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Kulturhauptstadt

Gorny hält an teuerem Ruhr-2010-Projekt fest

26.08.2010 | 17:43 Uhr
Gorny hält an teuerem Ruhr-2010-Projekt fest
Ruhr-2010-Direktor Dieter Gorny verteidigt das Projekt. Foto: Jakob Studnar/WAZ

Essen. Eine teure Internetseite über die Kulturhauptstadt 2010 soll trotz geringer Reichweite bis Ende 2011 mit Millioneneinsatz fortgesetzt werden. Das fordern die Macher von Ruhr 2010.

Das Internet-Projekt 2010lab.tv sollte eines der prestigeträchtigsten Vorhaben der ganzen Kulturhauptstadt werden. Nicht nur einfach eine Internetseite der Dachgesellschaft Ruhr.2010, nein, sondern gleich „die erste sparten- und themenübergreifende Web-TV-Plattform“. Hier sollten Kunst, Kultur, Kreativität und deren Akteure „multimedial“ zusammengeführt werden, um „den Wandel durch Kultur im Ruhrgebiet und der Welt“ zu dokumentieren, heißt es in der Ankündigung. Alles um die Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet zu fördern.

Insgesamt ist für 2010lab.tv bis Ende 2011 eine öffentliche Förderung von rund zwei Millionen Euro eingeplant. So weit, so gut. Leider sind die Erfolge des 2010lab.tv kaum messbar. Seit dem Sendebeginn im Januar hat es die Internetseite im Alexa-Ranking gerade auf den Platz 103 573 geschafft. Das wird von einer Tochtergesellschaft des US-Konzerns Amazon erstellt, um die Werbe-Relevanz von Internetseiten festzustellen. Wie andere Internet-Rankings ist auch dieses grundsätzlich manipulierbar, und keine verlässliche Stütze. Aber das Alexa-Ranking gibt einen Hinweis darauf, wie stark eine Seite genutzt wird. Das katzen-forum.net liegt auf Platz 102 483.

Hinterm Katzen-Forum

Aber am ehesten lässt sich die Relevanz einer Seite noch daran messen, wie oft die einzelnen Berichte kommentiert werden. Auf 2010lab.tv finden sich selten mehr als zwei Kommentare zu einem Thema. Dies mag auch an der Art der Texte liegen, die dort veröffentlicht werden. Neben Interviews, Analysen und Berichten über Konzerte finden sich dort auch normale Pressemitteilungen, wie sie massenhaft versandt werden. Nach eigenen Angaben hat das Lab rund 1000 Besucher am Tag. Etliche kostenlose Internet-Blogs ha-ben mehr. Nur wenige Highlights, wie der „Day of Song“ erreichen punktuell mehr als 60 000 Zuschauer.

Im Angesicht des mäßigen Erfolges ist es erstaunlich, welche Summen in das Projekt gesteckt werden. Allein in diesem Jahr 855 000 Euro, wie die Ruhr.2010 berichtet. Für das kommende Jahr sind Ausgaben von 665 000 Euro geplant.

Doch anstatt den Misserfolg einzugestehen, soll das 2010lab.tv auch nach dem Ende der Kulturhauptstadt weitergeführt werden. Dazu wird das Projekt als ein Standbein in das neue Institut Ecce eingegliedert. Der Verantwortliche bleibt dabei gleich. Wie bei der Ruhr.2010 wird auch bei Ecce alles unter Kontrolle von Dieter Gorny geschehen.

Gorny: „Wir wollen Exzellenz darstellen“

Und der derzeitige Direktor der Ruhr.2010 GmbH verteidigt das Projekt. Es handele sich um einen Kulturspartenkanal, den man am ehesten mit Arte vergleichen könne. Alles sei explizit darauf angelegt, eine kleine Zielgruppe anzusprechen. „Wir wollen Exzellenz darstellen“, sagt Gorny. „Das kann man nicht in Reichweiten messen.“ Es gehe darum, die „jungen und schrägen“ Menschen zu erreichen und ihnen ein Medium zu bieten, über das sie sich austauschen können. Wenn man 2010lab.tv zumache, könne man auch Arte schließen.

Um in den nächsten Jahren weiter wachsen zu können, soll der Internetsender nach Ansicht von Gorny für weitere kostenlose Inhalte geöffnet werden. Wie bei YouTube sollen dann Video-Künstler ihre Werke bei 2010lab.tv umsonst verbreiten. Damit nicht genug: In Kooperationen mit dem Grimme-Institut oder dem Auswärtigen Amt werde darüber nachgedacht, neue Projekte anzustoßen. Eines ist dabei Kulturmanager Gorny aber auch klar: Ohne eine Finanzierung aus öffentlichen Kassen ist sein 2010lab.tv nicht über 2011 hinaus zu sichern.

David Schraven

Kommentare
13.09.2010
11:51
Gorny hält an teuerem Ruhr-2010-Projekt fest
von Zukunft Ruhrgebiet | #32

Wir stehen im Ruhrgebiet vor enormen Herausforderungen. Knappe Kassen und hoher Bedarf an finanziellen Unterstützungen, um den Strukturwandel...
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2010-08-26 17:43
Rhein und Ruhr