Gelsenwasser: Erdgasbohrungen sind „Gift für das Trinkwasser“
17.03.2011 | 19:26 Uhr 2011-03-17T19:26:00+0100
Gelsenkirchen. Der Chef des Trinkwasserversorgers schlägt Alarm: Er fordert den sofortigen Stopp der geplanten Erdgas-Probebohrungen in NRW. Die Technologie berge zu viele Risiken für das Trinkwasser im Ruhrgebiet.
Vom Wasser im Halterner Stausee und den Talsperren im Einzugsgebiet der Ruhr sind fünf Millionen Menschen abhängig. Unter den Wasseradern des Ruhrgebiets liegen in 1000 Meter Tiefe riesige, bislang unerreichbare Erdgasvorkommen. Dort wollen der US-Ölmulti Exxon und die BASF-Tochter Wintershall nach Gas suchen. „Stoppt den Wahnsinn“, sagt Gelsenwasser-Chef Manfred Scholle im Namen der Wasserwirtschaft.
Der Alptraum der Wasserwerke ist das so genannte Fracking-Bohrverfahren, das bei der Erdgas-Förderung zur Anwendung kommen könnte. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und teils giftigen Chemikalien in den Boden gepresst, um die undurchlässigen Gesteinsschichten aufzusprengen und dort lagerndes Erdgas freizusetzen. Rund ein Dutzend Energiekonzerne haben halb NRW unter sich aufgeteilt, um die vermuteten Gasvorkommen zu erkunden. Würde man sie fördern, könnte Deutschland für Jahrzehnte auf Gasimporte verzichten.
Gelsenwasser hat nun die abgesteckten Claims mit der Lage der Wasserschutzgebiete abgeglichen. Ergebnis: Die möglichen Bohrfelder von ExxonMobil und der BASF-Tochter Wintershall überdecken die Wasseradern des Ruhrgebiets – der Halterner Stausee und die Talsperren der Ruhr sind in Gefahr.
50 Tonnen Chemikalien
„Die Braunkohle hat durch die Tagebaue in NRW die Landschaft zerstört, der Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet hat den Untergrund kaputt gemacht. Jetzt könnte durch die Fracking-Bohrungen noch unser Wasser gefährdet werden“, kritisiert Scholle. „Bei jeder anderer Bohrung, etwa Erdwärme, sind Wasserschutzgebiete und deren Einzugsbereiche tabu. Und ausgerechnet hier soll Fracking möglich werden?“
Seit drei Monaten analysieren Wasserexperten des Konzerns die möglichen Konsequenzen des Frackings. „Aus Studien und den Bohrungen in den USA wissen wir, wie massiv die Eingriffe in Natur und Wasser sind: 20 Bohrlöcher pro Hektar, 50 Tonnen Chemikalien und Gifte je Bohrung, dazu der erhebliche Lkw-Verkehr an den Standorten“, so Scholle. Die Gifte müssten gelagert, das Frack-Wasser aus den Lagerstätten aufbereitet und fachgerecht entsorgt werden.
Ewigkeitslasten
Scholle befürchtet, dass die ökologischen Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. „Wir tragen hier in NRW durch den Bergbau schon Ewigkeitslasten in immenser Höhe. Nun sollen in Bergbaugebieten, in denen der Untergrund schon zerstört ist, weitere Schäden angerichtet werden“, argumentiert er. Die Ewigkeitslasten und Kosten des Frackings müsste die Allgemeinheit in den kommenden Generationen bezahlen, „nicht Konzerne wie ExxonMobil, die daran verdienen.“
Als Konsequenz fordern Gelsenwasser und die Wasserwerke den sofortigen Stopp der Probebohrungen. Wie auch im US-Bundesstaat New York und Frankreich müsse ein Moratorium für Fracking-Bohrungen verhängt werden. Zudem müsse Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) das Bergrecht ändern. Umweltverträglichkeitsprüfungen müssten künftig zur Pflicht werden.
Exxon beteuert, die Bohrungen seien sicher. Es sei fraglich, ob Fracking überhaupt zur Anwendung komme. Hunderte Millionen Euro Investitionen verspricht der Konzern, neue Arbeitsplätze und Gewerbesteuer-Einnahmen für klamme Kommunen. Bei einem Moratorium aber müssten die Erdgas-Pläne strategisch neu gedacht werden, sagte ein Exxon-Sprecher.
