In Schulen naht das Ende der Kreidezeit
25.09.2008 | 19:56 Uhr 2008-09-25T19:56:00+0200
Bochum. In den Schulen zieht das Ende der Kreidezeit herauf: Die alten Schultafeln sollen einer neuen Generation interaktiver Tafeln weichen. Statt mit Kreide wird mit einem elektronischen Stift geschrieben, gewischt wird mit einem schnellen Klick.
Zwei solcher Zauberwände stehen in der Hermann-Gmeiner-Schule in Bochum.
„Whiteboard” schreiben Cihan, Diana und Davina in leuchtenden Farben in Schönschrift auf die große weiße Fläche, die dort steht, wo in der Klasse 6 b einmal eine alte grüne Schultafel ihren Platz hatte. „Whiteboard” steht für digitale Schultafel, man könnte sie aber auch schlaue Tafel nennen. Denn mit dem üblichen Beschreiben ist ihre Fähigkeit bei weitem nicht ausgereizt.
Motivation und Konzentration der Schüler gestiegen
Die elektronische Tafel ist nichts anderes als der berührungsempfindliche Großbildschirm eines Computers.
Emine Hatam, Lehrerin der 6 b, muss sich nicht mehr mit einer bücherschweren Tasche plagen. Den zu Hause vorbereiteten Unterrichtsstoff hat sie auf einen Daten-Stick gespeichert, den sie am Whiteboard abrufen kann. Sie zaubert mit dem Stift Landkarten für den Erdkundeunterricht aus den Ordnern hervor, wirft über einen Beamer Notenlinien für Musik oder Gitterraster und Koordinatensysteme für Mathematik auf die Tafel. Die Tafelbilder können gespeichert und per E-Mail an die Schüler versendet werden.
In Geschichte nehmen die Gmeiner-Schüler die griechischen Gottheiten durch. „Aphrodite ist die Göttin der Schönheit”, sagt Diana artig und ordnet den Namen der Göttin mit dem digitalen Stift dem Bild der Aphrodite zu. „Es macht einfach Spaß, damit zu schreiben”, sagt der elfjährige Cihan, „alle Kinder melden sich und möchten mitmachen.” Die elektronische Tafel hat aus Schülersicht noch einen weiteren Vorzug. „Wir müssen in der Pause nicht mehr so oft Tafel putzen”, sagt Davina.
Die Schulleitung hat die beiden Tafeln aus einem ganz anderen Grund installiert. „Sie sollen kein Spielzeug sein, sondern eine Einrichtung, mit der wir bessere Lernerfolge erzielen wollen”, sagt Ulrich Wicking, Leiter des Bochumer Schulverwaltungsamtes. Eine Entwicklung, die Emine Hatam bereits beobachtet hat. „Motivation und Konzentration der Schüler sind gestiegen”, sagt sie.
Für Wicking sind diese smarten Tafeln die Zukunft. Eine teure Zukunft allerdings. Kostet eine normale Schultafel 600 Euro, wird für eine elektronische Tafel das Zehnfache verlangt. Bis Ende 2020 soll in jeder der 108 Bochumer Schulen mindestens eines der Whiteboards stehen, bislang sind erst vier Schulen ausgerüstet.
In deutschen Schulen seien die neuen Tafeln noch nicht sehr weit verbreitet, meint Hans Rosolski vom Schulverwaltungsamt. „Die Tafeln gibt es seit einigen Jahren. Wir haben uns anfangs gesperrt, weil sie zu sensibel waren. Jetzt haben wir aber ein System, das unkaputtbar ist.” Sollte es trotzdem ausfallen, kann man es mit Stiften beschreiben und abwaschen.
Lehrer Thorsten Böker setzt die Tafel auch in der Video-Arbeitsgemeinschaft ein. Die Schüler zeigen auf der zweiten Tafel in der Mensa „Krass TV 1.0”, senden Werbefilme für die Wahl der Schülervertreter oder drehen Kurzfilme für eine saubere Schule: Dosen werden cool in den Abfalleimer gekickt.
Nicht alle Pädagogen sind so weit wie Böker und Hatam. Der Umgang mit den neuen Tafeln ist im überalteten Lehrkörper nicht einfach durchzusetzen, sagt Ulrich Wicking, „die Einstellung der Pädagogen ist unterschiedlich.” So stecken an der Gmeiner-Schule 13 von 26 Lehrkräften derzeit noch in der guten alten Kreidezeit.
11:04
Sicher wird nach einer gewissen Zeit der Reiz des Unbekannten verflogen sein, jedoch erscheinen mir die Dinger schon recht praktisch, da man sämtliche digitale Unterrichtsmaterialen (die Zahl nimmt stetig zu) darauf abspielen, bzw. zeigen kann. Des Weiteren ist die Möglichkeit Tafelbilder und Unterrichtsmaterialien per E-mail an die Schüler zu senden auch nicht zu unterschätzen. Schüler, die wegen Krankheit oder sonst was nicht am Unterricht teilnehmen können, haben so nun trotzdem alle Materialien beisammen.
Was den Energieverbrauch betrifft, müsste man mal ausrechnen, inwieweit diese Tafeln mehr oder vielleicht sogar doch weniger Strom verbrauchen als Laptop, Beamer, Overheadprojektoren usw., die täglich im Unterricht eingesetzt werden.
07:15
Langfristig wird auch diese Tafel für Schüler genauso langweilig sein, wie ihr grüner Vorgänger, denn wie sagt man so schön: Neue Besen kehren gut. Jetzt ist es was Neues und wie ein PC interessant, doch wenn der Alltag damit glänzt, dann gähnen auch wieder die Schüler...............Und wie war das doch gleich mit der Energie? Wenn jeder Klassenraum mit einer solchen Wand ausgestattet ist und am Tag dann durchschnittlich 6 bis 8 Ustd. läuft????? Wer soll das denn bezahlen?
05:47
Der Umgang mit den neuen Tafeln ist im überalteten Lehrkörper nicht einfach durchzusetzen, sagt Ulrich Wicking, „die Einstellung der Pädagogen ist unterschiedlich.” So stecken an der Gmeiner-Schule 13 von 26 Lehrkräften derzeit noch in der guten alten Kreidezeit. - Er kann sie ja mit 150% Pension entsorgen!