Für 355 Arbeitslose platzte der Traum vom Job
02.10.2008 | 06:37 Uhr 2008-10-02T06:37:00+0200
Dortmund. Sie haben Arbeitsverträge und die Hoffnung auf ein Leben ohne Arbeitslosigkeit. Doch die Arbeitslosen wurden enttäuscht: „City-Letter”, ein neuer privater Postdienstleister, schickte seine bis zu 355 neuen Mitarbeiter am ersten Arbeitstag wieder nach Hause. Verdi und ARGE wittern Betrug.
Denn das Berliner Unternehmen hat bereits am 25. September einen wenn auch fehlerhaften Insolvenzantrag gestellt. Das Verfahren wurde aber daher noch nicht eröffnet. Das Charlottenburger Amtsgericht wird mit Anfragen überschüttet: Allein am Mittwoch gab es Anfragen aus Hannover, Cottbus, Leipzig, Frankfurt und Duisburg.
Vermittler kamen Zweifel
In Dortmund spielten sich dramatische Szenen ab: Ehemalige Arbeitslose wollen ihren neuen Job antreten, wurden vertröstet. „Startschwierigkeiten” und „Störmanöver von außen”, hieß es vor Ort als Begründung. Verdi vermutet einen großen Betrug. Denn Bewerbungen liefen nur über Vermittlungsscheine von Arbeitsagentur und ARGE bei privaten Arbeitsvermittlern. Eine direkte Bewerbung war nicht möglich.
Doch auch bei den Vermittlern - in Dortmund waren „Transworkxx” und „Amado 24” für die Mitarbeiterbeschaffung zuständig - mehren sich Zweifel. Zumindest bei „Transworkxx”: Insgesamt 355 Leute hätte „City-Letter” für Dortmund gesucht - vom Zusteller bis zum Niederlassungsleiter, berichtet Klaus Kurek, Geschäftsführer vom „Transworkxx”. Allein sie hätten 150 Arbeitslose vermittelt. Allerdings seien ihnen Zweifel an „City-Letter” gekommen. „Es ist eine ganz ,bescheidene' Situation. Aber wir konnten nicht mehr aus den Verträgen aussteigen”, betont Kurek, dessen Firma bisher erfolgreich mit bekannten Unternehmen zusammengearbeitet hat.
Bis zu 2500 Euro pro Vermittlung
Allerdings hätten sie nichts Handfestes gegen „City–Letter” in der Hand gehabt. Bewusst habe man daher nur für Dortmund akquiriert. „Wir wollten erst sehen, wie es läuft.” Die Zusammenarbeit habe man nun beendet, im Gegensatz zu „Amado24”, so Kurek. Dort wollte man jedoch keine Auskunft geben.
Georg Hohlwein, Fachbereichs-Vorsitzender von Verdi, hatte sich selbst „das Schauspiel” in der Güntherstraße angesehen. „Die Menschen hätten auf die Jobs gebaut. Sie wollten den Jahreswechsel in finanzieller Sicherheit verbringen”, berichtet Hohlwein. Bewegende Szene hätten sich abgespielt. „Die Verträge waren fast schon zu gut, dass einem Postler das Wasser in die Augen schießt.” 1900 Euro brutto, dreizehntes Monatsgehalt, 30 Tage Urlaub. Auf dem Papier gute Jobs - weit entfernt von der Mindestlohndebatte. „Einige Menschen waren schon vorher skeptisch. Sie glauben, dass das Spektakel noch sechs Wochen weiter geht, bis man die Vermittlungsprämien abkassieren kann”, berichtet der Verdi-Funktionär.
Bei Arbeitsagentur und JobCenter ARGE ist man daher hellhörig geworden: Vorerst würden keine Auszahlungen an die Vermittlungsunternehmen getätigt, bestätigt ARGE-Sprecher Christian Scherney. Je nach Länge der Arbeitslosigkeit der Betroffenen würden für eine erfolgreiche Vermittlung zwischen 2000 bis 2500 Euro pro Betroffenem fließen - bei potenziell 355 Arbeitslosen - allein in Dortmund.
13:16
Trotz aller Ungereimtheiten und Warnungen fanden sich in den zahllosen Foren zum Thema CityLetter weitaus mehr Blinde als Warner. Selbst die erst kürzlich durch alle Medien geisternde Krise der privaten Postdienstleister konnte die Mehrzahl der sich dort bewerbenden Hartz4-ler nicht davon abhalten, an Milch und Honig in Form von 1900,- Brutto, 13. Gehalt und Urlaubsanspruch bis zum Abwinken für eine ungelernte Dienstleistung zu glauben.
Ist das Kind logischerweise in den Brunnen gefallen, müssen nun die pösen, pösen Arbeitsvermittler herhalten. Sorry, aber wer dermassen unbedarft die Verntwortung für seine eigene Lage immer nur auf Andere abschiebt, der darf sich bitte nicht wundern, wenn skrupellose Geldabschneider sich seiner annehmen.
13:36
Da wird mit dem Dilemma der Arbeitslosigkeit noch versucht den großen Reibach zu machen.Ganz zu Schweigen von der Versklavung dieser neuen Postdienstleister.
Was ist aus dieser Gesellschaft geworden?
Pfui!!!
14:14
Die Arbeitsuchenden müssen ohne Ende Belege vorlegen, bevor sie einen Euro bekommen, solch kriminelle Elemente kassieren, ohne dass die Arge genau prüft. Irgendwie stimmt da was nicht !? Die Verantwortlichen, ob von der Arge oder aus der Politik müsten mit ihrem privaten Geld dafür haften, dann würde auch genauer geprüft.
