Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Kriminalität

GdP sieht auf Dauer kein Land in Problemvierteln

24.03.2011 | 07:32 Uhr
GdP sieht auf Dauer kein Land in Problemvierteln
In Rheinhausen kam es am Sonntagabend auf offener Straße zu einem Schusswechsel. (Foto: NRZ Rheinhausen)

Duisburg/Dortmund.   Schüsse in Rheinhausen, Schlägerei Marxloh, Großrazzia in Dortmund - die Polizei kämpft an zahlreichen Fronten gegen die Kriminalität. Doch mangels Personal könne sie nach Ansicht der Gewerkschaft oft nur reagieren statt agieren.

Schüsse in Duisburg-Rheinhausen, Schlägerei und Massenauflauf in Duisburg-Marxloh – dazu Schutzgelderpressungen und Gewalt rund um den Straßenstrich in der Dortmunder Nordstadt – die schockierenden Nachrichten der vergangenen Tage aus verschiedenen Stadtteilen in Ruhrgebiets-Städten beherrschen die Schlagzeilen in diesen Tagen.

Im Gespräch mit DerWesten ordnen Experten der Polizei-Gewerkschaft die Ereignisse ein: „Mit Sicherheit war es auch ein bisschen Zufall, dass wir kurz hintereinander so große Einsätze in Rheinhausen und Marxloh hatten“, sagt Weert Albers, GdP-Vorsitzender in Duisburg. Deshalb handele es sich auch nicht um ein typisches Duisburg-Problem . Solche Vorfälle könne es in allen Stadtteilen geben, wo der Migranten-Anteil wesentlich größer ist, als mancher zugestehen will.

„Wir können nur reagieren, aber nicht agieren“

Um der Lage in Problemvierteln tatsächlich Herr zu werden, fehle der Polizei allerdings das Personal für konzentrierte dauerhafte Aktionen: „Da ist derzeit kein Land in Sicht. Wir können nur reagieren, aber nicht agieren“, findet Weert Albers offene Worte. „Wir haben seit 2007 in Duisburg 50 Beamte abgegeben, die uns vor allem auch bei den Besetzungen von Streifenwagen fehlen“, so Albers. Für wirksame Maßnahmen müsse die Polizei über einen längeren Zeitraum in der Szene Präsenz zeigen.

Dazu hat sich gerade die Polizei in Dortmund entschieden: In der Nordstadt bauen Beamte derzeit einen massiven Kontrolldruck – etwa mit einer Großrazzia – auf die Kriminalitäts-Szene rund um den Straßenstrich auf. „Wir haben die Einsatzkräfte verstärkt und auch der Zoll ist vor Ort“, erläutert Werner Dominke von der Gewerkschaft der Polizei in Dortmund.

„Die Situation in der Nordstadt ist so lange beherrschbar, wie man rigoros vor Ort einschreitet.“ Aber auch Dominke sieht die Gefahr, den Druck nicht ewig aufrecht halten zu können: „Für diese Aktionen brauchen wir genügend Polizeibeamte. Dann stellt sich die Frage, ob dieser Bedarf über den Einsatz von Steuergeldern gedeckt werden soll. Das ist ein politisches Problem“, betont der Gewerkschaftler.

Mehr Lehrstellen könnten Probleme lösen

Dominke regt nicht nur deshalb eine stärkere politische Diskussion über das Thema an: „Man muss sich fragen, warum es in gewissen Stadtteilen so große Leerstände gibt, die dann automatisch bei Migranten großes Interesse hervorrufen.“ Sein Duisburger Kollege Albers sieht ebenfalls den Schlüssel zur Problembewältigung in einer gelungenen Integration: „Wenn die Jugendlichen nach dem Schulabgang eine Lehrstelle finden würden, hätten wir die Probleme in dieser Form nicht“.

Das Sicherheitsgefühl der in Duisburg lebenden Menschen schätzt Weert trotz der Ereignisse in den vergangen Tagen als unverändert ein. „Die neueste Kriminalitätsstatistik hat ergeben, dass man in Duisburgs Stadtmitte wesentlich gefährdeter ist als in Marxloh“, sagt der Experte. Deshalb brauche auch keiner Angst haben, sich in Problemvierteln zu bewegen. „So lange man die Kreise der Kriminellen nicht stört, ist die Gefahr nicht größer als anderen Orten.“

Mindeststrafe für Gewalt gegen Polizisten

„Es dürfen einfach keine No-Go-Areas entstehen“, fordert Stephan Hegger, Pressesprecher der GdP in NRW. Hier bestehe die Gefahr, dass mangels Personal Polizisten aus einem Gebiet vertrieben werden und dann das Recht des Stärkeren herrsche. Ein großer Schritt, um der Polizei mehr Rückendeckung bei ihren Einsätzen in Problemvierteln zu geben, sei eine Verschärfung der Strafen bei Angriffen auf Beamte. „Das ist kein Kavaliersdelikt. Dafür muss es eine Mindeststrafe geben“, so Hegger. Eine dementsprechende Gesetzesinitiative wurde vom Bundesland Sachsen bereits initiiert.