Moratorium und Bergrecht-Novelle gefordert
Gelsenwasser-Chef Scholle indes sieht keinen Grund, sich von den Bohrtrupps unter Druck setzen zu lassen. „Wir haben doch Zeit. Wir haben sicherlich in 20 Jahren die Technologie, um das Gas zu fördern – ohne diese Gifte und ohne diese Eingriffe in die Natur. Ich sage: Lasst uns innehalten, bis wir die vorhandenen Risiken beurteilen können. “
Scholle misstraut dem US-Konzern. „Bei den Exxon-Bohrarbeiten in Niedersachsen wurden Zwischenfälle vertuscht“, sagt er. Auch verweist er darauf, dass Exxon im vergangenen Jahr das texanische Gasunternehmen XTO für viele Milliarden Euro übernommen habe. Je mehr Rechte für Erdgasförderung Exxon vorweisen könne, umso höher steige der Aktienwert. Scholle: „Ein so dicht besiedeltes Gebiet darf nicht zum Experimentierfeld von Unternehmen werden, die lediglich ihren Börsenwert steigern wollen.“
Gelsenwasser will nun an allen Fronten mobilisieren. Den Landtag, die Bürgermeister in den betroffenen Kommunen, die Menschen und Bürgerinitiativen. „Wir Wasserwerke versorgen Millionen Menschen. Darum haben wir ein Mandat, und deswegen schalten wir uns ein“, sagt Scholle“. „Denn das wichtigste Gut ist das Wasser. Wir müssen es schützen.“
07:39
Also wenn ich das gestern um 9.00 h bei Antenne Unna richtig vernommen habe, wurde da in in Nachrichten gesagt, dass es vor Jahren hier schon mal Bohrungen gegeben habe. Diverse Reaktionen lassen auch darauf schließen, dass dies stimmt.
00:45
@geli21: Also, da möchte/kann ich etwas beruhigen: Es hat definitiv im Kreis Unna noch keine Erdgas-Aufsuchung gegeben. Wenn hier mal gebohrt wurde, dann sollte das um die 100 Jahre her sein - Stichwort Mutungsbohrungen, aber das waren andere Zeiten. Darüber hinaus Quecksilber kommt definitiv nicht aus dem (tieferen) Untergrund, also Steinkohlengebirge. Was die IGGG hier durcheinanderwerfen ist das Quecksilber, das in Teilen Niedersachsen aus den Lagerstätten des sogenannten Rotliegenden mit gefördert, abgeschieden und verwertet wird. Diese Vulkanite haben halt häufig Quecksilber drin, aber die gibt es bei Ihnen in Unna schon mal gar nicht. Wasseranalsen des Grubenwassers aus Ihrer Ecke sind zudem völlig unspezifisch. Als Ursache für Ihren Befund kann es andere, meist anthropogene Ursachen geben. Fragen Sie mal einen Toxikologen/Umweltchemiker.
13:30
Es wird immer nur von geplanten Untersuchungen geschrieben. Ist es möglich, dass es schon welche unter Ausschluss der Öffentlichkeit gab? Vielleicht im Kreis Unna?
Bei mir hat man extrem hohe Mengen an Quecksilber gefunden, die nichts mit Amalgam zu tun haben können. Die Reaktion diverser Personen und Ämter war erschreckend. Es wurde in Strafverfahren eingegriffen, Ärzte verweigern die Untersuchung und die Presse verweigert die Berichterstattung. Die Blockade reicht bis zur Landesregierung. Also ob schwarz-gelb oder rot-grün, da ist kein Unterschied. Es geht nur um Geld und Macht. Die Farbe spielt da keine Rolle. Ich werde ängstlich befragt, ob es denn wohl schon in unserem Wohnort eine Bürgerinitiative gäbe. Da liegt doch die Vermutung nahe, dass es wohl um viel Geld und Macht geht.
