In Ostwestfalen wird für Afghanistan geübt
02.06.2009 | 18:45 Uhr 2009-06-02T18:45:00+0200
Augustdorf. Seit Monaten wird in Ostwestfalen/Lippe erbittert gestritten über den Truppenübungsplatz Senne. Auf ihm trainieren seit Jahrzehnten die Soldaten der britischen Rheinarmee, bevor sie in den Krieg ziehen. Das „Aktionsbündnis Keine neuen Kampfdörfer” ist dagegen und protestiert.
Der Bauernführer José Bové ist offenbar eingeladen, um prärevolutionäre Stimmung zu machen. „Contre . . . mobiliser . . . la force unie . . .”: Französische Fetzen hallen über die Wiese neben dem Schullandheim, über die 100 bündnisgrün geneigten Demonstranten unter der Sonne.
Bové, der Mann mit Asterix-Bart, hat neben vielem andern auch schon einen Truppenübungsplatz bekämpft; über Hungerstreik redet er, Steuerboykott, Marsch auf Paris – was das französische Volk halt so treibt, wenn es in Wallung gerät. Müllwagen anzuzünden, haben sie damals wohl versäumt. Damit verglichen, sind Lipperländer und Westfalen natürlich schwer in Bewegung zu versetzen. Und was sollen sie in dieser Angelegenheit auch in Paris?
Erbitterter Streit
Seit Monaten wird in Ostwestfalen/Lippe erbittert gestritten über den Truppenübungsplatz Senne, 120 Quadratkilometer zwischen Paderborn im Süden und Augustdorf im Norden. Auf ihm trainieren seit Jahrzehnten die Soldaten der britischen Rheinarmee, bevor sie in den Krieg ziehen; derzeit heißt das: Afghanistan. Um, so die Briten, „ein möglichst echtes Szenario der derzeitigen Einsatzumstände” zu erreichen, wollen sie ausbauen: Ihr gekürzter Plan sieht vor, vier neue Kampfdörfer zu bauen, ein weiteres Schießhaus und vier vorgeschobene Stützpunkte, wo man simulieren kann, man sei in Feindesland. 51 tote britische Soldaten 2008 in Afghanistan zeigten „die Notwendigkeit einer realistischen und guten Einsatzvorbereitung . . . so schnell wie möglich”.
Und so kommt es, dass die Frage der Strategie für Afghanistan plötzlich ein Thema ist in Orten, die Kohlstädt heißen oder Oesterholz-Haustenbeck. Viele Anlieger übersetzen nämlich Kampfdörfer, Stützpunkte, Schießhaus mit Lärm, Last, Verkehr. In dieser konservativen Gegend – wir reden über das Hinterland von Paderborn – hat das „Aktionsbündnis Keine neuen Kampfdörfer” bereits 11 000 Unterschriften gesammelt.
Einstieg in den Ausstieg
„Wir wollen nicht das britische Militär heimschicken, aber wir wollen den Einstieg in den Ausstieg aus der militärischen Nutzung der Senne”, sagt Marcus Foerster (44), der Sprecher des Bündnisses. Es vereint 16 Gruppen linker, kirchlicher oder ökologischer Herkunft, was hinreichend erklärt, warum man Foerster auch den „Wogenglätter” nennt.
Aber hat der Westen nicht die heilige Pflicht, die Soldaten bestmöglich auszubilden, wenn er sie schon nach Afghanistan schickt? Foerster weicht an dieser Stelle gut erkennbar aus: „Was übt man noch den Häuserkampf, wenn der Schwerpunkt der zivile Aufbau sein müsste?” Indes findet auch der ostwestfälische CDU-Spitzenpolitiker Elmar Brok angesichts der Stimmungslage auf drei klare Fragen des „Westfalen-Blatts” nur Antworten in 14 gewundenen Sätzen; eventuell vertritt er da die Gegenposition.
Warnhinweise
Gegebenenfalls sollte man natürlich Warnhinweise beachten wie „Fire In Progress / Scharfschießen”, was an den Schranken steht am Truppenübungsplatz. Doch wenn die offen stehen, dann kann man ihn befahren. Verbotsschilder überall hier: nicht halten, Straße nicht verlassen, keine Munition aufsammeln! Panzerwracks stehen in der waldreichen Gegend, eine Kirchenruine; an die älteren Kampfdörfer kommt man irgendwie nicht nah heran. Viele Straßen sind noch so wie vor 100 Jahren, als der Übungsplatz entstand: altdeutsche Alleen mit Kopfstein. Wie überhaupt Naturschützer diese Senne für ein einzigartiges Biotop halten, mit den allerseltensten Tieren und Pflanzen. Sie soll ein Nationalpark werden, nach dem Abzug der Briten irgendwann.
