Kletterparks machen sich bezahlt
23.05.2009 | 23:59 Uhr 2009-05-23T23:59:00+0200
Oberhausen. Im Hochseilgarten kann jeder mal gefahrlos mutig sein. Mehr Mut brauchten die ersten Investoren im Ruhrgebiet. Unkalkulierbar war das Risiko, eine halbe Million Euro zwischen Bäume zu spannen und nie mehr wieder zu sehen. Jetzt boomen die Kletterparks, nicht nur in der Region.
Vorsichtig balanciert ein kleines Mädchen über eine wackelige Hängebrücke. Noch ein Schritt, dann ist die sichere Plattform erreicht. Weiter hinten im Wald grölt ein Jugendlicher. Auf einem Surfbrett kniend rutscht er von einem Baum zum nächsten. Hunderte Abenteuerlustige verlieren im Waldhochseilgarten „Tree2tree” täglich ganz freiwillig den festen Boden unter den Füßen.
Mut bewiesen auch Martin Bürgers und Be´la Kubick (Bild oben), als sie 2003 beschlossen, ihre Idee von einem Waldhochseilgarten in Oberhausen zu realisieren. Denn zu dieser Zeit gab es noch keinen solchen naturbelassenen, für das breite Publikum ausgelegten Hochseilgarten in Deutschland. Heute macht einer nach dem andern auf (siehe unten).
„Wir waren unsicher: Wird das Ganze überhaupt angenommen?”, erinnert sich Bürgers. 10 000 Euro Pacht zahlen sie für das Waldstück neben dem Gasometer jährlich. 450 000 Euro investierten sie. Doch schon in der Eröffnungssaison 2006 kamen 17 000 Kletterer. Und die Oberhausener expandierten – auch, um den Einstieg für Konkurrenten zu erschweren. Ihren zweiten Hochseilgarten eröffneten sie im Revierpark Wischlingen in Dortmund, den dritten in Duisburg-Wedau. Das jährliche Ziel sind 80 000 Besucher.
Damit gehört das Oberhausener Unternehmen nach Einschätzung von Michael Trefs, Chef der International Adventure Park Association (IAPA), zu den größten der Branche. Etwa 100 Waldhochseilgärten gibt es inzwischen in Deutschland. „In den letzten drei Jahren ist der Markt explodiert”, berichtet der Verbandschef. Er rechnet mit einer Verdreifachung in wenigen Jahren.
Genaue Umsatzzahlen der jungen Branche gibt es noch nicht. Im Durchschnitt verzeichne jeder Kletterwald jährlich 25 000 bis 30 000 Besucher, so Trefs. Er schätzt, dass die rund 100 deutschen Hochseilgärten 50 bis 60 Millionen Euro im Jahr erwirtschaften – Gastronomie und Merchandising inklusive.
Auch im Ruhrgebiet gibt es immer mehr Anbieter für luftige Klettererlebnisse: Neben Tree2tree betreibt unter anderem das Bottroper Alpincenter einen Kletterpark. Von Baum zu Baum geht es seit zwei Jahren auch am Duisburger Ruhrufer im Climbingpark. Im Mai eröffnete nun noch ein Parcours in Recklinghausen – Träger ist der Recklinghäuser Verein für Jugendheime.
Tree2tree-Geschäftsführer Kubick hat eine Erklärung für den Kletter-Boom: „Die Leute wollen weg von der Playstation hin zur Aktivität in der Natur.” Den typischen Hochseilkletterer gebe es nicht. „20 Prozent der Besucher sind Kinder, 40 Prozent Jugendliche und der Rest Erwachsene”, sagt Bürgers. Unter der Woche kommen vor allem Schulklassen, am Wochenende Familien. Preiswert ist der Ausflug nicht gerade: zehn bis 24 Euro kosten vier Stunden Hochseilklettern.
Zwölf festangestelle Mitarbeiter und 80 Aushilfskräfte beschäftigt Tree2tree. Mittlerweile könnten Martin Bürgers und Be´la Kubick von ihrem Geschäft leben. Trotzdem bleiben beide weiterhin – als IT-Unternehmer und Model – selbstständig.