Weiterhin sollte es in jeder Kommune ein auf die örtlichen Bedingungen zugeschnittenes präventives Entwicklungskonzept unter Beteiligung von Politik, Vereinen, Schulen, Polizei und Religionsgemeinschaften geben, sagt GdP-Pressesprecher. Der politische Wille dazu sei meist vorhanden, aber ein solches Konzept gebe es bisher nur in wenigen Kommunen: „Denn dafür müssten Polizeibeamte von anderen Aufgaben freigestellt werden – das scheitert vielerorts noch am mangelnden Personal“, bedauert Hegger.

Ingmar Kreienbrink

Facebook
 
Kommentare
24.03.2011
13:41
GdP sieht auf Dauer kein Land in Problemvierteln
von movienrz | #114

Es fehlt nicht nur an ausreichend Polizisten, sondern auch an ausreichend Knastplätzen.

Ich sach ja schon seit Jahren:

der Bedarf ist riesig - baut mehr Knäste.

24.03.2011
13:22
GdP sieht auf Dauer kein Land in Problemvierteln
von hamborner1234 | #113

#107 Danke für ihre tollen Bemerkungen helfen sehr zu diesem Thema.

24.03.2011
13:00
Blockierter Kommentar.
von cannae216 | #112

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.03.2011
13:00
GdP sieht auf Dauer kein Land in Problemvierteln
von Duisburgernorden | #111

Grundsätzlich ist das Problem im ersten Ansatz ganz einfach : Wir haben Gesetze. Diese sind einzuhalten. Wir haben Richter, die Gesetzesverstöße ahnden und wir haben die Polizei, die das Gesetz schützt und Gesetzesbrecher der Legislative zu führt. Wenn die Polizei zugibt, dass sie das Gesetz nicht mehr flächendeckend schützen kann, ist unser Rechtstaat gefährdet oder in Teilbereichen außer Kraft gesetzt. Mich interessieren als Bürger keinerlei Personalprobleme. Die Polizei hat eine hoheitliche Aufgabe zu erfüllen. Wenn hier etwas nicht stimmt bekommen wir einen Dominoeffekt.
Im Finanzbereich gibt es inzwischen Klagen vorn Steuersündern, die sich darauf berufen, dass sie wegen der ungenügenden Prüferdichte nur durch ein Zufallsprinzip geprüft wurden und hier eine derartige Ungerechtigkeit gegenüber den Nichtgeprüften vorliegt, dass auch sie ihre Steuern nicht nachzahlen müssen. Unser Rechtstaat zerbröselt an vielen Fornten. Gleichzeitig sind hoch qualifizierte Menschen arbeitslos, weil sie Einstellungsvoraussetzungen nicht erfüllen. Warum gibt es nicht sogenannte Hilfssheriffs, die wie Polizei ausgestattet Präsenz zeigen und auch tägliche hoheitliche Handlungen durchführen können ?

24.03.2011
12:55
GdP sieht auf Dauer kein Land in Problemvierteln
von dudu10 | #110

Mich irritiert die Überschrift dieses Artikels. Wieso muss die Polizei in den Griff kriegen, was der Politik bisher nicht gelungen ist ? Wenn es zu Polizeieinsätzen kommt, ist es längst zu spät und es geht ur noch um Schadensbegrenzung in der akuten Situation.
Ausserdem sehe ich diese Gewaltausbrüche nicht als spezielles Problem von Migranten an. Es sagt vielmehr einiges über unsere Stadtgesellschaft aus, die bei weitem nicht so heil ist, wie es mancher gern hätte. Wenn über Jahre Problembereiche dadurch erzeugt werden, dass Migranten in Wohnquartiere mit sozialen Brennpunkten eingewiesen werden, wenn keine konsequente Zuwanderungspolitik betrieben wird und wenn diejenigen, die an den einfachen Menschen aus Ostanatolien damals sehr gut vedient haben, schon lange verschwunden sind, was bleibt dann übrig ? Viele Schwelbrände die sich irgend wan einmal entzünden. Schade dass Duisburg mit diesem Problem erneut nicht umgeht und gewohnt hilflos reagiert. Na ja, der OB wird es schon richten :-)

24.03.2011
12:55
Blockierter Kommentar.
von exgutmensch | #109

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.03.2011
12:55
Blockierter Kommentar.
von La_lutte | #108

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.03.2011
12:53
GdP sieht auf Dauer kein Land in Problemvierteln
von knoeterich | #107

hamborner1234,

und ich erkenne eine Person an ihrer Rechtschreibung!

24.03.2011
12:52
Blockierter Kommentar.
von exgutmensch | #106

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.03.2011
12:50
Blockierter Kommentar.
von Gottfried.v.Bouillon | #105

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aktuelle Fotos und Videos
Abriss des RWE-Stadions
Bildgalerie
RWE
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Aus dem Ressort
Suspendierter islamistischer Polizist kennt geheime Akten
Salafismus
Ein salafistischer Polizist soll auch Glaubensbrüder observiert haben. So konnte er wohl auch streng vertrauliche Dokumente durchforsten. Der Beamte aus Duisburg wurde inzwischen vom Dienst suspendiert. Innenminister Ralf Jäger prüft nun Konsequenzen.
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte im Eichmann-Prozess
Eichmann-Übersetzerin
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte den Prozess gegen NS-Verbrecher Eichmann. Im Bonner Haus der Geschichte erzählt sie, was damals in ihr vorging. „Ich lebte, aß, trank Eichmann“, sagt sie. Trotzdem bekam sie von dem Grauen im Prozess längst nicht alles mit.