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Kirchenschließung

Katholiken fordern von Overbeck Erhalt ihrer Kirchen

03.01.2012 | 20:03 Uhr
Katholiken fordern von Overbeck Erhalt ihrer Kirchen
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hört sich die Argumente aus den Gemeinden aufmerksam an. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Jede Gemeinde will den denkbar besten Eindruck hinterlassen, wenn der Bischof kommt. Franz-Josef Overbeck besucht die Kirchen im Duisburger Norden, denen eine Schließung droht. Eine Entscheidung wird er am 21./22. Januar bekannt geben.

Die Katholiken im Duisburger Norden haben mobil gemacht . Jede Kirchengemeinde will bei Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck den denkbar besten Eindruck hinterlassen. Denn dann, so hoffen sie inständig, wird er ihre Kirche von der drohenden Schließung verschonen – und die Nachbarkirche treffen. Denn dass Kirchen geschlossen werden müssen, sehen alle ein, beteuern sie jedenfalls.

Und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. So zählt Duisburg Hamborn seit 1958, seit der Gründung des Bistums, fast 45 000 Katholiken weniger. Von einst 70 931 Katholiken waren es 2010 noch 25 806. Entsprechend gingen die Kirchensteuer-Einnahmen zurück.

Keine Gemeinde will nachgeben

Doch keine Gemeinde will nachgeben. Gläubige hatten Overbeck im November das Versprechen abgerungen, vor der endgültigen Entscheidung noch einmal alle fünf in frage kommenden Kirchen im Duisburger Norden anzusehen. Gestern dann machte er sein Versprechen wahr.

Schon an der ersten Station, vor St. Peter in Marxloh, wartet eine Gruppe hoch engagierter Katholiken. Fernsehteams, Fotografen und Journalisten beobachten jede Regung des Bischofs. Denn in Marxloh geht es nicht nur um die mögliche Schließung von St. Peter, hier geht es um die Schließung der einzigen katholischen Kirche inmitten eines muslimisch geprägten Stadtteils; um das letzte sichtbare christliche Gegenüber zur Moschee .

„Nicht alles kaputtmachen“

Doch der Bischof verrät mit keiner Miene, was er über die Zukunft von St. Peter denkt. Die 70-jährige Anne Marie Maas, ehrenamtliche Küsterin, flüstert: „St. Paul von nebenan ist doch schon geschlossen.“ Und: „Es ist nicht gut, wenn das hier einfach kaputtgemacht wird.“ Der Bischof betet mit den Gläubigen, die sich eingefunden haben, unterhält sich. Dann geht es zu Fuß weiter zur nächsten Kirche. Auf die Frage, ob das Bistum diese Kirche nicht allein schon aus politischen Gründen neben der Moschee aufrecht erhalten sollte, antwortet er ausweichend: „Wir leben in einem Staat, der die Religionsfreiheit achtet.“ Und auch das Bistum bekenne sich dazu. Aber Gotteshäuser allein gäben keine Hinweise auf die Präsenz des religiösen Lebens. „Aber eine Entscheidung werden Sie jetzt nicht von mir hören.“

Aber auch die anderen Gemeinden kämpfen. Allen voran die Initiative „Rettet St. Barbara“. Ihre Kirche liegt in einem bürgerlicheren Wohnviertel. „Jede Kirche, die geschlossen wird, ist eine zuviel“, sagt Christian Brams von der Initiative. Aber wenn es hart auf hart komme, dann sollten doch St. Barbara oder St. Norbert bleiben. Häuserkampf in den Gemeinden.

Lebendige Gemeinde

Auch die anderen wollen nicht aufgeben, St. Hildegard und Herz-Jesu. Alle erklären dem Bischof, wie lebendig die Gemeinde ist, welche Konsequenzen eine Schließung hätte. Und er hört sich die Argumente sehr aufmerksam an. Er spüre „Melancholie“, sagt er am Ende. „Ich wäre lieber ein Bischof, der den Menschen nicht sagen müsste, dass Kirchen geschlossen werden.“ Aber demografische wie finanzielle Gründe sprächen dagegen. Seine Entscheidung falle am 21. Januar.

Doch eines steht schon jetzt fest: Keine Gemeinde wird sie akzeptieren. Der Häuserkampf dürfte weitergehen.

Angelika Wölk


Kommentare
10.01.2012
12:12
Katholiken fordern von Overbeck Erhalt ihrer Kirchen
von andreasbiggi | #11

Es ist schade, dass auch in diesem Fall wieder Wasser gepredigt und Wein getrunken wird.

Auf der einen Seite Kirchen schließen, um Geld zu sparen, auf der anderen Seite als Bischof Anfang Dez. 2011 in einem voll besetzten Flugzeug als einziger in der Business Class sitzen, während alle anderen Economy flogen.

