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Nach dem Envio-Skandal

Land sagt Giftfirmen den Kampf an

11.04.2011 | 18:48 Uhr
Land sagt Giftfirmen den Kampf an
Der Fall Envio. Die Landesminister Remmel und schneider bei der Prognos Gutachten Pressekonferenz. WR-Foto: Ralf Rottmann

Dortmund/Düsseldorf.  Die Lehren aus dem Envio-Skandal: strengere Genehmigungen und Kontrollen – aber noch keine personellen Konsequenzen.

Den harten und erschreckenden Fakten im Fall Envio folgte gestern ein vergleichsweise weicher und zurückhaltender Auftritt der Landesregierung.

Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) und Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) prangerten zwar die „kriminelle“ Skandalfirma Envio an. Sie kritisierten auch das „unzweckmäßige Handeln der Behörden“, stellten Verbesserungen bei Umwelt- und Arbeitsschutz in Aussicht. Doch ob das Versagen der Bezirksregierung Arnsberg bei der Überwachung der Giftfirma personelle Konsequenzen hat, blieb offen. Im Innenministerium sieht man „noch keine dienstrechtlichen Veranlassungen“.

In der Pannenstatistik weit vorne, beim Sicherheitspaket ganz hinten. Das galt nicht nur für die Giftfirma Envio, sondern auch für die Arbeit der Bezirksregierung im PCB-Skandal. Die Tätigkeit, zuweilen auch die Untätigkeit, dieser Behörde wie anderer Stellen waren „nach Art und Umfang nicht geeignet“, Envios „massive Verstöße gegen Rechtsvorschriften und Auflagen“ zu verhindern, formulierten die Minister. Ihre „Schlussfolgerungen“, die „eine Wiederholung eines solchen Falles möglichst vermeiden“ sollen: Mehr Behördenpersonal, bessere Überwachung und strengere Genehmigungsregeln sind gefordert.

Beim Umweltschutz soll künftig das Risiko, das von einem Betrieb ausgeht, dessen Überwachungsintensität bestimmen. Zertifizierungen sollen erschwert, Daten über Abfallströme und Entsorgungsanlagen besser verzahnt, technische Überprüfungen verbindlicher werden. Mit Blick auf PCB-Transporte aus Kasachstan nach Dortmund sagte Remmel: „NRW darf nicht zum internationalen Giftmüllzentrum werden.“

Doch nicht nur die Schlampigkeit der Bezirksregierung ebneten dem Envio-Skandal die Bahn. „Auch auf kommunaler Ebene waren erhebliche Informationsdefizite erkennbar“, kritisierte Remmel die Stadt Dortmund. Die hatte frühe Hinweise auf illegale Betriebsabläufe in die Dienstpost nach Arnsberg gegeben statt selbst aktiv zu werden.

Besseren Arbeitsschutz erhofft sich Schneider von einem landeseinheitlichen Überwachungssystem, das er „2012 verbindlich einführen“ will. Heute rücke der Arbeitsschutz nur „ganz selten“ aus, weiß der Minister. „Es gibt eigentlich nur fallabhängige Überprüfungen.“ Zudem werde nun ein NRW-weites Beschwerdemanagement erarbeitet.

Regierungspräsident Gerd Bollermann (SPD), Chef der Bezirksregierung, fehlte gestern bei der Pressekonferenz. „Möglicherweise wollte man ihn schützen“, hieß es aus Kreisen eines Ministeriums. Auch anschließend war Bollermann zu möglichen personellen Konsequenzen in seinen verantwortlichen Dezernaten nicht zu sprechen. Nur am „Runden Tisch“, dem die Ergebnisse der Envio-Gutachten vorab vorgestellt wurden, tauchte er auf. „Bollermann hat ein Führungsproblem“, sagte Eberhard Weber, Vorsitzender des Runden Tisches und Ex-DGB-Regionalchef in Dortmund. „Denn es sind Führungskräfte seines Hauses, Dezernenten und Hauptdezernenten, und nicht die Sachbearbeiter, die schwere Verantwortung tragen.“

Personelle Konsequenzen seien derzeit „noch spekulativ“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums, das die Dienstaufsicht über die Bezirksregierungen hat. Es gebe „noch keine Hinweise“ auf dienstrechtliche Verfehlungen – und somit keinen Handlungsbedarf.

Envio

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Kommentare
11.04.2011
20:39
Land sagt Giftfirmen den Kampf an
von vaikl | #1

Nicht von ungefähr hat die Prognos in ihrem Gutachten zwei Sätze besonders herausgestellt: Envio ist kein Einzelfall und Envio war ein Zufallsfund.

Übersetzt: Es gibt massive strukturelle Probleme in der gesamten Behördenkette, von den kommunalen Ämtern bis hoch zu den Ministerien im Land, von den lokalen Arbeitsschutz-Instituten über die Gewerkschaften bis hin zu den Berufsgenossenschaften.

Die Entsorger-Firmen wissen dies, können dies leicht ausnutzen und manche tun dies auch, weil es eben seit vielen Jahren - schon unter RotGrün - ein Leichtes war, sich mit Papierkram ein Zertifikat zu verschaffen, damit man nach einem rotgrünen Ministerialerlass von 2001 als besonders vertrauenswürdig gilt und damit Kontrollen weitgehend vermeidet.

Das Prognos-Gutachten stößt den Finger in eine ganze Menge offener Wunden. Kein Wunder, dass es lange unter Verschluss blieb und heute quasi in aller Stille einem ausgewähltem Pressekreis vorgestellt wurde.

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