Hilfe im Friedensdorf, weit weg von den Taliban
30.07.2008 | 20:01 Uhr 2008-07-30T20:01:00+0200
Oberhausen. Kinder mit verbrannter Kopfhaut, Tumoren und entzündeten Knochen – im Friedensdorf International gehören sie zum Alltag. Maila aus Afghanistan gehört zu ihnen. Im Friedensdorf darf sie auch lernen, ganz ohne Angst vor den Taliban. Teil neun unserer Serie „Überlebenskämpfer“.
Auf den ersten Blick sieht es aus wie auf einem Spielplatz: Kinder laufen wild durcheinander, lachen, spielen. Doch auf den zweiten Blick wird deutlich: die Sprachen sind unterschiedlich, genauso die Hautfarben; ein junger Fußballspieler humpelt, seine Zuschauer stützen sich auf Krücken, und das Lachen eines Mädchens wird von einem faustgroßen Tumor verzerrt. Im Friedensdorf ist niemand heile, gesund, normal – und genau das ist hier Normalität.
„Wir sehen die Entstellungen schon gar nicht mehr“, sagt die Pressesprecherin des Friedensdorfes International in Oberhausen, Heike Bruckmann. Sie arbeitet seit mehr als fünf Jahren dort. „Für uns ist wichtig: Wenn die Kinder zu uns kommen, sind sie oft sehr verschreckt; dann ist es schön zu sehen, wie sie hier aufblühen und Selbstbewusstsein aufbauen.“
Einfache Verletzungen mit Langzeitwirkungen
Maila ist mittendrin. Sie stützt sich auf Krücken, ansonsten sieht sie mit den schwarzen langen Haaren, ihrer taillierten Jacke und der feingliedrigen Kette ganz normal aus. Dennoch ist sie ein Dauergast im Friedensdorf International.
Ihre Geschichte begann unspektakulär: Auf dem Schulweg in ihrem Dorf in der Nähe von Kabul, Afghanistan, fiel die damals Siebenjährige hin, brach sich die Knochen. Die Fraktur wurde nicht richtig behandelt, in den Knochen bildete sich eine Entzündung, jetzt hat Maila einen Hüftschaden und kann nicht mehr richtig gehen.
Mit zehn Jahren kam Maila zum ersten Mal ins Friedensdorf International. Sie hatte das Glück, aus Tausenden für eine Behandlung in Deutschland ausgewählt zu werden. „Ganz oft“ wurde das zarte Mädchen in Plau am See operiert. „Wie oft, ich vergessen“, sagt sie – und hält verschämt die Hände vor die Augen. Die richtigen Vokabeln wollen ihr nicht einfallen. Mittlerweile hat sie eine künstliche Hüfte, doch die Knochenentzündungen wollen nicht abheilen.
Okunjun kann seine Finger wieder bewegen
Die Operationen, zu denen die Kinder aus Krisengebieten aus aller Welt vermittelt werden, werden in ganz Deutschland durchgeführt. Sind die Kinder einmal aus ihrem Heimatland nach Oberhausen gebracht, kommen sie in die verschiedenen Hospitäler, die sie dann behandeln und die Kosten übernehmen.
So ist auch Okunjon in Gummersbach gelandet. Daheim in Usbekistan hatte sein Vater ein Auto repariert. Dabei ist das Öl in Flammen geraten. Alle Kinder liefen weg, doch der Elfjährige fiel hin, blieb dem Feuer ausgesetzt. Sein ganzes Gesicht, beide Hände und die Füße sind von tiefen Narben zerfurcht.
„Wenn ich mich daran erinnere, wie Okunjon aussah, als er aus Usbekistan kam, dann sieht er mittlerweile richtig toll aus“, sagt Sprecherin Heike Bruckmann. Doch die kosmetische Behandlung sei – wie bei allen Kindern im Friedensdorf – nebensächlich. Okunjons Finger waren durch die Narben zusammen gewachsen. Mittlerweile kann er sie wieder bewegen. Wenn die Narben an den Füßen abgeheilt sind, kann er auch wieder Fußball spielen.
1000 Kinder im Jahr bekommen Hilfe
Auch der elfjährige Daniel aus Angola wurde in Hamburg behandelt. Fünf Operationen in eineinhalb Jahren musste der Junge bereits über sich ergehen lassen. Zurzeit hält ein Fixateur, eine Metallkonstruktion, seine Knochen zusammen. Dabei fing auch bei ihm alles harmlos damit an: Er fiel in der Schule auf den Boden, brach sich die Knochen, die sich dann – wie bei Maila – entzündeten.