15:57
Reinerle,
vieles stimmt, aber ein paar Punkte muß man wohl ergänzen: Zunächst muß man keineswegs bis über die Landesgrenze bis man das Badewannen-Expriment machen kann. Denn die Region nördlich und westlich von Hamm ist z.B. bekannt für die zahlreichen Gasaustritte - ganz ohne den Einfluß des Bergbaus! Im gesamten Münsterland gibt es zahllose Hauswasserversorgungen, in denen sich Gas, also Methan aus dem Untergrund ein bekanntes Problem darstellt. Mancherorts kommt soviel Gas aus dem Brunnen, dass es Verpuffungen gegeben hat und die Experimente aus dem Film Gasland leicht nachzustellen sind. Darüber gibt es Untersuchungen, nur drüber sprechen will keiner, weil dann der Wasserversorger, also Gelsenwasser, per Gesetz verpflichtet wäre selbst den entferntesten Bauernhof mit einer Wasserleitung anzuschließen. Da reden wir über viel Geld und einen der Gründe, warum Gelsenwasser hier so einen Wind macht. Ein weiterer Punkt ist, dass es eben tatsächlich die hunderten (fast 1000) Bohrungen der RAG gegeben hat, die ohne Probleme zu Erkundungszwecken erstellt wurden - während Exxon nun weiter im Norden die gleichen Bohrungen außerhalb von Trinkwasserschutzgebieten machen will, hat die RAG damals die Bohrungen unter anderem auch im Raum Haltern/Marl erstellt. Merkwürdigerweise war es für Gelsenwasser damals kein Problem, obwohl die Bohrtechnik damals Lichtjahre von dem heutigen Standard entfernt war. Da fragt man sich doch, was Gelsenwasser jetzt treibt. Ist da ein Gasversorger zickig, weil er die heimliche Vergabe der Felder verpennt hat? Oder handelt er im Auftrag seiner unternehmerischen Stiefschwester Minegas GmbH, die inzwischen auch unkonventionelles Gas sucht (Feld Herbern, Feld Donar, ...), aber vergleichsweise wenig vom Kuchen abbekommen hat?
So oder so, eine Schädigung von Trinkwasservorkommen ist sicher ebeso indiskutabel wie die nachhaltige Schädigung von Flora, Fauna, ja und nicht zuletzt der Anwohner. Darüber muß man sachlich informieren und diskutieren - der Ball liegt im Feld der entsprechenden Unternehmen.
22:20
Mutungsbohrungen in vielen Teilen zumindest des östlichen Münsterlandes, wo keine Kohlebergwerke sind, in die und bis tief unter die Steinkohlelagen wurden schon vor mehr als 30 Jahren über Jahre hinweg systematisch und quasi flächendeckend von kleineren, mobilen Bohranlagen durchgeführt. Dabei wurden kontinuierlich Bohrkerne gezogen, und in den Tiefen, wo es auftrat, wurde das sog. Kluftgas gemessen. Diese Bohrungen erfüllten drei Aufgaben: Erkundung des aufgrund von seismologischen Untersuchungen schon in etwa bekannten Deckgebirges (also auch der grundwasserführenden Gesteinslagen), der Option, ob es sich evtl. lohnen möge, ein Steinkohlebergwerk zu errichten (vage) und dann eben der Gashöffigkeit. Kaum jemand nahm Notiz davon, aber die betroffenen Gemeinden bzw. Landwirte sollten das noch in ihren Unterlagen haben.
Natürlich wissen die Konzerne darüber sehr genau Bescheid, reden aber wenig oder nicht davon. Neue Probebohrungen wären also in weiten Bereichen nicht nötig.
Es ist aber erprobte Praxis, erkannte Gas-(und genausogut Öl-)Vorkommen nicht unbedingt sofort auszubeuten, sondern auf Zeiten zu warten, in denen es lohnender wird, wie z.B. im DEUTSCHEN Nordseesektor. Angeblich gab es dort weder Gas noch Öl, nur überall drumherum, sehr mysteriös. Jetzt plötzlich entdeckten Gasförderfirmen, dass da doch allerhand liegt. :-) und beginnen die Förderung. Intern war es ihnen freilich bekannt, aber man muss ja nicht alles an die Große Glocke hängen.
Neue Erkundungsbohrungen im Münsterland wären also, wie gesagt, weigehend Unsinn. Es steht zu vermuten, dass, auf die alten Daten gestützt, die Firmen ganz genau wissen, wo es sich lohnen dürfte, Gas zu fördern und das aber zunächst als Probebohrungen deklarieren.
