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Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen

20.10.2009 | 06:58 Uhr
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen

Dortmund. Anders als in Hamburg, Bremen und Niedersachsen wird es in NRW vorerst kein Alkoholverbot in den Zügen geben. Die meisten Verkehrsunternehmen wollen dem Vorstoß der Eisenbahngesellschaft "Metronom" nicht folgen. Nur bei "Abellio" ist man für ein Verbot, das auch Polizisten fordern.

Ein Alkohoverbot in den Zügen? „Wir sehen dazu keinen Anlass”, sagte Longina Becken von der Prignitzer Eisenbahn, die auch einige Linien in NRW bedient. „Bei uns läuft alles gesittet und friedlich ab.” Und Eurobahn-Sprecher Marco Vogel betonte: „Von einer generellen Regelung halten wir im Moment nichts. Das würde ja einen der Vorteile des Bahnverkehrs zunichte machen.” 

"Wir hoffen, dass wir Nachahmer finden"

Anlass für die Diskussion ist die Entscheidung der privaten Eisenbahngesellschaft „Metronom”, in ihren Zügen ab dem 15. November ein Alkoholverbot einzuführen. „Ungehemmtes Benehmen, Belästigungen und sogar Bedrohungen von Fahrgästen und Mitarbeitern, Vandalismus und Verunreinigungen der Züge sind Auswüchse, die fast immer in Verbindung mit Alkoholkonsum stehen”, sagte Metronom-Sprecherin Tatjana Festerling. Dass andere Unternehmen dieses Problem nicht offen angingen, könne sie nicht verstehen. „Wir hoffen, dass dies kein Alleingang bleibt und unser Schritt Nachahmer findet.”

Die Deutsche Bahn AG, immer noch Branchenführer auf Bahnstrecken in Westfalen, hält sich zum Thema Alkoholverbot in Zügen bedeckt: Wenn, sei nur eine landesweite, besser noch eine bundeseinheitliche Regelung sinnvoll, heißt es bei der DB in Düsseldorf. Außerdem verweist sie auf bereits bestehende Vorgaben: „Wer Fahrgäste belästigt oder Züge verschmutzt, kann schon jetzt rausgeworfen werden”, sagt Sprecher Bodo Kampschulte.

46.000 Vandalismus-Fälle im Jahr

Wie hoch die Schäden sind, die alkoholisierte Randalierer in und an DB-Zügen anrichten, sei nicht zu beziffern; es gebe nur eine Gesamtstatistik. Demnach musste die Bahn AG im Jahr 2007 bundesweit für 50 Millionen Euro Vandalismusschäden beseitigen lassen; 46.000 Fälle sind aktenkundig geworden.

„Ein Verbot ist nur sinnvoll, wenn es auch kontrolliert und durchgesetzt wird”, lautet das Urteil beim Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL), der den Nahverkehr in Westfalen bestellt und bezahlt. Da die Zahl der Zugbegleiter aus wirtschaftlichen Gründen aber stetig gesunken ist, sei eine Kontrolle kaum durchführbar – „Und häufig auch nicht zumutbar”, sagt ZRL-Sprecher Uli Beele. Er setzt auf „Aufklärung und einen Appell an die Eigenverantwortlichkeit” der Fahrgäste.

Alkohol ist nicht das einzige Problem

Die Verkehrsgewerkschaft GDBA sprach sich gestern gegen ein generelles Alkoholverbot in Bahnhöfen und Zügen aus. Sinnvoller sei es, bei Volksfesten und Fußallspielen gezielt gegen volltrunkene Fahrgäste vorzugehe. „Alkohol ist nicht das einzige Problem,” sagte der Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. „Unsere Kollegen klagen zunehmend über gewalttätige Ausschreitungen.”

Skeptisch zeigte sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn: „Ich weiß zwar, dass sich Fahrgäste gestört und abgeschreckt fühlen”, sagte Sprecher Lothar Ebbers. „Aber solch eine Regelung würde nur Sinn machen, wenn man genügend Personal hat und man sie auch durchsetzen kann. Mit einem Schnellschuss macht man sich lächerlich und die ganze Sache wird eher kontraproduktiv.”

Ein Verbot ist sinnvoll - wenn es für alle gilt

Einzig die Privatbahn Abellio (Essen - Siegen) ist für ein Verbot („Alkohol lässt die Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft sinken”), verlangt allerdings eine „Regelung durch den Gesetzgeber”.

Auf Wunsch der Kunden hat die Rheinbahn Düsseldorf seit dem 1. Juni 2007 warme Speisen und alkoholische Getränke aus ihren Zügen verbannt. „Aktion Rein-Bahn” hat sie das Projekt genannt. Das Fazit fällt bisher positiv aus: Vorallem die Sauberkeit in den Züge habe zugenommen – „und die Kundenzufriedenheit”, sagt Rheinbahn-Sprecherin Heike Schuster.

