nur ein Platzhalter, aus der Zeit der Ratlosigkeit, als noch niemand in Duisburg wusste, wie man diese Heinrich-Hildebrand-Höhe im Süden der Stadt denn nun krönen würde. Doch dann fand sich „Mut für das Unmachbare“, so Duisburgs Stadtdirektor Peter Greulich: für „Tiger & Turtle – Magic Mountain“.

Was soll man dazu sagen? Wunderschön und windig!

Von  Sonntag an werden der die Schildkröte und ihr Zauberberg zugänglich sein. Sie haben, darf man mal prophezeien, das Zeug zu einer äußerst populären Landmarke. Stahl in Schwung. 90 Tonnen auf 17 Stützen. Wie eine Achterbahn, nur läuft man über sie, bis auf den Looping natürlich. Gut zwei Millionen Euro hat das gekostet, Geld aus Fördermitteln und von Sponsoren.

Nimmt man Berg und Skulptur zusammen, dann schauen Besucher aus über 80 Metern Höhe in die Landschaft, schauen und schauen: vom Düsseldorfer Fernsehturm im Süden bis zum Gasometer Oberhausen im Norden. Dann da, direkt zu Füßen, das unverstellte Ruhrgebiet: Hier kocht das Hüttenwerk Krupp-Mannesmann.

Video
Unser Video zeigt die begehbare Großskulptur auf der Heinrich Hildebrand Höhe.

Nebenbei ist die Landmarke der Künstler Heike Mutter und Ulrich Genth auch ein ganz gutes Beispiel für die Kompetenz des Ruhrgebiets, aus einem Misthaufen Gold zu machen. Denn die grüne Höhe ist eigentlich eine sehr gut getarnte Deponie, sie besteht zum Großteil aus der indus­triellen Hinterlassenschaft einer Metallhütte. Voller Altlasten, die Sie gar nicht näher kennen wollen: Schwermetalle, belastete Böden, Bauschutt. Bis zu sieben Schutzhüllen umgeben stellenweise das Erbe „aus dem großen Komplex der chemischen Anorganik“, um nochmal den Stadtdirektor Greulich zu zitieren.

Hämmern, schweißen, nachverzinken, schippen: Wie immer bei großen Projekten, wird daran bis zum letzten Moment gearbeitet. Karin und Peter Hanke haben sich dennoch schon öfter hier hoch gestohlen, das Rentner-Ehepaar aus Meerbusch mit ausgeprägter Ruhrgebiets-Erfahrung. „Diese Halden sind immer sehr schön“, sagt er, und dann anklagend: „Der Niederrhein ist ja so eben.“

Großskulptur "Tiger & Turtle" eröffnet

Bis zu 40 Menschen gleichzeitig werden auf T&T herumklettern können, ein Drehkreuz zählt mit und macht dicht vor Besucher 41. Die Statik, so heißt es, halte zwar weit mehr Menschen aus, doch das städtische Bauordnungsamt hat aus den bekannten Duisburger Gründen lieber eine sehr vorsichtige Obergrenze gewählt.

Am Samstagnachmittag gibt es eine Eröffnungsfeier nur mit geladenen Gästen; es werden wegen der Tragkraft auch keine spontanen eingelassen. Sonntagmorgen, wie erwähnt, ist dann hier offen für alle. Und für immer, außer bei Eis und Schnee oder Gewitter; es gibt da ein Tor auf dem Weg, das verriegelt werden kann. Festes Schuhwerk empfiehlt sich jedem Besucher und eine gewisse Kondition, doch ist der Aufstieg auf einem Rundweg an sich ganz kommod. Mit Höhenangst wird man die Gitterroste von T&T freilich meiden. Ach ja, und oben weht ein schneidiger Wind. Aber: Es lohnt sich.

Der Zauberberg ruft.

Landmarke ist fast fertig

 

Hubert Wolf

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Kommentare
25.11.2011
00:45
Noch nicht blockierter Kommentar
von UncleVice | #17

Ich habe mich schon, als ich das Model im Forum Duisburg gesehen habe gefragt, welchen Praktikanten man da wohl in Ermangelung ernsthafter Projekte - notbeschäftigen - muss!

Überlege eine Petition zu starten um Duis- in Schildburg um zu benennen.

Unnütze Pseudokunst an sich scheint zum heimlichen, multiplen Wahrzeichen Schildburgs zu avancieren. Bis zur abschließenden Umbenennung möchte ich diese Kunstform gerne "Duismurx" taufen.

Ich schon eine "Rolltreppe ins Nichts" in Planung?
(An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich über keinerlei Kenntnisse in dieser Materie verfüge und daher für die Ausführung bestens geeignet wäre.)

Zu guter letzt noch eine Anregung um die DVG zu entlasten, auf die ich vor einigen Tagen stieß:
http://cheezpictureisunrelated.files.wordpress.com/2011/11/wtf-photos-videos-untitled7.jpg

13.11.2011
19:52
Interessantes Monument
von xxyz | #16

Die Halden sind super Aussichtsplattformen, und diese Skulptur sieht sehr interessant aus.
Hoffentlich hält sie auch lange und bleibt begehbar.

