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Krankenschwester wegen Kopftuch gekündigt - Jetzt klagt sie

08.07.2014 | 19:18 Uhr
Krankenschwester wegen Kopftuch gekündigt - Jetzt klagt sie
Das Kopftuch ist bei muslimischen Frauen oft ein Einstellungshindernis, in christlichen Einrichtungen wird es häufig sogar verboten.Foto: dpa/Kay Nietfeld

Dortmund.   Eine muslimische Krankenschwester musste eine katholische Klinik in Dortmund verlassen, weil sie ein bei der Arbeit ihr Kopftuch nicht ablegen wollte. Jetzt wehrt sie sich: Sie besteht auf ihre Religionsfreiheit und klagt gegen die Kündigung.

Fünfzehn Jahre lang war sie im Dortmunder St. Johannes-Krankenhaus beschäftigt. Eine Krankenschwester, eine junge Frau, die schon ihre Ausbildung im diesem Haus absolviert hatte. Sie wurde geschätzt, galt als gute Kraft. Doch als sich die 36-jährige Marokkanerin im vergangenen November aus ihrer Elternzeit zurückmeldet, als sie zum Gespräch in der Personalabteilung erscheint, ist alles anders. Die Muslima trägt nun Kopftuch und das – so wird es ihr unmissverständlich mitgeteilt – sei nicht geduldet.

Eine Personalie, die inzwischen für Aufsehen sorgt. Gegen ihre Kündigung geht die Krankenschwester juristisch vor, für den 1. August ist ein Gütetermin am Dortmunder Arbeitsgericht anberaumt. Eine muslimische Krankenschwester nimmt es mit ihrem katholischen Arbeitgeber auf!

Dabei will man sie ja durchaus zurück. Gutes Pflegepersonal wird gesucht, und so war man sogar ihrem Wunsch nach einer Teilzeitstelle entgegengekommen. Aber eben nur ohne Kopftuch. Genau das hatte man ihr auch noch einmal schriftlich mitgeteilt. Sie jedoch bestand darauf, aus religiösen Gründen nur mit Tuch zu arbeiten.

Muslime stellen tatsächlich in dem 570-Betten-Haus an der Dortmunder Johannes-Straße einen großen Teil des Personals, in der Krankenpflegeschule sogar ein Drittel der Schüler. „Und wir machen gute Erfahrungen mit ihnen“, sagt Günther Nierhoff, der Geschäftsführer des Krankenhauses.

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Ein Fall unter vielen. Im Februar 2012 entschied das Hammer Landesarbeitsgericht in einem fast identischen Fall im Sinne des Arbeitgebers, einer evangelischen Klinik im Westfälischen. Kirchliches Selbstbestimmungsrecht vor Religionsfreiheit. Das Kopftuchverbot sei „erforderlich und angemessen“, so das Gericht, die muslimische Krankenschwester werde keinesfalls wegen ihres Glaubens diskriminiert.

In Neuss wurde 2011 sogar eine Putzfrau gefeuert, weil sie mit Kopftuch in einem christlichen Pflegeheim wischte. Zehn Jahre lang, sechs Tage die Woche hatte Ayse D. so ihren Lebensunterhalt verdient. Als sie vor Gericht zieht, zeigt sich ihr Arbeitgeber, eine Reinigungsfirma, plötzlich kooperativ und kündigt an, sich um einen anderen Einsatzort für Ayse D. zu bemühen.

In Berlin trifft es 2013 eine Anwältin. Mehrfach wird sie von Richtern aufgefordert, das Tuch im Gerichtssaal abzulegen oder es zumindest anders zu binden. Schließlich droht die Anwältin, eine Verfassungsklage anzustrengen, falls sie noch einmal vor Gericht so angegangen werde. Auch die Rechtsanwaltskammer Berlin bezeichnet das Verhalten der Richter als rechtswidrig und sichert der Anwältin Unterstützung zu. Rechtsanwälte übten einen freien Beruf aus, sie seien keine Organe des Staates, sagte der Präsident der Rechtsanwaltskammer, Marcus Mollnau.

Beim Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Wesseling häufen sich in der Beratung ähnliche Vorkommnisse. Der Zugang muslimischer Frauen zum Arbeitsmarkt sei drastisch eingeschränkt, heißt es bei der einzigen bundesweiten muslimischen Frauenorganisation. „Man will zwar die Vorteile ihrer Zweisprachigkeit, aber man soll ihnen die Muslima nicht ansehen“, sagt deren Vorsitzende Gabriele Boos-Niazy.

Krankenhaus fürchtet Präzedenzfall

Im Dortmunder St. Johannes-Krankenhaus wundert man sich derweil, welche Wellen die Geschichte schlägt. „Es tut uns leid, dass sich die Situation so entwickelt hat“, betont Geschäftsführer Nierhoff und: „Wir haben kein Interesse, die Kündigung durchzuziehen.“ Dennoch habe man den Eindruck, der Krankenschwester gehe es weniger um ihre Religion als darum, einen Präzedenzfall an einer christlichen Einrichtung zu schaffen. Nierhoff: „Es geht um die Durchsetzung des Kopftuchtragens in einem christlichen Haus“.

Hayke Lanwert

Kommentare
08.07.2014
20:42
Krankenschwester wegen Kopftuch gekündigt - Jetzt klagt sie
von kadiya26 | #6

Grundsätzlich ist das Tragen einer Kopfbedeckung in der Pflege aus Hygienegründen gar kein schlechter Ansatz. Auch wenn es hier nicht darum geht, ich...
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Krankenschwester wegen Kopftuch gekündigt - Jetzt klagt sie
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2014-07-08 19:18
Rhein und Ruhr