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Häuser zu Kunstwerken

27.12.2010 | 19:22 Uhr
Häuser zu Kunstwerken
Annika Fischer schreibt ihren Text im Mühlheimer Wohnprojekt. Foto: Jakob Studnar

Mülheim.Das Projekt „2 - 3 Straßen“ war eines der stillen im Ruhr.2010-Jahr 2010. WAZ-Reporterin Annika Fischer testete es persönlich: Sie zog in die „Pension zur Kunst“ ein. Die Miete zahlte sie – mit einem Text.

Künstler können sowas, wenn sie einen Namen haben. Wie Jochen Gerz: Steckt ein paar Neue in alte Häuser, worin selten Sehenswerteres geschah als anonymes Rein-und-Raus; die Miete kostet nur ihre Kreativität – dann erklärt er die Straße zur Ausstellung. Ist das Kunst?

Man sollte das nicht fragen, aber die Frage passiert von selbst, wenn erst die Zahnbürste steht im Alibert von Haus 7, 19. Stock, Wohnung 4. Das ist die „Pension zur Kunst“, man kann hier eine Nacht wohnen statt ein ganzes Jahr, wie die Anderen im Projekt „2-3 Straßen“. Hier ist Mülheim, ein Hochhaus als „vertikale Straße“, hat Gerz gesagt, mit über 200 Parteien. Sind die nun alle Bilder einer Ausstellung? Und ich?

Unten schiebt eine alte Frau den Rollator über den Schnee, die Briefkästen haben ein eigenes Zimmer, und der Hausmeister starrt mich an . . . Aber das hat nichts mit Kunst zu tun, das ist sein Job. Zu sehen ist nichts als Alltag, aber vielleicht sieht man genauer hin. Und erkennt etwas wieder, haben sie mir erklärt. Womöglich in diesem Alltag den eigenen oder in den Menschen sich selbst. Kunst?

Christian Werth aus der 6. ist kein Künstler, am Ende „nicht einmal ein Kreativer“, überhaupt wohne in Mülheim „nur ein echter“, hat man mir gesagt (was ist ein echter Künstler?). Werth wusste einfach nicht, was er tun soll, „die Erleuchtung ist mir noch immer nicht gekommen“. Schreiben fand er „ganz reizvoll“, hat aber gelernt: „Wenn jeder in seiner Kammer hockt, ändert das gar nichts.“ Er hat also angefangen zu fotografieren, jeden, der wollte im Haus: lauter verschiedene Leben aus immer derselben Perspektive. Es wollten aber nur 15 Prozent, „dem Rest ist scheißegal, ob wir hier sind“. Auf seiner Etage wohne ein Misantroph, sicher schlecht für die Kunst. Ob er sich als Teil eines Kunstwerks fühlt, hält Werth für „eine tiefsinnige Frage“, er findet sie fremd, aber das ist sie nicht: Die Besucher haben sie ihm gestellt, die „allen Ernstes gucken wollten, wie wir hier leben“. Ganze Kunstvereine waren in der Ausstellung und Kurse von der VHS. „Aber wir wohnen hier einfach nur.“

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Kommentare
28.12.2010
16:01
Häuser zu Kunstwerken
von Duden_Service | #1

Hallo Redaktion: In der Bildunterschrift steht Mühlheim. Beste Grüße!

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