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Jedes zweite NRW-Ministerium verheizt zu viel Energie

13.04.2011 | 06:00 Uhr
Der NRW-Landtag in Düsseldorf ist gut isoliert. Auf dem Foto einer Wärmebildkamera verraten nur wenig rote Flecken einen Energieverlust. Das Spektrum reicht von blau (kühl) über pink (relativ kühl) bis hin zu rot (warm) und gelb (sehr warm).

Essen/Düsseldorf.  Nach der Atom-Katastrophe in Japan dreht sich die Debatte in Deutschland um zwei Schlüsselwörter: Atomausstieg und Energiesparen. Auch die NRW-Landesregierung geht auf Sparkurs - und das ist dringend nötig: Jedes zweite Ministerium verschleudert Energie.

Ministerien im Wärmetest

Wenn du die Welt verändern willst, beginne bei dir selbst. Diese Weisheit hat sich wohl NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) zu eigen gemacht. Denn mit dem Klimaschutzgesetz, das er jetzt auf den Weg gebracht hat, will er die Gebäude der Landesverwaltung CO2-neutral sanieren. Und das ist bei einigen Ministerien auch dringend nötig. Was die Gebäude der Landesregierung an Energie verpulvern, ließe man kaum einem Privathaushalt noch durchgehen.

Leuchtend rot und gelb erscheinen Wände und Fenster zahlreicher Ministerien auf den Wärmebildern, die der Energieberater und Architekt Jan Pongs für diese Zeitung gemacht hat. Die Farben rot und gelb sind Zeichen für enormen Wärmeverlust., gut isolierte Häuser erscheinen blau oder pink auf diesen Fotos. Zählt man den Landtag und die Staatskanzlei mit, ist jedes zweite NRW-Ministerium schlecht isoliert. Ohne die beiden Gebäude sind es sogar zwei Drittel.

Weit oben auf der Rangliste der Gebäude, die am schlechtesten gedämmt sind: Das Klimaschutzministerium von Johannes Remmel, quasi das Zuhause des obersten Energiesparers von NRW. Auch das Ministerium für Energie, Bauen und Wohnen ist ironischerweise eine Energieschleuder. Die Ziegelsteinwände sind nicht gedämmt, und durch die Fenster verlieren sie enorm viel Wärme. Am schlechtesten isoliert ist jedoch das Justizministerium: ein klassizistischer Altbau aus dem Jahr 1870, der unter Denkmalschutz steht. „Bei dieser Architektur ist es eigentlich klar, dass das Gebäude schlecht isoliert ist“, sagt der Energieberater Jan Pongs.

Justizministerium wurde für 20 Millionen Euro saniert

Das Justizministerium ist am schlechtesten gedämmt.

Überraschend ist aber, dass der gesamte Bau noch vor einem Jahr für 20 Millionen Euro saniert worden ist. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW zählt auf: Neue Wand- und Bodenbeläge wurden verlegt, Brandschutz eingerichtet und Schadstoffe entsorgt. Doch Wärmedämmung? Keine Spur. Und so ist mit der Wärmebildkamera von außen denn auch deutlich zu sehen, wo die Heizungen die Energie verschleudern: Unterhalb der Fensterbänke leuchten die Wände hellgelb. Selbst die neuen Fenster könnten besser isoliert sein. „Das ist ein Skandal“, sagt Bärbel Hildebrand vom Bund der Steuerzahler in NRW. “Wärmedämmung ist heutzutage doch das A und O einer Sanierung.“ In der Privatwirtschaft dürfte ein Gebäude wie das Justizminsterium sogar nicht mehr vermietet werden, da es den notwendigen Energiepass nicht bekäme.

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Solche Gebäude soll es im Bestand der Landesverwaltung im Jahr 2030 nicht mehr geben. Wenn es nach dem Willen von Johannes Remmel geht, werden dann alle Ministerien CO2-neutral sein. Das heißt, dass sie möglichst wenig Emissionen ausstoßen und mit Ökostrom betrieben werden. Emissionen, die nicht eingespart werden können, sollen an anderer Stelle ausgeglichen werden. Also: Stößt ein Gebäude weiterhin CO2 aus, werden diese Emissionen mit anderen Gebäuden, die eine bessere Bilanz haben, verrechnet. Was all diese Maßnahmen kosten werden, steht noch nicht fest. Doch könnte über die Energiekosten langfristig mehr Geld gespart werden, als für die Sanierung ausgegeben wurde. Der Bund der Steuerzahler begrüßt diese Maßnahmen: „Die Betriebskosten müssen dauerhaft gesenkt werden. Dafür sollte jetzt – sinnvoll eingesetzt – Geld in die Hand genommen werden.“ Die klimafreundlichen Ministerien sollen laut Umweltminister Remmel dann Vorbild sein für Privathaushalte und Wohnungsgenossenschaften haben.