Dabei: Ohne Absperrung und Militär gäbe es dieses Naturparadies gar nicht. Herrlich komplex, die Welt . . .
09:50
Also irgendwie sind die Trackbacks zu dem Artiekl dämlich... Kriegspielende Kinder und Heckrinder werden mit der Bundeswehr verlinkt...
Schon irgendwie bizarr...
09:33
Nu ja, die Bundeswehr wird in Afghanistan die Demokratur einführen, egal ob die Afghanis das wollen oder nicht!
08:49
Vielleicht sollte die Bundeswehr mal für einen Einsatz in Deutschland üben, wenn unsere Polizei überfordert ist. Das halte ich für sinnvoller als so Sinnloseinsätze wie in Afghanistan ...
06:06
Wir bauen fleißig Mädchenschulen - Bildung vermitteln, Brunnen und Brücken bauen. Frauen zu Menschenrechten verhelfen
.......sagt die Politik, selbst die Presse hat bis auf wenige Bauten nichts gesehen..! und die Afghanen noch weniger...................
01:04
Ja sicher Kuba.
Sie machen sich die Welt, wiedewie sie ihnen gefällt. Frei nach P. Langstrumpf.
Die englischen Soldaten träumen schon seit ihren Kindertagen davon, endlich mal zünftig Zivilisten zu massakrieren. Ist ja auch deren erklärtes Ziel da am Hindukusch.
Welchen wirklichen Feind sollten die Truppen auch bekämpfen? Etwa die Taliban? Na, die tun doch keinem was! Die hören sicher von alleine auf mit dem Morden, oder ziehen alle nach Pakistan um. Und dann hört man nie wieder von denen. Die wollen da nur ihren Lebensabend verbringen. Das Beste: da gibts auch Mohnfelder, und obendrauf noch Atombomben als Sahnehäubchen. Die werden sicher ganz friedlich und vernünftig mit der neuen, atomaren Verantwortung umgehen..
Die deutsche Taktik ist natürlich perfekt auf die Realität abgestimmt. Wir bauen fleißig Mädchenschulen, die aber dann leider nicht genutzt werden können. Weil die Taliban drohen, diese anzugreifen. Eine Staatsmacht zum Schutze der Kinder gibt es leider noch nicht.
Als Kuriosität wurde sogar schon ein moderater Taliban gesichtet. Leider existiert von diesem nur ein unscharfes Foto. Wie beim Bigfoot oder Yeti. Doch die deutsche Politik ist sich sicher, irgendwo am Hindukusch muß es ihn geben.
Vielleicht bleibt einem am Ende doch nichts übrig, als die Taliban zu bekämpfen? Vielleicht sogar im Häuserkampf? Man will ja was Gutes tun. Bildung vermitteln, Brunnen und Brücken bauen. Frauen zu Menschenrechten verhelfen und so...
Das ist ihnen aber offensichtlich gar nicht so wichtig. Lieber sollte man sich dort überhaupt nicht militärisch engagieren. Schön zu Hause bleiben. Lasst einfach die Region in Ruhe im Elend versinken. Nur ab und zu bekäme der Westen dann Besuch von tieffliegenden Glaubenskriegern. Aber auch hier hilft ihnen ein bewährter Trick. Sie sagen einfach: das stimmt nicht, das war die böse CIA.
23:35
Die schottischen Berge werden doch den Kampfzonen in Afghanistan eher gerecht.
Oder übt die britische Armee den Einsatz gegen Zivilisten in Kampfdörfern auf deutschem Boden?
Bisher musste man davon ausgehen ,dass diese Art der Kriegsführung eine Spezialität unserer amerikanischen Freunde ist.
Kriegsminister Jung schweigt zu dieser Problematik,wie er eigentlich zu allen deutschen .militärischen Problemlagen schweigt.
Nach dem Motto :Wer lange schweigt ,bleibt lange Minister und die Pensionsberechtigung wächst ja stetig mit.
21:19
..in eine Sportarena kann man aber das Weglaufen besser üben!
21:00
Ohne die Nato könnten die schon lange nicht mehr protestieren! Eine Demokratie muß man verteidigen können, zur Not auch mit Waffen!
Das vergessen diese Leute!