Götter, Geister und Dämonen
02.03.2008 | 20:06 Uhr 2008-03-02T20:06:01+0100Im Sommer 2007 wurde die Gelsenkirchener Heilig-Kreuz-Kirche außer Dienst gestellt. Jetzt zogen Schamanen, Tempelwächter und Medizinmänner ein. Bericht über eine ungewöhnliche Ausstellung
Gelsenkirchen. Fremde Götter und Geister in der Kirche, Schamanen und Tempelwächter neben Jesus am Kreuz - geht das? Es geht. Mit dem Segen der katholischen Kirche gar. Sie öffnet ihre im Sommer 2007 außer Dienst gestellte Heilig-Kreuz-Kirche für "Götter, Geister und Dämonen". So ist die Ausstellung betitelt, die ab 8. März im Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf zu sehen sein wird.
Ruhrgebietsweit wird auf Großplakaten für die ungewöhnliche Schau geworben. Mindestens anderthalb Jahre soll sie in Gelsenkirchen zu sehen sein. 100 000 Euro investiert das Stadtmarketing (SMG). "Und das wird sich rechnen", ist sich SMG-Chef Wolfgang Lalakakis sicher.
Die Bänke sind herausgeräumt aus dem Kirchenschiff. Ein Teppich dämpft die Schritte. Und Messebauer Uwe Möckel aus Zwickau schaut auf das Gewirr von Stangen, Stoffbergen, Lichtspots, Kabeln und Aufbauplänen. Sonst lässt der 45-Jährige schon mal laut beim Aufbau die Musik plärren. Hier nicht: "Wir sind schließlich in einer Kirche und das soll sie bleiben."
In ein Ausstellungslabyrinth verwandelt er das Gotteshaus, auf dass Götter und Geister einziehen können. Mit hunderten Stangen und schwarzen Stoffbahnen unterteilt er den hohen Kirchenraum in 50 Kuben, durch die die Besucher geleitet werden. Batterien von Scheinwerfern sollen die 130 Exponate ausleuchten, die die angereiste Kuratorin nun in Szene setzt.
Bestückt wird die Schau aus Beständen der Stiftungssammlung von Peter Daetz. Der ehemalige Siemens-Manager unterhält im sächsischen Lichtenstein ein Zentrum, das sich der religiösen und kultischen Holzbildhauerkunst widmet. Imposante Masken und Statuen exotischer Götter, Buschtrommeln aus Ghana und Neu-Guinea, hinduistische Tempelwächter, Shivas und Buddhas, Instrumente von Medizinmännern, Schamanen und Zauberern gehören zu den Ausstellungsstücken. "Die Menschen sollen verstehen lernen, dass wir nicht alleine auf der Welt sind. Und die Holzbildhauerkunst ist mein Medium, die Kulturen der Welt nahe zu bringen", sagt der 77-jährige Mäzen.
Die Kirche selbst ist ein Kleinod. Im Stile des Backstein-Expressionismus Ende der 20er Jahre erbaut, ist sie eine der wenigen Kirchen in Parabel-Architektur. Außen schlicht, innen beeindruckend, mit ausgemalten, leuchtenden Gewölbewänden zwischen den ovalen Kirchenfenstern. Und mehr als optische Spielerei ist es, dass auf den weißen Baldachin, der die komplette Ausstellungsfläche überdacht, nun eine Projektion die ursprünglichen Bankreihen erscheinen lassen soll - Kirche soll Kirche bleiben.
Bankreihen, die immer seltener gefüllt waren, so dass das Bistum das Gotteshaus außer Dienst stellte. Kirche wie Kultur und Politik in der Stadt suchen seitdem nach Wegen, Heilig Kreuz künftig museal zu nutzen. Mit den Geistern und Göttern könnte er geebnet werden, zumal das NRW-Bauministierum als Pilotprojekt eine Machbarkeitsstudie für eine neue Nutzung bewilligte.
Info: Tel: 0209 / 319 94 00; Eintritt: 8 E (für Erwachsene)
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