Häftlinge in Bielefeld stellen obszöne Schilder her
26.05.2009 | 20:51 Uhr 2009-05-26T08:51+0200Bielefeld. Dass Häftlinge im Gefängnis für Firmen arbeiten, ist nicht neu. Die Produktpalette der JVA Bielefeld allerdings ist doch recht außergewöhnlich: Dort stellen Knackis Schilder mit Sprüchen her, die Drogen verherrlichen oder Frauen diskriminieren. Der Gefängnisleiter hat damit kein Problem.
Gefangene in Justizvollzugsanstalten (JVA) sollen ihre Zeit nicht nur absitzen, sondern sinnvoll nutzen. Grundlage dafür ist das Strafvollzugsgesetz, wo es heißt: „Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen“. Aus diesem Grund gehen die Gefangenen in Eigenbetrieben der Haftanstalten wie Schreinereien oder Schlossereien geregelten Beschäftigungen nach. In den Eigenbetrieben können aber auch private Firmen Produkte fertigen lassen.
Eine dieser Firmen ist die Bielefelder artconcept GmbH. Das Unternehmen lässt in der JVA Bielefeld-Brackwede 1 seine sogenannten „verbotenen Schilder“ auf der Rückseite mit Kleber versehen. Die Firma hat rund 500 der gelben Schilder im Angebot, die bei der Anlieferung in die JVA bereits mit Sprüchen bedruckt sind.
„Die Frau ist ein Übel, wenn auch ein Notwendiges“
Die Sprüche reichen von lediglich obszönen Slogans wie „Gutschein für einmal in den Wald scheißen“ bis hin zu Sätzen, die zum Alkohol- und Drogenkonsum animieren oder diesen verherrlichen. Darunter finden sich Sprüche wie „Koks für alle“, „SOS: Saufen ohne Sinn“, „Drogenraum – kontrollierter Konsum harter Drogen: Heroin, Crack, Speed – NO SMOKING PLEASE“ oder „Ich trinke um meine Probleme zu verdrängen, aber diese verdammten Bastarde können schwimmen“. Auch frauenfeindliche Sprüche wie „Frauen hinter den Herd? Nein Danke! Die Knöpfe sind doch vorne“ oder „Die Frau ist ein Übel, wenn auch ein Notwendiges“ sind dabei.
Welche der rund 500 Schilder konkret in der JVA beklebt wurden, kann Claudia Raben von der Firma artconcept nicht sagen. Wahrscheinlich seien jedoch „alle 500 dort einmal über den Tisch gegangen“. Das Schild „Investiere in Alkohol! Mehr Prozente bekommt Du nirgends!“ sei mit Sicherheit dabei gewesen; bestimmt auch, so Raben, der Spruch „Das Mitbringen von Alkohol und Drogen sowie ihr Konsum ist erlaubt“.
"Meist sind die Leute ja schon nicht auf der richtigen Bahn“
Die in der JVA hergestellten Schilder sind nach Angaben von artconcept unter anderem bei Hornbach, Galeria Kaufhof, Karstadt, Hertie und Edeka erhältlich. Für das Bekleben der Schilder erhalten die Häftlinge einen Tageslohn zwischen acht und 15 Euro.
Robert Dammann, Leiter der JVA Bielefeld-Brackwede 1, sagt zu den in seiner Haftanstalt beklebten Schildern: „Dass wir da auch solche Sachen haben, habe ich nicht gesehen. Ich gehe aber auch nicht jeden Tag durch die Betriebe und gucke, was die da machen.“ Auch er finde die Sprüche „nicht so glücklich“. Dammann erklärt aber: „Im Prinzip sind wir doch froh, dass wir jede Arbeit hier reinkriegen“. Er glaube nicht, „dass wir die Leute dadurch auf die schlechte Bahn bringen, meistens sind sie ja schon nicht auf der richtigen Bahn.“
17:14
Ich dachte bisher immer das solche Schilder aus China kommen. Das in vielen JVAs solche 10 Cent-Produktionen an der Tagesordnung sind wusste ich schon, aber Straftätern mit sowas zu beschäftigen find ich schon ziemlich arm.
Glauben Sie wirklich, dass irgendein Unternehmen für solche Negativ-PR zahlen würde?
Das nicht. Aber selbst schlechte PR ist immerhin PR. Die meisten Stars - sind ja in einem gewissen Sinne auch Unternehmen - zahlen zwar nicht dafür, aber sie leben von negativ PR.
18:30
Vor ein paar Wochen gab es ein Interview mit der Bundesjustizministerin (!) Zypries in der Tagesschau. Dabei hatte sie eins der Schilder deutlich sichtbar im Hintergrund an ihrer Pinnwand.
Na, wenn die keine Probleme damit hat...
21:14
@Reinerschisshier und Freund Hein:
Glauben Sie wirklich, dass irgendein Unternehmen für solche Negativ-PR zahlen würde? Denken Sie daneben, dass ein Journalist, der sich sonst in kritischer Weise mit dem Thema Schleichwerbung auseinandersetzt (http://oppong.eu/mediapool/65/653900/data/Welt_am_Sonntag_Umstrittene_Autotests_beim_WDR_Schleichwerbung_TVT.Media.PDF) sich für eine geplante Schleichwerbungsaktion hergäbe?
22:54
Also watt soll die Aufregung? Demnächst drechseln Knackis nur noch Beichtstühle oder wie?
Wenn bei 500 Titeln nicht mehr geschmacksarme dabei sind, als die paar da oben: ach Gottchen.
Das ist was für die klerikalen Taliban und die Hüter der PC = glatt am Leben vorbei.
Habe mir auch einen schönen ins Büro geklebt: Personalführung ist die Kunst, Mitarbeiter so über den Tisch zu ziehen, dass dabei der Eindruck von Nestwärme entsteht.
Da hamse abba bei jelacht beim Kleben odda soh........
Axo: das Dings mit der Schleichwerbung finde ich auch akut. Wo die WAZ doch sonst nie Ross und Reiter nennt....
20:01
@21
bitte:
http://www.art-concept.de/seite/produkte/verbotene-schilder.html
HTH
18:44
SUUUUPAAA, MEHR VON DIE TOLLEN SCHILDERSE....
17:57
@17
Hallo Martin Steffen ,
schauen Sie doch mal bei ...manufactum.de nach , die haben die noch , die guten alten Dinge
mfg
adacmitglied
16:09
Das ist nicht öbzön - das ist schön .
Als wenn wir in Deutschland keine anderen Sorgen hätten. Typischer Nebelkerzenjournalismus
13:42
Ich hätte noch einen neuen Spruch
Klimawandel für die Bananenrepublik
13:32
Wenn ich die Schilder sehe frage ich mich wer kauft das , andererseits ist es seit Jahren nicht mehr möglich vernünftige Holzwäscheklammern zu kaufen , warum werden die nicht mehr hergestellt ?