Fotos halbnackter Schüler im Nachlass eines Jesuiten-Paters
15.02.2011 | 22:34 Uhr 2011-02-15T22:34:00+0100Bonn. Der Abschlussbericht über das Aloisiuskolleg in Bonn belegt den Missbrauch und gibt deprimierende Einblicke in den Alltag der Schule. Der Haupttäter stieg sogar bis zum Schulleiter auf. In seinem Nachlass fand man Kisten voller verdächtiger Fotos.
Die Parallelen zur elitären Odenwald-Schule sind augenfällig: Auch im Bonner Aloisiuskolleg, einem Internat der Jesuiten, missbrauchten Patres und Lehrer ihre Schüler. Und hier wie dort steht im Zentrum der Vorwürfe ein charismatischer Schulleiter. Der Bonner, so scheint es, war zudem machtbesessen. Ein Abschlussbericht, der am Dienstag vorgestellt wurde, gibt deprimierende Einblicke in den Alltag des Kollegs.
Da ist die Geschichte des Elfjährigen am Tag seiner Ankunft am Aloisiuskolleg. Noch heute erzählt der inzwischen erwachsene Mann, wie er sich geschämt hatte, wie bedrohlich er die Situation empfand. Am Abend seines ersten Tages in der Schule wird er von dem Pater aufgefordert, seinen Kulturbeutel zu holen, ihm in den Keller zu folgen. Er hatte erwartet, duschen zu müssen. Stattdessen fordert der Pater ihn auf, sich auszuziehen, Rad zu schlagen und in den Handstand zu gehen. Der Pater fotografierte ihn währenddessen. Es war dem Jungen fremd, entsetzlich. Und er hatte Angst vor dem Pater.
150 Menschen hat die Kölner Juristin Julia Zinsmeister befragt. Jesuiten, Mitarbeiter, frühere Schüler. Ihr Abschlussbericht nennt 58 Berichterstatter. Schülerinnen und Schüler, die in den letzten 60 Jahren am Aloisiuskolleg Gewalt, Demütigungen und sexuellen Missbrauch ausgesetzt waren. „Berichterstatter“ nennt Zinsmeister sie, weil die zumeist männlichen Opfer eben diesen Begriff ablehnen. Auch das ist eine Parallele zur Odenwald-Schule.
Jesuiten mühen sich um Aufklärung
Als Täter zählt Zinsmeister insgesamt 23 Personen, von denen 18 dem Orden angehören. Mehr als die Hälfte der Berichte betreffen jedoch nur diesen einen Pater, der bald 40 Jahre am Kolleg verbracht hat, der bis zum Schulleiter aufgestiegen war. Ein machtbesessener Mann, in dessen Nachlass sich später Kisten von Fotos halbnackter Zöglinge fanden. Pater Georg, wie sein Pseudonym im Abschlussbericht lautet, lebte bis 2008 am Kolleg, verstarb im vergangenen Sommer, ohne sich je zu den Vorwürfen geäußert zu haben. Strafrechtlich verjährt sind die ohnehin.
Die Jesuiten mühen sich nun um Aufklärung der sexuellen Grenzüberschreitungen, der Geschichten um rektales Fiebermessen, um Schläge auf nackte Jungenkörper, um das Abseifen Zehn- bis Zwölfjähriger durch die Patres. Der letzte Schulleiter, Pater Theo Schneider, trat vor einem Jahr von seinem Amt zurück. Er, der als Ziehsohn Pater Georgs gilt, wollte, so hieß es damals, einer Aufklärung nicht im Wege stehen. Schneider wurde zur Jesuiten-Kommunität nach Mannheim versetzt.
Längst haben sich die Geschädigten zu einer Initiative „Eckiger Tisch“ zusammengetan. Eine von ihnen, Mutter eines heute 35-Jährigen, hatte Strafanzeige erstattet. Ihr Sohn war damals vorzeitig von der Schule abgegangen, erkrankte an einer Psychose. Erst heute versteht sie dessen Andeutungen zu Schulzeiten.
