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Kriminalität

Fünf Jahre nach Morden im „Da Bruno“ - wie die Polizei die Mafia jagte

13.08.2012 | 19:21 Uhr
Fünf Jahre nach Morden im „Da Bruno“ - wie die Polizei die Mafia jagte
Der Tatort der Morde in Duisburg. Heute gibt es das „Da Bruno“ nicht mehr. Foto: dapd

Duisburg.   2007 wurden in der Duisburger Pizzeria „Da Bruno“ sechs Menschen ermordet. Die Täter stehen jetzt im süditalienischen Locri vor Gericht. Holger Haufmann war der Duisburger Chef-Ermittler. Fünf Jahre lang wühlten er und sein 90 Leute starkes Team sich in die Innereien der organisierten Kriminalität.

Fünf Jahre sind ins Land gezogen seitdem. Eine lange Zeit, und das „Da Bruno“, der Mafia-Laden von damals, heißt längst „Franky’s“, serviert biedere Wiener Schnitzel statt Carpaccio, der italienischen Spezialität, für die rohes Rindfleisch mit einem sehr scharfen Messer in hauchdünne Scheiben zerlegt wird. Ein Gemetzel war das vor fünf Jahren, als die Killer nachts gegen zwei Uhr ihren Opfern auflauerten, sie mit 70 Schüssen niederstreckten. Duisburg denkt heute kaum noch daran, hat andere Sorgen. Die Täter jedoch, sie sitzen gerade jetzt vor Gericht. Im süditalienischen Locri, nahe dem Ort, aus dem sie alle stammen: San Luca.

Er muss keine Akten bemühen, rasselt Daten herunter wie andere die Geburtstage ihrer Kinder. Er kennt die Namen von Opfern und Tätern, von Helfern und Ehefrauen, obwohl sie alle Strangio, Nirta oder Pelle heißen und irgendwie wohl auch miteinander verwandt sind. Kriminaldirektor Holger Haufmann ist der Duisburger Chef-Ermittler in Sachen Mafia, in Sachen ‘Ndrangheta’, wie sich die Clans aus San Luca nennen.

Fünf Jahre wühlten er und sein über 90 Leute starkes Team sich in die Innereien der organisierten Kriminalität, reisten nach Italien und in die Niederlande, observierten, waren an den Festnahmen beteiligt. „Die Ermittlungen waren elektrisierend“, schwärmt Haufmann. Nie zuvor habe er erlebt, wie eine Mordkommission „so beharrlich, ideenreich und mit derartigem Durchhaltevermögen arbeitete“ wie die MK Mülheimer Straße.

Video-Konferenz mit dem Gericht im italienischen Locri

Die Ermittlungen sind inzwischen abgeschlossen. Vorerst zumindest. Im seit Monaten laufenden Prozess gegen zwei der drei Haupttäter, gegen Guiseppe und Sebastiano Nirta, ist ihr Wissen jedoch unverzichtbar. Sie müssen erneut die Beweise für die sechs Morde liefern, auch wenn der dritte Täter, Giovanni Strangio, bereits vor einem Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Per Videokonferenz werden die Duisburger Fahnder regelmäßig in den Gerichtssaal von Locri zugeschaltet, sprechen über DNA-Spuren, über Tatfahrzeuge, konspirative Wohnungen und observierte Ehefrauen, die die Fahnder zu den Mafiosi führten.

Kleinigkeiten, die Großes auslösen. Giovanni Strangio etwa war schon früh, wenige Wochen nach der Tat, als einer der Täter entlarvt worden. Seine DNA wurde vermengt mit Schmauchspuren der Munition aus dem Sechsfachmord in dem Fluchtwagen gefunden, den die Täter später im belgischen Gent stehen gelassen hatten. Doch erst im März 2009 gelingt es den Fahndern, Strangio in Amsterdam festzunehmen.

Die in einer Mafiosi-Wohnung gefundene Umweltplakette hatte die italienischen Ermittler zu einem in Frankfurt lebenden Italiener geführt. Sie beobachteten den Mann, wie der sich in Amsterdam mit weiteren Italienern traf, fotografierten sie und schickten diese Fotos den Duisburgern.

„Am Ende blieb exakt ein Wagen übrig“

„Franco Romeo war für uns sofort zu erkennen. Der andere schien uns unbekannt. Die italienischen Kollegen observierten weiter, schickten neue Bilder. Und siehe da: Das war die Ehefrau von Giovanni Strangio. Strangio selbst hatte sein Äußeres so verändert, dass wir ihn nicht sofort erkannt hatten“, so Haufmann. Am 12. März 2009 wurden Strangio und Romeo festgenommen.

Mühselige Kleinarbeit. Wie bei der Ermittlung des Tatfahrzeuges. Das „Da Bruno“ befand sich im Erdgeschoss des Klöckner-Hochhauses und damit im Visier zahlreicher Videokameras. „Die stammten noch aus der Zeit des Links-Terrorismus und waren von dementsprechender Qualität. So erkannte man auf den Videos nur einen Wagen, der etwa die Größe eines Polos hatte“, sagt Haufmann.

Um den Autotyp zu ermitteln, stellte man die Szene nachts am Tatort nach, ließ diverse Kleinwagen passieren und verglich auf den Videos Lichtreflexe, Kennzeichen-Beleuchtung und vieles mehr. „Am Ende blieb exakt ein Wagen übrig. Ein Renault-Clio. Der Wagen eben, der im belgischen Gent gefunden wurde. Auf dem Fahrersitz die DNA von Giovanni Strangio.

Die Morde sind aufgeklärt. Die Mafia, die ‘Ndrangheta, längst nicht besiegt. Auch in Duisburg leben noch zig Menschen aus San Luca, dem Mafia-Dorf. Haufmann: „Wir wissen, wer hier ist, über wen wir Erkenntnisse haben!“

Hayke Lanwert

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2012-08-13 19:21
Rhein und Ruhr