Kletterparks sind kein Ganzjahresgeschäft. Den Winter verbringen die Mitarbeiter mit Wartungsarbeiten. Anfragen, für andere Investoren Hochseilgärten zu errichten, lehnen Bürgers und Kubick regelmäßig ab. Obwohl: „Ein Hochseilgarten im New Yorker Central Park – das wäre noch ein Traum”, sagt Kubick und lächelt.
11:02
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16:52
@ 13
Ich sprach nicht von FRÜHEREN Wäldern in den verdreckten Städten. Ich sprach von den Restwäldern in den jetzigen Städten. Lesen statt drauflos interpretieren!
Keiner fordert hier, dass die Kletterparks irgendetwas ersetzen, weder Vereine oder Schulsport, noch elterliche Fürsorge. Sie sind für die die möchten, ein zusätzliches reizvolles Freizeitangebot. Für Stadtkinder kann es ein tolles Abenteuer sein mal sich selbst zu fordern und über die eigenen Grenzen zu gehen und eigene Ängste zu überwinden. Wer daran keinen Spaß hat, muss dieses Angebot auch nicht nutzen, genauso wenig wie irgendwelche anderen Freizeitangebote z. B. andere Freizeitparks, Zoos oder was auch immer. Noch kann jeder über seine Freizeit und die seiner Familie selbst bestimmen. Uns macht das Klettern auf jeden Fall richtig Spaß, ob es nun in der Halle ist oder draußen an der frischen Luft. Für uns sind diese Kletterparks eine Bereicherung, in einer Zeit in der andere Angebote für Kids immer weiter wegbrechen.
Und überhaupt, haben sie schon mal eine Schulklasse beim Klettern beobachtet ? Der Eine oder Andere, der vielleicht bisher nicht so viel mit Sport zu tun hatte, merkt plötzlich was er drauf hat. Ich habe die strahlenden Gesichter gesehen, wenn Kids einen Parcours oder eine Kletterwand geschafft haben oder sich im Laufe des Tages beim Klettern immer mehr gesteigert haben. Es hat den Kids auch sehr gut getan zu merken, dass da unten jemand ist, der sie HÄLT und auf den sie sich verlassen können. Nicht für jedes Kind ist diese Erfahrung etwas selbstverständliches, leider!
Und was das Geld anbetrifft. Ja leider ist es so, dass es in Deutschland Familien gibt, die am Existenzminimum leben und sich sehr genau überlegen müssen wofür sie ihr Geld ausgeben. Diese Familien können sich häufig auch keine Urlaubsreisen o. ä . leisten. Ein gemeinsam verbrachter Tag im Kletterpark, wo sich die Familienmitglieder gegenseitig anfeuern oder beim Klettern unterstützen, kann trotzdem ein tolles Ferienerlebnis sein, von dem man gemeinsam noch lange zehrt. Aber wie schon gesagt, jeder kann seine Freizeit gestalten wie er eben mag.
12:03
Sie sprachen die früheren Wälder in den damals verdreckten Städten an. Heute ist das Ruhrgebiet wesentlich grüner als früher. Auch ein Kletterwald ersetzt den Sportunterricht nicht, Kinder die mit Ihren Klassen dort hinfahren und wie heute oft der Fall, nicht sportlich sind werden auch dort keine positiven Erfahrungen machen. Sport und andere Vereine können Kinder wesentlich mehr stärken. Diese schließen jedoch häufig weil der Nachwuchs fehlt. Auch die freiwillge Feuerwehr kann Kindern und Jugendlichen einiges bieten. Welche Familien haben denn das Geld um mit Ihren Kindern einen Kletterwald zu besuchen? Die meisten jedennfalls nicht.
10:38
@11
Was hat das Selbstbewusstsein oder das Selbstwertgefühl der Kinder mit Hochöfen und Kohlen und dreckiger Region von Anno schon lange vorbei zu tun?
Selbstverständlich haben Eltern Einfluss auf die Befindlichkeit ihrer Kinder und warum sollten Familien nicht auch mal klettern gehen, wenn es den Kindern gut tut. Das heißt nicht, dass die Kinder ansonsten in der Ecke geparkt werden und ein oder zwei Mal im Jahr zum Klettern wieder hervorgeholt werden. Das ist IHRE persönliche Interpretation.