Bis aber alle Ministerien durch die Wärmebildkamera kühlblau erscheinen, ist es noch ein langer Weg. Das Klimaschutz-Gesetz befindet sich zur Zeit noch in der Ressortabstimmung. Noch vor der Sommerpause soll es dem Landtag vorgelegt werden, heißt es im Klimaschutzministerium. Erst danach klären Experten den energetischen Status quo der Verwaltungsgebäude. Sie sollen untersuchen, wo wie viel Energie verschwendet wird und wo wie saniert werden kann.

Angestellte lassen Fenster über Nacht geöffnet

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Düsseldorf. Wärmebild von Architekt Jan Pongs.

Außerdem können laut Ministerium auch Mitarbeiter mit ihrem Verhalten Energie einsparen. Eine entsprechende Effizienzkampagne der Energieagentur NRW habe bei der Bundeswehr 23 000 Tonnen Kohlendioxid eingespart – umgerechnet sind das rund 5,3 Millionen Euro. Eine solche Kampagne hätte sicher auch Erfolg in den NRW-Ministerien. Bei dem nächtlichen Fotoshooting mit der Wärmebildkamera standen in fast allen Ministerien etliche Fenster auf Kipp – auf den Bildern deutlich als hellgelber Streifen zu erkennen. „Gegen dieses typische Nutzerverhalten hilft auch die beste Sanierung nichts“, sagt Energieberater Pongs.

Simon Wiggen



Kommentare
27.06.2011
22:53
Jedes zweite NRW-Ministerium verheizt zu viel Energie
von Bossert | #19

Ich wette um eine Kiste Champagner, dass das Justizministerium spezifisch von allen Gebäuden am wenigsten Energie verbraucht!
Paul Bossert
www.paul-bossert.ch

18.04.2011
17:56
Jedes zweite NRW-Ministerium verheizt zu viel Energie
von KonradFischer | #18

PPS. Und wer es noch nicht mitbekommen hat: Die Ewald Dörken AG hat das Patent DE102009035656A1 03.02.2011 auf elektrische und warmwasserversorgte WDVS-Fassadenheizung als einzig wirksame Methode gegen die sonst unaufhaltsame Naßfrostzerstörung der nicht wärmespeicherfähigen Dämmfaserporengespinstschäume.

Die geheizte Wärmedämm-Gebäudehülle, das ist die nächste Stufe des Energiesparjeckentums. Früher hieß das Schilda, aber das dürfte heute zu harmlos sein. Deswegen: Klimaschutz!

Da werden sich die Thermografiefans aber freuen, denn in allzunaher Zukunft werden die Blaufrostnassdämmfassaden dann hellgelb weggeheizt. Spart zwar dann auch immer noch überhaupt keine Energie, verbraucht diese aber fleißig jede Nacht. Aber bioökokorrekt mit Pufferspeicher ...

17.04.2011
09:48
Jedes zweite NRW-Ministerium verheizt zu viel Energie
von KonradFischer | #17

PS. Fenster auf Kipp, des is bsunners lussdich! Unter dem Sturz kommt doch die Gegenstrahlung des auch in Ddorf eisekalten Nachthimmels net hin, dort bleibt es audomadisch immer! wärmer!

Oder will hier jemand behaupten, daß die Gesimsrücklagen am Dachfries des Justizministeriums fein säuperlich partiell beheizt werden? Oder stehen da kleine Heizklappen offen, die die bösen Beamten absichtlich nachts öffnen, um die CO2-Steuer dort rauszuverheizen? Zuzutrauen wäre es den Energiesparjecken ja schon, aber ist es wirklich schon so weit?

17.04.2011
09:40
Jedes zweite NRW-Ministerium verheizt zu viel Energie
von KonradFischer | #16

Ja saggdemol, Ihr fröhlich-närrischen Rheinländer, wie lange dauert denn der Karneval bei Euch? Ist das jetzt eine Ganzjahresjeckenversammlung geworden, bei all dem närrischen Treiben auf Eueren Wärmebildaufnahmen und in Euerem Landtag? Und hatte Euer Fotograf beim Knipsen auch ordentlich sein Narrenzipfelmützchen über die Augen gezogen? -

Seit wann heizen denn die Düsseldorfer ihr olles Kaiser-Willem-Reiterdenkmal vor dem Justizministerium, so daß es dermaßen dolle hitzeglüht? Muß das im Zuge der hochnotpeinlichen Klimaschutzgesetz-Energiesparkampagne auch vollwärmestyroporisiert werden, koste es, was es wolle? Die Welt will ja gerettet werden vom närrischen Schilda ... -

Und ist es wirklich so verblüffend, daß die dünne Landtagshaut keine Sonnenenergie die Nacht durch speichern kann und deswegen frühs, wenn die meisten Jecken in Schilda noch schlafen, dermaßen schwarzblau zitternd herumhängt? Ob da Bismarckhering hilft? -