Insgesamt versorgt das Friedensdorf International etwa 1000 Kinder im Jahr und vermittelt sie an die Spezial-Kliniken. Knochenentzündungen sind dabei die häufigsten Diagnosen. Aber auch Schuss- und Minenverletzungen, Verbrennungen oder angeborene Missbildungen werden behandelt. „In den Heimatländern gibt es ganz einfach nicht die Möglichkeit, diese Symptome richtig zu behandeln“, sagt die Pressesprecherin des Friedensdorfes. „Die medizinische Infrastruktur zum Beispiel in Angola ist einfach katastrophal.“
„Angst vor Bomben, Angst vor Taliban“
Auch wenn Maila zwischen den anderen Kindern so wirkt, als sei sie noch „gut davon gekommen“, so ist das Mädchen doch ein wahrer Überlebenskämpfer. Weil ihre Entzündungen immer wieder aufflammen, ist sie bereits zum vierten Mal im Friedensdorf untergekommen. Auch wenn sie zwischendurch immer wieder für kurze Zeit in die Heimat reisen durfte, vermisst sie Mutter, Schwester und Bruder doch sehr. „Bei der Familie ist immer besser“, sagt sie. Ihre Augen leuchten beim Gedanken an Afghanistan auf.
Und das, obwohl sie in ihrer Heimat große Angst vor dem Krieg hatte, „Angst vor Bomben, Angst vor Taliban“, sagt sie. Und das Mädchen weiß, wovon sie spricht. Ihren Vater hat sie durch einen Bombenangriff verloren. Doch jetzt, wenn sie endlich zurückkehren darf, fürchtet sich Maila nicht mehr. „Meine Mama hat mir erklärt: Große Kinder brauchen nicht Angst haben. Die Familie ist bei dir.“ Und sie sei ja jetzt schon groß, sagt sie.
Die Idee des Friedensdorfes verbreiten
Ein besonderes Schicksal hat sie aus der Mitte der Gesellschaft gerissen. Wir erzählen die Geschichten dieser "Überlebenskämpfer".
Depressionen: Ein langer Kampf gegen und um sich selbst
"Ich habe alles auf einmal hingeschmissen"
Raus aus den Schulden, rein in ein neues Leben
Außerdem: War es vorher verboten, so dürfen jetzt auch Mädchen in die Schule gehen. Und Lernen ist schließlich das, was Maila auch in Deutschland den größten Spaß bereitet. „Es rührt einen schon, dass die Kinder Pläne für die Zukunft schmieden und die Idee des Friedensdorfes mit nach Hause nehmen“, sagt Pressesprecherin Heike Bruckmann. Nach der Schulzeit will Maila dann weiter lernen, will Ärztin oder Lehrerin werden. Das ist ihr Traum.
Doch bis dahin muss sie noch viel kämpfen. Was Maila noch nicht weiß, ist, dass das Ergebnis der neuen Diagnose ihres Arztes schlecht ist. „Es sieht kritisch aus“, sagt Heike Bruckmann. Ob Maila wie geplant im August nach Hause darf, ist nicht klar. Der Flieger geht in vier Wochen.
13:57
@Bato
Weltweit größte humanitäre Katastrophe:
Der Völkermord im Sudan.
Wieviel spendest du denn dafür?
13:55
@Jürgen
Vielleicht sollte man erwähnen, was Taliban auf Deutsch heißt: KORANSCHÜLER.
01:06
von Bato,da gebe ich Dir recht , es sind KInder aber manche haben ein am K.........pf . Das Friedensdorf Oberhausen leistet seit vielen, vielen Jahren konkrete Hilfe,und das finde ich gut .
23:16
1. Oberhausen gehört in den Regierungsbezirk Düsseldorf und 2. Das Friedensdorf Oberhausen leistet seit vielen, vielen Jahren konkrete Hilfe!
Jedem Kind, dem so geholfen werden kann, dass es ein erträgliches Leben mit einer Lebensqualität leben kann, ist jede Hilfe, die es bekommen kann, zu leisten. Und genau das tut das Friedensdorf. Viele freiwillige Helfer haben das Friedensdorf aufgebaut und unterstützen seit seiner Gründung seine wichtige Arbeit! Das muss dann auch mal unabhängig von der jeweiligen Staatspolitik gesehen werden. Wichtig ist, dass den Kindern geholfen werden kann!
Es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein - aber ein wichtiger! Die Kinder können für den Wahnsinn, den die Erwachsenen veranstalten (unabhängig von staatlichen Gebilden oder Religionen!) nichts und denen muss einfach geholfen werden!
Wer da zu Polemik greift ist *******, inhuman und einfach nur ein A.....loch!
P.S. Spenden sind JEDERZEIT und in JEDER HÖHE dem Friedensdorf sehr willkommen und auch wichtig!!!
17:57
Von wegen weit weg von den Taliban. Im islamischen Zentrum in Münster-Hiltrup - gleicher Regierungsbezirk wie Oberhausen - entblöden sich Islamisten nicht zu behaupten, die Taliban machen zu 90 % gute Sachen. Dort sollte einmal das KSK der Bundeswehr eingreifen.
17:27
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