Giftige Abwasserkanäle bedrohen Bochumer Grundwasser
25.01.2013 | 17:37 Uhr 2013-01-25T17:37:00+0100
Bochum. Pfusch oder gar Betrug beim Kanalbau haben dazu geführt, dass an mindestens fünf Bochumer Baustellen mit Schwermetallen belastete Schlacke verbaut worden ist. Vertraglich gefordert war umweltverträgliches Granulat. Noch ist offen, ob die Kanäle wieder herausgerissen werden müssen.
Die Stadt Bochum beklagt Pfusch beim Kanalbau. Auf fünf Baustellen sollen im vergangenen Jahr minderwertige Granulate verwendet worden sein. Zwar bestehe kein Risiko, dass Fahrbahndecken oder Gehwege absacken . Sehr wohl könne es aber zu Verunreinigungen des Grundwassers kommen. Auch andere Städte könnten betroffen sein.
Fahrlässigkeit oder Betrug: Stadtbaurat Ernst Kratzsch hält sich mit einer rechtlichen Bewertung noch zurück. Fakt aber ist: Bauunternehmen, die von der Stadt mit Kanalarbeiten beauftragt wurden, haben bei der Ummantelung der Rohre in 3,50 Metern Tiefe falsches Material eingebaut. Vertraglich gefordert war Schmelzkammergranulat, das aus Steinkohle gewonnen wird und als umweltverträglich gilt. Geliefert wurde mit Schwermetallen belastete Schlacke, die bei der Erzeugung von Kupfer anfällt. Ein Landeserlass von 2004 schreibt vor, dass diese Schlacke nicht in Grundwassernähe ins Erdreich gebracht werden darf.
Deutlich erhöhte Werte an Schwermetallen gemessen
Genau das ist offenbar auf fünf Baustellen geschehen. Bei Proben wurden hier bis zu 39.000 Milligramm Zink pro Kilo gemessen. Beim Kohlegranulat liegen diese Werte bei 150 bis 500 Milligramm. Auch der Blei- und Kupfergehalt ist stark erhöht.
Die Stadt hat einen Gutachter eingeschaltet. Er soll binnen drei Wochen mit Probebohrungen untersuchen, ob auf den fünf Baustellen eine Gefahr für das Grundwasser droht. Muss das Granulat ausgetauscht werden, will die Stadt die Bauunternehmen haftbar machen, die von ihren Lieferanten möglicherweise selbst getäuscht worden sind.
Wahrscheinlich sind auch andere Städte betroffen
Ob das minderwertige Granulat von einer oder mehreren Firmen stammt, steht nicht fest. Erste Ermittlungen der Stadt haben lediglich ergeben, dass 400.000 Tonnen der Kupferschlacke auf dem Markt sind beziehungsweise waren.
„Wir halten es deshalb für sehr wahrscheinlich, dass auch andere Städte betroffen sind“, so Dr. Kratzsch. Das Landesamt für Natur, Umweltschutz und Verbraucher (LANUV) bietet den Kommunen seine Unterstützung an.
17:08
Das wird die gleichen Kreise ziehen wie bei den Wasser ziehenden Kalksandsteinen.
Irgendjemand hat im großen Stil versuch zu sparen.
Gott sei Dank ist die Gewährleistung nach einem Jahr noch nicht abgelaufen. Da will ich nur hoffen, dass die Baufirma zahlungsfähig bleibt.
Übrigens spricht es sich sehr schnell in jeder Branche rum, wenn irgendwo Material billig zu haben ist. Die Qualität spielt keine Rolle und Warnungen oder Hinweise werden unter den Tisch gekehrt. Wenn dann noch, wenn es wie hier, die Baustelle unter der Erde liegt, was soll passieren?
Warum hat DerWesten nicht berichtet, wie die Stadt Bochum überhaupt auf den Pfusch aufmerksam wurde?
Das interessiert mich ebenfalls.
15:56
Waren die Pfuschfirmen auch an der Verlegung der jetzt so lockeren Gehsteigplatten
beteiligt ?
15:43
Bis jetzt war ich immer im Glauben dass der Bauherr unverzichtbar ist, ergo= er ist immer an Bauvorhaben beteiligt?!?!?!!? Wieso ist das HIER nicht der FALL gewesen? Ich bitte um AUFKLÄRUNG!
15:40
Geiz ist geil!
Da glauben immer noch Leute, sie brauchten nur genügend Anforderungspapiere (Spezifikationen) rauszugeben und sich anschließend nur am billigsten Angebot orientieren zu müssen.
Wenn die Firmen nur noch Aufträge zu grottenschlechten Preisen bekommen darf sich keiner wundern, wenn sie - auch mit Betrug - versuchen eine halbwegs auskömmliche Marge zu erwirtschaften.
Man kann eben nicht erwarten für den Preis eines Dacias einen Mercedes der E-Klasse zu bekommen! Aber wenn es um Bauausschreibungen oder Bürgerleistungen geht, glaubt man das! Nur nicht wenn es um die Dienstwagen der Stadtoberen geht! Da ist das teuerste gerade gut genug!
15:40
Warum wurden vor dem Einbau keine Proben genommen ? Hier sollten die Verantworllichen die Kosten tragen ...
15:37
Hat die Stadt Bochum eigentlich schon mal das Wort "Bauüberwachung" gehört? So schützen sich Bauherren und Auftraggeber üblicherweise vor Fehllieferungen und Betrug auf den Baustellen.
15:33
Fette Strafanzeige gegen die Bauunternehmen! Kann ja einfach nicht wahr sein was hier für gefährliche Nichts-Nutze unterwegs sind!!!!
13:20
Hoffentlich ermitteln die Staatsanwälte.
Umso wichtiger ist es, dass die Abwasserkanäle der Haushalte, die evtl. undicht sein könnten, regelmäßig überprüft werden. Die Fäkalien sind schließlich eine große Gefahr.
Warum soll man dann Baumaterial oder die Gülle-Verteilung prüfen?
Unsere Behörden sind nicht mehr in der Lage einfachste Kontroll- / Aufsichtsaufgaben zu erfüllen. Dafür sind sie zu gut bezahlt.
12:25
und den leuten die uns durch das grundwasser vergiften wird dann ein klapps auf die finger gegeben. sollte die strafe zu hoch ausfallen gehen sie in die insolvenz und der steuerzahler muss dafür zahlen. und die mikado-beamten??haben geschlafen. da muss mal endlich verantwortlichkeit her und auch bestraft werden!!!
12:04
Irgendjemand hat betrogen, aber Informationen zu Lieferant und Herkunft des Granulats lassen sich ja durch Rechnungen und Lieferscheine nachvollziehen. Sobald der Lieferant feststeht wird dieser Antworten auf die Herkunft des Materials geben müssen. Schließlich hat er das ja irgendwo abgeholt.