04.01.2012
21:33
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
Liebe Moderatoren
von MichaelTheoVanLaack | #10-1

Leider musste ich soeben erneut die Erfahrung machen, dass Antworten eines Klarnamens auf persönliche Diskreditierung in Ihren Foren nicht erwünscht sind (siehe Blockierung meines Kommentars #10), Spott eines Anonymen über einen Klarnamen aber den Moderator nicht stört (siehe Beitrag #9 von frodo1975 - "muss ihrem feinen, kleinen Ego ja einen ziemlichen Knacks zugefügt haben"). Ist das Redaktionslinie oder Moderatoren-Willkür? D. h., muss ich erwarten das dieser Beitrag #11 jetzt auch wieder gelöscht wird und #9 weiter stehen bleibt?
Mit Verlaub meine Damen und Herren, Ihre Einseitigkeit (oder Parteilichkeit?) ist nicht erst seit heute nur wenig erträglich.
Es gibt nicht nur Pressefreiheit, auch Meinungsfreiheit. Der Schutz von Persönlichkeitsrechten darf für Medienvertreter seit der Causa Wulff kein Argument zur Löschung von Forenbeiträgen mehr sein. Denn Persönlichkeitsrechte hat auch ihr Haus beim Herrn Bundespräsidenten durch die zudem das Amt schädigende Berichterstattung ganz nach hinten gestellt.

Auch Ihnen eine schöne Weihnachtswoche
Michael Theodor van Laack - 46562 Voerde

04.01.2012
16:59
@Herrn van Laack
von frodo1975 | #9

Sagen Sie Herr van Laack,

was hat Sie eigentlich so verbittert, dass sie zwanghaft jeden Artikel, der sich mit der aktuellen Situation der katholischen Kirche im Duisburger Norden beschäftigt, mit ihren Ergüssen ganieren? Irgend jemand der aktuell handelnden Protagonisten (Einige sprechen Sie ja immerhin sogar namentlich an) muss ihrem feinen, kleinen Ego ja einen ziemlichen Knacks zugefügt haben, wenn Ihnen Ihre Zeit nicht zu schade ist, die Kommentarfunktion von Der Westen für Ihren Kleinkrieg zu nutzen. Ist es möglicherweise Frust darüber, dass bei der Schließung "Ihrer" Kirche niemand den Hintern hochbekommen hat, um etwas für deren Rettung zu unternehmen? Ich meine, so etwas aus Ihren zahlreichen Beiträgen (die durchaus einen gewissen Unterhaltungswert haben, und das meine ich tatsächlich in keinster Weise abwertend) herausgelesen zu haben. Letztendlich spielt das aber auch keine Rolle, denn Menschen, die ihre Meinung über das Internet verbreiten, statt ihrem Gegenüber ins Auge zu sehen, nehme ich ohnehin nicht ernst.

Angenehmes Leben, wünsche ich Ihnen.

04.01.2012
02:08
@von schriftsetzer | #6
von dummmberger | #8

"Genn wird wahrscheinlich im Bistum Münster genauso mit der Axt walten, wie in Essen."

Dazu gibt es ein sehr interessantes Zitat. Genn kündigte nämlich an, die Strukturreform in Münster anders anzugehen als in Essen. In Münster wolle er "die Menschen mitnehmen".

Eine vernichtendere Kritik über die Reform in Essen kann man sich ja kaum vorstellen.

@rodzina | #7
"Es gibt so gut wie keinen Gesellschaftsbereich, in dem kirchliche Einrichtungen beziehungsweise Leistungen, die ausschließlich für die Kirchen nützlich sind, nicht weitgehend, teilweise komplett aus Steuergeldern finanziert werden."

Das ist so nicht richtig.
Nur in den Bereichen, die der ganzen Gesellschaft zugute kommen, wie Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern, findet eine weitgehende Refinanzierung durch den Staat statt, da dieser ja, wenn die Kirche sich zurückziehen würe, diese Aufgaben sowieso übernehmen müsste.

Zum Thema:
Unabhängig davon, wie man zum "Wunder von Marxloh" steht, halte ich es für einen großen Fehler, die dortige kath. Kirche zu schließen.

04.01.2012
00:17
Katholiken fordern von Overbeck Erhalt ihrer Kirchen
von rodzina | #7

Die Gemeindemitglieder sind natürlich uneinsichtig. Glabuen die das Geld fiele buchstäblich vom Himmel?
Da kann der liebe Gott auch nicht helfen.

Einem Bericht der Frankfurter Rundschau vom Dezember 2010 können wir entnehmen, dass alles in allem jährlich so an die 10 Milliarden Euro aus der Staatskasse an die Kirchen fließen, neben der Kirchensteuer!. Es gibt so gut wie keinen Gesellschaftsbereich, in dem kirchliche Einrichtungen beziehungsweise Leistungen, die ausschließlich für die Kirchen nützlich sind, nicht weitgehend, teilweise komplett aus Steuergeldern finanziert werden.

03.01.2012
23:13
Chapeau...
von schriftsetzer | #6

...mein lieber MichaelTheoVanLaack. das ist mal ein Kommentar! Hut ab!