Die Erfahrung, die ich als Mutter von zwei Kindern in der Großstadt gemacht habe ist, dass Hunden häufig mehr Rechte zugebilligt werden als Kindern. Das finde ich traurig.
Immer mehr Sportplätze, Sportvereine und Schwimmbäder werden geschlossen, da die Kassen der Städte leer sind. Wo sollen sich die Kinder noch austoben? Jugendzentren und anderen Organisationen werden ebenfalls die Gelder gekürzt. Wenn Kinder aber nebenan auf einem für sie ausgewiesenem Bolzplatz Fußball spielen, beschweren sich die Nachbarn beim Ordnungsamt, weil es zu laut ist wenn der Ball gegen den umgrenzenden Zaun knallt. Das ist die Realität! Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl werden eben NICHT NUR von den Eltern vermittelt.
09:15
# von
Das Selbstwertgefühl der Kinder wird von den Eltern bestimmt, geformt! Wie sah es denn früher im Ruhrgebiet aus? Eine von Kohlen und Hochöfen geprägte Region, dreckig und verstaubt.
Was ist mit den ganzen Kindern, deren Eltern sich diese Events nicht leisten können? sollten die alle kein Selbstwertgefühl mehr haben? Es kommt schließlich auf die Erziehung und das erlebte in der Familie an. Was nützt es dem Kind wenn die Eltern sich nie Zeit nehmen und anschließend weil einem zur Beschäftigung nichts einfällt, mal kurz ein Kletterwald besucht wird? Das wird das eh schon verkorkste Selbstwertgefühl auch nicht groß verbessern.
08:45
Klar klettere ich auch im Wald auf Bäume (hier im Sauerland darf man das ja noch), aber den Kick wie bei der Marthon Klettertour im Diusburger Klettergarten hatte ich vorher höchstens beim Abseilen in den Bergen. Die 5 begleitenden Frauen währen sont niemals geklettert und haben so den Einstieg gefunden.
08:21
10€ für 4 Stunden klettern ??? In jeder Kletterhalle im Ruhrgebiet kann ich für 10 € von morgens bis spät abends machen. Von den ganzen Klettergebieten die draussen sind reden wir jetzt mal garnicht.
07:57
@#7 Sehe ich auch so, alles in den Städten wird saniert, begradigt, kommerzialisiert und schließlich überwacht. Da würde ich vielleicht auch anfangen in der Bude zu hocken und virtuell zu schlachten und metzeln ... ist doch lebensfeindlich.
Kletterparks boomen - so ein Titel hat den gleichen Inhalt wie:
Der Tierpark SOWIESO hat ein neues, teures Gehege bekommen, das gut angenommen wird. Die Freiheit konnte somit erfolgreich ein weiteres Stück domestiziert werden!
06:30
Früher bin ich einfach in den Wald gegangen und bin herumgeklettert. Heute darf/soll ich dafür zahlen, wenn ich von Baum falle. Verkehrte Welt !
00:59
@5 von Antifa
Freuen Sie sich doch, dass in Ihrer Zeit all das noch möglich gewesen ist. Heute können und dürfen die Kids gar nichts mehr. Wegen jeder Kleinigkeit werden Kinder und Jugendliche oder auch deren Eltern, von anderen Erwachsenen, vor allem von den älteren Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten, blöd angemacht, ja blöd angemacht. Über jede Kleinigkeit wird sich beschwert. Wo können sich heute noch Kinder wirklich so ausleben wie es früher möglich gewesen war? Wo in den Städten gibt es noch Wälder? Und auch dort werden die Kinder angemacht, wenn sie nicht auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, sondern Querfeldein sich ihren Weg suchen. Sie haben doch von der Realität überhaupt keine Ahnung mehr. Wo können die Kinder noch Abenteuer erleben oder an ihre Grenzen gehen? Es erfordert eine ganze Menge Mut in einer Höhe von 12 m über ein Seil zu balancieren und mit jedem bestandenen Parcours wächst das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl des Kindes oder des Jugendlichen, welches zuvor von Menschen wie Ihnen niedergemacht wurde. Und ja ja wir wissen es, in der guten alten Zeit war ja sowieso alles besser, aber diese gute alte Zeit ist schon lange vorbei!