Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Asyl

Flüchtlinge protestieren vorm Landtag gegen Heimbedingungen

11.07.2012 | 19:35 Uhr
Flüchtlinge protestieren vorm Landtag gegen Heimbedingungen
Arash Dosthossein (32), iranischer Flüchtling und Demonstrant im Düsseldorfer Camp.

Düsseldorf.   Vor dem Landtag richteten Aktivisten ihr Lager ein – wie in mehreren Städten bundesweit. Den Stein brachte auch der Iraner Arash Dosthossein ins Rollen. Weil er nicht zu seiner Freundin reisen durfte.

Eine Brise kommt auf, das Zelt rutscht über den Johannes-Rau-Platz vor dem Düsseldorfer Landtag – und die Demonstranten eilen hinterher, ihr Symbolobjekt wieder einzufangen. Eigentlich wollten sie tatsächlich campieren in dem Zelt , um auf die aus ihrer Sicht unzumutbaren Zustände in Flüchtlingsheimen aufmerksam zu machen. So wie die anderen Aktivisten in mehreren Städten bundesweit. Doch die Polizei hatte das verboten. Die Demonstranten dürfen zwar über Nacht bleiben, geschützt von einem Pavillon an einem Brückenaufgang, nur schlafen dürfen sie hier nicht . Alles ist provisorisch und unorganisiert in diesem Lager. Aber es hat eine Geschichte.

Die beginnt mit den ersten Studentenprotesten im Iran vor fünfeinhalb Jahren. Der Politikstudent Arash Dosthossein war einer der Aktivisten, lange vor dem arabischen Frühling. Und er bezahlte mit seiner Freiheit. Als das Regime Dosthossein nach einigen Monaten aus dem Gefängnis ließ, flüchtete er in die Türkei. Als sein Asylverfahren dort zu scheitern drohte, ließ er sich von Schmugglern zunächst nach Griechenland bringen, per Boot und zu Fuß über die Berge, um dann mit falschem Pass nach Deutschland zu fliegen. In Dortmund, wo eine Bekannte wohnte, stellte er erneut einen Asylantrag.

Bei Verstoß gegen die "Residenzpflicht" droht ein Jahr Gefängnis

Man wies ihm eine Unterkunft im Sauerland zu, in Hemer, und erklärte ihm, dass er den Bezirk seiner Ausländerbehörde nicht verlassen dürfe. Bei wiederholtem Verstoß gegen diese „Residenzpflicht“ droht einem Asylbewerber bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe. Arash Dosthossein bekam 40,90 Euro Taschengeld und Lebensmittelgutscheine im Wert von etwa 185 Euro – das sind 40 Prozent weniger Geld als ein Hartz-IV-Empfänger bekommt. Das Bundesverfassungsgericht urteilt nächste Woche, ob dieser Satz erhöht werden muss. „Ich fühlte mich gefangen, konnte nicht atmen, in meinem kleinen Raum, der mich an meine Zelle erinnerte“, sagt Dosthossein. „Das Schlimmste war jedoch, dass ich meine Freundin in Würzburg nicht besuchen durfte.“ Nach fünf Monaten im Heim beschloss der 32-Jährige, die Residenzpflicht zu ignorieren und ging nach Würzburg, um dort mit weiteren Iranern öffentlich zu protestieren. Sie brachten eine Welle ins Rollen.

Verschiedene Flüchtlingsorganisationen schlossen sich an. Das Würzburger Zeltlager existiert noch immer. Im benachbarten Aub, in Bamberg und in Osnabrück entstanden weitere Camps. In Düsseldorf haben rund 50 Aktivisten am Dienstag nach einem Protestmarsch das Lager eingeweiht, in Regensburg soll ein weiteres entstehen. „Kein Mensch ist illegal“ haben die Aktivisten sich auf die Pullover geklebt – und das ist auch schon der Kern ihres Anliegens.

Ein Häuflein, ignoriert von den Passanten

Da ist „Vicky“, von der Occupy-Bewegung , die sagt: “Sie haben keine Aufenthaltsgenehmigung, weil sie nicht arbeiten. Und sie bekommen keine Arbeit, weil sie keine Aufenthaltsgenehmigung haben.“ „Sharon“ von der „Roten Antifa“ aus Essen, die sich solidarisch zeigen will. Die Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative ist vertreten und der Verein „Karawane“. Tagsüber sind sie nur ein Häuflein, ignoriert von den Passanten. Jeden Abend um 20 Uhr wollen möglichst viele zusammenkommen – vier Monate lang.

Und Dosthossein, der seit Monaten von Spenden lebt, koordiniert mit dem Handy die Proteste. Sein Schicksal wird vom Düsseldorfer Verwaltungsgericht entschieden, erklärt sein Anwalt Marcel ­Keienborg. Offenbar hat der Protest in Würzburg eine gewisse Wirkung gezeigt. Acht Iraner waren dort im Hungerstreik, fünf von ihnen hätten mittlerweile politisches Asyl bekommen, sagt ­Keienborg. Dosthossein selbst erklärt, er sei „schon immer politisch gewesen, und es geht mir auch jetzt darum, die Zustände zu ändern. Aber egal was passiert, ich gehe nicht zurück ins Heim.“

Topfschlagen für Systemkritiker

 

Thomas Mader

Facebook
 
Kommentare
12.07.2012
15:07
Flüchtlinge protestieren vorm Landtag gegen Heimbedingungen
von veh_wacker | #21

Wieder ein schönes Märchen für linksgrüne Sozialphantasten (politisch korrekt: Aktivisten), einmal gegähnt, jetzt zur Tagesordnung.