Overbeck setzt nur das fort, was Felix Genn begonnen hat. Genn wird wahrscheinlich im Bistum Münster genauso mit der Axt walten, wie in Essen. Und Genn imit seinen 61 Jahren kann noch eine Menge anrichten. Der Vatikan wird seine helle Freude an ihm haben, kann er zu Lebzeiten doch noch - nach Münster - mindestens ein Bistum "kernsanieren". Ich schreibe das als Protestant, dem genauso das Herz blutet, wenn ev. Kirchen zweckentfremdet bzw. gar abgerissen werden... das tut man einfach nicht!

03.01.2012
22:36
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.01.2012
22:21
Katholiken fordern von Overbeck Erhalt ihrer Kirchen
von Formeleins | #4

Als wenn der Marsch jetzt was ändert, Leute lasst euch nichts vormachen. Die Schliessungen sind schon beschlossen, aber euch Schäflein soll noch mal Mut gemacht werden.

03.01.2012
21:46
Katholiken fordern von Overbeck Erhalt ihrer Kirchen
von holmark | #3

Gott, ist das schrecklich!

03.01.2012
21:26
Schon faszinierend, diese Sprache von Frau Angelika Wölk
von MichaelTheoVanLaack | #2

Da stimmen uns monatelang alle Medien auf einen Kampf gegen Rechts ein, warnen vor dem braunen Sumpf und dem einseitigen Erblinden und dann gibts beim sehr ernsten Thema Kirchenschließung die Sprache des Oberkommandos der Wehrmacht. Die Katholiken haben "mobil gemacht" und es "wiird zu einem Häuserkampf kommen"..
Chapeau, Frau Wölk .Besser hätte ich das in einem Artikel für mein Haus auch nicht formulieren können.
Deshalb darf ich mir in der Analyse der heutigen Ereignisse gewiss auch ungestraft Ihre Diktion zu eigen machen:.
Der Krieg ist verloren, da der Generalstab die Truppen an Stellen der Front eingesetzt hat (Lichterketten, Kirchenverhüllung, Kirchenbesetzung), wo sie dem Gegner weder Verluste beibringen noch ihn gar zu einer Kapitulation zwingen konnte(n). Der Generalstab war völlig falsch besetzt (sowohl mit Personen, die sich ihre Wortführer-Kompetenz selbst verliehen hatten als auch mit jenen Leuten, die die Schließung anderer Kirchen vor wenigen Jahren mit Achselzucken oder gar Beifall begleitet haben).
Die Feldmarschalle Kemper und Willenberg interessierten sich seit Jahren nur wenig für ihre eigene Nation (die katholische Kirche), sondern schwärmten und schwärmen vom Wunder von Marxloh, der Ökumene, sozialer Kompetenz und Runden Tischen. So gaben sie gezielt jene preis, die sie jetzt verteidigen und retten zu wollen behaupten.
Die Widerstandskämpfer in den eigenen Reihen liessen sie - im übertragenen Sinn - in den vergangenen Jahren systematisch isolieren oder liquidieren.
Die Masse der Armee (Gemeindemitglieder) hat gar kein Interesse, die Werte des eigenen Staates (katholische Lehre) anzunehmen oder gar zu verteidigen. Den Papst zu belächeln oder gar zu verachten gehört bei den katholischen Soldatinnen und Soldaten des Duisburger Noredens ebenso zum guten Ton wie sich über die Morallehre offen und spättisch hinwegzusetzen. Ein solcher Staat hat meiner Überzeugung nach sein Existenzrecht verloren (Die Schließungen sind gerechtfertigt, nicht nur notwendig, sondern sinnvoll)!
ES LEBE DIE MEINUNGSFREIHEIT!
Entschuldigung - liebe Redaktion - aber ich habe mich von Frau Wölks Diktion jetzt einfach mal mitnehmen lassen :)

1 Antwort
Katholiken fordern von Overbeck Erhalt ihrer Kirchen
von frodo1975 | #2-1

Sagen Sie Herr van Laack,

was hat Sie eigentlich so verbittert, dass sie zwanghaft jeden Artikel, der sich mit der aktuellen Situation der katholischen Kirche im Duisburger Norden beschäftigt, mit ihren Ergüssen ganieren? Irgend jemand der aktuell handelnden Protagonisten (Einige sprechen Sie ja immerhin sogar namentlich an) muss ihrem feinen, kleinen Ego ja einen ziemlichen Knacks zugefügt haben, wenn Ihnen Ihre Zeit nicht zu schade ist, die Kommentarfunktion von Der Westen für Ihren Kleinkrieg zu nutzen. Ist es möglicherweise Frust darüber, dass bei der Schließung "Ihrer" Kirche niemand den Hintern hochbekommen hat, um etwas für deren Rettung zu unternehmen? Ich meine, so etwas aus Ihren zahlreichen Beiträgen (die durchaus einen gewissen Unterhaltungswert haben, und das meine ich tatsächlich in keinster Weise abwertend) herausgelesen zu haben. Letztendlich spielt das aber auch keine Rolle, denn Menschen, die ihre Meinung über das Internet verbreiten, statt ihrem Gegenüber ins Auge zu sehen, nehme ich ohnehin nicht ernst.

Angenehmes Leben, wünsche ich Ihnen.

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