23:53
Wären verheiratete Priester
nicht deutlich weniger geneigt,
solche Missbrauchshandlungen zu begehen?
10:34
Einfach nur widerlich - und alles im Namen Gottes. Müsste er nicht spätestens da eingreifen?!
10:28
Selbstverständlich hat ein Lehrer weder seine Schüler halbnackt oder nackt abzulichten noch mit ihnen unter die Dusche zu gehen. Dennoch scheinen mir doch noch erhebliche Unterschiede zwischen den Fällen an der Odenwaldschule, wo es zu Sex im engeren Sinne zwischen Lehrern und Schülern gekommen ist, und den Fällen am Aloisiuskolleg gegeben zu sein. Die Medien täten gut daran, mit dem Begriff Missbrauch nicht ganz so inflationär umzugehen und die möglichen Abstufungen hierbei zu berücksichtigen. Und dass jemand lebenslange Depressionen hat, weil ein Lehrer ihn einmal halbnackt abgelichtet hat, will mir auch noch nicht so ganz einleuchten! Ich denke, die Fälle bedürfen noch einer etwas gründlicheren und nicht ganz so effekthascherischen Aufarbeitung!
09:05
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08:31
Gott sei Dank, dass es so viele Menschen gibt, die sehr deutliche Worte finden zu solchen Schweinereien. Man kann die Kirche/n eigentlich nur strafen, wenn man austritt. Leider werden sie ja mit Zuwendungen aus Steuern anderweitig bedacht. Ich glaube nämlich nicht, dass sich in den Köpfen wirklich grundlegend was ändert.
08:27
Die Ansicht meines Vorredners führt dazu, dass Eltern nichts unternehmen. Weil Sie ihre Kinder nicht ernst nehmen, weil Sie es in Ordnung finden wie dort Kinder behandelt werden, weil Sie es ja selbst nicht besser getroffen haben und weil schlicht nicht sein kann, was nicht sein darf. Erbärmlich.
07:43
Wer ist jetzt krank???
Fotos halbnackter Schüler im Nachlass eines Jesuiten-Paters
Was ist denn dabei - ich hab 100e Fotos - von mir und anderen. Beim Boxen waren wir Jungs halbnackt, beim Schwimmen, im Sommer beim Fussball......
Ja, es sind schlimme Dinge passiert. Aber was nun läuft, auch leider in dem Artikel der WAZ, das ist noch schlimmer: Menschenjagd!
Und wenn nun jeder, der wegen Faulheit! (für Dummheit kann niemand) die Schule verlassen musste, das jetzt den Patres und Erziehern zuordnet, weil er beim Duschen die Unterhose ausziehen musste..... Dann fordere ich auch Schmerzensgeld! Ich hab 2x täglich die Zähne putzen müssen, die sind dadurch ganz weiß geworden!
Schläge waren zu meiner Schulzeit vor 40-50 Jahren leider normal, sogar gesetzlich erlaubt! Ist das vergessen?
Wir sollten uns freuen, dass es das heute nicht mehr geben darf, und nicht über die Vergangenheit richten - wie war das mit dem ersten Stein werfen???
07:18
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04:47
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01:58
Nachtrag zu # 8
Sicher gibt es in diesem Kolleg eine Aufzeichnung, welche Schüler vorzeitig, vor dem regulären Abschluss, diese Schule verlassen haben. Diese Schüler, soweit sie nicht zu dem Kreis befragter Schüler gehören, sollte man gezielt befragen, warum sie die Schule verlassen haben. Der ein oder andere Betroffene wird zugeben, dass der Grund die sexuelle Belästigung war.
Die Eltern dieser Schüler sollte man wegen Beihilfe oder Vertuschung einer strafbaren Handlung vor Gericht stellen.