00:18
Ein Traumjob !
:-)
13:56
mhm,
toll erst die Hoffnung und dann alles nur ein Traum
:-(
10:49
Sehr interessant zu lesen, was private Arbeitsvermittler alles tun, um an das Geld von der ARGE zu kommen. Denn es war eigentlich von Anfang an klar, dass mit CityLetter etwas nicht stimmen kann. Schon allein die ersten Stellenanzeigen durch CityLetter unter der 0900 Nummer sollten einem skeptischen Menschen die Augen öffnen, aber obwohl alle Zeichen danach weiterhin gegen ein seriös arbeitendes Unternehmen standen, wurde von den Arbeitsvermittlern weitergemacht . Hauptsache der Rubel rollt! Und nach dem das Kind in den Brunnen gefallen ist, wäscht man seine Hände in Unschuld und distanziert sich von dem, was man vorher lauthals propagiert hat. Ich würde mich schämen!!! Und die ARGE sollte ernsthaft über den Sinn und Zweck eines Vermittlungsgutscheins nachdenken bzw. mehr Kontrollfunktionen bei der Erfüllung von Pflichten eines privaten Arbeitsvermittlers einführen.
10:47
Nachtrag:
Am 8. November 2007 hat der Bundestag die Vermittlungsgutscheinregelung bis zum 31. Dezember 2010 verlängert. Der Bundesrat wird Ende November zustimmen, was reine Formsache ist. Veränderungen betreffen die Wartezeit, die von bisher 6 Wochen auf 2 Monate verlängert wurde, die mögliche Gutscheinhöhe, die bei Langzeitarbeitslosen und Behinderten auf 2500,- € aufgestockt werden kann, und die Möglichkeit per Verordnung auch höhere Vergütungen (bisher nur niedrigere) zu erlassen (siehe Beschlussvorlage Bundesrat 743/07)
Der Bundesrechnungshof (BRH) hatte das Vermittlungsgutscheinverfahren geprüft. Seinerzeit wurden in knapp einem Drittel der Fälle Anhaltspunkte oder Nachweise für Missbrauch oder Mitnahmeeffekte gefunden.
Das lohnt sich doch für die Vermittler und Arbeitgeber!
Es wird nicht wenige Arbeitgeber und Vermittler geben, die Hand in Hand arbeiten.
Nach der gesetzlichen Frist wird den Arbeitnehmern gekündigt und das Spiel geht wieder von vorne los.
Oben drauf gibt es für die Arbeitgeber noch ein Extra-Zuckerchen, den Eingliederungszuschuss.
Dem Arbeitgeber können bis zu 50 Prozent des regelmäßig gezahlten Arbeitsentgelts sowie des pauschalierten Arbeitgeberanteils am Gesamtsozialversicherungsbeitrag als monatlicher Lohnkostenzuschuss für die Dauer von längstens zwölf Monaten gezahlt werden.
Für ältere, schwerbehinderte oder sonstige behinderte Menschen kann der Leistungsumfang erweitert werden.
Und da wundert man sich, dass Hartz 4 immer teurer wird!
Daher kann es nur lauten:
Weg mit Hartz 4 und zurück zu den davor geltenden und Bestimmungen und Leistungen!
10:37
Denn Bewerbungen liefen nur über Vermittlungsscheine von Arbeitsagentur und ARGE bei privaten Arbeitsvermittlern.
Bis Ende 2004 betrug die Vermittlungsprämie je nach Dauer der Arbeitslosigkeit zwischen 1.500 Euro und 2.500 Euro, seit dem 1. Januar 2005 einheitlich 2.000 Euro, seit dem 1. Januar 2008 kann sie für Langzeitarbeitslose und Schwerbehinderte auf 2.500 erhöht werden, wenn dies ein Vermittlungsgutschein ermöglicht. Auf diese Prämie muss der private Arbeitsvermittler jedoch die volle Umsatzsteuer abführen. Somit erhält der Arbeitsvermittler für Vermittlungen mit mindestens 6-monatiger Dauer maximal 1.680,67 Euro.
Für die Auszahlung muss der Vermittler eine Beschäftigungsbestätigung des Arbeitgebers nach den jeweiligen Fristen vorlegen.
Eine Bestätigung des Arbeitnehmers ist nicht notwendig.
09:17
Das was den Menschen dort passiert ist - habe ich selbst dreimal erlebt.
Fakt - man ist weiter arbeitssuchend, das ganze macht sich echt beschissen im Lebenslauf und die ARGE und neue Arbeitgeber gucken Dich immer noch doof an.
Diese Art von Unternehmensführung und Gründung hat im Moment Hochkonjunktour.
Und das schlimmste ist Banke, ARGE, Arbeitsamt - alle scheinen es den Arbeitgebern einfach zu machen diese zu betrügen - Wirtschaftshaie.
Mein vorletzter Chef im übrigen - befindet sich in Südafrika und führt dort nun ein eigenes Reiseunternehmen - er ist Südafrikaner.
Südafrika liefert Wirtschaftskriminelle nicht aus.
Zum Abschied stand in den leeren Büros für jeden Mitarbeiter eine Flasche Scotch Whisky, nur keiner von uns mag Alkohol.
Aber das Leben geht weiter!
08:53
Bei unseren unfähigen und verantwortungslosen Politikern und ebensolcher Justiz ist heute alles möglich, was von solchen großen und kleinen heuschrecken und Betrugsunternehmen an asozialen Handeln täglich vorkommt.