Ei da guggdemol auf all die bestens gebauten Massivbauten der ruhmreichen Vergangenheit, die jedes Fitzelchen Sonnenstrahl die ganze Nacht über festhalten, um nur ja nicht tauwassermäßig abzusaufen und wegzufrosten und grünzuveralgen? -

Halali, Helau! -

Konrad Fischer -
Protestantischer Karnevalsmuffel -
Hochstadt am Main

13.04.2011
11:33
Jedes zweite NRW-Ministerium verheizt zu viel Energie
von DerNachdenker | #15

Dazu kommen noch weitere Kosten! In einem Ministerium wie dem MIK arbeiten ca. 800 Personen. Die müssen alle umziehen. Das komplette Inventar muss mit umziehen. Dazu muss ein entsprechendes Gebäude gefunden und angemietet werden. (Findet mal in Düsseldorf ein geeignetes leerstehendes Gebäude). In dem neuen Gebäude muss eine komplett neue technische Infrastruktur geschaffen werden, da ein Ministerium nicht einfach nur am Otto-Normal-Netz (Telefon und Internet) steht.
Und und und...

13.04.2011
11:27
Jedes zweite NRW-Ministerium verheizt zu viel Energie
von unwitz | #14

Wie wäre es denn mal mit einem Wärmebild-Street-View für ganz Deutschland? So als Öko-Pranger?

13.04.2011
11:06
Jedes zweite NRW-Ministerium verheizt zu viel Energie
von H.Siepker | #13

Sehr guter Beitrag vom Dorfbeobachter,
es wäre tatsächlich toll, wenn man die benannten Zusammenhänge zur Information des Bürgers in der Zeitung lesen könnte, aber dafür ist das Thema für eine Zeitung (oder für die entsprechende Internetredaktion) tatsächlich zu komplex, wenn man Journalistenstellen abbaut und diese mit Voluntären, bzw. Praktikanten besetzt. Stattdessen wird ein überaus polemischer, nicht zielführender Artikel in die Welt gesetzt, der vornehmlich LieschenMüllers Stammtisch, äh Kaffeeklatschdenke befeuert: Da wir ein Gebäude für 20Millionen saniert, ohne an die Wärmedämmung zu denken........... wie doof sind die denn?

Zur Ertüchtigung der Gebäude, welche nach heutigen (durchaus auch zu hinterfragenden; an dieser Stelle müsste man anfangen, in Ökobilanzen zu denken, ohne auf die Lobbyisten der Dämmstoffindustrie zu hören) Maßstäben unzureichend gedämmt sind, müssten insbesondere die Fassaden saniert werden. Ein Austausch von Fenstern ist da (bis auf die Kosten) unproblematisch; insbesondere bei den vorgehängen Fassaden der sechziger bis achtziger Jahre ist es technisch jedoch schwierig, die notwendige zusätzliche Dämmschicht hinter der vorgehängten Fassade unterzubringen. Deshalb müsste die Fassade in der Regel komplett demontiert und neu aufgebaut werden. Ergo: Eine Sanierung macht erst dann und auch nur vielleicht Sinn, wenn die Fassade an sich marode und erneuerungsbedürftig ist. Mit den vom Dorfbeobachter benannten Nachteilen ist es sicherlich möglich, Putzfassaden mit einem sogenannten Wärmedämmverbundsystem auszustatten. Bei Klinkerfassaden oder unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden ist das nahezu unmöglich, ohne dass das jeweilige Gebäude seinen Charakter verliert, da Dämmung grundsätzlich auf der Außenseite der Gebäudehülle anzuordnen ist, um drohende, massive Bauschäden zu vermeiden.
Wenn man die Aussagen vom Dorfbeobachter mit hinzuzieht, kann man erkennen, dass es manchmal sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll ist, sich mit Sanierungen zurückzuhalten.

Das alles weiß Herr Pongs sicher auch, vermutlich hat er es sogar gesagt. Dass der Westen/die WAZ dieses nicht, bzw. unzureichend einfließen lässt, liegt entweder daran, dass der Praktikant den Sachverhalt nicht kapiert hat, oder der Inhalt nicht der Intention des Autors entsprochen hat.

@Dorfbeobachter,
Sie meinten sicher, dass sich die Kosten für eine zusätzliche Wärmedämmung erst nach 50 bis 100 Jahren rechnen, nicht aber die Kosten der Konstruktion an sich.

13.04.2011
11:03
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Name von Moderation entfernt | #12

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13.04.2011
10:35
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #11

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13.04.2011
10:28
Jedes zweite NRW-Ministerium verheizt zu viel Energie
von Pit01 | #10

tom009

Das halte ich für eine Milchmädchenrechnung.

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