12.07.2012
08:56
Flüchtlinge protestieren vorm Landtag gegen Heimbedingungen
von B.Schmitz | #20

Wenn es ihnen nicht passen können sie schließlich wieder zurück. Sollen sich in den Zug setzen und weg. Auf Kosten des deutschen Steuerzahlers leben und dann noch rummeckern. Wir haben diese schließlich nicht gebeten nach Deutschland zu kommen.

1 Antwort
Flüchtlinge protestieren vorm Landtag gegen Heimbedingungen
von annaberg | #20-1

sie haben recht. aber wir werden das nicht ändern können.

12.07.2012
08:13
Flüchtlinge protestieren vorm Landtag gegen Heimbedingungen
von GrafVonDingelstein | #19

Den Flüchtlingen werden und wurden intakte Heimplätze überlassen.
Zimmer, Küchen und Bäder waren vor dem Bezug in einwandfreiem Zustand!
Wer ist für die miserablen Verhältnisse in den Heimen dann verantwortlich?
Ferner stellt sich die Frage, warum kommen ausgerechnet die Menschen in diesen Unterkünften nicht miteinander aus, die doch das gleiche Schicksal teilen?
Die finanzielle Ausstattung der Flüchtlinge wäre diskutierbar. Allerdings auch nur dann, wenn sich diese an geltende Gesetze halten.
Alles ANDERE ist Anarchie und nicht zu akzeptieren. Das sollten auch Unterstützer überdenken.

12.07.2012
07:17
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #18

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #18-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.07.2012
07:14
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.07.2012
06:50
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #16

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.07.2012
06:32
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.07.2012
05:53
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.07.2012
01:44
Flüchtlinge protestieren vorm Landtag gegen Heimbedingungen
von Klubchef | #13

KAnn der sich nur beschweren ode rhat er sich mal um ehrenamtliche Arbeit bemüht?

12.07.2012
01:21
wichtig und richtig.
von Komisch66 | #12

Wichtig und richtig ist der Protest des jungen Mannes, der bereits in seinem Herkunftsland die Hölle durchleben musste. Es kann icht angehen, dass Asylbewerber weniger als Hartz 4 Empfänger bekommen, da sich Hartz 4 ja bekanntlich am Existenzminimum orientiert. Hier MUSS eine deutliche Anhebung her und da das Verfassungsgericht noch tagt, scheint es sich die Entscheidung auch nicht leicht zu machen, was hoffen lässt.
Wichtiger ist aber noch, dass die wenigen sozialen Kontakte die dieser Mensch hier fernab der Heimat noch hat per Gesetz nicht wahrgenommen werden dürfen. Welcher Staat nimmt sich das Recht heraus, Menschen von einander zu separieren? Man muss sich ja schämen.
Es ist dringend notwendig, dass hier die Anliegen der Asylbewerber maßgeblich berücksichtigt werden und -nach all dem Leid, welches sie erfahren haben- jetzt endlich Offenheit und Verständnis aufgebracht werden und diese Menschen willkommen geheißen werden.

1 Antwort
Flüchtlinge protestieren vorm Landtag gegen Heimbedingungen
von Deepyello | #12-1

Also wenn ich im Iran im Gefängnis gesessen hätte, würde ich jedem Gastland auf Knien danken. Er bekommt Essen, Kleidung und Unterkunft. Sicher alles in einem sehr bescheidenen Rahmen, aber dafür ist er frei, auch wenn er seinen Bezirk nicht verlassen darf. Er setzt sich über die Asylgesetze hinweg und reskiert eine Gefängnisstrafe. Hätte ich im Iran im Gefängnis gesessen, würde ich das Risiko nicht eingehen. Meine Angst vor dem Gefängnis wäre viel zu groß. Die Gesetze haben ja einen Grund. Viele kommen mit falschen Pässen, falscher Identität und einer falschen Biographie. Kaum ein Land auf dieser Welt geht so großzügig mit den Asylbewerbern um wie Deutschland. Wenn hier wirklich alles so schrecklich ist, er meint Gesetze missachten zu müssen, dann sei die Frage erlaubt, warum er nicht wieder in seine Heimat fährt.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6871838/create

Fotos und Videos
"Luft und Liebe" in Duisburg
Bildgalerie
Elektro-Festival
Düsseldorfer Jazz Rally
Bildgalerie
Festival
Bäume brauchen Liebe
Video
Umweltschutz
Alle Stationen der 901
Bildgalerie
Duisburg-Mülheim
Aus dem Ressort
Messer-Attacke auf Mülheimer Polizisten - Täter angeschossen
Gewalt
Ein Beamter der Mülheimer Polizei ist am Morgen bei einem Einsatz in Saarn mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden. Ein Polizist gab auch Schüsse aus seiner Dienstwaffe ab und stoppte so den Angreifer. Um die Hintergründe zu ermitteln, wurde eine Mordkommission eingerichtet.
Investoren legen offenbar Angebote für Sachtleben vor
Chemiekonzern
Nachdem es bei Investoren zunächst wenig Interesse gab, wird nun der Verkauf der Duisburger Rockwood-Tochter Sachtleben konkreter. Erste Offerten seien für den Chemiekonzern vorgelegt worden, heißt es. Sachtleben ist einer der führenden Hersteller des Weißpigments Titandioxid.