13.11.2011
09:57
Drucktrauma
von haltestelle | #15

Jetzt krabbeln also die ersten Kulturrentner auf der Fußgängerachterbahn herum. Bei dieser Dynamik & Beschleunigung kann man nur raten: geradeaus schauen! Drucktrauma droht!
Ach wie schön wäre ein echter Rollercoaster gewesen. Mit so einem Photoshop- "Trugbild" hat Ruhr2010 schließlich ein ganzes Jahr auf seiner Homepage geworben. Jetzt, wo das reale Teil steht, interessanterweise nicht mehr:-)

13.11.2011
09:31
.
von Andreas45141 | #14

Es handelt sich nicht um eine Bergehalde, sondern um eine frühere Mülldeponie:
Jahrzehntelang entsorgte hier die Metallhütte Duisburg ihre Schlacken und nahm dabei nur wenig Rücksicht auf ökologische Belastungen. Auf einem künstlichen Berg, in dem die giftigen Hinterlassenschaften der Metallhütte Sudamin eingeschlossen sind entsteht der Angerpark, eine Grünanlage in einem etwas unsortierten Umfeld aus Großindustrie, Hafenanlagen, Klärwerk und Wohnvierteln. Mittelpunkt des Parks ist die Heinrich Hildebrand Höhe, die über dem Giftmüll der Deponie modelliert wurde. Dabei handelt es sich um eine 33 Meter hohe künstliche Anhöhe, benannt nach einem lokalen Heimatforscher, die demnächst durch „die spektakuläre Skulptur Tiger & Turtle“ ebenfalls zu einer Landmarke aufgewertet werden soll. Momentan wirkt der baumlose Hang noch ein bisschen steril – wenn es im Baumarkt Landmarken zu kaufen gäbe, sähen die wohl auch so aus. Tiger & Turtle – Magic Mountain, Landmarke Angerpark, Stadt Duisburg – ein Projekt der Kulturhauptstadt Europas RUHR.20I0. Wie so vieles, was sich auf den Namen Ruhr 2oIo ausgeruht und nicht fertig geworden,

1 Antwort
Heinrich - Hildebrand -Höhe
von romantic09 | #14-1

Die Hinterlassenschaften sind von der ehemaligen Metallhütte BERZELIUS und nicht von der Fa.Sudamin.Sollte hier die Fa. Sudamin entsorgt haben,ist das nur eine kleine Stecknadel im Heuhaufen.

13.11.2011
02:58
ich dachte es fehlt an allen Stellen das Geld
von buerger99 | #13

"Gut zwei Millionen Euro hat das gekostet, Geld aus Fördermitteln und von Sponsoren."
Immer locker bleiben Knete ist genug dar. Keine Stadt ist Pleite, kein Land erdrückt Schuldenberge. Wir geben mit vollen Händen das Geld aus, was wir nicht haben.
In Dorsten baut man mal eben für gut 1,5 Mill.€ zwei Brücken für einen Radweg ;-) Letztes Jahr sperrt man Brücken in Dorsten-Wulfen, ebenfalls Radwege weil die Stadt kein Geld zur sanierung hat.
Knete scheint ja überall genug vorhanden zu sein.

Und warum soll man sich um die lästigen Aufgaben der Instandhaltung der öffentlichen Infrastruktur kümmern oder in Disburg-Hbf mal das Dach sanieren, gewisse Straßen erneuern und die vom Bürger bezahlte Infrastruktur Instandzuhalten, wenn man für schlappe 2 Mille eine Pseudo Achterbahn bekommt die man sogar begehen kann ;-) Der Pott von oben sieht sowohl in Bottrop auf der Halde als auch nun von dieser Landmarke "aus der Ferne" halt viel schöner aus.
Wach wird man allerdings auf dem Weg dorthin und auf dem Weg zurück, wenn man auf den Schlaglochpisten richtig durchgerüttelt wird.
Und irgend wie muss man sich ja erholen und mal richtig durchatmen. Man steht ja schon lange genug im Stau oder nimmt Anlauf um in überfüllte und verspätete Züge zu springen.
Zitat :
"Nebenbei ist die Landmarke der Künstler Heike Mutter und Ulrich Genth auch ein ganz gutes Beispiel für die Kompetenz des Ruhrgebiets, aus einem Misthaufen Gold zu machen."
Naja, wohl eher sich eine Atrappe vergolden zu lassen ;-) Eine echte Achterbahn auf einer Halde wäre durchaus was, aber so....
Aber die Skihalle in Bottrop rutscht ja auch gerade den Hang runter....

12.11.2011
22:00
#11
von werner1schmidt | #12

Tja - da haben Sie recht - ohne Kommentar:
Naja, für mehr reichts halt nicht.......................(bei Ihnen)

12.11.2011
20:08
Blockierter Kommentar.
von ichweisswie | #11

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.11.2011
19:51
Ein wahrhaftiges Wahrzeichen mit Aussagekraft
von MartinFaust | #10

Besser kann man die Lage im Ruhrgebiet und speziell in Duisburg kaum darstellen als mit dieser Monumentalplastik. Durch und durch verworren! Dazu - von Weitem scheinbar eine Achterbahn, auf der mancher gerne fahren würde aber aus der Nähe nur ein teilweise begehbares Kunstwerk. Ja das passt zum Ruhrgebiet - vieles hier scheint besser zu sein, als es in Wahrheit noch ist. Man macht den Menschen eben was vor - da passt dieses "Kunstwerk".

12.11.2011
19:14
Looping
von werner1schmidt | #9

Auch mir gefällt diese Achterbahn, da werden sicher auch Gäste aus Nachbarorten oder sonstige Touristen mal vorbeischauen. Aber:
Es wird nicht lange dauern, da wird es den Ersten "Idioten" geben, der den Looping durchsteigt. Und dann wird es auch nicht lange dauern, bis der Erste "Idiot" dabei abstürzt. Leider und Schade. Aber was dann ?

12.11.2011
18:17
Schönen Gruss an die Misfits!
von JoachimCichy | #8

Stehsse aufm Törtl im Sturmesbrausen...
und allet watte siehs is: Oberhausen!

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