Wo noch kein Bergbau umging, scheint es mir allerdings doch wohl ungefährlich zu sein. Die Wässer, die in jenen gashöffigen Tiefen umgehen, sind sowieso nicht als Trinkwasser geeignet, d.h. sind zuverlässig getrennt von trinkwasserführenden Schichten (und außerdem durchaus nicht sauber im Sinne von Trinkwasser) und liegen zudem viele Meter tief darunter. Wäre eine Gefährdung möglich, hätte der Bergbau, der sonstwas an trinkwasserunverträglichen Stoffen produziert(e) und jede Menge Wasser hochpumpt(e) und in die Bäche und Flüsse (Stichwort Emscher) leitete, damit die Stollen trocken blieben, das schon längst bewerkstelligt. Selbst verlassene und vollgelaufene Bergwerke verunreinigen nicht das Trinkwasser, das da eh nicht gewonnen wird. (Man könnte sie allerdings, wie schon versucht, zur Geothermiegewinnung nutzen).
Fracking ist ja nun auch nichts Neues, sondern wird bei so gut wie jeder Bohrung angewandt. In Niedersachsen seit Jahrzehnten, in den Niederlanden genauso, und in der Nordsee überall. Geht wirklich lokal mal was schief, was heißt, dass zunächst Gas an der Oberfläche austritt und die Förderrate drastisch sinkt auf unzureichende Mengen (das Frackingwasser würde lange danach folgen, aber soweit lässt man es logischweise nicht kommen) genügt es, die dann nicht mehr lohnende (weil das Gas dann nicht greifbar ist, sondern sich andere Wege sucht) Förderung dort zu stoppen: von allein begeben sich die Fracking-Mischungen und die da unten befindlichen Wasser, die vom spezifischen Gewicht Dank vieler gelöster Mineralien schwerer sind als normales Wasser, nicht nach oben, sondern bleiben vielmehr hübsch brav im Untergrund, sobald kein Druck mehr eingebracht wird. Falls wirklich noch etwas nach oben gelangt, ist das sehr temporär und, wie gesagt, lokal begrenzt auf rel. wenige Quadratmeter. Gas kann freilich noch auf lange Zeit austreten. In Niedersachsen genüge es an manchen Orten, eine Badewanne umgekehrt in eine Wiese zu stellen, um am Abflussloch Gas abfackeln zu können, wird erzählt :-) Das gabs aber auch schon lange vor den ersten Bohrungen und beeinträchtigt nicht das Grundwasser. - Das Bohrloch aber wird zementiert und gut ists. Gas kann da freilich nie mehr gefördert werden (außer evtl. per Badewanne :-)
20:57
Na diese Genehmigungen wurden sicher noch von Schwarz Gelb erteilt. Bleibt nur zu hoffen das Rot Grün denen nen Strich durch die Rechnung macht. Aber die Lobbyisten werden schon dafür Sorgen das die weiter vergiften können. Was für ein Land ist das nur geworden?
07:35
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03:49
Auf zur nächsten katastrophe.
Das bisschen Gift im Trinkwasser - Hauptsache dem Konzern geht´s gut. Die paar Menschen, ohnehin nur Kostenfaktoren, können ruhig verrecken.
00:46
Ich frage mich (mal unabhängig von den zu erwartenden Problemen mit der Umwelt), warum ein hochtechnisiertes Land wie Deutschland nicht in der Lage ist, seine Bodenschätze selber zu fördern?
Exxon hat schon genug Schaden angerichtet z.B. in Alaska.
Abgesehen davon: Wir müssen endlich ein sinnvolles Energieversorgungsprogramm auf die Beine stellen und die Energielobby zerschlagen.
Energie (egal welche) ist das Gut des Volkes und nicht irgendwelcher profitgeilen Firmen, die für Gewinnmargen über Leichen und verseuchte Landstriche gehen.
19:37
Wieviele Info-Abende soll man denn noch absolvieren, um zu dem Ergebnis zu gelangen, dass wir keine zusätzliche fossile Energie wollen. Fossile Energie ist immer Klima-schädlich. Klima-neutrales Fossil-Methan gibt es nicht. Bio-Methan aus thermo-chemisch verarbeiteter Biomasse hingegen ist sehr wohl Klima-neutral. Bio-Methan oder noch besser: Bio-Wasserstoff für Brennstoffzellen-basierte Mini-BHKW (KWK) an den Endverbrauchs-Stellen in den Heizungs-Kellern könnte eine echte Energie-Alternative sein. Bio-H2-Freund