Carsten Menzel, Katja Sponholz

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Kommentare
06.12.2009
20:43
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von fritz0910 | #13

Verbote helfen nur wenn das durch Polizei oder Sicherheitsdienste umgesetzt werden.
Alles andere ist Firlefanz.
Aber wer soll das Bezahlen ????
Der Staat ? Oder die nicht trinkenden Fahrgäste über den Fahrpreis ???

06.12.2009
12:40
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von Advocatus Diaboli | #12

Ich werde niemals jemanden im Zug ermahnen, wenn er Dreck oder Lärm macht. Ich habe nämlich keine Lust totgeschlagen zu werden.

Sollen die Leute alle Flaschen leer trinken, bevor sie einsteigen. Ja.
Sollen mehr Schaffner kontrollieren, dass alles in Ordnung ist. Ja.
Soll jeder mit mehr als 0,5 Promille das Taxi nehmen, statt den ÖPNV. Ja.
Die Alkis sollen sich selbst aussuchen, wie sie leben und im Leben vorwärts kommen. Ja.

Fazit: verbietet einfach das Saufen in den Zügen und Bussen und es ist allen (ALLEN!) geholfen.

21.10.2009
14:21
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von Name | #11

Richtige Entscheidung.
Ein Verbot bringt rein gar nichts. Und längst nicht jeder der Alkohol trinkt randaliert auch.

Ich persönlich freu mich nach wie vor im Zug trinken zu dürfen. Vor allem am Wochenende praktisch...so spart man Zeit, da man das vorglühen teilweise mit der Zugfahrt zusammenlegen kann. :)

Wir wollen am Fr. Abend ehe nach Düsseldorf in die Altstadt. Gut zu wissen das man standartmäßig seine 1-2 Bier in den 30-40Min Fahrt trinken kann :-)

Prost

20.10.2009
15:42
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von immer noch wieder | #10

#6 von Optimist

Nachtrag: Früher wurden die Fahrzeuge und Personenwagen in regelmäßigen Abständen gereinigt. Innen sowie Außen. Heute müssen diese nur noch fahren. Wohin das geführt hat ist in der Vergangenheit durch die Deutsche Bahn unrühmlich protokolliert worden. Durch die Streckung von Wartungsintervallen (hierzu gehört auch die Reinigung !!!) ist das Wagenmaterial dermaßen verschlissen worden das es zu massiven Unfällen kam und bei Nachprüfungen festgestellt werden musste das es zu Bruchansätzen an den Radsätzen kam.

Übrigens, ARBELLIO hat nicht viel mehr Mitarbeiter, nur wird hier das Wagenmaterial geschont und regelmäßig gewartet. Dazu gehört auch die regelmäßige Kontrolle durch die Zugbegleitung und den Fahrzeugführer.

20.10.2009
10:47
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von Langnese | #9

Ein Alkoholverbot würde ich begrüßen. Erstmal aus ästhetischen Gründen, oft fliegen leere Dosen und Flaschen durch die gegend oder ist der Boden verklebt, zudem waren die regelmäßigen Eskalationen in den Zügen von alkoholisierten durchgeführt worden.
Klar haben die auch schon vorher getrunken, aber es könnte ein wenig die Problematik entschärfen.

20.10.2009
09:17
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von Boernie | #8

Wer einmal mit 5 ~60-Jährigen Schnapsdrosseln im Abteil saß wird ein Alkoholverbot zu schätzen wissen...

20.10.2009
08:13
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von H.Undsfott | #7

Völlig richtige Entscheidung!

Ich kann auch Alkohol ohne Spaß haben.

PROST!!!

20.10.2009
06:53
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von Optimist | #6

Anstatt ein Verbot einzuführen, sollten die Leute, die zu schauen, wie Züge verschmutzt werden, bzw. wenn Alkohol konsumiert wird und sich dadurch gestört fühlen, die Leute ansprechen.

Aber manche kucken halt nur dumm zu. Und das sind die, die sich über verschmutzte Züge und pöbelnde Fahrgäste beschweren!

Ich muss auch noch was zur Abellio sagen: Wer nur zwei Linien betreibt, der hat es auch leichter seine Züge im kürzeren Intervall zu reinigen!

20.10.2009
03:29
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von Benedikt W | #5

Was soll das bringen? Rauchverbot gibt es auch an Bahnhöfen und in Zügen. Geraucht wird dort (besonders an Bahnhöfen) trotzdem, selbst das Sicherheitspersonal raucht auch außerhalb der Raucherbereiche ...

20.10.2009
02:46
Kein Alkoholverbot in NRW-Zügen
von voltago | #4

Dann werden halt die Flaschen vor der Fahrt leergetrunken und abgestellt.
Die Flaschensammler wirds freuen.
Gruß

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